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„Abgewiesen wird niemand“

Wie gehen die Regensburger Obdachlosenunterkünfte mit den Herausforderungen im Corona-Winter um? Sozialbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein gibt Auskunft über Bettenkapazitäten, Abstandsregeln und den Infektionsschutz für Gäste und Personal.

Obdachlosenunterkunft Landshuter Straße
Die zentrale Unterkunft für Obdachlose in der Landshuter Straße © Bilddokumentation Stadt Regensburg

4. Februar 2021

Frau Dr. Freudenstein, worin bestehen die besonderen Herausforderungen bei der Versorgung Obdachloser in der Corona-Pandemie?

Eine große Herausforderung sind die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln. Dafür mussten wir in allen Unterkünften die Bettenzahlen reduzieren und Räume umstrukturieren. Im Gegenzug zu diesen räumlichen Einschränkungen haben wir die Möglichkeit genutzt, in der zentralen Unterkunft für Obdachlose (UfO) in der Landshuter Straße ein zusätzliches Stockwerk zu beziehen, und wir öffnen alle Stockwerke jetzt auch tagsüber, um die Situation zu entzerren. In der ersten Welle hatten wir den Betrieb der UfO zeitweise komplett in ein Gebäude in der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne verlagert. Das konnte mittlerweile wieder rückgängig gemacht werden. Zusätzlich wurde die Obdachlosenunterkunft in der Taunusstraße ab August wieder geöffnet. Die Unterkunft Am Kreuzhof steht für Verdachtsfälle zur Verfügung und für diejenigen, die positiv getestet wurden und deshalb isoliert untergebracht werden müssen.

 

Reichen die Kapazitäten aus?

Glücklicherweise ja. Und selbst wenn es einmal knapp werden sollte, gilt selbstverständlich weiterhin der Grundsatz, dass niemand abgewiesen wird, der einen Platz benötigt. In diesem Fall würden wir einzelne Personen in Pensionen oder Hotels unterbringen.

Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein- Porträt quer
Bürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Wie hat sich der Alltag in den Unterkünften verändert?

Im Alltag geht es ganz stark darum, Infektionen zu verhindern bzw. schnell zu erkennen, damit man reagieren kann, und insbesondere die Risikogruppen zu schützen. In der zentralen Unterkunft für Obdachlose UfO werden Personen, die wegen ihres Alters oder aufgrund von Vorerkrankungen zur Risikogruppe zählen, deshalb überwiegend in Einzelzimmern untergebracht.
Bei Neuaufnahmen fragen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab, ob jemand sich kürzlich in einem Risikogebiet aufgehalten hat und ob Symptome bestehen, die auf Covid-19 hinweisen könnten. Auch tägliches Fiebermessen gehört zu den Schutzmaßnahmen, ebenso das Führen von Anwesenheitslisten, um Kontaktpersonen im Falle eines positiven Testergebnisses schnell identifizieren zu können.
Wenn Symptome oder Verdachtsfälle vorliegen, werden die Betroffenen umgehend isoliert und getestet. Ihre Grundversorgung sowie die Einhaltung der vom Gesundheitsamt ausgesprochenen Quarantäne wird durch Mitarbeiter des Amtes für Soziales bzw. eines Sicherheitsdienstes sichergestellt.

 

Ergeben sich in der kalten Jahreszeit zusätzliche Probleme?

Die Unterbringung von Obdachlosen ist ganzjährig eine Herausforderung. Mein Dank gilt deshalb den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich jeden Tag mit viel Engagement und Herzblut dafür einsetzen, dass wir unsere Angebote auch während der Pandemie aufrechterhalten können. Gerade im Winter ist es wichtig, dass niemand im Freien übernachten muss, denn das kann bei Minusgraden schlimmstenfalls lebensgefährlich werden.

Text und Interview: Katrin Butz