Regensburger Wärmeplan – Wichtiger Meilenstein für die Energiewende
Wie heizen wir in Regensburg in Zukunft? Welche Energiequellen sind sinnvoll, um unsere Häuser künftig klimafreundlich und bezahlbar zu versorgen? Antworten auf diese Fragen liefert der Regensburger Wärmeplan, der jetzt im Entwurf vorliegt und noch bis 25. März 2026 eingesehen werden kann.
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skysurfa / 123RF.com24. Februar 2026
Die energetische Sanierung von Gebäuden und die Umstellung auf eine klimaneutrale Wärmeversorgung sind wichtige Hebel, um die CO2-Emissionen zu reduzieren und die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen. Deshalb hat die Stadt gemeinsam mit der Energieagentur Regensburg einen kommunalen Wärmeplan erarbeitet. Grundlage dafür ist das „Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze“ (Wärmeplanungsgesetz – WPG), das am 1. Januar 2024 in Kraft getreten ist. Es verpflichtet Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern dazu, bis spätestens 30. Juni 2026 einen kommunalen Wärmeplan vorzulegen. Mit diesem verfolgt die Stadt das Ziel, aufzuzeigen, in welchen Gebieten der Stadt sich welche erneuerbaren Energiequellen eignen und wie Regensburg bis zum Jahr 2040 möglichst effizient, wirtschaftlich und sozialverträglich eine klimaneutrale Wärmeversorgung erreichen kann.
Auf dem Weg zu einer regenerativen Wärmeversorgung
Bereits Anfang 2024 hat die Stadt in Zusammenarbeit mit der Energieagentur Regensburg mit der kommunalen Wärmeplanung begonnen. Neben verwaltungsinternen Abstimmungen lag der Fokus hierbei auf der Einbindung von zentralen Akteuren wie Energieversorgern, Wärmenetzbetreibern, großen Wärmeabnehmern aus der Industrie, der Immobilienwirtschaft sowie der Information der Bürgerinnen und Bürger.
In einem ersten Schritt wurde eine Analyse des Ist-Zustands der Wärmeversorgung in Regensburg durchgeführt. Im Rahmen dieser Bestandsanalyse hat das Amt für Stadtentwicklung gemeinsam mit der Energieagentur sowohl die Gebäude und die dort derzeit eingesetzten Heizungsarten als auch die dafür verwendeten Energieträger und die Energieverbräuche analysiert und stadtteilbezogen dargestellt. „Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Handlungsbedarf“, erklärt Armin Mayr, Abteilungsleitung der Entwicklungsplanung, der gemeinsam mit seinem Team den Wärmeplan erarbeitet hat. „Rund 70 Prozent der Gebäude im Stadtgebiet wurden vor 1979 errichtet – in einer Zeit, in der es noch keine energetischen Anforderungen an Gebäude gab. Entsprechend hoch ist der Anteil fossiler Energieträger am heutigen Wärmeverbrauch. So entfallen etwa 80 Prozent der Endenergie auf Erdgas, weitere rund 10 Prozent auf Heizöl.“
Übersicht über die dominierende Art der Heizsysteme je Teilgebiet
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Energieagentur RegensburgEinsparpotenziale und erneuerbare Wärmequellen
Basierend auf der Bestandsanalyse wurden in einem zweiten Schritt die Potenziale zur Wärmeeinsparung untersucht – mit dem Ergebnis, dass der Wärmebedarf in Regensburg bis zum Jahr 2040 durch energetische Sanierungen und effizientere Gebäudetechnik voraussichtlich um rund 12 Prozent reduziert werden kann. Parallel dazu wurden mögliche erneuerbare Wärmequellen für Regensburg ermittelt: „Die Analyse zeigt, dass sich im Stadtgebiet insbesondere die oberflächennahe Geothermie sowie die Nutzung von Flusswärme, aber auch Solarthermie und Biomasse eignen. Weitere wichtige Optionen sind die Nutzung von Grundwasser, dessen Potenzial derzeit nur eingeschränkt abschätzbar ist, sowie Umweltwärme aus der Luft, die grundsätzlich unbegrenzt zur Verfügung steht“, so Mayr weiter. Auch die Nutzung von Abwärme aus dem Abwasser oder der Industrie bietet ein hohes Potenzial.
Da die Wärmeversorgung künftig stark von Wärmepumpen geprägt sein wird, deren Strombedarf ebenfalls klimaneutral gedeckt werden muss, haben Mayr und sein Team auch die Potenziale zur Erzeugung erneuerbaren Stroms betrachtet. Die Untersuchung zeigt, dass die Potenziale der erneuerbaren Energiequellen jahresbilanziell ausreichen, um den zukünftigen Wärmebedarf decken zu können.
Mögliches Zielszenario für das Jahr 2040
Als Ergebnis aus der Bestands- und Potenzialanalyse hat das Amt für Stadtentwicklung anschließend ein Zielszenario ausgearbeitet, das eine mögliche erneuerbare Wärmeversorgung für das Jahr 2040 skizziert: „Hierfür haben wir das Stadtgebiet in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete eingeteilt und insgesamt 133 Teilgebiete definiert“, erläutert Mayr. Für diese wurde jeweils festgelegt, ob sie sich für die Errichtung eines Wärmenetzes eignen oder ob sich hier eine dezentrale Wärmeversorgung anbietet. Jeweils rund die Hälfte der Gebiete wurden als Wärmenetzgebiete und dezentral zu versorgende Gebiete eingeteilt. „Für die Altstadt, den Oberen und Unteren Wöhrd sowie Stadtamhof konnte keine finale Aussage getroffen werden. Diese Stadtteile wurden als Prüfgebiete eingestuft“, so Mayr. Grund hierfür sind die besonderen Herausforderungen hinsichtlich der Errichtung von Wärmenetzen, aber auch hinsichtlich der gebäudespezifischen Installation von klimaneutralen Heizungen. Als weiteres Prüfgebiet wurde der Stadtteil Harting eingestuft, da dieser sich weniger für die Errichtung eines Wärmenetzes eignet: „Da in der näheren Umgebung aber geplant ist, zur Versorgung der Industrie ein Wärmenetz zu errichten, wird gegebenenfalls auch eine Versorgung von Harting möglich.“
Übersicht über die voraussichtlichen Wärmeversorgungsgebiete in den Stützjahren
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Energieagentur Regensburg Im betrachteten Szenario setzt sich der Endenergieverbrauch laut Armin Mayr im Jahr 2040 zu jeweils rund einem Drittel aus Biomethan, Biomasse und Strom für Wärmepumpen und Direktheizungen sowie kleineren Anteilen von Solarthermie, Wasserstoff und industrieller Abwärme zusammen: „Der Endenergieverbrauch könnte durch Wärmeeinsparungen und den Umbau der Wärmeversorgung so um fast 53 Prozent reduziert werden.“
Frühzeitige Planung für zukünftige Wärmelösungen
Der nun vorliegende Wärmeplan ist ein strategischer Fahrplan für die zukünftige Wärmeversorgung in Regensburg. Er zeigt auf, welche Heiztechniken in welchem Viertel perspektivisch sinnvoll sind, wie erneuerbare Energien eingebunden werden können und welche Potenziale für Wärmeeinsparungen bestehen: „Die Ergebnisse der Wärmeplanung sind rechtlich unverbindlich, das bedeutet, dass niemand zu einer bestimmten Heizungsart verpflichtet wird. Der Wärmeplan zeigt vielmehr Perspektiven auf und dient somit als wichtige Orientierung für Verwaltung, Politik, Energieversorger, Unternehmen und private Haushalte“, erklärt Planungs- und Baureferent Florian Plajer. Dies sei besonders vor dem Hintergrund des Gebäudeenergiegesetz wichtig, das der Deutsche Bundestag bereits im September 2023 beschlossen hat. Danach müssen ab 1. Juli 2026 im Gebäudebestand neu installierte Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Bestehende Heizungen dürfen jedoch noch bis Ende 2044 beliebig repariert und weiterbetrieben werden: „Für Hauseigentümer mit älteren Heizungsanlagen ist das eine Herausforderung. Sie, aber auch die Industrie und das Handwerk brauchen jetzt verlässliche Rahmenbedingungen, um künftige Investitionen rechtzeitig und sinnvoll planen zu können. Der Regensburger Wärmeplan ermöglicht es, frühzeitig koordiniert zu handeln, statt später unter Zeitdruck reagieren zu müssen.“
Beteiligung der Öffentlichkeit
Im Sinne einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung haben Interessierte ab sofort die Möglichkeit, sich online oder vor Ort über die Ziele und Zwecke der kommunalen Wärmeplanung zu informieren sowie Hinweise und Anregungen einzubringen. Hierfür wird der Entwurf des Regensburger Wärmeplans bis einschließlich 25. März 2026 auf der Webseite der Stadt Regensburg veröffentlicht.
Ergänzend kann der Entwurf des Wärmeplans in diesem Zeitraum bei der Stadt Regensburg, Amt für Stadtentwicklung (Neues Rathaus, D.-Martin-Luther-Straße 1 in 93047 Regensburg, Zimmer 1.064) montags bis mittwochs von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr, donnerstags von 8.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 12 Uhr eingesehen werden.
Anregungen und Hinweise können im Zeitraum von 24. Februar bis 25. März 2026 per E-Mail an ZWQuZ3J1YnNuZWdlciRlZG5ld2VpZ3JlbmU= sowie bei Bedarf schriftlich an oben genannte Postanschrift oder mündlich zur Niederschrift eingebracht werden. Rückmeldungen, die nach dem 25. März 2026 eingehen, können nicht mehr berücksichtigt werden.
Informationsveranstaltung zu den Ergebnissen des Regensburger Wärmeplans
Interessierte haben am Dienstag, 10. März 2026, außerdem die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Informationsveranstaltung über die wesentlichen Ergebnisse des Wärmeplans zu informieren und ihre Fragen und Anregungen einzubringen. Die Veranstaltung findet um 18 Uhr im Energie-Bildungszentrum um:welt in der Rudolf-Vogt-Straße 18 in Regensburg statt. Für eine bessere Planbarkeit wird um Anmeldung bis spätestens Dienstag, 3. März 2026, per E-Mail an ZWQuZ3J1YnNuZWdlciRlZG5ld2VpZ3JlbmU= gebeten.
Text: Verena Danner


