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„Regensburg ist eine Sportstadt für alle“

Von 19. bis 23. Juli 2022 sind die Landesspiele der Special Olympics Bayern in Regensburg zu Gast. Frank Reinel, Inklusionsbeauftragter der Stadt, erklärt, warum es sich für alle Regensburgerinnen und Regensburger lohnt, bei den Wettkämpfen vorbeizuschauen und welche langfristigen Folgen er sich von den Spielen für seine Arbeit verspricht.

Special Olympics - Medaillen
Gold – Silber – Bronze: Um diese Medaillen kämpfen die Sportlerinnen und Sportler. © Stadt Regensburg, Juliane von Roenne-Styra

19. Juli 2022

Herr Reinel, beim Thema „Inklusion“ fällt vielen wahrscheinlich als erstes das Stichwort „rollstuhlgerecht“ ein. Die Special Olympics Bayern sind die Landesspiele für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. Welche Rolle spielt diese Gruppe bei Ihrer Aufgabe als Inklusionsbeauftragter?

In meinem Job habe ich natürlich alle Arten von Behinderungen im Blick. Es ist sicher richtig, dass oft als erstes an die Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer gedacht wird, einfach, weil diese Gruppe am ehesten ins Auge fällt. Wenn man sich die Zahlen anschaut, ist sie aber gar nicht so besonders groß: In Regensburg leben ungefähr 24.000 Menschen mit einer anerkannten Behinderung, nur ca. 1.700 von ihnen sind dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen. Der Anteil von „Behinderungen an Geist und Psyche“, wie es in der Statistik heißt, liegt insgesamt bei einem Viertel, wobei hier allerdings die mannigfaltigen Arten an geistigen Behinderungen nicht einzeln ausgewiesen werden.

Inhaltlich ist bei meiner Arbeit für diese Gruppe eine wichtige Aufgabe, Informationen so auszudrücken, dass sie jeder verstehen kann. Zum Beispiel, indem man kurze, einfach strukturierte Sätze formuliert, ohne Nebensätze. Für diese sogenannte Leichte Sprache gibt es eigene Regelwerke. Wir sind gerade dabei, die Veröffentlichungen der Stadt zu sondieren und festzulegen, für welche Publikationen es künftig auch eine Ausgabe in Leichter Sprache geben soll. Das kommt übrigens nicht nur Menschen mit einer geistigen Behinderung zugute, sondern auch zum Beispiel Migrantinnen und Migranten, die noch nicht gut deutsch sprechen. Insofern ist Inklusion auch eine Querschnittsaufgabe.

 

Inwiefern sind Sie als Inklusionsbeauftragter bei den Special Olympics Bayern beteiligt?

Die Stadt Regensburg hat sich vor fünf Jahren aktiv bei Special Olympics Bayern (SOBY), der Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung in Bayern, um die Austragung der Spiele beworben. Diese Initiative war sozusagen eine der ersten Amtshandlungen, als ich meine Stelle vor sechs Jahren angetreten habe. Mit der Bewerbung wollten wir sichtbar machen, dass Regensburg in Sachen Sport nicht nur seine überregional bekannten Fußball-, Baseball- und Eishockeyvereine vorweisen kann, sondern im besten Sinne des Wortes eine Sportstadt für alle ist. Eigentlich waren die Spiele bereits für 2021 geplant, wegen Corona war das leider nicht möglich. Wir sind sehr froh, dass SOBY sie nicht einfach abgesagt, sondern nur um ein Jahr verschoben hat und sie jetzt stattfinden können.

Die Organisation der Spiele selbst liegt bei SOBY, die Stadt ist „nur“ Gastgeberin. In dieser Funktion waren wir – das heißt die Kolleginnen und Kollegen des Sportamts und ich – allerdings auch im Organisationsteam vertreten.

Porträt Frank Reinel - hoch
Frank Reinel, Inklusionsbeauftragter der Stadt Regensburg © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Was muss eine Stadt denn vorweisen, wenn sie sich um die Austragung der SOBY-Landesspiele bewirbt?

Im Bewerbungsverfahren muss insbesondere dargelegt werden, in welchen Inklusionskontext die Veranstaltung eingebunden ist und inwiefern die Idee des inklusiven Sports auch nach den Spielen nachhaltig weiterbetrieben werden soll. In Regensburg konnten wir hier vor allem mit dem Projekt „Regensburg inklusiv“ punkten, das wir von 2013 bis 2016 gemeinsam mit der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg und der Ostbayerischen Technischen Hochschule durchgeführt haben. Ziel dieses Projekts war es, die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in den Lebensbereichen Arbeit, Wohnen, Bildung und Freizeit so sicherzustellen, wie es in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung festgelegt ist. Im Rahmen dieses Projekts hatten wir uns auch explizit mit dem Thema Sport beschäftigt und 2016 sowie 2019 inklusive Sporttage am Oberen Wöhrd organisiert, die auf eine sehr gute Resonanz gestoßen sind.

In Regensburg gibt es bereits einige Sportvereine, die einen inklusiven Ansatz verfolgen. Und wir haben ein Mentoring-Programm, bei dem Vereine, die inklusiv arbeiten wollen, von Vereinen unterstützt werden, die schon Erfahrung in diesem Bereich haben. Die SOBY-Landesspiele sind eine einmalige Gelegenheit, diesen Programmen noch einmal einen deutlichen Schub zu geben und dafür zu werben, dass sich noch mehr Vereine beteiligen.

 

Was ist für Sie das Besondere an den SOBY-Landesspielen?

Die Veranstaltungen der Sportorganisation für Menschen mit geistiger Behinderung haben einen ganz eigenen Spirit. Die Athletinnen und Athleten sind nicht nur eng auf Sport und Leistung fokussiert, sondern nehmen alles mit ihren eigenen, faszinierenden Augen wahr und legen ihre ganze Persönlichkeit in die Spiele. Natürlich geht es – wie in jedem Wettkampf – darum, sich mit anderen zu messen und Spitzenleistungen zu erbringen. Aber anders als wir es etwa von Olympischen Spielen gewohnt sind, werden hier nicht nur die ersten drei Plätze geehrt, sondern alle. Ganz wichtig ist, dass alle Spaß haben und miteinander eine schöne Veranstaltung erleben – egal, ob mit Behinderung oder ohne. Ich kann nur alle Regensburgerinnen und Regensburger herzlich einladen, die Chance zu nutzen, so eine Veranstaltung in dieser Größe einmal live zu erleben. Die Sportstätten sind kostenfrei zugänglich, und alle sind herzlich willkommen.

Text und Interview: Katrin Butz