Regensburg hat einen Kinder-Podcast
Auf Zack! heißt nicht nur der städtische Kinderpodcast, auf Zack ist auch die Crew dahinter – nämlich Kinder und Jugendliche aus Regensburg, die regelmäßig neue Folgen produzieren. Wir von regensburg507 duften bei der Aufzeichnung zum Thema „Barrieren überwinden“ dabei sein.
Die Podcast-Crew mit Gast Henry und dem Sozialpädagogen Michael Jungbauer aus dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum in Regensburg
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Bilddokumentation Stadt Regensburg16. März 2026
Ab welchem Alter werden Kinder an der Wursttheke eigentlich nicht mehr gefragt, ob sie eine Gelbwurst probieren möchten? 10 ist definitiv zu alt, oder? Henry, diesmal Gast im Podcast, ist sogar schon 17 und hörte die Frage bis vor Kurzem immer noch. Er nennt diese Story einen „Funfact“ seiner Behinderung, über den er sich sogar freut. Henry wächst sehr langsam und wird deshalb viel jünger geschätzt als er ist. Seine Beeinträchtigung stellt ihn oft vor Barrieren, bringt ihm aber gelegentlich auch Vorteile, die er – wie die Gelbwurst – dann gern annimmt. Und auch die Podcastkinder finden das irgendwie schon ganz cool.
Witze über die eigene Behinderung zu machen, ist total ok, Witze über die Behinderung anderer zu machen aber nicht, das macht Henry auch gleich klar. Gespräche, in denen so offen und ehrlich und auch lustig über schwierige oder sehr persönliche Themen gesprochen wird, gibt es im städtischen Kinderpodcast Auf Zack! zu hören. Produziert wird er im Mehrgenerationenhaus in der Ostengasse, dort gibt es ein professionell eingerichtetes Studio für Medienprojekte wie diese. Auch TV-Sendungen werden hier immer wieder von Jugendlichen produziert.
Profistudio in Kinderhand
Felix und Theo am Mischpult
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Bilddokumentation Stadt RegensburgBis zu acht Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren treffen sich für jede Podcastfolge dreimal, 17 Ausgaben gibt es bereits. Sie bestimmen selbst die Themen, recherchieren und bereiten die Inhalte vor, überlegen sich ein passendes Quiz, machen Straßenumfragen und laden meist einen Gast ein – so wie diesmal Henry zum Thema Barrieren überwinden. Er hat zusätzlich den „Erfinder“ von Auf Zack! mitgebracht, der inzwischen in Henrys Schule, dem Pater-Rupert-Mayer-Zentrum, als Sozialpädagoge arbeitet. In der Folge mit Henry macht den Hauptteil die so genannte „Talkshow“ aus. Alle Kinder sind an der Gesprächsrunde beteiligt, jeder kann sich einklinken, wenn er was zu sagen oder zu fragen hat. Das erfordert aber auch höchste Disziplin, denn alle Mikros sind die ganze Zeit offen. Durcheinanderreden ist also nicht drin, jeder kleine Pieps wäre zu hören, auch wenn gerade jemand anderes spricht. Denn die Zuhörer sollen später ja alles gut verstehen können. Dafür sorgen Felix und Theo. Die beiden Jungs der Podcastcrew sind für den Sound und die Aufnahme zuständig. Theo bleibt dabei total cool, er ist schon seit der ersten Folge mit dabei und daher ein alter Hase: „Wir pegeln am Anfang die Lautstärke und machen die Tonproben bei allen, dann kann´s losgehen.“
Deep Talk – schnell wird´s tiefgründig
Linn und Mina haben Spaß am Podcastproduzieren.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgAls Beobachterin werde ich überrascht, wie schnell dieses Gespräch an Tiefe gewinnt. Anfangs überlegen die Mädchen noch, wen sie mit einer Behinderung kennen und was eine Behinderung eigentlich ist. Dann werden die Fragen an Henry langsam direkter: Wie ist das in deiner Schule, was macht ihr da den ganzen Tag? Oder: Wie gehst du damit um, wenn dich jemand blöd anredet? Und da Henry sehr offen antwortet, trauen sich auch die Podcasthosts zu erzählen, wo sie selbst schon Barrieren begegnet sind. Und damit sind wir beim Thema Diskriminierung aufgrund von Äußerlichkeiten angelangt, kommen auf Mobbing in der Schule und landen bei Diversität. „Wäre es nicht schön, wenn es jedem egal wäre, wie jemand aussieht?“ stellt die 15-jährige Hannah klug in den Raum. Das ist es auch, was die Kinder an dem Projekt so fasziniert: „Ich mag es, was über andere zu erfahren und mir eine Meinung zu bilden über etwas, wovon ich noch keine Ahnung hatte“, findet Linn. „Besonders interessant fand ich, wie Henry damit umgeht, wenn er von anderen blöd angeredet wird.“ Mina interessiert es jedes Mal, „…über ein Thema Neues herauszufinden.“ Und die Bandbreite ist groß: Schönheit war schon einmal Thema, das hat die elfjährige Josefine besonders spannend gefunden. Für sie ist der Podcast außerdem ein gutes Training: „Ich möchte mal TV-Moderatorin werden“, sagt sie und strahlt. Auch über Sport & Bewegung, Ängste, Haustiere, Schutz des Meeres oder Soziales Engagement hat die Podcastcrew schon gesprochen.
Unterstützung durch städtische Medienpädagogin
Die MGH-Pädagogin Anna Greß (links) hält sich während der Aufzeichnung mit ihrer Kollegin Julia Bräu im Hintergrund.
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Bilddokumentation Stadt RegensburgUnterstützt werden die Kinder von zwei Medienpädagoginnen. Anna Greß hat den Podcast von ihrem ehemaligen Kollegen übernommen und selbst viel Spaß an der Sache: „Für mich ist es toll zu sehen, was die Kinder gemeinsam alles schaffen und auf welche Ideen sie kommen. Die Arbeit am Podcast fördert ihr Gemeinschaftsgefühl und zeigt ihnen ihre Selbstwirksamkeit.“ Aber es geht um mehr: Die Produktion des Podcasts stärkt auch die Medienkompetenz der Mädchen und Jungen. „Welche Themen sind gerade aktuell und welche verschiedenen Standpunkte gibt es dazu? Wo finde ich seriöse Informationen darüber? Und wie spreche ich mit anderen über ein – vielleicht sogar etwas aufgehetztes –Thema, Stichwort Debattenkultur. Da bietet unser Podcast Auf Zack! eine super Spielwiese!“, betont Anna Greß.
„Schöne Grüße an den Cutter“, johlen die Kids dann auch, wenn was schiefgeht. Gemeint ist dann Anna: „Wenn wir bei unseren Treffen genug Zeit haben, schneiden wir die Folge mit den Kindern gemeinsam. Oft wird es dann aber doch etwas knapp, dann mach ich den Rest eben allein“, erklärt sie. Zu hören sind die Folgen auf der Seite des städtischen MGHs und auf Youtube. Neue, junge Podcasthosts sind übrigens immer willkommen!
Text: Claudia Biermann

