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„Stagnation ist für mich ein Rückschritt“

Salopp gesagt, ist es die Aufgabe von Markus Apfelbacher, Kulturschaffende dabei zu unterstützen, ihre Kunst an den Mann oder an die Frau zu bringen. Momentan ist aber natürlich alles anders. Deshalb kümmert er sich zurzeit vor allem um coronabedingte Sonderprojekte, wie beispielsweise das Programm „Frei sein, und nicht allein“.

Markus Apfelbacher berät Kulturschaffende
Markus Apfelbacher berät Kulturschaffende in der Stadt – in Zeiten von Corona natürlich mit dem gebührenden Abstand. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

13. Mai 2020

Offiziell nennt sich Markus Apfelbachers Job „Kulturberater“ oder neudeutsch „Consultant for Artists“. Seine Aufgabe ist es, die Kulturlandschaft in Regensburg aktiv zu unterstützen. Dazu gehört die Beratung von Veranstaltern genauso wie die Vermittlung von Weiterbildungsmöglichkeiten, die Vernetzung unter den Kulturschaffenden und natürlich die klassische Kulturberatung.

Der bisherige Lebenslauf des 25-Jährigen lässt aufhorchen: Abitur am Goethe-Gymnasium, danach Grundstudium für Kulturwirtschaft an der Uni Passau, ein Auslandssemester in Straßburg, anschließend Bachelor BWL mit dem Schwerpunkt Marketing. Mit noch nicht 23 Jahren war er bei Audi in Ingolstadt im Event- und Sportmarketing mitverantwortlich für die Audi-Präsentationen bei Großveranstaltungen, wie beispielsweise die IAA und im Kooperationsmanagement, Markt Deutschland tätig. Aber das reichte ihm noch nicht. Zusätzlich absolvierte er an der Uni in Ingolstadt sein Masterstudium in BWL mit dem Schwerpunkt „Marktorientierte Unternehmensführung“, das er aktuell abschließt.

Intensive Einblicke

Den Kontakt zu seiner Heimatstadt Regensburg hat Apfelbacher nie verloren. Bereits als 16-Jähriger engagierte er sich als „Mädchen für alles“ im Helferteam des Kulturamts. „Da habe ich über die Jahre hinweg immer mehr Einblicke bekommen und mehr und mehr Verantwortung übernommen“, erklärt er. Diese Erfahrungen kommen ihm jetzt natürlich sehr zugute!

Auch wenn er sich in seiner Freizeit der Fotografie widmet und besonders gerne die Menschen in fremden Ländern auf die Platte bannt – dem Klischee des typischen und eher bohèmehaften Künstlers entspricht Apfelbacher in keiner Weise. Dazu ist er viel zu tough. Und das ist auch gut so, kann er doch als Betriebswirt mit einem guten Gespür für Wirtschaftlichkeit, genau da ansetzen, wo es in der Kulturszene oft hakt. „Ich sehe meine Position als klassische Beraterfunktion“, unterstreicht er. „Das bedeutet, dass ich die Bereiche auffangen kann, wo viele Künstler am ehesten Hilfe benötigen.“ So berät er beispielsweise bei der Erstellung von Websites, erklärt die Tücken der Finanzierung von Projekten und erarbeitet gemeinsam mit den Kulturschaffenden Lösungen, beispielsweise für Marketingkonzepte oder die Beschaffung von Fördermitteln, denn: „Das sind die Punkte, wo viele Unterstützung benötigen.“

Frei sein, und nicht allein

Frei sein, und nicht allein

In einer Zeit, in der freischaffende Künstlerinnen und Künstler um ihre Existenz bangen, ist es Apfelbacher und seinen Kolleginnen und Kollegen im Kulturamt ein wichtiges Anliegen, kontaktlose Plattformen für Kunst zu schaffen. Auf Initiative von Kulturreferent Wolfgang Dersch, dem es am Herzen liegt, in diesen schwierigen, von der Corona-Pandemie geprägten Zeiten, die Regensburger Künstlerszene aktiv zu unterstützen, nahm er Kontakt mit dem Kulturamt der Stadt Heidelberg auf, das gemeinsam mit dem Theater der Stadt und der Rhein Neckar Zeitung mit „Solo fantastico“ eine digitale Bühne für die freie Kulturszene geschaffen hatte. In Anlehnung daran entstand das Solidaritätsprojekt des Kulturreferats mit dem Theater Regensburg „Frei sein, und nicht allein“, das sich an lokale Künstlerinnen und Künstler wendet und von der Mittelbayerischen Zeitung als Kooperationspartnerin medial begleitet wird.

„Dem Kulturreferat und dem Kulturamt war es sehr wichtig, in diesen für Freiberufler sehr unsicheren Zeiten, ein Zeichen zu setzen und Künstlerinnen und Künstler aktiv und so schnell und unbürokratisch wie möglich zu unterstützen“, erklärt Apfelbacher. 50 000 EUR konnten so durch Stadtratsbeschluss aus dem Corona-Nothilfe-Programm (CNPR) für dieses neue Projekt zur Verfügung gestellt werden. Bis zum 3. Mai 2020 konnten Kulturschaffende aus Stadt und Landkreis in ihren Wohnungen kurze Videos drehen und so ihren Alltag in Corona-Zeiten und ihre Kunst für ein Honorar von 500 Euro präsentieren.

Breites Spektrum der lokalen Kulturarbeit

„Ich habe mit etwa 50 Einsendungen gerechnet“, sagt der Kulturberater. „Am Ende sind es ziemlich genau 80 Kurzfilme geworden.“ Sie zeigen ein breites Spektrum der lokalen Kulturarbeit. „Da gibt es beispielsweise einen Musiker, der hat Sounds aus seiner eigenen Wohnung, wie das Zuklappen der Kühlschranktür oder das Rauschen des Wasserhahns, zu einer eigenen Komposition zusammengefügt und dem Ganzen mit entsprechenden Texten noch einen direkten Bezug zur Corona-Krise gegeben“, erzählt Apfelbacher begeistert. Aber auch Artisten, Schriftsteller, eine Illustratorin, eine Opernsängerin und Schauspieler hätten sich mit kreativen Beiträgen beteiligt. „Breit gefächert, sehr divers und qualitativ hochwertig“, fasst er das Ergebnis zusammen.

Das Projekt soll nach Möglichkeit nicht das letzte sein, betont er: „Wir stellen grade ganz unterschiedliche Überlegungen an, wie wir das kulturelle Leben in unserer Stadt in dieser schwierigen Zeit aktiv unterstützen können.“

„Ehrgeiz ist für mich keine Schwäche“

Dass er auch weitere Projekte mit großer Power angehen wird, nimmt man ihm sofort ab. „Stagnation ist für mich ein Rückschritt“, erklärt er entschieden. „Ich bin sehr  ehrgeizig und das sehe ich nicht als Schwäche.“ Dennoch räumt er der Familie einen hohen Stellenwert in seiner Lebensplanung ein und könnte sich auch vorstellen, für Kinder beruflich zurückzustecken, „je nachdem, wie es halt zur Lebenssituation passt“.

Und er plant auch schon für die Zeit nach Corona: „Dann klappt’s ja vielleicht doch noch mit der Weltreise und natürlich ganz vielen tollen Fotos – egal ob mit oder ohne Kind!“

Text: Dagmar Obermeier-Kundel