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Einweihung der Neuen Synagoge

Begrüßungsansprache von Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer anlässlich der Einweihung der Neuen Synagoge Regensburg am 27. Februar 2019 im neuen jüdischen Gemeindezentrum am Brixener Hof 2

- Es gilt das gesprochene Wort. -

Sehr verehrte Mitglieder der Jüdischen Gemeinde, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Festgäste,

„Die Zerstörung der Regensburger Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 stand stellvertretend für den brutalen Genozid an den europäischen Juden. Mit dem Neubau der Synagoge im Herzen unserer Altstadt können wir dafür sorgen, dass das jüdische Leben sichtbar dorthin zurückkehrt, wo es seit Jahrhunderten seinen Platz hatte: In unsere Mitte.“

Dies, meine sehr verehrten Damen und Herren waren meine Worte anlässlich des Richtfests der Synagoge am 25. Oktober 2017.

Dass wir das jüdische Leben in der Mitte unserer Gesellschaft fest verankern, ist heute wichtiger denn je. Denn es sind wieder Zeiten angebrochen, in denen Pöbeleien, aber auch tätliche Angriffe gegen unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger häufiger vorkommen, wie beispielsweise vor Kurzem die öffentliche Beleidigung des französischen Philosophen Alain Finkielkraut im Umfeld der Proteste der Gilets jaunes in Paris gezeigt hat.

Aber auch bei uns hier in Deutschland nehmen die Übergriffe auf unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger leider zu.

Aber niemals, ich betone: Niemals, darf noch einmal etwas Ähnliches geschehen wie unter dem Schreckensregime der Nationalsozialisten! Dafür soll diese Synagoge ein noch stärkeres Symbol sein als ihre Vorgängerin.

Noch im August 1912 hatte der damalige erste Bürgermeister der Stadt Regensburg, Otto Geßler bei der Einweihung der Synagoge gesagt: „Wir dürfen hoffen, dass (…) der neue Tempel auf Jahrhunderte hinaus den festen und sicheren Mittelpunkt für das Kultusleben der Regensburger Israeliten bilden und ihnen selbst daraus reiches Leben erblühen möge.“

Seine Hoffnung erfüllte sich nicht. Es waren nur 26 Jahre, die die hier an dieser Stelle erbaute Synagoge überdauern konnte, bevor sie 1938 von NS-Gefolgsleuten gewaltsam zerstört wurde und die Menschen, die sich dort friedlich zum Gebet versammelten, auseinandergetrieben, geschändet und brutal in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Die Neue Synagoge darf dieses Schicksal nicht teilen! Wir alle müssen dazu beitragen, dass sie ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft wird und bleibt.

Sie, sehr geehrte Frau Danziger,

haben selbst den Wunsch formuliert, die Neue Synagoge möge „ein Haus der Zukunft“ sein. Ich füge hinzu: Ein Haus mit starkem Symbolcharakter für gegenseitiges Verständnis und Vertrauen. Ein Haus des Friedens und der Völkerverständigung. Ein Haus der Heilung und der Vergebung, aber auch ein Haus der Einsicht. Ein Haus des Miteinanders, nicht des Gegeneinanders. Ein Haus des Erinnerns, nicht des Vergessens. Ein Haus das ein klares Signal in die Welt sendet, dass Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus bei uns keinen Platz haben.

Dass dies auch den Regensburgerinnen und Regensburgern wichtig ist, zeigt das breite Engagement, das den Bau des jüdischen Gemeindezentrums begleitet hat.

Mein Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass wir heute die Synagoge feierlich einweihen können. Insbesondere erwähnen möchte ich dabei Dieter Weber und den von ihm ins Leben gerufenen „Förderverein Neue Synagoge“ sowie den Architekten, der dieses Gebäude entworfen hat, Volker Staab aus Berlin.

Die Schauspielerin Adele Neuhauser, die dankenswerterweise die Schirmherrschaft übernommen hat, wird später das Gedicht der jüdischen Dichterin Rose Ausländer rezitieren, deren Zeilen der bayerische Künstler Tom Kristen nach der Originalhandschrift der Künstlerin zu einem Kunstwerk verewigt hat, das das neue Gemeindezentrum zieren wird. Auch Ihnen, sehr verehrte Frau Neuhauser, vielen Dank für Ihr Engagement.

„Vergesst nicht / Freunde / wir reisen gemeinsam“, heißt es in diesem Gedicht. Und genau dies sollte uns der heutige Tag wieder ins Bewusstsein rücken:

Wir sind alle Menschen. Zwar unterscheiden wir uns in vielen Dingen, aber wir haben auch vieles gemeinsam. Wir sind aufeinander angewiesen und können nur gemeinsam stark sein. Wenn wir glauben, wir könnten uns zu Siegern über andere ausrufen, werden wir unweigerlich zu Verlierern.

Ich wünsche der Neuen Synagoge Regensburg und den Menschen, die hier aus- und eingehen, eine friedliche und unbeschwerte gemeinsame Zukunft.

Masel tov!