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„Ich muss einfach raus an die frische Luft“

Matthias Peter arbeitet als Landschaftsgärtner beim Gartenamt.

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Matthias Peter arbeitet am liebsten an der frischen Luft. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

24. April 2021

Als Landschaftsgärtner und Vorarbeiter kümmert sich Matthias Peter zusammen mit sieben Kolleginnen und Kollegen um die städtischen Grünflächen im inneren Westen. Er ist zuständig für Grünstreifen, Spielplätze, Sportanlagen und für die beiden grünen Lungen, den Stadtpark und den botanisch besonders wertvollen Herzogspark.

„Den ganzen Tag im Büro am PC sitzen, das kann ich mir echt nicht vorstellen“, sagt der 25-Jährige, der am liebsten bei Wind und Wetter draußen arbeitet und den zunehmenden bürokratischen Aufwand, den auch sein Job mit sich bringt, eher kritisch beäugt. Auf dem elterlichen Gemüsebauernhof in Kneiting half er schon als Kind mit und begleitete in den Ferien seinen Vater zu dessen Arbeit als Gärtner in Schloss Spindlhof. Sein Highlight: Der Rasentraktor, mit dem er ab und an mähen durfte. So waren ihm Pflanzen und Maschinen gleichermaßen von Kindesbeinen an vertraut und immer zog es ihn an die frische Luft. Ein Praktikum im Gartenamt bestärkte ihn in seinem Entschluss, eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner zu absolvieren. 2015 schloss er die dreijährige Lehrzeit ab, seit 2018 ist er Vorarbeiter und seit 2020 Stellvertreter des Bezirksmeisters.

Es ist ein großes Gebiet, für das er zuständig ist. Es reicht von der Westumgehung bis zum Jakobstor und umfasst neben dem Straßenbegleitgrün und den beiden Parks auch die Grün- und Sportflächen von Goethe-Gymnasium und Albertus-Magnus-Gymnasium sowie die Spielplätze an der Hundsumkehr, der Dalbergstraße, im Stadtpark und bei St. Fidelis. Demnächst kommt noch der Unterhalt der Freiflächen an der neuen Kreuzschule hinzu.

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Wenn der Winter zu Ende geht, muss das Laub aus den Beeten entfernt werden. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Jetzt werden die Parks fit für den Sommer gemacht

Mit ein bisschen Rasenmähen und Unkrautjäten ist es dabei aber nicht getan. Das Gartenjahr beginnt im Februar mit dem Entfernen des Laubs, das die Rabatten im Winter vor Frost geschützt hat. Und weil an manchen Stellen bereits die Frühblüher zaghaft aus dem Boden sprießen, muss das oft per Hand erledigt werden, um die zarten Pflänzchen nicht zu beschädigen. Alte Stauden, die allerlei Kleinlebewesen ein warmes Winterquartier geboten hatten, werden jetzt zurückgeschnitten. Wenn Streugut in die Rasenflächen gelangt ist, muss dies sorgsam ausgerecht werden, es könnte sonst beim Mähen aufgewirbelt werden und den Parkbesuchern wie ein Geschoss um die Ohren fliegen.

Auch die erste Baumkontrolle steht um diese Zeit an: Muss Totholz beseitigt werden? Gibt es Pilzbewuchs, der möglicherweise für Morschungen gesorgt hat? Haben Stürme die Standfestigkeit beeinträchtigt? Matthias Peter und seine Kollegen schauen sich jeden Baum genau an. Bisher wurden Bäume, die Handlungsbedarf aufwiesen, mit einem farbigen Punkt markiert. Seit Kurzem wird die Baumkontrolle elektronisch erfasst und mittels GPS übertragen. Alle Befunde können dann mittels Tablet lokalisiert und eingeschätzt werden. Denn um größere Schäden zu beheben, müssen die Kollegen der Abteilung Baumpflege mit ihren Hubsteigern anrücken. Später im Jahr, wenn die Bäume belaubt sind, steht dann eine zweite Kontrolle an.

Auch Reinigungsarbeiten stehen jetzt auf dem Plan. Der Teichlauf im Stadtpark muss regelmäßig von altem Laub befreit werden. Alle fünf Jahre wird auch der Weiher im Herzogspark vollständig ausgepumpt und gereinigt. Parkbänke, die den Winter über im Gartenamt eingelagert und bei Bedarf überholt wurden, werden jetzt wieder aufgestellt, um den Erholungsuchenden ein kostenloses Plätzchen an der Sonne zu bieten.

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Die Blumenzwiebeln, die Peter und sein Team im Herbst gesetzt haben, entfalten sich im Frühling zu voller Blüte. © Dagmar Obermeier-Kundel

5.000 Blumenzwiebeln entfalten sich

Ende März erfolgt der Rosenschnitt. Die Mühe, die sich Matthias Peter und seine Kollegen gemacht haben, als sie im Herbst rund 5.000 Blumenzwiebeln in der Erde versenkten, zahlt sich jetzt aus. Wie Edelsteine funkeln die Frühblüher in der milden Aprilsonne! Wenn sie verblüht sind, werden sie aus der Erde geholt und bis zum Herbst eingelagert. Im Straßenbegleitgrün finden sie in der kommenden Saison dann eine adäquate Zweitverwertung und erfreuen das Auge der Vorbeifahrenden.

Nach den Eisheiligen im Mai werden die Wechsel-Beete mit einjährigen Sommerblumen neu bepflanzt. Ein genauer Pflanzplan, der im Gartenamt erstellt wurde, zeigt Peter genau, welche Pflanze an welcher Stelle eingesetzt werden muss. So kann beispielsweise das Regensburger Stadtwappen mit roten und weißen Eisbegonien inszeniert werden. Und auch die Staudenbeete in den beiden Parks entfalten jetzt ihre volle Pracht. Im Herzogspark sorgt die Rhododendren-Rabatte für ein wahres Feuerwerk an Farben.

Wenn der Sommer beginnt und sich die Aktivitäten der Regensburgerinnen und Regensburger immer mehr ins Freie verlagern, dann kommen auf Peter und seine Kollegen neben Rasenmähen, Jäten und Gießen auch noch andere Aufgaben zu: Vandalismusschäden, wie beispielsweise besprühte Parkbänke, ausgerissene Pflanzen oder umgerissene Abfallbehälter, müssen beseitigt werden. Routinemäßig wird zweimal pro Woche der Müll in den Parks und Grünanlagen entsorgt. Zusätzlich wird täglich kontrolliert, ob beispielsweise von zerbrochenen Flaschen eine Verletzungsgefahr ausgeht.

Auch die Spielplätze hat Matthias Peter stets im Blick. Hier ist es besonders wichtig, dass keine Glassplitter oder Tierkot in den Sand gelangen. Deshalb wird Spielplatz-Sand regelmäßig ausgetauscht. Auch die Kontrolle der Spielgeräte gehört zu seinen Aufgaben. Stellt er Beschädigungen fest, rücken die Kollegen der Instandsetzungsgruppe an und sorgen dafür, dass alles wieder reibungslos und sicher funktioniert.

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Im April schmücken Polsterphlox und Wolfsmilchgewächse das Alpinum im Herzogspark. © Dagmar Obermeier-Kundel

Grundwasserbrunnen sorgen für Gießwasser

In heißen und trockenen Sommermonaten würden die Pflanzen ohne Wasserzufuhr vertrocknen und die Bäume dauerhaft Schaden nehmen. Um Trinkwasserreserven zu schonen, werden sowohl der Stadt- als auch der Herzogspark durch Grundwasserbrunnen mit Gießwasser versorgt und natürlich wird bei der Neupflanzung von Bäumen der Klimawandel berücksichtigt. Baumarten, wie beispielsweise Platanen, Tulpenbäume oder bestimmte Ahornsorten, die auch längeren Trockenperioden trotzen können, werden dabei bevorzugt, berichtet Peter.

Im Herbst schließlich geht es daran, auch die Parks winterfest zu machen. Kübelpflanzen werden ins Winterquartier gebracht, das Laub vom Rasen entfernt, die Blumenzwiebeln in den Rabatten und im Rasen versenkt. Der Springbrunnen im Stadtpark, der seine Fontäne sommers wie winters von 6 bis 20 Uhr sprudeln lässt, muss allerdings bei Temperaturen unter – 5 Grad per Hand auf Dauerbetrieb umgestellt werden.

Den Wechsel der Jahreszeiten – Matthias Peter erlebt ihn hautnah mit. Sein Leben wird von der Natur bestimmt, und das nicht nur beruflich. Egal, ob es ihn nach der Arbeit noch aufs Feld zieht, ob er am Samstag das eigene Gemüse auf dem Wochenmarkt in Kumpfmühl verkauft oder ob er per Mountainbike oder in der gemütlichen Version mit Freundin und Dackel Alois die Umgebung erkundet – „langweilig wird’s mir nie“, betont er.

Text: Dagmar Obermeier-Kundel