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Eröffnung des Kunstwerks in der Simadergasse

Am Freitag, 30.06.2023, fand die Eröffnung des lang erwarteten Kunstwerks in der Simadergasse in Regensburg statt. Zu diesem Event waren neben der Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer auch Anwohner*innen, Immobilienbesitzer*innen, Vertreter*innen zahlreicher Fachämter, einige interessierte Bürger*innen und die Künstlerin Jurena Munõz Lagunas vor Ort.

Hintergrund

In der Simadergasse sind seit geraumer Zeit verstärkt Beschädigungen, Verunreinigungen, Beschmierungen und Lärm zu verzeichnen. Als Ursache dieser unschönen Vorgänge wurde unter anderem das heruntergekommene Gloria-Kino als „städtebaulicher Missstand“ identifiziert, das für den sogenannten „trading-down“-Effekt und damit für die geschilderten negativen Erscheinungen der Auslöser ist. Die Idee eines Wandkunstwerks am ehemaligen Gloria-Kino und dem Nachbargebäude ist in einem ko-kreativen Prozess mit Teilnehmenden der Kreativszene, der Hauseigentümer*innen und der Stadtverwaltung entstanden. Der initiale Anstoß kam dabei aus dem Amt für Denkmalpflege und wurde vom Smart-City-Projekt Labor der kreativen Köpfe, dem Cluster-Management für Kultur- und Kreativwirtschaft sowie dem Altstadtkümmerer Stephan Bergmann weiterentwickelt. Die Umsetzung wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Reiner Meyer, Leiter der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, geplant. Die Sanierungen im ehemaligen Gloria-Kino werden möglichst bald beginnen und das Gebäude wieder mit neuem Leben füllen, wovon sich alle im Quartier positive Effekte für die gesamte Simadergasse als Schnittstelle zwischen Obermünsterviertel und der zentralen Fußgängerzone erhoffen. In der Zwischenzeit soll erprobt werden, inwiefern ein Kunstwerk identitätsstiftend für die Gasse wirken kann.

Das Kunstwerk auf Bauzäunen vor dem ehemaligen Gloria Kino.Das Kunstwerk auf Bauzäunen vor dem ehemaligen Gloria Kino. © Stadt Regensburg

Wettbewerb und Künstlerin

Jurena Munõz Lagunas setzte sich in einem einstufigen, eingeladenen Realisierungswettbewerb mit zuvor ausgewählten Teilnehmenden durch. Lagunas, alias Ju Mu oder Ju Mu Monster, (geb. 1990 in Hannover) ist eine Künstlerin mit peruanisch-chilenischen Wurzeln. Sie studierte Modedesign an der Universität de les Illes Balears in Palma und lebt heute als freiberufliche Künstlerin in Berlin. Ihre Arbeiten sind inspiriert von den Kulturen und Bildwelten der indigenen Völker Lateinamerikas, von prähispanischer und zeitgenössischer Kunst. Themen und Darstellungen entspringen eigenen Fantasien, genährt aus Mythen, Legenden und Geschichten der weiten Anden- und Amazonas-Regionen und zeigen ein Miteinander von Mensch, Geisterwelt und Natur, mit Elementen von Schamanenkult.

Die Aufgabenstellung an die Künstler*innen im Rahmen des Wettbewerbs war es, mittels Fassadenkunst auf die genannte Problemstellung zu reagieren und die Simadergasse sowie das Quartier Obermünsterviertel in seiner historischen Überlieferung durch eine identitätsstiftende Gestaltung zu stärken. In der Auseinandersetzung mit dem Ort konnte der Entwurf sowohl auf die charakteristischen Merkmale und historischen Referenzen Bezug nehmen als auch eine zeitgenössische Gestaltungsidee ins Auge fassen. Dabei sollte der Denkmalschutz- und Pflegegedanke des Stadtdenkmals Regensburg in besonderer Weise beachtet werden.

Lagunas Konzept beinhaltet einige der charakteristischen Merkmale der Stadt in einem sich wiederholenden Muster. Die grobe Struktur ist der Steinernen Brücke nachempfunden, die immer wiederkehrenden Bögen beherbergen die Menschen und ihre Vielfalt. Ihr ist es wichtig, einen Spagat zwischen Modernität und Tradition darzustellen – denn Regensburg ist eine bunte und diverse Stadt, in der jeder Mensch eine Heimat findet. Der Schlüssel, der von Mensch zu Mensch gereicht wird, steht für die Traditionen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Immobilienbesitzer konnten zudem bei der Gestaltung der abgebildeten Personen ihre Ideen einbringen, sodass beispielsweise an der Fassade eines Hauses, in dem früher ein Bäcker und nun ein Bekleidungsladen beheimatet ist, ein Bäcker einem Schneider den Schlüssel reicht. Zusätzlich zu diesen Motiven stehen die Pflanzen auf dem Wandbild für das Wachstum und die Weiterentwicklung der Gesellschaft.

Das Kunstwerk erstreckt sich auf einer Länge von 60 Metern und begleitet somit die Passanten auf ihrem Weg durch die Gasse.Das Kunstwerk erstreckt sich auf einer Länge von 60 Metern und begleitet somit die Passanten auf ihrem Weg durch die Gasse. © Stadt Regensburg

Eröffnung

Bei der Eröffnung des Kunstwerks verwies zunächst die Oberbürgermeisterin auf die Probleme der Gasse und versicherte, dass die Stadtverwaltung den Ernst der Lage erkannt hat und auch wirklich etwas bewegen möchte, um die Situation zu verbessern. Frau Maltz-Schwarzfischer war dabei von Anfang an im Prozess involviert und führte dafür beispielsweise bereits im Dezember vergangenen Jahres Gespräche mit den Immobilienbesitzer*innen. Im Anschluss daran gab Dr. Reiner Meyer, Leiter der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, eine Antwort auf die Frage, warum Kunst im öffentlichen Raum wirksam ist. Ihr zentraler Vorteil ist demnach der Fakt, dass Kunst nachweislich identitätsschaffend wirkt und somit auch die Hemmschwelle für mögliche Verunstaltungen signifikant anhebt. Caroline Hoffmann, Projektleitung des Labor der kreativen Köpfe, gab in der Folge einen Rückblick über den Prozess und lobte die Umsetzung und das große Engagement aller Beteiligten, ehe die Künstlerin Jurena Munõz Lagunas für alle Anwesenden ihr Konzept und ihre Gedanken hinter dem Kunstwerk erklärte. Abschließend meldeten sich noch Willy Gleißl, Immobilienbesitzer des Gebäudes Obermünsterstraße 15, sowie Nina Brandl und Andrea Baumgärtner, die Inhaberinnen des Kleiderladens Frauenzimmer, zu Wort. Sie lobten die unkomplizierte Umsetzung von der Idee bis zum fertigen Kunstwerk und zeigten sich erfreut darüber, dass auch ihre Vorstellungen und Bedenken im Prozess berücksichtigt wurden. Zudem betonten sie als direkte Betroffene, dass viele Besuchende positives Feedback zur neugestalteten Gasse geben würden.

Nach der Eröffnung konnten alle mit kalten Getränken auf eine gelungene Eröffnung anstoßen. Für alle Anwesenden ist deutlich geworden: Das Kunstwerk ist der Startschuss für weitere kreative, stadtentwicklungsrelevante Konzepte in Regensburg.

v.l.n.r.: Caroline Hoffmann, Dr. Reiner Meyer, die Künstlerin Jurena Munõz Lagunas, die Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und der Immobilienbesitzer Willy Gleißl bei den Reden zur Eröffnung des Kunstwerks.v.l.n.r.: Caroline Hoffmann, Dr. Reiner Meyer, die Künstlerin Jurena Munõz Lagunas, die Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und der Immobilienbesitzer Willy Gleißl bei den Reden zur Eröffnung des Kunstwerks. © Stadt Regensburg