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R_NEXT meets NAWO 2023

Unter dem Motto „Für dich, deine Stadt und unsere Welt“, fand vom 12. bis zum 18. Juni die Regensburger Nachhaltigkeitswoche NAWO statt. Das Ziel des Events bestand darin, Aufmerksamkeit für das Thema Nachhaltigkeit in allen Dimensionen zu fördern. Dazu wurden verschiedene Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet organisiert, die zum Nachdenken anregen sollten sowie das vorbildliche Engagement einzelner Bürger*innen, Gruppen und Vereine sichtbar machten. Darüber hinaus konnte aufgezeigt werden, wie jeder Einzelne, egal ob jung oder alt, einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 leisten kann – vor Ort in Regensburg, aber auch im globalen Kontext. R_NEXT war als Kooperationspartner bei drei Veranstaltungen dabei: Das Thema Nachhaltigkeit ist natürlich auch im Kontext einer Smart City von großer Bedeutung, wie die Leitmotive der Smart City Strategie grün, gerecht und produktiv zeigen.

Zukunftsbarometer Regensburg: Nachhaltigkeits-Monitoring für unsere Stadt

Am Dienstagabend von 19 bis 20 Uhr hielt Michael Grein, Koordinator kommunaler Entwicklungspolitik der Stadt Regensburg, einen Vortrag im Degginger zum Startschuss des Zukunftsbarometers. Zunächst erklärte er, dass sich die Stadt Regensburg dazu verpflichtet hat, die 17 SDGs der Vereinten Nationen auf kommunaler Ebenen umzusetzen. Dafür ist in Regensburg schon einiges passiert: Zahlreiche Projekte und Initiativen wurden in den letzten Jahren bereits umgesetzt, wodurch die Stadt auch einige Preise, wie z.B. den European Energy Award erhielt.

Beim Zukunftsbarometer handelt es sich um eine interaktiven Online-Plattform, die den aktuellen Status Quo sowie die Fortschritte Regensburgs beim Erreichen der Nachhaltigkeitsziele sichtbar und messbar macht. Die Stadtverwaltung entwickelte in Partizipation mit Wissenschaftler*innen, Regensburger Initiativen und Vereinen sowie interessierten Bürger*innen dafür ein Nachhaltigkeitsmonitoring mit rund 100 Indikatoren, die eine fundierte Basis für richtungsweisende Entscheidungen auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft liefern. Michael Grein stellte im Rahmen seines Vortrags das Monitoring und ausgewählte Indikatoren vor. Die Zielgruppe des Barometers ist dabei die Bevölkerung, für die auf eine anschauliche Aufmachung der Seite geachtet wurde. Die bewegten Bilder und Grafiken sollen dabei mit bekannten Regensburger Merkmalen, wie z.B. dem Dom einen hohen Wiedererkennungswert liefern. Die Daten wurden dabei aus hochwertigen Quellen und Statistiken gesammelt, um ihre Richtigkeit zu gewährleisten.

Herr Grein betonte zudem, dass das Barometer kontinuierlich weiterentwickelt wird und in nächster Zeit weitere Funktionen mit zusätzlichen Informationen eingebaut werden. Anschließend hatten die rund 100 Besucher*innen die Möglichkeit Fragen zu stellen. In der folgenden Diskussion gab es neben vielen lobenden Wortmeldungen auch einige Nachfragen zur Barrierefreiheit der Webseite sowie zum Auswertungspotenzial der Interaktionen von Besucher*innen der Online-Anwendungen. Auch wurde konstruktive Kritik der Zuhörer*innen zu einigen Animationen, die eventuell missverständliche Angaben liefern geäußert, die im Nachgang sofort an die relevanten Ansprechpartner*innen weitergeben wurde, um potenzielle Verbesserungen beim Zukunftsbarometer zeitnah umzusetzen.

Michael Grein hält auf der Bühne einen Vortrag zum neuen Zukunftsbarometer.

Nachhaltiges Wirtschaften: GWÖ im Markt Postbauer-Heng

In Kooperation mit R_NEXT organisierte die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) Regionalgruppe Regensburg am Dienstag von 20 bis 21 Uhr einen Vortrag von Angelika Herrmann. Die 2. Bürgermeisterin und Kulturbeauftragte am Deutschordensschloss, stellte bei ihrer Präsentation im Degginger den 8.000 Einwohner zählenden Markt Postbauer-Heng vor.

Der Markt ist seit Oktober 2021 eine zertifizierte Gemeinwohl-Gemeinde. Im Rahmen ihres Vortrags beschrieb Frau Hermann den Weg ihrer Kommune von der Idee bis zur Zertifizierung. Die Idee der Gemeinwohl-Bilanzierung in Postbauer-Heng entstand aus dem Gedanken heraus, das Denken, Handeln und Planen auf eine nachhaltige und vor allem mit Blick auf nachfolgende Generationen, zukunftsträchtige Basis zu stellen. Die zentrale Leitfrage lautet dabei, ob Maßnahmen, die von der Gemeinde getroffen werden, der Umwelt, den Menschen und der Zukunft dienen. Damit wird dem Leitbildgedanken nähergekommen Postbauer-Heng auch für nachfolgende Generationen als lebenswert zu erhalten und eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Für den Prozess der Berichtserstellung hat sich die Gemeinde zum Ziel gesetzt, eine möglichst realistische Einschätzung der eigenen „Gemeinwohl-Performance“ vorzunehmen. Mit dem Markt bekam die GWÖ, nach der Gemeinde Kirchanschöring (Landkreis Traunstein/Bayern) sowie drei weiteren Gemeinden in Schleswig-Holstein, die fünfte Gemeinde in Deutschland als Anhängerin der Bewegung.

Frau Herrmann fasste zudem die gesammelten Erfahrungen während des bisherigen Prozesses ein und lieferte am Schluss einen Ausblick darüber, wie es in Postbauer-Heng weitergehen soll. Nach dem informativen Vortrag nutzten die Besucher*innen noch die Möglichkeit mit der Expertin in einen Dialog zu treten.

Angelika Herrmann stellt in ihrem Vortrag die Gemeinwohlökonomie im Markt Postbauer-Heng vor.

Essbare Stadt. Urbane Lebensmittelproduktion für ein nachhaltigeres Regensburg?

Für Mittwochabend von 19 bis 21 Uhr organisierte R_NEXT zwei Vorträge mit anschließender Podiumsdiskussion zum Thema „Essbare Stadt“ im Degginger. Das Konzept der „Essbaren Stadt“ will durch den Anbau von Lebensmitteln auf öffentlichen Flächen eine lokale Versorgung vor Ort für alle nutzbar und Städte widerstandsfähiger gegen den Klimawandel machen. Gemeinsames Gärtnern und Ernten soll dabei zudem die Stadtgemeinschaft stärken. In manchen Städten kam die Initiative für ein solches Projekt aus der Stadtverwaltung, in vielen anderen haben sich Bürger*innen zur Gründung einer „Essbaren Stadt“ zusammengeschlossen.

Einblicke eines Projekts aus der Perspektive der Stadtverwaltung lieferte im ersten Vortrag des Abends Dr. Lutz Kosack von der Universität Bonn, Initiator der ersten „Essbaren Stadt“ Deutschlands in Andernach. Er präsentierte innovative Ideen, wie Stadtbewohnerinnen und -bewohner die Bedeutung von Biodiversität besser verstehen und erleben können. Die Ausgangssituation in Andernach war geprägt von einer urbanen Umgebung ohne ausreichend Grünflächen, mit vielen Parkplätzen und Steingärten. Dr. Kosack betonte, dass viele Städter im Urlaub die Natur genießen, jedoch zu Hause mit dem Unkrautjäten konfrontiert sind. Daher stellte er die Frage, wie die Menschen wieder eine Verbindung zum Grün in der Stadt aufbauen und Biodiversität erfahren können. Eine Möglichkeit war der Anbau von Gemüse auf freien Grünflächen der Stadt. Er betonte, dass die Darstellung von Biodiversität die Sinne berühren und ansprechen müsse, indem man Pflanzen fühlt, schmeckt und erlebt. Dr. Kosack präsentierte verschiedene Konzepte wie Community Gardens, Rooftop-Gardening und Guerilla-Gardening, um die Stadtbewohnerinnen und -bewohner aktiv in die Gestaltung und Pflege grüner Flächen einzubeziehen. Die Stadtverwaltung von Andernach erkannte das Potenzial dieser Ideen und beschloss, multifunktionale Vernetzung auf Grünflächen zu fördern und verwahrloste Flächen einfach zu bepflanzen. Statt „Betreten verboten“ hieß es bei den angepflanzten Gemüse- und Obstflächen nun „Pflücken erlaubt“. Dabei spielte das Einbeziehen der Bürgerschaft eine entscheidende Rolle: Einige Bürger*innen wurden als Verantwortliche für ihre eigenen kleinen Projekte zu "Meisterbürger*innen" ernannt, was großen Anklang in der Presse fand. Zudem Perspektive GmbH wurde beauftragt, Langzeitarbeitslose unter Anleitung von Gärtnern in die Pflege der Flächen einzubeziehen. Dadurch entstand ein sozialer Aspekt und interkulturelle Begegnungsstätten wurden geschaffen.

Dr. Lutz Kosack präsentiert das Konzept der „Essbaren Stadt“ Andernach.

Im zweiten Vortrag des Abends präsentierte Dr. Martina Artmann, Leiterin der Forschungsgruppe „Urbane Mensch-Natur-Resonanz für eine Nachhaltigkeitstransformation“ am Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, den Zuhörer*innen unter dem Titel „Von Lebkuchenhäusern und nachhaltigem Wandel“ eine wissenschaftliche Herangehensweise, um die essbare Stadt und deren gesellschaftliche Bedeutung zu erforschen.

Der erste Schritt besteht darin, zu verstehen, was eine essbare Stadt ist, wie sie funktioniert und welches Potenzial sie bietet. Frau Dr. Artmann verwies auf die aktuellen Herausforderungen unserer Gesellschaft, darunter Krieg, die Corona-Pandemie, Hamsterkäufe, den Klimawandel, die Verstädterung und die negativen Auswirkungen der Landwirtschaft auf das Klima. Angesichts dieser Probleme betonte sie die Vielfalt einer potenziellen Lebensmittelproduktion in der Stadt, wie zum Beispiel Vertical Farming, Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) und Gemeinschaftsgärten. Sie definierte die Merkmale einer essbaren Stadt, zu denen die freie Zugänglichkeit, die Gemeinschaft, die Versorgung, die urbane Transformation und die Bildung gehören. Als Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung präsentierte sie die Stadt Dresden: Dort stand die Partizipation und das Abstimmen über die „Essbare Stadt“ im Vordergrund. Der Verein Stadtgärten e.V. aktiviert dort gemeinschaftliche Flächen und fördert die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Ein wichtiges Instrument in Dresden war die Erstellung einer Karte mit essbaren Potentialflächen, die durch den „Vision Ride“ ergänzt wurde. Dabei handelte es sich um eine Radtour, bei der Ideen ausgetauscht und Pflanzen erklärt wurden. Es fanden Verwertungsworkshops statt, um das Wissen über die Verarbeitung der Pflanzen zu teilen. Frau Dr. Artmann betonte zudem, wie wichtig es sei, dass Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam gärtnern und einen Dialog führen. Um die Umsetzung einer „Essbaren Stadt“ erfolgreich zu gestalten, nannte Frau Dr. Artmann verschiedene Hebel: Dazu gehören finanzielle Förderung durch Förderprojekte, die Zusammenarbeit mit existierenden Netzwerken und der Aufbau neuer Netzwerke, die Bereitstellung von Flächen durch die Stadt und die Privatwirtschaft, unterschiedliche Partizipations- und Lernformate sowie ein ausgeprägtes Fach- und Praxiswissen im Team, um die Akzeptanz der Projekte zu erhöhen. Abschließend stellte Frau Dr. Artmann die Frage, welche Rolle die Stadt in Bezug auf Bildung, Versorgung und soziale Komponenten spielen kann. In Andernach wurde beispielsweise bereits ein Prozent der Versorgung durch die Stadt realisiert, aber es gibt noch viele Abhängigkeiten, die berücksichtigt werden müssen, wie beispielsweise Flächenverfügbarkeit und das Essverhalten der Bevölkerung.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden weitere Aspekte und Beispiele aus verschiedenen Städten, darunter Regensburg, diskutiert. Es wurden Fragen zur Nutzung von Firmenflächen, zum Umgang mit wenigen verfügbaren Flächen und zur Finanzierung aufgeworfen. Auch die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger sowie die Rolle der Verwaltung wurden intensiv diskutiert. Die Ideen von Dr. Lutz Kosack und die Erfahrungen aus Dresden zeigten auf, wie eine Stadt durch die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger in die Gestaltung und Pflege von Grünflächen zu einer lebendigen und „Essbaren Stadt“ werden kann.

Dr. Martina Artmann stellte bei ihrem Vortrag das Thema „Essbare Stadt“ aus wissenschaftlicher Sicht dar.