Von der Weltmetropole in die Welterbestadt
Ursprünglich kam Isabella Costa für ihr Studium nach Deutschland. Geblieben ist sie aus Liebe – und weil sie hier beruflich ihre Leidenschaft für Stadtgestaltung einbringen kann. Seit rund zwei Jahren setzt die gebürtige Brasilianerin gemeinsam mit ihrem Team neue Impulse für die Gestaltung der Regensburger Innenstadt.
Isabella Costa
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Bilddokumentation Stadt Regensburg20. Februar 2026
Wer Isabella De Andrade Adauto Costa kennenlernt, merkt schnell: Die 37-Jährige sprüht nur so vor Lebensfreude und Kreativität. Ideale Voraussetzungen also für ihren Job als Leiterin der Abteilung „Planung Innenstadt und Vorbereitende Bauleitplanung“ im Amt für Stadtplanung und Mobilität. Zusammen mit ihrem zehnköpfigen Team ist sie für die Entwicklung gesamtstädtischer städtebaulicher Konzepte, die Neugestaltung des Flächennutzungsplans, Maßnahmen im Bereich des Hochwasserschutzes sowie insbesondere für die nachhaltige und zukunftsfähige Weiterentwicklung und Gestaltung des Innenstadtbereichs verantwortlich. Eine ihrer bisher größten Herausforderung und zugleich ein „echtes Herzensprojekt“ der Stadtplanerin ist die Neugestaltung des Obermünsterviertels.
Mehr Platz für Begrünung und eine höhere Aufenthaltsqualität
Mehr Grün, weniger Verkehr und eine höhere Aufenthaltsqualität: Das Obermünsterviertel soll sich Schritt für Schritt zu einem lebenswerten Stadtraum entwickeln, in dem die Menschen im Mittelpunkt stehen.
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Landstrich VisualisierungenDieses Viertel, das bisher vor allem für sein lebendiges Nachtleben bekannt ist, soll voraussichtlich im Jahr 2028 in einen grüneren Stadtraum mit Zugang zum Wasser, in eine richtige Oase inmitten der Regensburger Altstadt verwandelt werden: „Unser Ziel ist es, Lärm, Verkehr und Müll zu verringern und so die Aufenthaltsqualität im Viertel deutlich zu steigern“, erläutert Costa. „Besonders wichtig ist es uns dabei, dass die Umgestaltung im Einklang mit den Bedürfnissen der Menschen erfolgt, die hier leben, arbeiten oder zu Besuch sind. Gemeinsam mit ihnen möchten wir einen lebenswerten, nachhaltigen und grünen Stadtraum schaffen.“
Im Vorfeld der endgültigen Neugestaltung des Obermünsterviertels in drei Jahren wurden im Mai 2025 in enger Zusammenarbeit mit dem „Labor der kreativen Köpfe“ bereits erste Sofortmaßnahmen umgesetzt. Im Rahmen eines sogenannten Reallabors, einem Teilprojekt der REGENSBURG_NEXT-Maßnahme „Resiliente Stadt“, hat die Stadtverwaltung mobile Baumpflanzungen und bepflanzte Sitzgelegenheiten in farbenfrohem Design installiert und verschiedene Maßnahmen zur Förderung einer klimafreundlichen Mobilität umgesetzt: Um die Obermünsterstraße vom Park- und Suchverkehr zu entlasten, wurden alle öffentlichen und kostenpflichtigen Parkplätze aus dem Quartier verlagert und die Durchfahrt aus westlicher Richtung gesperrt. „Dafür gibt es jetzt neue Fahrradabstellmöglichkeiten, eine Fahrradreparaturstation und Angebote zum Sharing von E-Rollern und Lastenrädern. Diese Sofortmaßnahmen sind ein wichtiger Meilenstein hin zur Verkehrsberuhigung Altstadt“, erklärt Costa.
Im Rahmen einer breiten Bürgerbeteiligung informierte Isabella Costa gemeinsam mit ihrem Team über die geplanten Sofortmaßnahmen.
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Amt für Stadtplanung und MobilitätDas Besondere an den Sofortmaßnahmen: Sie sind das Ergebnis eines umfangreichen Beteiligungsprozesses mit Anwohnenden, Gewerbetreibenden, Kreativschaffenden und verschiedenen Interessensgruppen aus der Stadtgesellschaft, deren Ideen für das Viertel unter anderem in sogenannten „Planungskneipen“ gesammelt wurden: „Wir probieren hier wirklich Anregungen aus der Bürgerschaft aus, denn uns war es von Anfang an ein großes Anliegen, dass die Bürgerinnen und Bürger aktiv mitgestalten können. Die Leute, die im Viertel leben und arbeiten, haben die Erfahrung vor Ort und die müssen wir unbedingt in unsere Überlegungen integrieren. Deshalb haben wir unsere ursprüngliche Planung nach der Beteiligung angepasst und verschiedene Ideen der Bürgerinnen und Bürger getestet: So zum Beispiel für ruhige Bereiche und spielerische Angebote für Kinder, für Sitzgelegenheiten ohne Konsumzwang und weitere attraktive Sitzmöglichkeiten an verschiedenen Orten im Viertel“, so die Stadtplanerin.
Andererseits kann es vorkommen, dass Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern fachlich nicht umgesetzt werden können. Dann ist es Costa und ihrem Team umso wichtiger, dass diese verstehen, warum eine Umsetzung nicht möglich ist: „Uns geht es darum, den Leuten auch einen Einblick in die Prozesse der Stadtverwaltung zu geben und aufzuzeigen, warum manche Projekte manchmal länger dauern als andere, gerade wenn sie von einer intensiven Bürgerbeteiligung begleitet werden. Wir möchten den Bürgerinnen und Bürgern vermitteln, dass sie ein Teil des Planungsprozesses sind und mitentschieden haben, dass sie frühzeitig mitgenommen und nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Das ist uns – so die bisherigen Rückmeldungen – bei den Sofortmaßnahmen im Obermünsterviertel gelungen.“
Reallabor Obermünsterviertel: Ein gelungenes Beispiel dafür, dass Beteiligung nicht am Planungstisch endet, sondern direkt im Stadtbild spürbar wird.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgEin weiterer großer Vorteil der umgesetzten Sofortmaßnahmen ist es auch, dass verschiedene Planungselemente vor ihrer dauerhaften Etablierung vor Ort erst einmal getestet werden können und die Ergebnisse nach der intensiven Beteiligungsphase innerhalb relativ kurzer Zeit im öffentlichen Raum sichtbar und erlebbar sind: „Wenn wir vor Ort etwas sanieren, ist es endgültig. So haben wir aber die Möglichkeit, diese temporären Maßnahmen im Stadtraum zu erproben und herauszufinden, welche Ideen sich langfristig sinnvoll in das Viertel integrieren lassen oder was wir gegebenenfalls nochmals anpassen müssen“, erläutert Costa.
Zukunftsvisionen für eine lebens- und liebenswerte Stadt
Gemeinsam mit ihrem Team hat Isabella Costa Zukunftsvisionen für Regensburger Straßen und Plätze entwickelt. Einige der Zukunftsvision, wie hier im Hintergrund für den Alten Kornmarkt, hat die Stadtplanerin selbst gezeichnet.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgEbenfalls im Rahmen des Projekts „Verkehrsberuhigung Altstadt“ hat Costa gemeinsam mit ihrem Team Zukunftsvisionen für zehn zentrale Straßen und Plätze im Regensburger Altstadtbereich entwickelt: „Uns war es wichtig, aufzuzeigen, wie unsere Stadt künftig aussehen kann und was alles möglich ist“, so Costa. Dabei ist es entscheidend, den Ist-Zustand eines Ortes zu analysieren und zu prüfen, was bereits vorhanden ist, welche Belange es mit Blick auf eine nachhaltige Stadtgestaltung gibt und welche Entwicklungspotenziale der jeweilige Ort bietet. „Mir persönlich ist es immer ein großes Bedürfnis, die vorhandenen Potenziale hervorzuheben, statt einen komplett neuen Ort zu schaffen. Es geht mir vielmehr darum, wie wir neue Nutzungen etablieren können, ohne den Charakter eines Ortes zu verlieren – insbesondere, weil wir hier in Regensburg eine so reiche Geschichte haben, die wir bei den Planungen immer berücksichtigen müssen.“
Der Stadtratsbeschluss zur Verkehrsberuhigung Altstadt im Juli 2025 ist ein wichtiger Meilenstein für die Stadtverwaltung. Zugleich macht Isabella Costa deutlich, dass der Planungsprozess damit noch nicht abgeschlossen ist: Die Gestaltungspläne werden weiterhin eng mit der Verkehrsplanung, den weiteren städtischen Fachstellen und den Bürgerinnen und Bürgern abgestimmt: „Im Vorfeld prüfen wir verwaltungsintern, was an welchem Ort sinnvoll ist und was nicht. Gleichzeitig entwickeln wir unterschiedliche Varianten, bis eine räumlich passende Lösung gefunden ist – denn für einen Ort gibt es selten nur eine Möglichkeit. Vielmehr erarbeiten wir mehrere Lösungsansätze, die wir anschließend gemeinsam diskutieren – immer mit Blick auf die Frage: Welche Maßnahme ist unter Berücksichtigung der Belange der Bürgerinnen und Bürger sowie der städtischen Ziele zum jeweiligen Zeitpunkt am besten geeignet.“
„Ich liebe das, was ich tagtäglich mache“
Schon als Kind hat Isabella Costa leidenschaftlich gerne gezeichnet, Dinge mit unterschiedlichen Materialen gestaltet und sogar ihre eigenen Bautrupps zur Umsetzung ihrer Ideen zusammengestellt, wie sie schmunzelnd erzählt. Deshalb war für sie schon bald klar, dass sie nach ihrem Abitur in Rio de Janeiro Architektur und Städtebau studieren möchte. Bereits während ihres Studiums in Brasilien absolvierte Costa viele Praktika in verschiedenen Fachrichtungen – von der Innenarchitektur, über die Stadtgestaltung und die Denkmalpflege bis hin zur Landschaftsarchitektur. Ihr absolutes Highlight war es, dass sie so sogar die Möglichkeit hatte, bei der Restaurierung der weltberühmten Christusstatue in Rio de Janeiro dabei sein zu dürfen.
Dank eines Uni-Forschungsprojekts erhielt Costa schließlich ein Stipendium und kam nach Deutschland. Hier lernte sie nicht nur Land, Leute und die hiesige Stadtgestaltung besser kennen und lieben, sondern traf auch ihren jetzigen Mann. Für sie war deshalb schnell klar, dass sie – nachdem sie ihr Studium in Brasilien abgeschlossen hatte – ganz bald nach Deutschland zurückkehren würde. Nach einem Masterstudium an der Technischen Universität München sowie Stationen an der University of California in Berkley (USA) und in Baden-Württemberg, wo Costa als Stadtplanerin tätig war, erwies sich die damals bei der Stadt Regensburg ausgeschriebene Stelle als absoluter „Glücksfall“: „Ich bin sehr dankbar, Regensburg als UNESCO-Welterbestadt mitgestalten zu dürfen. Auch Rio de Janeiro ist eine Welterbestadt und deshalb ist die Arbeit hier für mich etwas ganz Besonderes. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie wir unsere ‚steinerne Stadt‘ gemeinsam für alle Bürgerinnen und Bürger nachhaltig und zukunftsfähig weiterentwickeln können.“
„Nur im gemeinsamen Dialog können wir die besten Lösungen für unsere Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger entwickeln!“
Isabella Costa gemeinsam mit ihrer Abteilung auf dem Obermünsterplatz. Bepflanzte Sitzgelegenheiten, sogenannte CityDecks, sorgen hier seit Mai 2025 für mehr Grün und laden zum Verweilen ein.
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Amt für Stadtplanung und MobilitätAus ihrer brasilianischen Heimat mitgenommen hat Isabella Costa auch ihren Sinn für Gemeinschaft und Zusammenarbeit: „Bei uns in Brasilien wird Teamwork großgeschrieben und ich wollte diesen Spirit auch mit in die Stadtverwaltung bringen und ihn sowohl auf mein Team als auch auf die Projekte übertragen“, erklärt sie. „Jede und jeder Einzelne von uns ist ein wichtiger Teil des Projekts und wir unterstützen uns gegenseitig. Das ist nicht selbstverständlich und das weiß ich sehr zu schätzen.“
Einer engen Zusammenarbeit bedarf es auch mit den anderen Ämtern in der Stadtverwaltung: „Bei Projekten wie diesen ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit das A und O, denn wir brauchen die anderen Ämter, sonst funktioniert es nicht“, so die Stadtplanerin. Schließlich müssen alle Planungen Hand in Hand gehen, den Zielen der gesamtstädtischen Entwicklung entsprechen und zeitlich aufeinander abgestimmt sein. „Wenn wir neue räumliche Lösungen denken, müssen wir auch neue Wege in der Abstimmung und Zusammenarbeit gehen.“
Insgesamt betrachtet war die Umgestaltung des Obermünsterviertels für Costa und ihr Team in vielerlei Hinsicht ein Pilotprojekt – insbesondere auch für die Verkehrsberuhigung Altstadt: „Die Sofortmaßnahmen waren und sind nicht nur ein Testlabor unserer Planungen vor Ort, sondern auch für unsere internen Prozesse in der Stadtverwaltung und dafür, wie wir den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern so gestalten können, dass wir ihre Meinungen und Ideen möglichst umfassend und zielgerichtet einholen können.“
Text: Verena Danner
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