Der Regensburger Dachauplatz – Ein Platz mit vielen Namen

Viele Regensburgerinnen und Regensburger nutzen den Dachauplatz als Umsteigeort: Von Bus zu Bus – oder vom Auto auf die eigenen Füße, etwa wenn ein Stadtbummel ansteht. Überragt wird der Platz heute von einem großen Parkhaus mit angeschlossener Markthalle. Der geschäftige Platz hat eine durchaus wechselhafte Geschichte – die ihm schon mindestens vier verschiedene Bezeichnungen eingebracht hat.

Fotografie: Treiben auf dem Dachauplatz © Bilddokumentation Stadt Regensburg

30. März 2026

Der zentrale Platz am östlichen Rand der Altstadt lag zur Zeit der Römer knapp außerhalb ihres Lagers – davon zeugen bis heute Reste der Römermauer, die im Untergeschoss des Parkhauses für jedermann zu besichtigen sind. Entdeckt wurden diese bei dessen Bau in den 1970er-Jahren. 100 Jahre zuvor hatten Arbeiter beim Bau des Karmeliten-Brauhauses bereits das Fundament eines der vier Tore des Römer-Castells ausgegraben. Seine Inschrift ist heute im Historischen Museum ausgestellt und gilt als „Gründungsurkunde“ der Stadt, die das Jahr 179 n. Chr. belegt.

Für Anfang des 19. Jahrhunderts ist für den etwa 2.700 Quadratmeter großen Platz dieser Name überliefert: Klarenanger. Angelehnt war dieser an das Franziskanerinnenkloster St. Klara, das hier seit dem 13. Jahrhundert beheimatet war und 1809 – beim Angriff der Franzosen auf die Stadt im April – niederbrannte. Die Ruine wurde in weiten Teilen abgetragen.
Diese Zerstörung war aber nicht nur das Ende des Klosters, sondern zugleich die Geburtsstunde des heutigen Platzes. Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts war im Rahmen der Säkularisation das im 13. Jahrhundert gebaute Minoritenkloster St. Salvator auf der östlichen Straßenseite aufgelöst und als Kaserne genutzt worden. 1860 entstand am nördlichen Rand die Karmelitenbrauerei, später das gleichnamige Hotel, das heute modernen Wohnungen gewichen ist. 

Fotografie: Bauinschrift des Osttors der Legionslagers. Kaiser Mark Aurel ließ 179 an der Grenze seines Reichs zu den Germanen, in einem befestigten Truppenstützpunkt eine Legion Soldaten stationieren. Bauinschrift des Osttors der Legionslagers. Kaiser Mark Aurel ließ 179 an der Grenze seines Reichs zu den Germanen, in einem befestigten Truppenstützpunkt eine Legion Soldaten stationieren. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Aus Klosterhänden in Militärherrschaft

In dem großen Gebäude, in dem heute das Historische Museum der Stadt und ein Café mit klösterlichem Innenhof beheimatet sind, lebten nach den Mönchen Soldaten. Die freie Fläche davor wurde als Militärübungsplatz genutzt. In der Kirche waren über die Jahrhunderte auch eine Lagerhalle, eine Garage und eine Auktionshandlung untergebracht. 1931 kaufte die Stadt den Gebäudekomplex für ein Stadtmuseum. In den 1930er-Jahren wurden auf der östlichen Seite des Platzes zudem einige Häuser abgerissen, um Platz für ein neues kommunales Verwaltungszentrum zu schaffen, das sogenannte technische Rathaus, heute Neues Rathaus genannt.

Nazis missbrauchten den Ort

Fotografie: Aufmarsch der Hitlerjugend 1941Aufmarsch der Hitlerjugend 1941 © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 hieß der Platz dann für ein paar Jahre Moltkeplatz – nach dem preußischen Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke (1800 – 1891).
Die Nazis nutzen den Platz für ein drastisches Zeichen ihrer Willkürherrschaft. Nachdem sich Domprediger Dr. Johann Maier, der Arbeiter Josef Zirkl und der pensionierte Polizeiinspektor Michael Lottner am 23. April 1945 für die kampflose Übergabe der Stadt an die Amerikaner stark gemacht hatten, wurden sie mitten in der Nacht dort erhängt – bzw. ihre Leichname dort zur Abschreckung präsentiert. 

Mahnmal für Nazi-Opfer

Fotografie: Mit dieser Säule gedenkt die Stadt seit 1975 vor Ort den Opfern der Nationalsozialisten.Mit dieser Säule gedenkt die Stadt seit 1975 vor Ort den Opfern der Nationalsozialisten. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Nach dem Krieg benannte die Stadt den Platz im Gedenken an die vielen Menschen, die im KZ ermordet worden waren, in Dachauplatz um. Noch heute führt der jährliche städtische Gedenkweg am 23. April auch dort vorbei.

Fotografie: Der heutige Dachauplatz im Jahr 1920Fotografie: Der große Platz wurde auch für Märkte benutzt (1939).Fotografie: Die Nationalsozialisten ließen im Untergrund des „Moltkeplatzes“ eine große Löschwasserzisterne einbauen.Fotografie: Das Dach der Minoritenkirche ist noch immer nicht wiederaufgebaut. Im Oktober 1944 war es bei einem schweren Luftangriff auf die Stadt beschädigt worden (1946).Fotografie: In den 1950er Jahren wurde der Platz als Parkplatz und Umsteigeort genutzt.

Umgestaltung Anfang der 1970er-Jahre

Fotografie: Luftaufnahme des Dachauplatzes nach der Umgestaltung mit Parkhaus © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Nach dem Krieg wurde der Platz lange als oberirdischer Parkplatz genutzt. Ende der 1960er-Jahre entschloss sich die Stadt auf der großen Freifläche ein großes Parkhaus zu errichten, um viele zentral gelegenen Parkplätze anbieten zu können. Im Zuge dessen wurde auch der verbleibende Platz davor gestaltet – mit Springbrunnen, Pflanzbeeten und Bänken zum Verweilen. Der heutige Brunnen mit Lichtersäulen wurde 2018 errichtet und stammt aus der Feder des Berliner Künstlers Hans Jörg Wiegener. Ein kleines Café am Platz, weitere Gastronomie in und um die Markthalle herum sowie zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten machen den Platz heute zu einem Ort der kurzen Wege.

Text: Claudia Biermann

Die Reihe Regensburger Plätze entstand in Kooperation mit Janina Rummel von der Abteilung Welterbekoordination. Weitere spannende Einblicke in das baukulturelle Erbe von Regensburg finden Sie unter www.regensburg.de/welterbe.

Weitere Informationen

Zum Museum am Dachauplatz

Historisches Museum

Quellen

  • Karl Bauer: Regensburg. Kunst-, Kultur- und Alltagsgeschichte. MZ-Buchverlag 2014.
  • Statistisches Jahrbuch der Stadt Regensburg 2023.
  • Denkmalpflege in Regensburg, Band 15. Verlag Friedrich Pustet 2018.
  • Peter Morsbach, Hermann Hage, Hanna Specht: Der zeitlose Augenblick. Regensburgs erster Stadtfotograf Christoph Lang 1937 bis 1959. Peter Morsbach Verlag 2019.
  • Peter Morsbach und Stefan Effenhauser: Alltag. Wandel. Leben. Regensburgs erster Stadtfotograf Christoph Lang 1937 bis 1959. Peter Morsbach Verlag 2020.
  • Peter Morsbach, Hermann Hage, Hanna Specht: Eine Stadt im Zweiten Weltkrieg - Regensburgs erster Stadtfotograf Christoph Lang 1937 bis 1959. Peter Morsbach Verlag 2020.
  • Haus der Bayerischen Geschichte – Klöster in Bayern

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