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Leben mit der Corona-Pandemie: Damit ältere Menschen nicht abgehängt werden

Ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen gefährdet das Corona-Virus am meisten. Betreuungsangebote brechen weg, Kontaktverbote belasten zusätzlich. Alleinstehenden macht die Einsamkeit schwer zu schaffen. Doch es gibt einige Angebote, die dafür sorgen sollen, dass Seniorinnen und Senioren nicht abgehängt werden.

Corona - Pflegende Angehörige
Pflegende Angehörige stellt die derzeitige Situation vor große Herausforderungen. © 123rf.com / Jozef Polc

17. April 2020
aktualisiert am 13. Mai 2020

Unterstützung für pflegende Angehörige

Manuela Bernreiter von der Fachstelle für pflegende Angehörige weiß um die Problematik. Tagespflegeeinrichtungen mussten schließen, Gruppenangebote sind nicht mehr durchführbar, die Betreuung durch osteuropäische Haushaltshilfen ist deutlich erschwert, Besuchsdienste weggebrochen. Hinzu kommen neue Probleme, wie beispielsweise die Versorgung älterer Patienten nach einer Covid-19-Infektion, die aus dem Krankenhaus entlassen worden sind, aber wegen noch bestehender Ansteckungsgefahr in häuslicher Quarantäne bleiben müssen. Die ambulanten Pflegedienste müssen vieles auffangen und kämpfen selbst mit den Einschränkungen, die ihnen das Virus auferlegt.

Pflegende Angehörige würden in dieser Situation oft an ihre persönlichen Belastungsgrenzen stoßen, sagt Manuela Bernreiter. „Man kann das nur erahnen, was diese Menschen in der jetzigen Situation leisten, vor allem deshalb, weil viele selbst schon älter sind, zur Risikogruppe gehören und oft sehr unter der körperlichen und seelischen Belastung leiden.“

Sind pflegende Angehörige noch berufstätig, dann muss oft ein Spagat zwischen Homeoffice und der Fürsorge für die pflegebedürftigen und möglicherweise auch dementen Familienmitglieder geleistet werden. Manuela Bernreiter weist hier auf die gesetzlich geregelte Möglichkeit hin, sich bis zu zehn Tage vom Job freistellen zu lassen, um eine entsprechende Betreuung zu organisieren.

Glücklicherweise können ab sofort wieder Freiwillige des Helferkreises „Auszeit“ den pflegenden Angehörigen unter die Arme greifen.

Wer sich hier beraten lassen oder Hilfestellung bei anderen Fragen rund um das Thema „Pflege von Angehörigen“ erhalten möchte, der kann sich gerne bei Manuela Bernreiter oder ihrer Kollegin Marina Fleck telefonisch melden.

Corona - Freiwillige beim Einkaufen
Über 900 Freiwillige haben sich gemeldet, die gerne Einkäufe und Besorgungen übernehmen. © 123rf.com / Kzenon

Aktion „Regensburg hilft“

Die Aktion „Regensburg hilft“ kann in dieser für Betroffene und ihre Angehörigen schwierigen Situation ebenfalls Unterstützung anbieten. Über 900 Freiwillige, so Marina Brückner, die für die Koordination bei der Stadt Regensburg zuständig ist, hätten sich in den letzten Wochen gemeldet und ihre Bereitschaft erklärt, Einkäufe oder Besorgungen im Einzelhandel und bei Apotheken zu erledigen, mit dem Hund Gassi zu gehen oder einen telefonischen Besuchsdienst zu übernehmen. Aber: „Es fällt vielen Menschen noch schwer, auf diese Unterstützung zurückzugreifen“, erklärt sie und hofft, dass ihr Appell ankommt: „Jetzt ist die Zeit, dass sich diese Menschen, die in ihrem Leben schon so viel für unsere Gesellschaft getan haben, auch einmal etwas von den Jüngeren zurückgeben lassen.“

Fernwartung, damit die Online-Kommunikation klappt

Auch Teamleiter Bodo Schmitz und seine Kollegen von Senioren@home, die normalerweise vor Ort dafür sorgen, dass ältere Menschen sich mit ihrem Smartphone, Tablet, PC oder Laptop nicht allein gelassen fühlen, haben sich etwas einfallen lassen, um die Auswirkungen der Kontaktsperre abzufedern. Sie helfen in einem Bereich, der gerade jetzt mehr denn je an Bedeutung gewinnt: dem Bereich der digitalen Kommunikation.

„Um zu gewährleisten, dass ältere Menschen auch weiterhin mit ihrer Außenwelt zumindest online verbunden bleiben, haben wir unsere Betreuung umgestellt. Was geht, erledigen wir telefonisch, aber wir können uns jetzt auch zusätzlich per Fernwartung auf die Geräte aufschalten und so schnell Hilfe leisten“, erklärt der ehrenamtliche Mitarbeiter des Treffpunkt Seniorenbüro der Stadt Regensburg (TPS).

Der Förderverein des Treffpunkt Seniorenbüro hat deshalb extra die entsprechende Fernsteuerungs-Software für das Team von Senioren@home gekauft. Damit ist gewährleistet, dass auch schwierigere Probleme gelöst werden können. Und: „Wer anruft, der bekommt auch Hilfe“, versichert Schmitz.

Wer Fragen hat oder technische Unterstützung benötigt, der soll sich einfach beim Service-Telefon von ReNeNa oder direkt bei Senioren@home melden. Sein Problem wird dann aufgenommen, ein Termin für die Fernwartung vereinbart. Wichtig ist nur, dass eine Telefonverbindung und für die Fernwartung ein funktionierender Internet-Anschluss vorhanden sein müssen. Per Fernwartung können dann Schmitz und seine sechs Kollegen, die mittlerweile auch noch vom Team der Computer-Internet-Gruppe unterstützt werden, beispielsweise Windows-Probleme lösen, E-Mail-Konten freischalten, Browser und Software aktualisieren oder Skype für Videotelefonie einrichten, frei nach dem Motto: „Wenn’s irgendwie machbar ist, dann helfen wir gerne!“

Corona - Telefon-Hotline
Die Sorgen und Nöte formulieren: Die Mitarbeiterinnen der Telefon-Hotline des Seniorenamtes beraten, muntern auf und stehen auch für längere Gespräche gerne zur Verfügung. © 123rf.com / ginasanders

Einfach mal reden – Hotline für ältere Menschen

Wie wichtig der direkte Kontakt zu anderen Menschen ist, das merken wir alle in diesen schwierigen Zeiten. Gerade die älteren Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die eine Ansteckung mit dem Corona-Virus am meisten gefährdet, sind besonders eingeschränkt, weil ihr Sozialleben fast vollständig weggebrochen ist. Weil es aber gerade für die psychische Gesundheit wichtig ist, sich auszutauschen, seine Ängste und Sorgen zu formulieren und persönlichen Zuspruch zu erhalten, bietet die Stadt seit Kurzem eine Telefon-Hotline an, unter der Mitarbeiterinnen des Seniorenamts ein offenes Ohr für alle Themen und Fragen haben, die ältere Menschen derzeit bewegen.

„All diese Angebote sollen einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass sich die älteren Menschen in unserer Stadt nicht gänzlich abgehängt fühlen. Natürlich ist uns bewusst, dass all das nicht die Besuche und den engen Kontakt mit Kindern, Enkeln und Freunden ersetzen kann, aber vielleicht hilft es doch dabei, diese schwierige Zeit besser durchzustehen“, unterstreicht Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Mein Dank gilt allen Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse zurzeit zurückstellen, um die, die besonders gefährdet sind, zu schützen. Er gilt aber auch all denen, die durch ihr Engagement dafür sorgen, dass die Einschränkungen, die uns die Corona-Pandemie auferlegt, leichter zu ertragen sind. Ich appelliere an die gesamte Gesellschaft: Halten Sie durch, lassen Sie nicht nach in Ihrer Achtsamkeit. Ich bin mir sicher, dass wir die Krise gemeinsam bewältigen können, wenn wir jetzt alle zusammenstehen!“

Text: Dagmar Obermeier-Kundel