Planungsgebiet Nord
Um auch langfristig angemessen auf den wachsenden Bedarf an Wohnraum, Gewerbeflächen und städtischer Bildungs-, Sport- und Sozialinfrastruktur reagieren zu können, setzt sich die Stadt Regensburg intensiv mit der zukünftigen Entwicklung größerer Stadterweiterungsräume auseinander. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf einem rund 107 Hektar großen Gebiet im Regensburger Norden zwischen Haslbach und Wutzlhofen, für das der Stadtrat im Herbst 2024 einen Rahmenplan als Grundlage für weitere Untersuchungen und Planungen beschlossen hat. Ziel ist es, Perspektiven für einen nachhaltigen, gemischt genutzten Stadtteil zu entwickeln, der Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Soziales, Kultur, Gewerbe und Nahversorgung in einem urbanen Stadtraum miteinander verbindet.
Aktuelles
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Hansa Luftbild AGMit dem Ziel, für die Entwicklung dieses Areals frühzeitig neue Impulse, vielschichtige Varianten und kreative Ideen zu gewinnen, hat sich die Stadt Regensburg am internationalen Planungs- und Architekturwettbewerb EUROPAN E18 beteiligt. EUROPAN tritt für innovative, zukunftsweisende und nachhaltige Stadtplanung ein. Der Wettbewerb verfolgt das Ziel, den vorhandenen Boden mit Respekt zu behandeln, Ressourcen klug zu nutzen und neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens zu denken.
Im Rahmen dieses Wettbewerbs haben von Frühjahr bis Herbst 2025 insgesamt 22 Teams aus neun Ländern ihre Ideen für ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Stadtquartier im Regensburger Stadtnorden eingereicht – mit neuen Wohnformen, innovativen Mobilitätskonzepten, großzügigen Grünräumen, flexiblen Arbeitsorten und lebendigen Nachbarschaften.

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Ab Oktober 2025 beurteilten zunächst nationale, anschließend internationale Jurys die eingegangenen Entwürfe. Die internationale Jury vergab schließlich einen ersten Preis an den Entwurf „Zam wachsn“, eine Anerkennung an den Entwurf „GreenCityPuzzle“ sowie eine lobende Erwähnung an den Entwurf „Regensburger Nordstern“. Die offizielle Preisverleihung fand am 5. Dezember 2025 in Berlin statt.
Fotos von der Preisverleihung in Berlin
Erster Preis: "zam wachsn"
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Gordon Welters Team: Mara Foerster, Hannah Andree, Johanna Kern, Moritz Molitor, Sabeth Rosenbrück, Maxima Schad, Susanne Weppler
Der Entwurf „zam wachsn“ entwickelt das Gebiet zu einem integrierten, nachhaltigen Stadtraum, der bestehende Stadt- und Landschaftsstrukturen aufnimmt und weiterdenkt. Vorgesehen sind sechs neue Quartiere, die sich in Typologie, Dichte und Nutzung am jeweiligen Umfeld orientieren und nach dem Prinzip der 15-Minuten-Stadt organisiert sind: Wohnen, Versorgung, soziale Infrastruktur und Freizeitangebote liegen in kurzen Wegen erreichbar.
Die überwiegend zwei- bis viergeschossige Bebauung gruppiert sich um gemeinschaftliche Innenhöfe. Quartierstürme, inspiriert von den historischen Regensburger Patriziertürmen, setzen identitätsstiftende Akzente und bündeln gemeinschaftliche Nutzungen. Zusammen mit Quartiersgaragen bilden sie zentrale Mobilitätspunkte mit Angeboten wie Car- und Bikesharing. Ergänzt wird das Konzept durch einen neuen Bahnhof mit Busterminal als übergeordnete Mobilitätsdrehscheibe. Das gesamte Gebiet ist verkehrsberuhigt gestaltet, mit klarer Priorität für Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr.
Ein durchgängiger landschaftlicher Freiraum, der „Greenconnector“, verbindet alle Quartiere miteinander. Er dient der Erholung, Orientierung, dem Klimaausgleich und der Förderung der Biodiversität. Grüne Innenhöfe, Gemeinschaftsgärten, Spielflächen und naturnahe Freiräume ergänzen das System. Entsiegelte Flächen, rund 3.300 neue Bäume sowie ein nachhaltiges Regenwassermanagement verbessern das Mikroklima.
Das architektonische Konzept setzt auf gemeinschaftsorientierte Wohnformen mit flexiblen Grundrissen und bietet Spielräume für Baugruppen und Genossenschaften. Nachhaltiges Bauen mit Dachbegrünung, Photovoltaik und ökologischen Materialien ist integraler Bestandteil.
Die Entwicklung erfolgt in sechs eigenständig funktionsfähigen Bauabschnitten, beginnend im Süden am Mobilitätsknoten und schrittweise nach Norden. Ziel ist eine lebendige, sozial gemischte und klimaangepasste Stadtstruktur, die langfristig tragfähig ist.
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Zam wachsn - Team Foerster, Andree, Kern, Molitor, Rosenbrück, Schad, Weppler Anerkennungspreis: "GreenCityPuzzle"
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Gordon Welters Team: Yannick Güdter, Julia Hohmann, Simon Lach, Emely Mathes, Tillmann Cornelius Ratajczak, Raphael Stark
Der Entwurf „Greencitypuzzle“ verfolgt keinen klassisch ausgearbeiteten städtebaulichen Masterplan, sondern versteht sich als offenes, modulares Entwicklungssystem. Im Mittelpunkt steht eine methodische Herangehensweise, die Stadtentwicklung als langfristigen, veränderbaren Prozess begreift und bewusst auf hohe Flexibilität ausgelegt ist. Anstelle einer festen Endplanung wird ein Katalog an städtebaulichen und landschaftlichen „Puzzleteilen“ vorgeschlagen, die je nach Bedarf, zeitlichem Horizont und Rahmenbedingungen kombiniert und weiterentwickelt werden können.
Zentrale Elemente dieses Systems sind ein umlaufender Waldring, Blumenwiesen als ökologische und funktionale Pufferzonen, gesicherte Frischluftkorridore sowie öffentliche Grün- und Parkflächen im Inneren der Quartiere. Die Bebauung ist als durchlässige Blockrandstruktur konzipiert, die Freiräume in das Quartier hineinzieht und eine enge Verzahnung von Wohnen, Freiraum und gemeinschaftlichen Nutzungen ermöglicht. Auch die Wohn- und Bautypologien sind variabel angelegt und umfassen unter anderem hofartige Wohnformen („Yard Living“), Clusterwohnen sowie öffentlich und gemeinschaftlich genutzte Räume.
Der Entwurf zielt darauf ab, auf die Dynamik langfristiger Stadtentwicklungsprozesse zu reagieren und der Problematik entgegenzuwirken, dass Planungen zum Zeitpunkt ihrer Umsetzung häufig bereits überholt sind. Durch den modularen Aufbau und die Offenheit des Systems soll eine schrittweise Entwicklung ermöglicht werden, die auf veränderte soziale, ökologische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen reagieren kann. „Greencitypuzzle“ liefert damit weniger eine konkrete räumliche Festlegung als vielmehr ein robustes konzeptionelles Gerüst, das als Grundlage für eine flexible Weiterentwicklung des Stadtteils dienen kann.
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GreenCityPuzzle - Team Güdter, Hohmann, Lach, Mathes, Ratajcak, Stark Lobende Erwähnung: "Regensburger Nordstern"
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Gordon Welters Team: Lorenz Brösch, Eva Hoppmanns, Johannes Zerfaß
Der Entwurf „Regensburger Nordstern“ basiert auf einem sternförmigen grünen Geflecht, das als ordnendes Grundgerüst die Verbindung von Stadt und Landschaft herstellt. Von einem zentralen „Sternpark“ ausgehend verknüpft dieses Grüngerüst die neuen Quartiere untereinander und bindet sie funktional und ökologisch in die umgebenden Landschaftsräume ein. In dieses System fügen sich kompakte Nachbarschaftsinseln mit jeweils eigenen Quartiersplätzen ein, die eine klare Gliederung des Stadtteils ermöglichen.
Im Mittelpunkt des neuen Stadtteils liegt der neue Bahnhaltepunkt, an den ein urbanes Zentrum mit Bibliothek, Nahversorgung, Mobilitätsangeboten und weiteren gemeinschaftlichen Nutzungen angebunden ist. Dieses Zentrum bildet das Herz der Stadterweiterung und verbindet die einzelnen Wohnquartiere mit den großzügigen Grünräumen des Regensburger Nordens. Entlang einer sozialen Achse sind zentrale Einrichtungen wie ein Bildungscampus, ein Schwimmbad sowie ein Energiezentrum angeordnet, wodurch öffentliche Funktionen räumlich gebündelt und gut erreichbar sind.
Die städtebauliche Struktur kombiniert unterschiedliche Bebauungstypologien, von gefassten Blockstrukturen und punktuellen Hochpunkten im Zentrum bis hin zu kleinteiligeren Wohnformen an den Rändern. Blau-grüne Korridore durchziehen das Quartier und integrieren bestehende Biotope, Streuobstwiesen und Retentionsflächen in das Freiraumsystem. Das Mobilitätskonzept konzentriert sich auf den Bahnhaltepunkt als zentralen Knoten mit Park-and-Ride-, Bus- und Fahrradinfrastruktur und ermöglicht eine weitgehend autofreie Erschließung der Quartiere.
Ein besonderer Schwerpunkt des Entwurfs liegt auf dem Energiekonzept. Vorgesehen ist eine weitgehend autarke Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien wie Solarenergie und Geothermie, ergänzt um perspektivisch einsetzbare Zukunftstechnologien, unter anderem Wasserstoff. Das Energiezentrum ist räumlich in die soziale Mitte integriert und versteht sich als sichtbarer Bestandteil des Quartierskonzepts.
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Regensburger Nordstern - Team Brösch, Hoppmanns, Zerfaß Wie geht es nun weiter?
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Stadt Regensburg, Amt für Stadtplanung und MobilitätEin erster Blick in die Zukunft des Areals ist bereits Ende Januar möglich:
Vom 26. bis 30. Januar 2026 werden im M26 in der Maximilianstraße alle Arbeiten des städtebaulichen Wettbewerbs EUROPAN E18 öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung bietet die Gelegenheit, die unterschiedlichen Entwurfsideen kennenzulernen und die Bandbreite der eingereichten Konzepte zu entdecken.
Die Eröffnung findet am 26. Januar statt. Ab 19 Uhr ist die Ausstellung für die Öffentlichkeit geöffnet, der offizielle Veranstaltungsbeginn ist um 20 Uhr. Auf dem Programm stehen ein Grußwort der Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, ein Impulsvortrag zu aktuellen Herausforderungen der Stadtentwicklung von Prof. Dr. Univ. Florence Elisabeth Merk, Stadtbaurätin der Landeshauptstadt München, sowie ein Redebeitrag des Planungs- und Baureferenten Florian Plajer. Die drei ausgezeichneten Wettbewerbsteams sind ebenfalls vor Ort und stellen ihre Entwürfe persönlich vor.
Mit der Ausstellung ist das Wettbewerbsverfahren jedoch noch nicht abgeschlossen. Bis Mitte 2026 können die Entwurfsideen im Rahmen von Vertiefungsworkshops unter dem Label EUROPAN gemeinsam mit den ausgewählten Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmern weiterentwickelt und an die spezifischen Anforderungen und Zielsetzungen der Stadt Regensburg angepasst werden.
Ziel ist die Erarbeitung eines tragfähigen städtebaulichen Rahmenplanes für das Gesamtareal. Dabei soll der bestehende Rahmenplan Regensburg Nord, der bislang im Wesentlichen Flächennutzungsverteilungen festlegt, fortgeschrieben und um konkretisierende städtebauliche Inhalte ergänzt werden. Dazu zählen insbesondere Aussagen zu Gebäudestrukturen, Höhenentwicklungen, Erschließungskonzepten und Nutzungszuordnungen. Als fachliche Grundlage sollen die im EUROPAN-Wettbewerb entwickelten Ideen herangezogen werden.
Parallel dazu werden für einen ersten Teilbereich zwischen Chamer Straße und Bahnlinie bereits die Vorbereitungen für die Bauleitplanung aufgenommen. Entsprechende Beschlussfassungen sind für das Frühjahr 2026 vorgesehen, sodass in den Folgejahren an der Schaffung von Baurecht gearbeitet wird.
Unabhängig davon arbeitet die Deutsche Bahn AG gemeinsam mit der Stadt am Ausbau eines neuen Bahnhaltepunktes in der östlichen Verlängerung der Frauenzellstraße/ Pilsenallee, der voraussichtlich Ende 2029 in Betrieb genommen werden soll.
Weitere Informationen
Beschluss zum Rahmenplan Regensburg Nord
Informationen zum Wettbewerb
EUROPAN E18-Wettbewerb am Standort Regensburg
Europan Deutschland – Wettbewerb E18 – E18: Regensburg
Ergebnisse des EUROPAN E18-Wettbewerbs
Europan Deutschland – Archiv – E18: Ergebnisse
Ansprechpartner
Bürger- und Verwaltungszentrum
D.-Martin-Luther-Straße 3
Zimmer: 2.21 BVZ
93047 Regensburg
(0941) 507-4613
(0941) 507-4619
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