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Fahrradfahren in Regensburg: So radelt man gut durch den Winter

Der Nahmobilitätskoordinator der Stadt Regensburg, Thomas Großmüller, spricht im Interview über das Radfahren im Winter.

Fahrradfahren im Winter - Fahrradweg
Auch im Winter kommt man mit dem Fahrrad in Regensburg schnell voran. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

15. Dezember 2020

Wie viel Prozent aller Verkehrsteilnehmer in Regensburg sind im Winter mit dem Rad unterwegs? Wie unterscheidet sich die Situation im Vergleich zu den Sommermonaten?

Für Regensburg haben wir dazu leider keine belastbaren Daten. Bundesweite Untersuchungen zeigen, dass in den kältesten Monaten – also im Januar und Februar – der Radverkehrsanteil um bis zu 50 Prozent niedriger ist als in den Sommermonaten. Das liegt vor allem daran, dass die Menschen im Winter das Rad deutlich weniger in der Freizeit, wie etwa für Radlausflüge, nutzen.

Fahrradfahren im Winter - Thomas Großmüller
Nahmobilitätskoordinator Thomas Großmüller fährt jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit – auch im Winter. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Die Wege zur Arbeit, zur Schule und Ausbildung, für Erledigungen oder zum Einkaufen bleiben dagegen weitgehend konstant. In Ländern und Städten, in denen das Fahrrad noch stärker als Verkehrsmittel eingesetzt wird – etwa in den Niederlanden oder in Kopenhagen – liegt die Quote in den Wintermonaten bei rund 70 bis 80 Prozent. Es gibt also in Deutschland noch Luft nach oben.

 

Unter www.regensburg.de/stadtplan gibt es jeweils eine Karte mit einem eingezeichneten Radwegenetz für den Sommer und für den Winter. Wieso ist für den Winter eine eigene Karte notwendig?

Der Gesetzgeber schreibt vor, welche Straßen und Wege zuerst geräumt und gestreut werden müssen. Im Stadtstraßennetz sind dies die Hauptverkehrsstraßen, die Straßen mit Busverkehr sowie die Haltestellen, die Steigungsstrecken und die Gehwege inklusive der Querungsstellen. Vieles davon ist personalintensive Handarbeit.
Die Stadt Regensburg hat daher, wie alle Städte in Deutschland, eine Prioritätenliste. Damit Radler erkennen können, auf welchen Radwegen, Straßen und Wegen in Grünanlagen überhaupt Winterdienst gemacht wird, haben wir dazu eine Karte erstellt. So können alle Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer erkennen, wie die einzelnen Ziele in der Stadt – manchmal auch mit Umwegen – erreicht werden können. Eines muss dabei jedoch eingeschränkt werden: Die Leistungen des Winterdienstes sind stark witterungsabhängig und können entsprechend schwanken. Eine Gewähr dafür, dass alle Wege, die in dem Plan dargestellt sind, morgens auch tatsächlich geräumt werden können, gibt es daher leider nicht.

Der Winter ist nicht nur die kalte, sondern auch die dunkle Jahreszeit. Sind die Winterradwege ausreichend beleuchtet, sodass sich die Radlerinnen und Radler sicher fühlen können?

Sehr viele Radwege sind nachts beleuchtet, auch an Außerortsstrecken. Lediglich in manchen Grünanlagen oder zum Beispiel entlang der Donau und entlang des Regens gibt es keine Beleuchtung. An Strecken, die aus Naturschutzgründen sensibel sind (Stichwort Lichtverschmutzung), werden wir in Zukunft verstärkt bedarfsabhängige Beleuchtung einsetzen. Diese dimmt sich auf 10 oder 20 Prozent der normalen Lichtstärke herunter, wenn sich dort kein Mensch bewegt. Das kommt insbesondere nachtaktiven Tieren, wie zum Beispiel Fledermäusen, zugute. Ein solches Pilotprojekt ist bereits in der Wolframstraße in Ziegetsdorf im Einsatz.

 

Gibt es in Regensburg Möglichkeiten sein Fahrrad so ab- bzw. unterzustellen, dass es vor der Witterung geschützt ist?

Im öffentlichen Raum bieten wir bereits einige Abstellanlagen mit Überdachung an, zum Beispiel am Neuen Rathaus, am Hauptbahnhof und vor den Arcaden. Aus städtebaulichen und Denkmalschutzgründen gibt es allerdings in der Altstadt und in Stadtamhof keine Überdachungen. Mehr und mehr bieten Unternehmen geschützte Abstellplätze an und auch beim Wohnungsneubau werden in aller Regel Fahrradkeller gebaut. Im nächsten Jahr wollen wir voraussichtlich mit einem Programm starten, das abgeschlossene Radabstellplätze an Verknüpfungspunkten mit dem ÖPNV bieten wird. Davon werden Ein- und Auspendler profitieren können. Dazu werden sowohl Fahrradgaragen als auch Radl-Boxen gehören. Die Umsetzung soll 2021 starten.

Fahrradfahren im Winter - Steinerne Brücke
Die richtige Bekleidung schützt Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer vor Kälte und Nässe. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Wie können sich die Fahrradfahrer für das Radeln im Winter wappnen?

Um gut durch den Winter zu kommen, braucht es nicht viel. Gute Bekleidung schützt vor Kälte und Nässe und reflektierendes Material sorgt für mehr Sicherheit. Am Wichtigsten sind jedoch eine gute Beleuchtung am Fahrrad, funktionierende Bremsen sowie geeignete Reifen.

 

Als Nahmobilitätskoordinator setzen Sie sich beruflich verstärkt für den Radverkehr ein. Hand aufs Herz: Schwingen Sie sich selbst im Winter regelmäßig auf den Sattel?

Ich fahre grundsätzlich den Winter durch mit dem Rad. Nur dann, wenn ich mal gesundheitlich nicht ganz fit bin oder es schon morgens sprichwörtlich „Hunde und Katzen regnet“, steige ich auf den Bus um. Schnee allein hält mich aber nicht vom Radeln ab. Ich genieße es, mit dem Rad die rund 15 Minuten zur Arbeit zu fahren. Ich kann meine Lungen mit frischer Luft durchpusten, bringe meinen Kreislauf in Schwung und nutze den Weg regelmäßig für kleinere Erledigungen oder Einkäufe.

Text und Interview: Verena Bengler