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„Unser aller Wunsch war von Anfang an, genügend Impfstoff zu haben“

Richard Leberle, der ärztliche Leiter des Impfzentrums der Stadt Regensburg berichtet über die zurückliegenden Monate und klärt die häufigsten Fragen, die ans Impfzentrum gerichtet werden.

Impfzentrum - Impfung

10. Mai 2021

Wohl kaum eine andere Einrichtung der Stadt Regensburg steht seit Monaten derart im Interesse wie das Impfzentrum am Dultplatz. Es besteht bereits seit Ende Dezember 2020 und wird von der Stadt mit Unterstützung von Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen wie dem Malteser Hilfsdienst und den Johannitern betrieben. Dem Impfzentrum zugeordnet sind zahlreiche Beschäftigte der Stadt Regensburg, die das Callcenter des Impfzentrums betreiben und von Montag bis Freitag jeweils zwischen 8 und 16 Uhr unter den Telefonnummern (0941) 507-8866 und 507-8855 zu erreichen sind. Die ganze Woche über ist das Impfzentrum per E-Mail erreichbar unter impfzentrum@regensburg.de.

Mit der Verwaltungsleitung des Impfzentrums ist Roland Käs aus der Stadtverwaltung betraut. Ärztlicher Leiter ist Richard Leberle. Im Gespräch mit regensburg507 berichtet er über die zurückliegenden Monate und klärt die häufigsten Fragen, die ans Impfzentrum gerichtet werden.

Impfzentrum - Portrait Richard Leberle
Richard Leberle © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Können Sie sich noch an den Tag erinnern, an dem im Impfzentrum die ersten Impfungen gegeben wurden?

Die ersten Impfungen fanden am 26. und 27. Dezember 2020 statt. Damals sind wir überwiegend mit den mobilen Teams zur Versorgung der Heimbewohner unterwegs gewesen. Oberstes Ziel damals war es, diese sensible Gruppe schnellstmöglich zu impfen. Immerhin konnte gerade in den Heimen sehr schnell ein Hotspot entstehen. Dabei wären besonders vulnerable Personengruppen betroffen gewesen.

Für viele der Bewohnerinnen und Bewohner war die Impfung etwas sehr besonderes, erleichterndes. Manche haben sich zurechtgemacht als käme der Sonntagsbesuch. Dem Impfpersonal wurden Kaffee und Kuchen angeboten. Das waren schon emotionale Momente. Zudem kommen ins Impfzentrum immer wieder Menschen, die Tränen in den Augen haben, wenn sie die Impfung bekommen.

 

Der Betrieb des Impfzentrums war aufgrund ausbleibender Impfstofflieferungen und wegen geänderter offizieller Empfehlungen für den Impfstoff von AstraZeneca nicht immer frei von Turbulenzen. Es mussten Impftermine abgesagt oder verschoben werden. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Unsere Leute haben leider schon mal Unmut zu spüren bekommen – etwa bei unvermeidlichen Terminabsagen oder wenn sich Anrufer beschwert haben, dass andere beim Impfen vor ihnen an die Reihe kommen. Das war gerade für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das direkt abbekommen haben, schon eine hohe Belastung. Ich finde, dass man ihnen gar nicht genug dafür danken kann, dass sie das ausgehalten haben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Hotline und im Impfzentrum geben sich immer größte Mühe, sachlich und kompetent die Vorgehensweise zu erklären und aufgebrachte Leute zu beruhigen, was leider nicht immer leicht ist. Uns freut es umso mehr, wenn wir – was oft geschieht – für die menschlich freundliche Atmosphäre und für die professionelle Abwicklung im Impfzentrum Lob von Bürgerinnen und Bürgern bekommen.

Unser aller Wunsch war von Anfang an, genügend Impfstoff zu haben, um gleich mit vollem Tempo loslegen zu können. Leider haben wir bis heute nicht ausreichende Zuteilungen, um unsere Kapazität von bis zu 900 Impfungen am Tag ausschöpfen zu können.

Seit etwa zwei Wochen sind wir bei der Menge des gelieferten Impfstoffs gedeckelt. Dies bedeutet, dass wir eine feste Menge an Impfdosen erhalten, die sowohl für Erst- wie auch für Zweitimpfungen vorgesehen sind. Wir können somit täglich zwischen 350 und 600 Menschen impfen. Wir werden weiterhin den Impfstoff, der uns zugeteilt wird, sofort verabreichen. Weitere Mengen an Impfstoff gehen aktuell nicht mehr zu uns, sondern gleich an die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Somit kommt der Impfstoff auch dorthin, wo er in Zukunft verimpft werden soll.

Impfzentrum - Spritze
Im Regensburger Impfzentrum werden derzeit zwischen 350 und 600 Corona-Schutzimpfungen täglich durchgeführt. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Aktuell verursachen Aussagen, dass der Zeitraum zwischen Erst- und Zweitimpfung verkürzt werden solle, ein deutliches zusätzliches Arbeitspensum. Es kommen derzeit Hunderte von Anfragen per Mail oder Telefon herein. Viele wollen nun früher die Zweitimpfung bekommen. Leider ist dies aktuell über die Terminsoftware nicht machbar. Nur die Hausärzte können wohl nach individueller Einschätzung die Termine verändern. Dies ist jedoch auch für diese Kolleginnen und Kollegen alles andere als einfach, da auch dort schon viele Termine geplant und vergeben sind.

 

Änderungen des Impfstoffs werden mit dem Arzt besprochen

 

Welchen Impfstoff können die Menschen jetzt im Impfzentrum erhalten, die dort bereits die Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten haben und nun die Zweitimpfung bekommen sollen?

Mir ist es wichtig zu betonen, dass alle Termine, die bei uns im Impfzentrum für eine Zweitimpfung ausgemacht wurden, auch weiterhin bestehen bleiben. Für alle Erstgeimpften, die älter als 60 Jahre sind und bei uns schon AstraZeneca bekommen haben, halten wir diesen Impfstoff in der entsprechenden Menge auch für die Zweitimpfung vor. Erstgeimpfte Personen unter 60 Jahre, die bei uns AstraZeneca bekommen haben, können bei der Zweitimpfung einen mRNA-Impfstoff bekommen, etwa den von Biontech. Diese Änderung des Impfstoffs kann im Impfzentrum selbstverständlich mit einem Arzt besprochen werden.

Für den Impfstoff von AstraZeneca gilt jetzt: Es gibt keine offizielle Empfehlung für alle unter 60-Jährigen, aber seit der letzten Aprilwoche ist der AstraZenecka-Impfstoff für alle in Bayern ab 18 Jahren freigegeben, jedoch nur beim Haus- oder Facharzt nach gründlicher Aufklärung.

 

Dringende Bitte: Fest ausgemachte Impftermine einhalten

 

Halten die Bürgerinnen und Bürger ihre fest ausgemachten Termine für die Impfungen auch immer ein?

Bei den Erstimpfungen haben wir da sehr wenige Probleme. Bei den Zweitimpfungen erleben wir nun nicht gerade sehr selten, dass Termine nicht wahrgenommen werden, unter anderem, weil – so bekommen wir zu hören – der Impftermin nicht zur Urlaubsplanung passt. Auch so etwas stellt uns vor gravierende Organisationsprobleme. Deswegen mein Appell an die Bürgerinnen und Bürger, die fest ausgemachten Impftermine einzuhalten und diese Termine schon im Vorfeld mit privaten Plänen abzustimmen. Eine Verschiebung kann nur bei Nachweis von triftigen medizinischen oder beruflichen Gründen erfolgen. Dazu gehören keinesfalls Urlaubsreisen oder andere vergleichbare private Pläne. 

 

Kommt es vor, dass Impfdosen übrigbleiben, weil angemeldete Leute nicht kommen?

Das kommt glücklicherweise nur selten vor. Wenn doch, dann haben wir eine Priorisierungsliste, die wir durchtelefonieren. Mittlerweile sind wir dazu übergegangen, für die Impfung angemeldete Personen kurz vor dem Termin telefonisch zu erreichen, um die Wahrnehmung des Termins auch wirklich sicherzustellen. So wollen wir Stornierungen und Verschwendung von Impfstoff vermeiden.

 

Nun werden die Hausärzte mit immer mehr Impfstoff versorgt. Was müssen die Menschen tun, die sich beim Hausarzt impfen lassen, aber weiter Online für eine Impfung registriert sind? 

Wenn die Erst- und Zweitimpfung über den Hausarzt erfolgt, muss der Online-Account bei „impfzentren.bayern“ gelöscht werden. Wenn Online schon ein Termin bei uns vergeben wurde, warten wir im Impfzentrum im schlimmsten Fall auf eine Person, die dann aber nicht kommt. Das erschwert unsere Arbeit und geht zulasten von Menschen, die auf eine schnelle Impfung hoffen.

 

Derzeit keine freie Wahl beim Impfstoff

 

Kommt es im Impfzentrum vor, dass Menschen sagen, sie hätten bei einem bestimmten Impfstoff kein gutes Gefühl, sie wollten lieber einen anderen? Können sie sich den Impfstoff aussuchen?

Derzeit: Nein. Wegen der noch anhaltenden Impfstoffknappheit beinhaltet der Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus-SARS-CoV-2 nach der Corona-Impfverordnung weiterhin nicht das Recht, den Impfstoff eines bestimmten Herstellers zu wählen. Für alle neuen Impfungen verwenden wir nur noch mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna, die nach einem anderen Prinzip wirken als etwa das Vakzin von AstraZeneca oder das von Johnson und Johnson.

 

Der Impfausweis soll zur Impfung mitgebracht werden – und er ist ja ein wichtiger amtlicher Nachweis dafür, dass man gegen Corona geimpft ist. Was tut man, wenn man seinen alten Impfausweis verlegt oder noch nie einen bekommen hat?

Das ist im Impfzentrum, wie auch bei den Hausärzten, kein Problem. Wir stellen, falls keiner vorhanden ist, einen Impfnachweis aus, den man später beim Hausarzt in einem Impfausweis nachtragen kann.

 

Welche der drei Prioritätsgruppen werden aktuell im Impfzentrum geimpft?

Personen mit der höchsten Priorität 1 sind bereits weitgehend geimpft – das betrifft im wesentlichen Menschen über 80 Jahre, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen wie auch die Beschäftigten in diesen Einrichtungen und von ambulanten Pflegediensten. Aus diesem Kreis kommen nur noch sehr wenige zu uns.
Derzeit werden bei uns überwiegend Personen der Priorität 2 geimpft – also über 70-Jährige und Menschen mit bestimmten schweren Erkrankungen. Zudem medizinisches Personal, Angehörige der Polizei und auch Personal von Kindertagesstätten und bestimmten Schularten.
Vereinzelt impfen wir derzeit auch Menschen aus der Priorität 3. Die Liste der dafür infrage kommenden Leute ist recht lang: Über 60-Jährige, wiederum Menschen mit bestimmten Erkrankungen, Personal aus dem Lebensmittel-Einzelhandel, aus den Feuerwehren und dem Katastrophenschutz. Dazu Menschen in schwierigen Arbeits- oder Lebensverhältnissen.
Wir halten uns genau an die Prioritäts-Einstufungen, die uns das von staatlicher Seite zur Verfügung gestellte Datensystem vorgibt.

Impfzentrum - Anmeldebereich
Der Anmeldebereich des Impfzentrums © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Aufhebung der Priorisierung ist noch unklar

Wann wird die Priorisierung im Impfzentrum aufgehoben?

Das wissen wir noch nicht. Aktuell ist noch kein Termin festgelegt, ab dem die Priorisierung aufgehoben werden soll. Diese Aufhebung hängt natürlich auch stark davon ab, ab wann soviel Impfstoff vorhanden sein wird, dass alle, die wollen, möglichst rasch geimpft werden können. Gerecht wäre natürlich, wenn wir vorher noch alle Berechtigten nach der Priorität 3 impfen könnten.

 

Ist absehbar, wann Kinder geimpft werden können?

Der Impfstoffhersteller Biontech hat eine Zulassung seines Impfstoffs für Kinder, die älter als 12 Jahre sind, beantragt. Ich habe keine Informationen darüber, ob und wann die Zulassung erfolgt, auch ist derzeit unklar, ob die Impfzentren für den Fall einer Zulassung in die Impfung von Kindern dieser Altersgruppe eingebunden werden.     

 

Was sind typische Reaktionen nach der Impfung und wann treten sie auf?

Wie bei jeder Impfung können auch nach der COVID-19-Impfung Impfreaktionen und Nebenwirkungen auftreten. Impfreaktionen wie beispielsweise Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit treten in der Regel kurz nach der Impfung auf und halten üblicherweise nur wenige Tage an. Bei außergewöhnlich starken Nebenwirkungen, wie etwa hohem Fieber oder starken anhaltenden Kopfschmerzen, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Das gilt auch bei der Klärung der Frage, welche Schmerzmittel bei starken Kopfschmerzen nach der Impfung eingenommen werden können.
Im Impfzentrum lassen wir alle, die geimpft wurden, nach der Spritze eine Viertelstunde ausruhen, um zu beobachten, ob es zu Impfreaktionen kommt. Bei schweren Fällen, wie einer starken allergischen Reaktion, sind wir auf eine schnelle Erstversorgung vorbereitet. Aber so einen Fall hatten wir noch nicht.

 

Sieben Tage pro Woche geöffnet

 

Im Impfzentrum ist der spätestmögliche Tagestermin für eine Impfung um 16.45 Uhr. Für viele Berufstätige ist das wohl zu früh.

Deswegen bieten wir von Anfang an auch Termine am Wochenende an. Das Impfzentrum ist an sieben Tagen pro Woche jeweils zwischen 8 und 17 Uhr geöffnet. Wir hoffen, dass wir damit für alle Interessierten geeignete Zeiten anbieten können. Zudem wollen wir ja auch, dass es mit den Impfungen in Regensburg so schnell wie möglich vorangeht. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten ist derzeit nicht vorgesehen.

Impfzentrum - Außenansicht

Das Impfzentrum ist in Zelten untergebracht, Wartende sind nicht überall vor dem Wetter geschützt. Haben Sie für die Menschen, die ins Impfzentrum kommen, ein paar praktische Tipps? 

Um die Wartezeit so kurz wie möglich zu halten, wäre es gut, nicht zu früh kommen, natürlich auch nicht zu spät. Die Kleidung sollte dem Wetter angepasst sein. Und es schadet nicht, eine kleine Flasche Wasser mitzunehmen.
Was auch ganz hilfreich ist: Nahe am Impfzentrum ist seit einiger Zeit ein Imbissstand. Über den freuen sich nicht nur die Leute, die zum Impfen kommen, sondern auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Und was die Zelte angeht: Diese Lösung hat den großen Vorteil, dass immer Luft durchweht, wodurch die Gefahr einer Ansteckung sehr gering ist. Auf Kritik haben wir reagiert, in dem wir so umgebaut haben, dass Wartende möglichst nicht mehr im Regen oder in der prallen Sonne stehen müssen.  

 

Können Sie abschätzen, wie lange es das Impfzentrum am Dultplatz noch geben wird?

Nach der bisherigen Planung soll es bis zum 30. September 2021 bestehen bleiben.
Ich halte es für möglich, dass sich ab dem Sommer die meisten Impfungen auf die niedergelassenen Ärzte verlagern. Auch immer mehr Unternehmen bereiten sich auf Impfungen durch ihre Betriebsärzte vor. Deswegen kann es gut sein, dass wir uns im Impfzentrum künftig mehr um Menschen in sozialen Brennpunkten kümmern, die sich mit einer Impfanmeldung schwertun.

Interview: Rolf Thym