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73 000 neue Frühjahrsblumen für Regensburg

Damit die Beete im Frühjahr wieder erblühen können, muss vorab einiges getan werden. Wir haben mit Hans-Dietrich Krätschell, Leiter des städtischen Gartenamtes, über die Vorbereitungen gesprochen.

73 000 neue Frühjahrsblumen - Beet Ostdeutsche Galerie

4. März 2020

Weil die Gärtnerinnen und Gärtner der Stadt Regensburg im Herbst fleißig waren, können wir uns auch in diesem Frühjahr wieder über herrlich blühende Beete freuen. Schon im Oktober haben sie schubkarrenweise Blumenzwiebeln ausgebracht, damit es in ganz Regensburg auch in diesem Jahr wunderbar blüht. Zwiebelpflanzen entfalten ihre volle Pracht nur, wenn sie nach dem Setzen 13 bis 16 Wochen im Boden geruht haben. Insgesamt haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut 73 000 Stück gesetzt: darunter 12 000 Narzissen und 8 000 Tulpen. 200 Zwiebeln pro Stunde schaffen sie im Schnitt. Keine einfache Arbeit, schließlich muss jedes Pflanzloch einzeln gegraben werden. Jetzt, im Frühjahr, kommen rund 40 000 Gartenstiefmütterchen, 5 000 Vergissmeinnicht und 8 000 Goldlack-Pflanzen dazu. Doch auch die Natur hilft selbstverständlich mit: Einem natürlichen Schwund der Blumenzwiebeln wie zum Beispiel durch Mäusefraß, steht die natürliche Vermehrung der Frühjahrsblumen gegenüber. 

Das Gartenamt kümmert sich neben den 130 Grün- und Parkanlagen auch um 21 Schmuckbeete im Stadtgebiet, das macht 3 000 Quadratmeter allerfeinstes Blütenmeer. Außerdem stellen die Frauen und Männer 250 Blumenkübel und Pflanzkästen mit Primeln, Narzissen und Hyazinthen auf und pflegen das Grün am Straßenrand. Im Frühling fällt der Startschuss fürs Gartenjahr. Hans-Dietrich Krätschell, Leiter des Gartenamtes der Stadt Regensburg, hat trotzdem Zeit gefunden und mit uns über diese arbeitsame Zeit gesprochen.  

Herr Krätschell, welche Blumen lassen sich denn im Frühjahr zuerst blicken?

Die allerersten Frühjahrsboten sind immer die Winterlinge, Schneeglöckchen oder Leberblümchen. In den Grünanlagen pflanzen wir schon im Herbst Frühjahrsblüher wie Wildkrokus, Blaustern, Wildhyazinthen oder Schneestolz, die sich selbst vermehren und für Bienen sehr nützlich sind. Als sogenannte Insektennährweide haben wir für dieses Jahr außerdem 300 Zierlauch, 2 500 Goldlack, 10 000 Salbei, 4 000 Duftnesseln, 1 500 Schafgarben, 1 000 Sonnenhüte, 1 000 Studentenblumen und 1 000 Eisenkraut gepflanzt. Für unsere angelegten Frühlingsbeete verwenden wir gerne Stiefmütterchen, Narzissen und Hyazinthen.

73 000 neue Frühjahrsblumen - Beet im Herzogspark
Das Gartenamt plant vorab, welche Pflanzen für den Standort geeignet sind © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Einige dieser Beete sehen ja aus wie kleine Gemälde, manche haben ein Motiv. Wie kann ich mir denn die Planung dieser Beete vorstellen? Wer entscheidet, was wo und in welcher Farbe gepflanzt wird?

Ausschlaggebend ist zunächst, welche Pflanze überhaupt für den jeweiligen Standort geeignet ist, Boden und Licht spielen eine große Rolle. Weitere Auswahlkriterien sind die gewünschten Blüten- und Laubfarbenzusammensetzungen, der Blütezeitpunkt und die Wuchshöhen. Diese Fachkenntnisse haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Zierpflanzengärtnerei sowie der Pflegegruppen des Stadtgartenamts. Sie entscheiden gemeinsam mit der Abteilungsleitung, was wo und in welcher Farbe gepflanzt wird.

Kaufen Sie Pflanzen eigentlich zu oder ziehen Sie diese selbst?

Blumenzwiebeln kaufen wir ein. Das meiste ziehen wir jedoch selbst in unseren Gewächshäusern über den Winter: Narzissen, Hyazinthen und Primeln. Viele Sommerblumen, den so genannten Sommerflor, säen und pikieren wir ab Februar, bis sie robust genug fürs Freiland sind. Das sind zum Beispiel Feuersalbei, Löwenmaul, Eisbegonien, Ziergräser, Gottesaugen, Silberblätter oder Mehlsalbei.

 

Was kostet das denn?

Pro Kopf gibt die Stadt Regensburg für die gesamt Pflege der Grünanlagen einschließlich Mahd, Baumpflege und Wässerungsarbeiten knapp 20 Euro aus. Das ist weniger als ein Besuch beim Jahn (Sitzplatz) oder im Theater.

73 000 neue Frühjahrsblumen - Anpflanzen in Grünanlagen

Hinter den Kulissen passiert im Frühjahr sicher noch viel mehr, als das, was man in Beeten und Grünanlagen sieht.  

Allerdings. Ende Februar, Anfang März schneiden wir Stauden und Gräser in den Staudenrabatten zurück, bepflanzen unsere Geranienpyramiden und unsere 80 großen Blumenkübel. Nicht ganz winterharte Topfpflanzen wie Lorbeer und Oleander bringen wir zur Abhärtung vom Warmhaus ins Kalthaus, das bereitet sie aufs Freie vor. Sie vertragen nur leichten Frost und werden frühestens Mitte April draußen platziert. Frostempfindliche Kübelpflanzen wie Engelstrompeten und Nachtschattengewächse werden sogar erst nach den Eisheiligen in der zweiten Maihälfte raus gebracht. Ab Ende März schneiden wir Rosen - wenn kein länger anhaltender strenger Frost mehr zu erwarten ist. Bis Ostern kehren wir das restliche Streugut vom Winter. Wir bringen nach der Winterpause auch Freizeitanlagen sowie die Bolz- und Spielplätze (darunter rund 80 Wasserspielplätze) und viele Brunnen der Stadt wieder auf Vordermann. Ab Mitte April beschäftigt uns dann auch das Unkraut in den Beeten und Ende Mai, Anfang Juni wird der selbst gezüchtete Sommerflor in den Beeten gepflanzt.

 

Wann halten sich Ihre Mitarbeiter und Sie denn am liebsten in den Grünanlagen auf, haben Sie eine Lieblingsjahreszeit?

Das Frühjahr schätzen wir schon sehr. Die Kolleginnen und Kollegen, die sich um die Grünflächen kümmern, arbeiten ja das gesamte Jahr über bei jeder Wetterlage draußen. Wenn also nach den kalten, dunklen und niederschlagsreichen Wintermonaten wieder milde Frühjahrtemperaturen herrschen und das Tageslicht zunimmt, ist die Arbeit draußen viel angenehmer. Der Blütenreichtum und das Wiederergrünen der Vegetation zeigen auch den Gärtnerinnen und Gärtnern, wofür sie arbeiten und das motiviert.

Text und Interview: Claudia Biermann