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Förderung des Radverkehrs

Um den Radverkehrsanteil zu steigern, bekommt Regensburg ein engmaschiges Hauptradroutennetz.

Hauptradroutennetz - Karte

22. April 2021

Der Radverkehrsanteil in Regensburg ist mit 24 Prozent im bayernweiten Vergleich bereits überdurchschnittlich hoch. In den kommenden Jahren soll er sogar noch deutlich ansteigen, denn die Stadt Regensburg hat sich ein verkehrspolitisches Ziel gesetzt: Bis zum Jahr 2035 soll ein Drittel der Regensburger Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer mit dem Fahrrad unterwegs sein.

Um diesem Ziel nun einen Schritt näher zu kommen und den Radverkehr weiter zu fördern, wird derzeit ein zusammenhängendes und engmaschiges „Hauptroutennetz“ für den Radverkehr geplant und die Umsetzung vorbereitet. Dieses Netz wird aus Wegen und Straßen bestehen, auf denen Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer Vorrang haben oder die speziell für sie vorgesehen sind. Das Netz soll außerdem alle wichtigen Wohn- und Gewerbegebiete, Schulen und Hochschulen, Freizeit- und Einkaufsziele sowie Kultur- und Sportstätten miteinander verknüpfen.

Was bisher passiert ist

Ein Projekt in dieser Größenordnung braucht eine gewisse Vorlaufzeit: Bereits im November 2019 hat der Stadtrat die Forderungen des Radentscheids übernommen und die Verwaltung damit beauftragt, ein Konzept für ein Hauptroutennetz zu entwickeln. Im März 2020 wurden dann die Ergebnisse der ersten Beratungen in einer eigens für die Planung eines Hauptradroutennetzes gebildeten Projektgruppe diskutiert. Der Stadtrat schloss sich dem Vorschlag an, ein externes Büro in die Bearbeitung einzubeziehen und bereits im Vorgriff Sofortmaßnahmen umzusetzen.

In den darauffolgenden Monaten wurden viele dieser Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung mehrerer Fahrradstraßen oder diverse Lückenschlüsse, bereits erfolgreich umgesetzt. Außerdem erfolgten zeitgleich auch die Ausschreibung sowie die Vergabe für die externen Büros. Beauftragt wurden dann das Planerbüro „INOVAPLAN“ aus Karlsruhe und die Agentur „Green City Experience“ aus München.

Ende Oktober 2020 haben sich die Radentscheid-Initiatoren, die beiden Büros und die Stadtverwaltung zum ersten Mal getroffen und das weitere Vorgehen abgestimmt. Die darauffolgenden Wochen verbrachten die Büros dann damit, diverse Unterlagen und Daten zu sichten und auszuwerten sowie das vorgeschlagene Netz auf Plausibilität zu untersuchen.

Auch 2021 ist bereits einiges passiert: Das Hauptroutennetz wurde finalisiert und eine Netzbefahrung zur Untersuchung von 140 Kilometern potenziellem Hauptroutennetz durchgeführt. Außerdem gibt es seit Februar unter www.regensburg.de/radlrouten eine eigene Projektseite mit allen wichtigen Infos zum künftigen Hauptroutennetz.

Was gerade passiert

Bei einem Projekt wie dem Hauptroutennetz ist es besonders wichtig, auch die Bürgermeinung in den Arbeitsprozess mit einfließen zu lassen. Deshalb wurde in den vergangenen Wochen eine repräsentative Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern gegründet, die insbesondere über drei Workshops in die Konzepterarbeitung eingebunden wird und die so die Gelegenheit hat, an der Zukunft der Mobilität in Regensburg mitzuwirken. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops wurden über einen Zufallsgenerator aus dem Melderegister ermittelt. Die Gruppe besteht aus 30 Personen, die alle Altersgruppen, Geschlechter und Wohngegenden in Regensburg abdecken. Hinzu kommen Vertreterinnen und Vertreter weiterer bestimmter Bevölkerungsgruppen, hier im speziellen des Inklusions-, des Jugend-, des Integrations- und des Seniorenbeirats. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Sie sind Alltagsexpertinnen und -experten und damit bestens geeignet, Mängel im Radverkehrsnetz zu benennen und Verbesserungsvorschläge zu machen. „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren unglaublich engagiert und haben sich mit vielen konstruktiven Vorschlägen eingebracht“, freut sich Nahmobilitätskoordinator Thomas Großmüller nach dem ersten, erfolgreichen Workshop im April. „Die Bürgerinnen und Bürger haben uns in unserem Ansinnen bestätigt und bestärkt. Die Menschen radeln durchaus gern in Regensburg und haben die Verbesserungen im Radwegenetz in den letzten Jahren dankbar wahrgenommen. Es gibt jedoch noch diverse Konfliktpunkte im Netz, an denen sich Radelnde sehr unsicher fühlen. Auch, dass der Autoverkehr vielfach noch dominiert, wurde kritisiert. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gaben deswegen an, gezwungenermaßen Umwege zu fahren.“ Der letzte der drei Workshops wird im Juni stattfinden.

Wie es weitergeht

Radverkehr endet nicht an der Stadtgrenze. Aus dem Umland kommen heute schon viele Menschen mit dem Rad in die Domstadt. Und ebenso radeln Regensburgerinnen und Regensburger regelmäßig aus der Stadt heraus. Auch der Landkreis hat sich die Förderung des Radverkehrs auf die Fahnen geschrieben. Daher wird es in den Sommermonaten ein Beteiligungsverfahren mit den Umlandkommunen und dem Landkreis geben.

Die Erkenntnisse der Befahrung des angedachten Hauptroutennetzes und die Identifizierung von Mängeln in den Workshops werden dann mit den gewünschten Qualitätsstandards abgeglichen. In der Projektgruppe werden bis zum Herbst Vorschläge erarbeitet, wie diese Mängel behoben werden können. Auf dem einen Routenabschnitt reichen dafür vielleicht Markierungs- und Beschilderungsmaßnahmen, auf einem anderen Abschnitt können dagegen Aus- und Umbaumaßnahmen erforderlich sein. Und wieder an anderen Stellen ist der Neubau von Radwegen oder Brücken notwendig. So werden für jeden Streckenabschnitt die Maßnahmen beschrieben, die aus fachlicher Sicht erforderlich wären, und mit Kosten hinterlegt. Da nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden kann und manche Projekte einen längeren Planungsvorlauf benötigen, wird es einen Vorschlag für einen Umsetzungsplan geben.

Ziel ist es, das Konzept für die Radlrouten Regensburg zum Jahresende abzuschließen. Die Radverkehrsförderung geht jedoch schon 2021 mit wichtigen Projekten weiter.

Text: Verena Bengler und Thomas Großmüller