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Catrin Bolt

1 CATRIN BOLT, ÖSTERREICH 

Bayern 1 (Flackern)
Videoinstallation, 2018
document Neupfarrplatz 

Sehenswürdigkeiten
Fotografie, 2018
Städtische Galerie im Leeren Beutel 

Catrin Bolt lebt in Wien und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste. Sie arbeitet mit Fotografien sowie Projekten im öffentlichen Raum. Die Otto-Mauer-Preisträgerin gewann unter anderem den künstlerischen Wettbewerb der Universität Wien zur Ehrung von Wissenschaftlerinnen. 

Der Neupfarrplatz spiegelt 2000 Jahre Stadtgeschichte: Es finden sich Zeugnisse des römischen Legionslagers, des 1519 zerstörten mittelalterlichen jüdischen Viertels, einer Marienwallfahrt aus dem 16. Jahrhundert, der Reformation bis hin zu einem Luftschutzbunker aus der Zeit des Nationalsozialismus. 

Die Arbeit von Catrin Bolt erinnert an das mittelalterliche jüdische Viertel. Auf dem heutigen Platz standen knapp 40 Häuser, darunter öffentliche Gebäude; hier lebten ungefähr 500 Menschen. Vor dem Hintergrund des wirtschaftlichen Niedergangs der Stadt im Spätmittelalter wuchs die antijüdische Stimmung in Regensburg. Im Jahr 1519 wurden die Juden enteignet, vertrieben und ihre Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. 

Die Keller und Häuserreste liegen unmittelbar unter dem weitläufigen Neupfarrplatz, wie ein weiteres Stockwerk. Catrin Bolts Videoinstallation kommt mit wenigen Mitteln aus und soll den Platz wie eine Skulptur bespielen. Durch eine Glasscheibe im Boden des Neupfarrplatzes dringt das Flackern eines Fernsehers an die Oberfläche, so als würde dort noch jemand wohnen. „Das allabendliche Fernsehprogramm verweist auf eine Gesellschaft, die sich – abgesehen von etwas Multi-Kulti – unhinterfragt durchsetzen konnte“, sagt Catrin Bolt über ihre Arbeit. 

In der Städtischen Galerie im Leeren Beutel präsentiert die Österreicherin neue Fotos: Mit dem Makro-Objektiv ihrer analogen Kamera widmete sich Catrin Bolt kleinen, unscheinbaren Details auf der Straße. Aus der richtigen Perspektive ins Bild gesetzt, verwandelt Bolt Teile des historischen Kulturerbes und Funktionales in fiktive „Sehenswürdigkeiten“ – eine Alternative zum Kanon des „Würdig-Seins-gesehen-zu-werden“, zu den klassischen touristischen Highlights.


1 CATRIN BOLT, AUSTRIA 

Bayern 1 (flickering)
Video installation, 2018
document Neupfarrplatz 

Objects of Interest
Photography, 2018
Städtische Galerie im Leeren Beutel 

Catrin Bolt lives in Vienna, where she studied at the Academy of Fine Arts. She works with photography and projects in the public space. A laureate of the Otto-Mauer-Prize, she also won the University of Vienna’s artistic contest in honour of female scholars. 

The Neupfarrplatz reflects two thousand years of the city’s history: its remains span the Roman legionary camp, the medieval Jewish quarter (which was destroyed in 1519), a sixteenth-century Virgin Mary pilgrimage, the Reformation, all the way to an air raid shelter from World War II. 

Catrin Bolt’s work recalls the medieval Jewish quarter. Today’s square contained almost forty houses, including public buildings, and a population of roughly five hundred people. Against the backdrop of Regensburg’s economic decline in the Late Middle Ages, anti-Jewish sentiments were on the rise; in 1519, the city’s Jews were dispossessed and expelled, and their buildings razed to the ground. 

Like an additional storey, the cellars and remains of the houses lie directly beneath the sprawling Neupfarrplatz. Catrin Bolt’s video installation makes do with only a few components, and is designed to act on the square like a sculpture. The flickering light of a TV unit reaches the surface through a glass pane in the ground, just as if people were still living there. “The usual evening programme points to a society which has managed to assert itself without scrutiny, aside from a few multicultural elements”, explains Catrin Bolt. 

The Austrian artist presents new photographs in the Städtische Galerie im Leeren Beutel: using the macro lens of her analogue camera, Catrin Bolt turned her attention to small, seemingly insignificant details on the streets. Framed from the right angle, she transforms parts of the historic cultural heritage, as well as functional elements, into fictitious “Objects of Interest” – in opposition to the canonical “worthy-of-being-seen-ness” of the classic tourist attractions.