Der Regensburger Bismarckplatz – Das Wohnzimmer der Stadt
An lauen Sommerabenden ist hier kaum Platz zu bekommen. Vor allem junge Nachtschwärmer lieben den Bismarckplatz mit seinen beiden Springbrunnen, Pflanzbeeten und den vielen Sitzgelegenheiten drum herum.
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Bilddokumentation Stadt Regensburg26. Februar 2026
Dicht an dicht sitzen sie dann hier, am westlichen Rand der Altstadt, quatschen, feiern und treffen sich mit Freunden. Eine vorherige Verabredung ist nicht nötig – man läuft sich hier eh über den Weg… Gleich mehrere anliegende Lokale sorgen dafür, dass der Getränkenachschub nicht ausbleibt. Das im Norden gelegenen Theater nutzt den Platz genauso gerne – etwa für Veranstaltungen wie das kostenlose, abendliche Balkonsingen, das seit ein paar Jahren regelmäßig hunderte Zuhörer auf den fast 3.000 Quadratmeter großen, verkehrsberuhigten Platz zieht. Und natürlich dient bei jedem größeren Stadtfest der Bismarckplatz als feste Bühne und beliebter Veranstaltungsort. Und samstags, tagsüber auf dem Wochenmarkt, lässt sich fast ein kompletter Einkauf erledigen. Dass sich direkt unterhalb eine große Tiefgarage befindet, macht den von prächtigen klassizistischen Gebäuden umrahmten Ort gleich noch attraktiver für einen Besuch.
Stallungen für Rinder und Pferde
1880: Nur im oberen Bereich des Platzes gibt es einen Brunnen.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgWo die Stadt seit mehr als zehn Jahren Musikschülerinnen und Musikschüler unterrichtet, erklang früher Rindermuhen und Pferdewiehern. Denn im Süden des Platzes gab es im 12. und 13. Jahrhundert einen Rindermarkt. Auch Getreidespeicher und Stallungen für Dienstpferde befanden sich einst auf dieser kleinen Anhöhe. Davon zeugt heute noch der Name der angrenzenden Straße: Beraiterweg. Dazu passend fanden hier lange auch Getreide- und Heumärkte statt. Heu war ein wichtiges Futtermittel für die viele Pferde, insbesondere der zahlreichen Gesandtschaften des Immerwährenden Reichstages. Noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gab es auf dem Platz zudem eine Heuwaage.
But first: Die Römer
In den 1970er Jahren fanden archäologische Grabungen auf dem Platz statt. Man entdeckte Mauerreste, die zum römischen Lagerdorf gehörten. Bereits zu dieser Zeit führte vor dem Römerkastell eine wichtige Straße von Kumpfmühl kommend über den Platz über den heutigen Weißgerbergraben hinunter zur Donau.
Aus einem Platz werden zwei
1910: Der Name der Jakobsapotheke erinnert noch an die frühere Bezeichnung des Platzes als Jakobsplatz.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgWas kaum jemand der heutigen Platzfans weiß: Früher gehörten der benachbarte Arnulfsplatz und der Bismarckplatz zusammen. Getrennt wurden sie erst durch den Bau des Theaters Anfang des 19. Jahrhundert: Ab diesem Zeitpunkt hieß der heutige Bismarckplatz zunächst Oberer Jakobsplatz, der Arnulfsplatz Unterer Jakobsplatz. Zu verdanken hatten die Plätze diese Bezeichnung dem großen Schottenkloster St. Jakob, dem heutigen Priesterseminar. Für eine Weile hieß der Bereich vor dem Theater dann schlicht Theaterplatz – bis der ganze Platz 1885 schließlich nach dem Reichsgründer und -kanzler Otto von Bismarck umbenannt wurde.
Klassizistisch geprägt
Im ehemaligen Gesandtenpalais werden heute Gesang und Instrumente gelehrt.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgDominiert wird der Platz bis heute von vor allem von zwei klassizistischen Gebäuden: dem ehemaligen Palais für den französischen Gesandten am Immerwährenden Reichstag, Theobald Jaques Justin Baron de Bacher, im Süden und dem gegenüberliegenden Theater. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Fürstprimas Carl von Dalberg beide Bauwerke errichten lassen. Als Regensburg zu Bayern kam, wurde das Palais zum Sitz der Regierung, im 20. Jahrhundert war es das Polizeipräsidium der Oberpfalz – bevor es grundlegend saniert und zur städtischen Sing- und Musikschule umgebaut wurde.
Die Sanierung des Theaters dauerte fünf Jahre.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgDer heutige Theaterbau entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach einem schweren Brand 1849 errichteten die Regensburger binnen weniger Monate auf den Grundmauern des alten Theaters das neue, heute noch existierende Bauwerk. Ende des 20. Jahrhunderts wurde dieses aufwendig generalsaniert.
An den Seiten des Platzes finden sich bis heute Gebäude des ehemaligen Klosters St. Jakob, welches jetzt das Priesterseminar beherbergt, sowie das Gebäude der ehemaligen Württembergischen Gesandtschaft.
Heute sieht der Bismarckplatz bei Tag so aus.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgUmgestaltung nach Bau der Tiefgarage
Nach dem Bau der Tiefgarage Anfang der 1980er Jahre erhielt der Platz seine heutige, terrassenartige Gestalt – inklusive der beiden Springbrunnen. Anfang des 21. Jahrhunderts wurden nach Sanierungsarbeiten an der Tiefgarage die Pflanzbeete neu angelegt.
Text: Claudia Biermann / Janina Rummel
Die Reihe Regensburger Plätze entstand in Kooperation mit Janina Rummel von der Abteilung Welterbekoordination. Weitere spannende Einblicke in das baukulturelle Erbe von Regensburg finden Sie unter www.regensburg.de/welterbe.
Weitere Informationen
Quellen
- Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag 2014.
- Regensburger Denkmalbriefe. HG.: Stadt Regensburg, Amt für Archiv und Denkmalpflege. 2009.
- Bernhard Lübbers: Regensburg. Biografie einer Stadt. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2025.









