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3. Raumstruktur und Städtebau

3.1 Raumstruktur

3.1.1 Entwicklungsstand, charakterisierende Merkmale

Regensburg liegt am nördlichsten Punkt der Donau sowie an den Flussmündungen von Naab und Regen. Im Stadtgebiet stoßen vier sehr unterschiedliche Natur-Großräume aneinander, nämlich der Fränkische Jura, der Bayerische Wald, die Donau-Ebene (Gäuboden) und das niederbayerische Tertiär-Hügelland.

Diese Naturräume prägen den Stadtkörper bereits in seiner gegenwärtigen, erst recht in seiner künftigen räumlichen Disposition und Ausdehnung.

Abb. 9: Topographische Charakteristik des Regensburger StadtgebietsAbb. 9: Topographische Charakteristik des Regensburger Stadtgebiets ©


Unmittelbar nachdem die Donau im Regensburger Flussbogen großräumig ihre Richtung von Nordost auf Südost geändert hat, verlässt sie das Hügel- und Bergland und tritt in die große Sedimentationsebene des Gäubodens ein. Damit hat Regensburg eine klassische ”Pfortenlage”, d.h. die Stadt befindet sich an einer Übergangsstelle zwischen topographischer Enge und Weite.

Während dieser Wechsel zwischen Enge und Weite in historischer Zeit auf die räumliche Expansion der Stadt kaum Einfluss hatte (Abb. 11), wird er die Siedlungsflächenentwicklung in Zukunft ganz wesentlich bestimmen.

Denn erst in der späteren Nachkriegszeit hat der Siedlungskörper Regensburgs (Abb. 10) eine solche Dimension erreicht, dass er durch derartige topographische Merkmale zunehmend beeinflusst wird:

Abb. 10: Der Siedlungskörper heute und zukünftig (Schematische Darstellung) Abb. 10: Der Siedlungskörper heute und zukünftig (Schematische Darstellung) ©


Die Stadtteile ohne wesentliches Außenerweiterungspotential liegen im Norden und im Westen. Dagegen greifen sämtliche künftigen Stadterweiterungsgebiete nach Osten und Süden aus, also in die große Donauebene und auf die vom Aubach-System gegliederten, relativ flachen Ausläufer des niederbayerischen Tertiär-Hügellandes.

Regensburg hat im Gegensatz zu vielen anderen Städten einen relativ kompakten Siedlungskörper. Dies führt zwar zum einen zu einer ”Stadt der kurzen Wege”, zum anderen wirkt die Gesamtstadt - mit Ausnahme der klar ablesbaren Altstadt, des Universitäts-Grünzuges und der Wöhrde – jedoch als eine einzige, fast schon zu homogene Siedlungsfläche. Durchaus vorhandene interne Gliederungselemente (v.a. Grün- und Freiflächen, aber auch Verkehrstrassen und unzugängliche Sonderflächen) werden häufig entweder als „Inseln“, d.h. nicht zu einem größeren System vernetzt, empfunden oder sie wirken in erster Linie als Barrieren, müssten also eher beseitigt als verstärkt werden.

Im Hinblick auf die wesentlichen Bauflächen-Funktionen ”Wohnen", "Gewerbe" und "Dienstleistung” zeigt Regensburg jedoch recht klare Strukturen.

Abb. 11: Entwicklung der Siedlungsfläche im Regensburger StadtgebietAbb. 11: Entwicklung der Siedlungsfläche im Regensburger Stadtgebiet ©

Diese drei Funktionselemente lassen sich hinsichtlich ihrer räumlichen Disposition folgendermaßen beschreiben:

Abb. 12: Bauflächen-Hauptfunktionen im Regensburger StadtgebietAbb. 12: Bauflächen-Hauptfunktionen im Regensburger Stadtgebiet ©
  • Die ”Dienstleistungs-Achse” (Einzelhandel, Büros, Bildung, Kultur, Forschung, Wissenschaft), deren mittleren Abschnitt die Altstadt bildet, erstreckt sich bandartig quer durch den heutigen Siedlungskörper bis an die Peripherie. In Richtung Nordosten reicht sie über den Unteren Wöhrd, das Donaueinkaufszentrum bis zum Gewerbepark, in Richtung Süden über den Hauptbahnhof und die Universität bis zum Klinikum. Die "Dienstleistungs-Achse" repräsentiert die moderne City, sie konzentriert die meisten und die wichtigsten Einrichtungen, die die Qualität Regensburgs als Oberzentrum ausmachen.

  • Die Freizeit- und Erholungsachse Donau-Regen erstreckt sich im Wesentlichen entlang der Donau und verfügt westlich der Stadtmitte bereits über entsprechende Einrichtungen, z.B. Sportanlagen, Westbad, Donaupark, Campingplatz, Donaupromenade. Östlich der Stadtmitte fehlen derartige Nutzungen bisher. Außerdem sind insbesondere die flussnahen Bereiche überschwemmungsgefährdet.

  • Der ”Gewerbe-Rand” (Gewerbe, Industrie, Großhandel, verladende Wirtschaft) markiert die östliche Stadtperipherie. Er erstreckt sich von Haslbach über die Kalkwerke, den Hafen, das Gewerbegebiet an der Siemensstraße, die östliche Hälfte der Entwicklungsmaßnahme Burgweinting bis zum BMW-Areal. Unmittelbar benachbarte Gewerbe- und Industriegebiete in Obertraubling und Neutraubling sind gewissermaßen Teil dieser Zone. Die einzige größere gewerblichindustrielle Baufläche in Regensburg außerhalb des "Gewerbe-Randes" befindet sich im Stadtwesten zwischen der Lilienthalstraße und dem Westpark.

  • Die Hauptwohngebiete liegen sowohl westlich der "Dienstleistungs-Achse" als auch zwischen dieser und dem "Gewerbe-Rand".

Diese räumliche Verteilung hat den Vorteil, dass praktisch alle Stadtteile bzw. -bereiche von allen drei Funktionen profitieren, dabei jeder Stadtbereich auch eine wichtige Funktion für die Gesamtstadt übernimmt, trotzdem aber eine gewisse Autonomie besitzt.

3.1.2 Ziele

Gliederung, Zuordnung, Freiflächen

Der Gesamtsiedlungskörper soll durch Freiflächen klarer gegliedert werden. Dies gilt sowohl für Teile der bereits bestehenden Stadtsubstanz als auch vor allem für die künftige Außenentwicklung im Stadtsüden und im Stadtosten. Hierfür soll ein Freiflächen-Gesamtkonzept erarbeitet werden, um benötigte Freiflächen schon rechtzeitig in angemessener Zahl und Größe planerisch zu sichern (s. auch Kapitel 3.2).

Strukturelle Barrieren im Stadtkörper sollen möglichst beseitigt oder doch zumindest gemildert werden. Dies gilt insbesondere für breite Eisenbahn- und Straßentrassen. Entlang der Donau (Donau- und Regenauen) ist unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes eine Erholungs- und Freizeitachse zu entwickeln.

Das Prinzip „Stadt der kurzen Wege“ soll als grundsätzliche Orientierung ausdrücklich berücksichtigt werden - auch wenn eine Fixierung ausschließlich auf theoretische Leitbilder dem komplexen Prozess der Stadtentwicklung nicht gerecht wird.

Die generelle Süd-Ost-Expansion der Stadt und die damit verbundenen längerfristigen Schwerpunkt-Verlagerungen sollen planerisch gemanagt werden. Hierzu gehören die frühzeitige Sicherung bzw. Konzeption der Verkehrs-Infrastruktur, der sonstigen Infrastruktur (Ver- und Entsorgung), aber auch vor allem hinsichtlich der Freiflächen-Bereitstellung ein vorausschauendes ”Zeit-Management".

Dienstleistungsachse/Innenentwicklung

Die ”Dienstleistungs-Achse” ist bei der Ansiedlung weiterer oberzentralen Funktionen zu bevorzugen. Dabei sollen insbesondere die gegenwärtig noch ”schütteren” Zonen bzw. die noch vorhandenen Lücken in den peripheren Abschnitten solche Funktionen aufnehmen. Das gilt im Nordosten v.a. für den Unteren Wöhrd und im Süden für den Abschnitt zwischen Ernst-Reuter-Platz und Fachhochschule.

Stadtbahn

Für die Gesamtstadt, aber auch für das Umland muss der ÖPNV deutlich verbessert werden. Das schrittweise aufzubauende städtische Streckennetz einer Stadtbahn bzw. Regio-Stadtbahn soll sich mit der ”Dienstleistungs-Achse” decken, mit der Altstadt bzw. dem Hauptbahnhof als Zentral-Knoten. Die Haltestellen eines solchen Stadtbahn-Liniennetzes, vor allem die Endhaltestellen, sollen die Mittelpunkte baulicher Verdichtungen bilden, um ein möglichst großes Fahrgast-Potential zu gewährleisten.

Vorrang für Gewerbe, Dienstleistung, Gemeinbedarf

Bei zielkonformen gewerblichen Ansiedlungswünschen soll die Stadt größtmögliche Hilfe geben. Sollte wegen der objektiv nicht unbegrenzt vorhandenen Bauland-Reserven die Wahl zwischen Wohnen oder Gewerbe zur Entscheidung anstehen, so ist im Zweifelsfall den Funktionen "Gewerbe" und "Dienstleistung", aber auch "Bildung" und "Kultur" der Vorzug zu geben. Hauptsächlich diese Funktionen in der richtigen Größe, Vielfalt und Mischung machen nämlich die oberzentrale Qualität Regensburgs aus, nicht das Wohnen.

Im Dienstleistungsbereich gilt es insbesondere, Regensburg als Tagungsort zu stärken. Hierfür sind modern ausgestattete Tagungsund Versammlungsräume in zentraler Lage zu schaffen.

Flächenrecycling

Bei der Ausweisung von neuen Siedlungsflächen (Wohnen und Gewerbe) ist der Innenentwicklung der Vorzug zu geben, d.h. größere ”Baulücken”, Gewerbebrachen- und Konversionsflächen im bereits bestehenden Siedlungskörper sind vorrangig zu überplanen. Damit wird dem Gebot des LEP 2003 zur verstärkten Innenentwicklung deutlich entsprochen. Eine Ausnahme bildet lediglich die Entwicklungsmaßnahme Burgweinting, in der großflächige Siedlungsaktivitäten konzentriert werden sollen.

Stadtquartiere

Sowohl in bestehenden Stadtteilen bzw. - bereichen als auch in größeren Neubau-Arealen sollen Infrastruktureinrichtungen für die wohnungsnahe, dezentrale Grundversorgung mit Gütern und Leistungen (z.B. Lebensmittel, Bürger/innentreff usw.) vorgesehen und diese zu Stadtteil- bzw. Quartiersmittelpunkten zusammengefasst werden.

Damit soll auch die Vielfalt in den Stadtteilen erhalten und entwickelt werden (Wohnen-Versorgung-Kultur-Freizeit-Natur). Neu anzulegende Stadtquartiere sollen v.a. in räumlich-gestalterischer Hinsicht eine hohe urbane Qualität erhalten. Nicht nur die Altstadt soll als ”Stadt” empfunden werden, auch die modernen Stadtquartiere sollen die ”Stadt Regensburg” symbolisieren (s. Kapitel 3.3).

3.1.3 Leitprojekte

Die Leitprojekte für die Gesamtstadt sind in Abb. 16 und Abb. 17 dargestellt.

 

3.2 Freiflächenstruktur

3.2.1 Einführung, Entwicklungsstand, charakterisierende Merkmale

Hauptfunktionen

Es gibt im Wesentlichen sechs Hauptfunktionen, die nach einem entsprechenden Freiflächen-Angebot verlangen: nämlich Trinkwasser-Schutz, Schutz von Fauna und Flora, Kleinklima und Lufthygiene, Naherholung (intensiv, extensiv), Gliederung des Siedlungskörpers (Bildung überschaubarer Quartiers-Einheiten) und Hochwasser-Schutz (Eindeichung, Retentionsflächen).

Diesen Funktionen kann zwar durch die Schaffung entsprechender Freiflächen Genüge getan werden, jedoch auch durch andere, etwa baulich-technische Maßnahmen. Der Funktion "Hochwasser-Schutz" kann z.B. entweder durch Schaffung geeigneter Retentionsflächen oder durch den Bau von Deichen entsprochen werden. Freiflächen können normalerweise mehrere der sechs Funktionen zugleich aufnehmen - selbstverständlich dienen z.B. die Regensburger Donauauen sowohl Fauna und Flora als auch dem Kleinklima und der Lufthygiene sowie der Gliederung des Siedlungskörpers, in Teilbereichen auch der Naherholung und dem Hochwasser-Schutz. Lediglich die Funktionen "Schutz von Fauna und Flora" und "intensive Naherholung" stören sich gegenseitig, sollten also nicht ein- und dieselbe Freifläche belegen (Abb. 13).

Soweit sie durch Freiflächen erfüllt werden sollen, bedingen die sechs Hauptfunktionen und ihre Wechselwirkungen eine entsprechende räumliche Strukturierung des Siedlungskörpers in Form einer theoretisch denkbaren "Idealstadt" - die im Falle Regensburgs, wie nicht anders zu erwarten, so nicht gegeben ist (Abb. 14) - und die typisierbare Freiflächen-Elemente aufweist:

Grüne Finger

"Grüne Finger" sind weit in den Siedlungskörper eingreifende, unverbaute Landschaftsräume mit vorwiegend (extensiver) landwirtschaftlicher Nutzung. Sie bilden die Haupt-Frischluftzufuhrgebiete für die Stadt. Außerdem dienen sie dem Erhalt von Fauna und Flora sowie einer extensiven Naherholung. Flussauen können Bestandteile von "Grünen Fingern" sein. In Regensburg reichen die neun vorhandenen "Grünen Finger" bis auf zwei Ausnahmen (Donauauen) nur wenig in den Siedlungskörper hinein. Die Donauauen sind als Hochwasser-Retentionsflächen aufgrund der bereits vorhandenen, häufig bis unmittelbar an die Ufer reichenden Siedlungssubstanz kaum mehr erweiterbar.

Abb. 13: Wechselwirkungen zwischen den FreiflächenfunktionenAbb. 13: Wechselwirkungen zwischen den Freiflächenfunktionen ©


Grüne Zimmer

"Grüne Zimmer" sind die den einzelnen Stadtquartieren unmittelbar zugeordneten Freiflächen. Sie sind in der Regel als Parks, Friedhöfe, Sport- und Spielflächen sowie Kleingärten angelegt, häufig in Kombination mehrerer dieser Nutzungsarten. Die "Grünen Zimmer" dienen der Funktion "intensive Naherholung" und sind für viele Tier- und Pflanzenarten der Stadt wichtige Lebens- und Rückzugsräume bzw. „Trittsteine“ der Natur.

Auch spielen sie eine wichtige Rolle für das Kleinklima im jeweiligen Quartier. "Grüne Zimmer" sind "grüne Kunstlandschaften", d.h. sie unterliegen - im Vergleich zu den "Grünen Fingern" - einer intensiven Planung und Durchgestaltung (Abb. 14).

Grüne Korridore

"Grüne Korridore" weisen dieselbe Nutzungspalette wie die "Grünen Zimmer" auf, nur sind sie im Gegensatz zu jenen bandartig bzw. linear ausgeprägt. Sie verbinden die "Grünen Zimmer" untereinander bzw. diese mit den radialen "Grünen Fingern" und schaffen somit im Zusammenspiel mit den anderen Elementen ein zusammenhängendes grünes Gewebe mit einer ring-radialen Struktur. Im Sinne einer intensiven Naherholungsfunktion dienen die "Grünen Korridore" gleichsam als "grüne Wanderwege" in der Stadt, d.h. sie eignen sich vor allem zum Spazierengehen oder Radfahren. Soweit durch diese Funktionen nicht beeinträchtigt, stellen sie darüber hinaus Biotop-Verbünde her. Ausgeprägte zusammenhängende Grünstrukturen sind insbesondere entlang der Flüsse Donau und Regen vorhanden.

Durchgängigkeit/Vernetzung

"Grüne Finger" und "Grüne Korridore" sollten möglichst versetzt zum Hauptstraßensystem angeordnet sein, um die gegenseitigen Beeinträchtigungen zu minimieren. Während die "Grünen Finger" ausreichend dimensioniert sein müssen (mehrere 100 m Mindestbreite!), um als "freie Landschaft" überhaupt wirksam sein zu können, kommt es bei den "Grünen Korridoren" eher auf die prägnante Ausgestaltung sowie eine weitgehende Durchgängigkeit an.

In Regensburg weist das Gewebe aus "Grünen Korridoren" und "Grünen Zimmern" (beide Elemente sind in Abb. 14 darstellungstechnisch zusammengefasst) noch größere Lücken auf, vor allem im Stadtosten, im Stadtsüden, sowie an den Flussufern. Mit Ausnahme des halbkreisförmigen "Grünen Korridors" um die Altstadt herum zeigt das vorhandene Freiraum-Gerüst weder ausgeprägte Radial- noch deutliche Ringstrukturen.

Vielmehr bildet es ein Netz ohne ausgeprägte Richtungen, mit relativ gleichmäßiger "Maschenweite". Hinzu kommen auch zumindest in Abschnitten noch baumbestandene Allee-Straßen v.a. in West-Ost-Richtung (z.B. Prüfeninger Straße, Hochweg), die teilweise die Qualität von "Grünen Korridoren" erreichen.

3.2.2 Ziele

Im Interesse einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Stadtentwicklung müssen in ausreichendem Umfang Freiflächen vorgehalten und diese in ihren jeweiligen Funktionen durch eine entsprechende Ausgestaltung entwickelt werden. Hierfür dient wesentlich die Erarbeitung eines Freiflächenkonzeptes.

Freihaltung der grünen Finger

Die neun "Grünen Finger" sind als große, zusammenhängende (Kultur-) Landschaftsräume zu erhalten und in ausreichender Breite zu sichern. Sie sollen von Bebauung weitestmöglich freigehalten werden. Ihre Funktionalität kann vor allem durch eine ökologisch betriebene Landwirtschaft und eine Erhöhung der Vielfältigkeit der noch vorhandenen Waldflächen verbessert werden.

Grüne Korridore unabhängig von Hauptstraßen

Die "Grünen Korridore" als verbindende Netzelemente sollen weitestmöglich unabhängig vom Hauptstraßensystem geführt werden. Vorhandene Allee-Straßen sollen zu einem Netz ausgebaut werden und das Netz der "Grünen Korridore" ergänzen.

Freizeit- und Erholungsachse

Im Sinne des entwicklungsplanerischen Leitbildes „Stadt am Fluss“ sollen der Ausbau und die Entwicklung der Uferzonen von Donau und Regen - unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes - zu einer Freizeit- und Erholungsachse vorangetrieben werden. Dabei müssen auch unterschiedliche Flächen-, Nutzungs- und Gestaltungsansprüche miteinander harmonisiert werden.

Ergänzung zum grünen Netz

Das vorhandene System aus "Grünen Zimmern" und "Grünen Korridoren" soll durch "Lückenschlüsse" so ergänzt werden, dass gemeinsam mit den "Grünen Fingern" ein zusammenhängendes, durchgängiges und relativ feinmaschiges grünes Netz entsteht. Dabei kommt den Flussräumen eine große Bedeutung zu. In besiedelten Bereichen kann dadurch ein hinreichender faunistischer und floristischer Artenaustausch gewährleistet werden.

Öffentliche Zugänglichkeit

Bislang undurchlässige grüne Netz-Elemente, wie z.B. Kleingärten, sollen öffentlich zugänglich gemacht werden, etwa durch Öffnung der Hauptwege.

3.2.3 Leitprojekte

Die Leitprojekte für die Freiflächen-Struktur sind in Abb. 14 dargestellt.

Abb. 14: FreiflächenstrukturAbb. 14: Freiflächenstruktur ©


3.3 Stadtgestalt

Begriffe, Definitionen

Stadtgestalt umfasst das gesamte bauliche Gefüge in Auf- und Grundriss und die damit verbundenen Bedeutungen. Es geht also bei "Stadtgestalt" immer um Zweierlei:

  • die physische "objektive" Erscheinung bzw. die reale Substanz der Stadt sowie

  • die "subjektive" Wahrnehmung durch bzw. die Wirkung auf den Menschen.

Die Gestalt der Stadt ist kein statischer Zustand, sondern sie verändert sich dynamisch mit dem Lauf der Zeit sowie mit den Anschauungen und Wertungen der Menschen. Die Stadtgestalt ist aber - neben einer nach künstlerisch-ästhetischen Maßstäben befriedigenden äußeren Erscheinungsform - immer darauf gerichtet, den Bedürfnissen des Menschen nach Orientierung, Erlebnisvielfalt, Identität, Geborgenheit und ”Heimat” sowie seinem Streben nach Schönheit und Harmonie zu entsprechen.

In der Analyse der bestehenden und der Schaffung der künftigen Stadtgestalt ist zu differenzieren zwischen der ”Innenwirkung”, d.h. dem Verhältnis zwischen der Gestalt der Stadt und ihren Einwohnerinnen und Einwohnern und der ”Außenwirkung”, d.h. dem Verhältnis zu den Menschen, die die Stadt besuchen oder von ihr hören oder erzählen. In der ”Innenwirkung” sind zwei Wahrnehmungsebenen festzustellen, die beide für die psychisch-emotionalen Bedürfnisse des Menschen nach Orientierung, Identität und Ästhetik und damit letztlich für die Lebensqualität von Bedeutung sind:

  • die Ebene des Quartiers als unmittelbar und täglich erlebtes Umfeld ("Ich lebe in Königswiesen") sowie

  • die Ebene der Gesamtstadt als die identitätsstiftende große Einheit ("Ich komme aus Regensburg").

In der „Außenwirkung“ spielen dagegen die image-prägenden Elemente der Gesamtstadt die Hauptrolle: Was assoziieren Besucher/innen oder Fremde, wenn sie „Regensburg“ hören?

3.3.1 Entwicklungsstand, Probleme, Chancen

Charakteristik

Regensburg verfügt mit ihrem gegliederten, kompakten "Stadtkörper" insgesamt über eine unverwechselbare Gestalt. Im Einzelnen ist die Stadt durch überschaubare, relativ deutlich unterscheidbare und kontrastierende Siedlungsquartiere gekennzeichnet, die jeweils in relativ einheitlicher Zeitstellung entstanden sind und jeweils für sich über ”Identität” verfügen.

Insgesamt erzeugen diese Quartiere ein charakteristisches ”Flickenteppich-Muster” auf der Stadtfläche (Abb. 15), das darüber hinaus durch Hauptstraßen und Freiflächen netzartig gegliedert wird. Dieses Muster spiegelt die Geschichte der Stadt und ihrer Gestalt wider, die sich in ”Schüben” und mit einer gewissen Zufälligkeit entwickelt hat; so gibt es z.B. kein kontinuierliches ringförmiges Wachstum der Stadt. Es gibt auch keinen ”großen Plan”, der für die Gesamtstadt verbindlich wäre.

In diesem Zusammenhang sei aber auf den sog. Lasne-Plan von 1917 verwiesen, der solche Ansätze enthält, indem er seinerzeit für das gesamte Stadtgebiet Bauquartiere und Erschließungstrassen dargestellt hat, die zum Teil auch der heutigen Stadtgestalt von Regensburg zugrunde liegen.

Die Gestalt der einzelnen Siedlungsquartiere (wie auch der Gesamtstadt) lässt sich in folgende Komponenten oder Bausteine zerlegen:

Abb. 15: Stadtgestalt: Wohnquartiere/ StadtgliederungAbb. 15: Stadtgestalt: Wohnquartiere/ Stadtgliederung ©


Topographie und Grundriss (Flächengliederung, Ränder, Freiflächen)

Die topographische Situation der Stadt (vgl. Kap. 3.1.1) wird entscheidend durch drei naturräumliche Merkmale geprägt: Die Flüsse/ Uferauen von Donau und Regen in West-Ost-Richtung, sowie von Norden mit der Mündung im Stadtzentrum; das Donaurandgebirge mit seinen steil abfallenden Rändern im Norden; das tertiäre Hügelland mit seinen sanften Erhebungen und Ausläufern in den Gäuboden im Süden und Südosten.

Die mit Blick auf den Grundriss prägnantesten Siedlungsquartiere sind die Altstadt und die Inseln in der Donau. Als jeweils sehr kompakte Flächen sind sie eindeutig begrenzt durch den Alleen- und Parkgürtel bzw. die verschiedenen Donauarme. Allerdings wird die Detailgestaltung der Ränder zur Donau dieser für Regensburg charakteristischen Situation als ”Stadt am Fluss” noch nicht überall gerecht. Die aktive Einbeziehung der Fluss-Situation in die Gestalt der Stadt hat trotz der seit über 850 Jahren bestehenden Steinernen Brücke und trotz der unmittelbar vor der Altstadt liegenden Inseln im Fluss erst begonnen (z.B. Unterer Wöhrd).

Viele der übrigen Siedlungsquartiere bilden ebenfalls jeweils charakteristische Grundrisse aus und nutzen die Topographie. Dabei haben die topographisch bewegten Bereiche (wie z.B. Konradsiedlung, Ganghofer-Siedlung, Königswiesen-Süd, Neuprüll) wie auch die einem sehr detaillierten Planungskonzept folgenden Siedlungen (z.B. Margaretenau, Burgweinting-Südwest, Rennplatz) die eindeutiger gestalteten Ränder und quartiersinternen Freiflächen. Verbesserungen dieser Aspekte der Stadtgestalt sind insbesondere nötig und möglich:

  • an den Siedlungsrändern zu den Flüssen,

  • an den ”Eingängen in die Stadt” (z.B. Ernst-Reuter-Platz/ Maximilianstraße, Prüfeninger Straße/Platz der Einheit, Adolf-Schmetzer-Straße, Landshuter Straße),

  • an den Randausbildungen im Stadtosten sowie

  • in den Gewerbegebieten.

Raumbildung und Silhouette (öffentlicher Raum, Hauptstraßen)

Die Prinzipien der Raumbildung und der Höhenentwicklung von Gebäuden sind innerhalb der Siedlungsquartiere relativ einheitlich, sie ändern sich jedoch mit der Zeitstellung bzw. aufgrund besonderer Nutzungen:

  • Von der sehr ausgeprägten, differenzierten Raumstruktur der Altstadt mit unregelmäßigen Straßen, Gassen und Plätzen sowie einer akzentuierten Silhouette ändert sich die Raumbildung über

  • die regelmäßigen, halboffenen und geschlossenen Straßenräume der im Raster angelegten Wohngebiete der Gründerzeit und Jahrhundertwende (z.B. um die Reichsstraße oder am Eisbuckel) und über

  • die Wohnsiedlungen der 30er Jahre, deren halboffene Straßenräume organisch in die Topographie eingepasst wurden (z.B. Ganghofer-Siedlung, Konradsiedlung) bis hin zu

  • den städtebaulichen Solitärgebieten und ”Streusiedlungen” der 60er Jahre, die von einem Raumkontinuum ausgehen und auf die Ausbildung von Straßen- und Platzräumen verzichtet haben (z.B. Innerer und Äußerer Westen, Königswiesen-Nord, Isarstraße) oder aber

  • eigenständige Sonderformen bilden, wie z.B. die Universität.

  • Die Wohnsiedlungsbereiche, die seit Ende der 70er Jahre errichtet wurden, enthalten wieder stärker halboffene und geschlossene Straßenräume, deren Verlauf auch von der Topographie abhängig ist (z.B. Königswiesen-Süd, Rennplatz, Burgweinting, Neuprüll).

  • Die nach dem 2. Weltkrieg entwickelten Gewerbegebiete stellen in ihrer Raumwirkung fast eine eigene Kategorie dar, mit niedrigen Baukörpern und funktionalen Erschließungsstraßen (z.B. Gewerbepark, Haslbach, BMW-Werk).

Als Sonderformen des öffentlichen Raums unterlagen eine Reihe von Hauptstraßen - oft hervorgegangen aus alten Wegen und Chausseen - in jüngerer Zeit einem starken funktionalen Wandel und haben deutliche Einbußen ihrer Gestaltqualität erfahren, bis hin zum Verlust der gestalterischen Identität. Diese Verluste wirken bis in die Gestalt der angrenzenden Siedlungsquartiere. Hier sind Verbesserungen bzw. gestalterische Neuformulierungen dringend nötig (z.B. Straubinger Straße, Frankenstraße, Nordgaustraße, Prüfeninger Straße).

Gebäude (Gestaltung und Material)

In den einzelnen (Wohn-) Siedlungsquartieren folgt die Baugestaltung (Höhe, Proportion, Dachformen, Farbe) und Materialverwendung in der Regel einheitlichen, oft durch Bauleitplanung festgelegten Prinzipien. Traditionell ist in Regensburg der verputzte Massivbau mit geneigtem Dach üblich.

Diese einheitlichen Gestaltungsregeln erzeugen in den verschiedenen Siedlungsquartieren eine jeweils unterschiedliche ”Körnung” und ermöglichen die Ausbildung von Individualität und Identität der einzelnen Siedlungsquartiere. Kontrastierend dazu sind die Gewerbegebiete eher durch eine Vielfalt an Materialien und Baugestaltung gekennzeichnet.

Profilbildende Gebäude

Die Altstadt verfügt über eine hohe Zahl von profilbildenden Gebäuden - sakraler wie profaner Art - und wird in ihrem historischen Erscheinungsbild geradezu charakterisiert durch das Zusammenwirken von einheitlicher Blockbebauung und darüber hinausragenden Gebäuden. Die Domtürme dienen außerdem als Landmarke.

Gesamtstädtisch gesehen ist dieser Gebäude-Typus allerdings eher selten: Die außerhalb der Altstadt vorhandenen Beispiele für profilbildende Gebäude nutzen die Topographie (z.B. Kirche Dreifaltigkeitsberg, Hochhäuser in Königswiesen-Nord, Fernsehturm Ziegetsberg, Kirche St. Wolfgang in Kumpfmühl, Uni-Klinik) oder besondere städtebauliche Situationen, z.B. Hauptstraßen, Stadteingänge oder Siedlungsränder (Agrippina-Haus an der Prüfeninger Straße, Herold-Haus an der Maximilianstraße, Kepler-Gebäude am Ernst-Reuter-Platz, Hochhaus an der Isarstraße, Priesterseminar und Punkthäuser am Weinweg, Westbad, Donau-Arena).

Urbanität (Zentren, Dichte, Nutzung)

Als Siedlungsquartier ist die Altstadt besonders prägnant: Die vielfältig gemischte Nutzung und die lange historische Entwicklung resultieren in einer hohen baulichen Dichte und gleichzeitig in einer herausragenden Bedeutung als ”Stadtzentrum”, mit einem hohen Maß an Urbanität. Dadurch stiftet die Altstadt einen Großteil der Identität von Regensburg, sie prägt entscheidend das ”Image” der Gesamtstadt.

Die Urbanität der übrigen Siedlungsquartiere ist - im Vergleich zur Altstadt - deutlich geringer. Die Nutzungen sind eher monofunktional, die baulichen Dichten - in Abhängigkeit von Nutzungen und Entstehungsepoche - niedriger. Andererseits haben die einzelnen Siedlungsquartiere gerade unter dem Aspekt Urbanität erhebliche Bedeutung, weil dies die Umgebungen sind, mit denen sich die Menschen unmittelbar und täglich identifizieren:

  • Quartierszentren sind als Bedeutungsschwerpunkte (in einer Synthese aus Funktion und Gestalt) nur in einzelnen Siedlungsquartieren ausgeprägt (z.B. Rennplatz, Königswiesen-Süd);

  • teilweise sind die Funktionen vorhanden, ohne dass die Gestalt angemessen wäre (z.B. Kumpfmühl, Reinhausen, Agnesstraße, Berliner Straße);

  • teilweise fehlen mittlerweile auch ausreichende Funktionen für in der Gestalt noch ausgeprägte Stadtteilzentren (z.B. Stadtamhof, Danziger Freiheit, Ganghofer-Siedlung).

  • In manchen Siedlungsbereichen fehlen Zentren sowohl funktional wie auch hinsichtlich der Gestalt (z.B. Innerer Westen).

In der Analyse wird die überragende Bedeutung der Altstadt für die Identität von Regensburg deutlich - ein Ergebnis der (glücklichen) historischen Entwicklung und der jahrzehntelangen Konzentrierung von Mitteln und Maßnahmen auf die Altstadt.

Die Gestalt von Regensburg wird jedoch durch die Gesamtheit der Stadt geprägt. Insofern müssen auch die Bemühungen, diese unverwechselbare Gestalt zu erhalten und weiter zu entwickeln, sich auf die Gesamtstadt erstrecken.

3.3.2 Ziele

Topographie als Grundmuster

Die spezifische Topographie mit Flusstälern und umgebenden Hügeln sollte als Grundmuster weiter ausgeformt werden. Ein Schwerpunkt sollte bei der prägnanten und der Topographie angemessenen Ausbildung von Siedlungsrändern (z.B. im Stadtosten, Graß/Oberisling) liegen. Das entwicklungsplanerische Leitbild ”Stadt am Fluss” muss auch in der Gestalt der Stadt erkennbar werden (z.B. am Unteren Wöhrd).

Überschaubare Siedlungsbereiche

Die einheitlichen, überschaubaren Siedlungsbereiche sollten als Prinzip weiterverwendet und ausgebaut werden. Sie sind in der Lage, für die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung Identität zu stiften. Dies gilt für ”neue” Quartiere (z.B. Burgweinting III, Graß, Oberisling, Gewerbegebiet Burgweinting) wie auch für ”Umstrukturierungs-Quartiere“ (z.B. ehem. Güterbahnhof, Galgenberg, Frankenstraße/Nordgaustraße, Kasernen).

Raumbildung/Öffentlicher Raum

Die traditionellen Prinzipien der Raumbildung von Straßen, Plätzen und Freiräumen sollten wieder stärker zum Zuge kommen. Ein prägnanter, sinnlich leichter wahrnehmbarer ”öffentlicher Raum” schafft stärkere Identität. In diesem Sinne soll auch ”Kunst im öffentlichen Raum” zur Identität beitragen. Weiterhin gehört dazu die räumlich-gestalterische Ausformung der großen Straßen und der anschließenden Bereiche (z.B. Prüfeninger Straße, Frankenstraße, Friedenstraße) sowie von ”Stadteingängen” (z.B. Eingänge aus der Landschaft in die Stadt - in Burgweinting oder im Stadtosten - und Eingänge in die innere Stadt - Ernst-Reuter-Platz, Adolf-Schmetzer-Straße, Platz der Einheit, Kumpfmühler Markt, Stobäusplatz).

Gebäudegestaltung

In der Gebäudegestaltung soll das Prinzip der überschaubaren Quartiere unterstützt werden: Einheitliche Proportions- und Gestaltungsregeln im Quartier, einheitliche Körnung mit Variationsmöglichkeiten im Detail, Ablesbarkeit der Entstehungszeit und damit möglichst keine historisierende Gestaltung.

Große Gebäude

Profilbildende Gebäude sollten auf topographisch oder städtebaulich prägnante Situationen beschränkt werden. Außerdem sollten große solitäre Bauwerke auch nur für besondere Nutzungen verwendet werden (z.B. für Versammlungs- und Sportstätten). Im Übrigen wird in einer Studie untersucht werden, welchen Beitrag profilbildende Gebäude und Bauwerke in Regensburg zukünftig zur Gestalt der Stadt leisten können.

Quartierszentren

Im Sinne der Quartiersidentität sollten - neben der Altstadt als gesamtstädtischem Zentrum - auch in den Siedlungsquartieren städtebaulich- räumliche und funktionale Teilzentren gesichert bzw. ausgebildet werden (z.B. Stadtamhof, Burgweinting).

Sondersituationen

Nicht zuletzt ist auf flächenmäßig große Sondersituationen - wie z.B. Gewerbegebiete, Universität, Einzelhandelsgebiete - verstärktes Augenmerk zu legen im Sinne von Überschaubarkeit, Raumbildung und Identität, damit sich auch diese Bereiche in die Gestalt der Stadt Regensburg integrieren können.

3.3.3 Leitprojekte

Die Leitprojekte für die Stadtgestalt sind in Abb. 16 dargestellt.

Abb. 16: Leitprojekte für die Gesamtstadt: Teil "Räumliche Entwicklung und Stadtgestalt" Abb. 16: Leitprojekte für die Gesamtstadt: Teil "Räumliche Entwicklung und Stadtgestalt" ©