Neujahrsempfang 2026

- Es gilt das gesprochene Wort -

Rede von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer anlässlich des Neujahrsempfangs am 9. Januar 2026 im Historischen Reichssaal

(Anrede)

„Nichts ist so beständig wie der Wandel.“ Mit dieser Weisheit des griechischen Philosophen Heraklit heiße ich Sie herzlich willkommen in einem Jahr, das für unsere Stadt – und auch für mich persönlich – auf jeden Fall einiges an Wandel bereithält. 

Begonnen haben wir es gleichwohl mit einer Tradition: nämlich unserem Defilee und einer schwungvollen musikalischen Begrüßung. Vielen Dank an die Brass Band Regensburg unter der Leitung von Thomas Freiss. Und ein großes Dankeschön an Sie, liebe Gäste, für Ihre Geduld beim Schlangestehen und für die vielen lieben Worte und guten Wünsche, mit denen Sie uns bedacht haben. 

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 

am 8. März ist Kommunalwahl. Wie Sie wissen, trete ich nicht mehr für das Amt der Oberbürgermeisterin an. Und nicht nur die Stelle auf dieser Seite des Rednerpults wird im kommenden Jahr anders besetzt sein, auch im Stadtrat wird es naturgemäß Veränderungen geben. 

Demokratie ist mit Wandel verbunden.  Macht wird immer nur auf Zeit verliehen – und nach Ablauf der Wahlperiode haben die Bürgerinnen und Bürger immer wieder die Möglichkeit, sich zwischen unterschiedlichen Ideen, Konzepten und auch Persönlichkeiten zu entscheiden.

Das bedeutet: Unterschiede gehören dazu, sie sind sogar unbedingt erwünscht und dürfen, ja müssen, in der öffentlichen Diskussion deutlich gemacht werden. Dabei kann es auch heftig zugehen – gerade im Wahlkampf.

Es war mir deshalb wichtig, diesen Neujahrsempfang – der ja in den Beginn der heißen Phase des Kommunalwahlkampfs fällt – unter ein Leitthema zu stellen, das daran erinnert, worum es am Ende eigentlich geht, nämlich: 

„Gemeinsam Zukunft gestalten“. 

Dieser Leitgedanke bezieht sich nicht nur auf Politikerinnen und Politiker, sondern schließt die gesamte Bürgerschaft mit ein. 

In Regensburg haben wir eine starke Zivilgesellschaft. Es gibt viele großartige Organisationen und Initiativen, die sich für andere einsetzen. Wir haben ein breites Spektrum an Vereinen, die das Leben mitgestalten und prägen. 

All das wäre nicht möglich ohne Menschen, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren – in ihrer Freizeit, über ihre beruflichen und privaten Verpflichtungen hinaus.

Zu diesem Neujahrsempfang haben wir eine Reihe junger Menschen eingeladen, die das in vorbildlicher Weise tun. 
Stellvertretend für alle ehrenamtlich tätigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in unserer Stadt darf ich neben den Vertreterinnen und Vertretern unseres Jugendbeirats und des Stadtjugendrings an dieser Stelle herzlich begrüßen:

  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms Youngagement.
    Youngagement ist ein Projekt der Freiwilligenagentur Regensburg. Seit 20 Jahren gibt es Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, einmal in der Woche in einer festen Einsatzstelle eine ehrenamtliche Tätigkeit auszuüben. Über 1.000 Jugendliche haben bislang teilgenommen, viele von ihnen sind dem Ehrenamt auch danach treu geblieben.

Außerdem heiße ich herzlich willkommen:

  • die Schülersprecherinnen und Schülersprecher unserer städtischen Berufsschulen sowie
  • die Studierendenvertretungen der drei Regensburger Hochschulen.

Neben Schule, Ausbildung oder Studium ein Ehrenamt auszuüben, für andere da zu sein, oder das Leben an der Schule oder Hochschule aktiv mitzugestalten – das kostet Zeit und bedeutet auch eine Verpflichtung. Mit unserer Einladung wollen wir dieses Engagement sichtbar machen und Ihnen und Euch dafür Danke sagen.
Noch einmal herzlich willkommen und weiterhin alles Gute, viel Erfolg und natürlich auch Freude bei Ihrer/Eurer ehrenamtlichen Arbeit. 


Meine sehr geehrten Damen und Herren,  

„Gemeinsam Zukunft gestalten“ – das ist in einer Demokratie nicht immer ganz einfach. Um einzelne Themen wird heftig diskutiert und gerungen, und am Ende steht ein Kompromiss, bei dem niemand seine Maximallösung durchsetzen konnte, mit dem aber alle leben müssen, und mit dem auch alle leben können müssen.

Demokratie ist ein mühsames Geschäft! – 
Das kann ich Ihnen nach fast 18 Jahren im Stadtrat, nach fast zwölf Jahren als Teil der Stadtspitze (und vor allem nach fast sechs Jahren als gewählte Oberbürgermeisterin ohne eigene Mehrheit!) aus Erfahrung sagen. 

Aber: Wir haben als Gesellschaft verabredet, dass das die Spielregeln sind, nach denen wir miteinander leben wollen.

  • Dass alle an der Meinungsbildung mitwirken dürfen und auch mitwirken sollen.
  • Dass einer anderen Meinung und dem politischen Gegner immer mit Respekt zu begegnen ist.
  • Dass Entscheidungen der Mehrheit akzeptiert werden müssen, auch wenn sie nicht der persönlichen Überzeugung entsprechen.

Demokratie ist anstrengend, aber es ist das beste Gesellschaftssystem, das wir haben. 
Oder, wie es der frühere britische Premierminister Winston Churchill so treffend ausgedrückt hat:
„Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“ 
Dass wir in Deutschland seit 80 Jahren in Frieden, Freiheit und Wohlstand leben dürfen (so lange wie noch keine Generation vor uns!) – daran hat unser demokratisches System einen ganz entscheidenden Anteil. 

Ein Blick in unsere Geschichte zeigt, wohin es führt, wenn wir die Mühen der Demokratie nicht mehr auf uns nehmen, wenn wir denen das Feld überlassen, die hetzen, spalten und unsere demokratisch-freiheitliche Grundordnung für überflüssigen Ballast halten.

2025 haben wir den Jahrestag „80 Jahre Kriegsende“ begangen und der Millionen Menschen gedacht, die dem Wahnsinn von Diktatur und Weltkrieg zum Opfer gefallen sind. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder passiert. 

Dazu gehört, dass wir eines klar machen: 
Persönliche Angriffe, Hassrede und Hetze gegen einzelne oder Gruppen von Menschen sind nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt!

Dagegen darf sich eine Demokratie zur Wehr setzen. Ja, sie muss es sogar tun! Das hat nichts mit „canceln“ oder Missachten der Meinungsfreiheit zu tun. Ganz im Gegenteil: 
Wir haben die Lehre aus dem, was vor 100 Jahren in Deutschland geschehen ist, zu ziehen: Damals nutzten die Feinde der Demokratie die demokratischen Spielregeln, um an die Macht zu kommen. Kaum an der Macht, wurden von ihnen ebenjene demokratischen Spielregeln abgeschafft und jeder Widerstand grausam verfolgt. 

Wir haben genug Mahnungen von Zeitzeugen, um zu wissen, dass wegschauen und ignorieren gefährlich und nicht zu akzeptieren ist. 
Ich zitiere hierzu den Schriftsteller Erich Kästner: 
„Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf.“


Liebe Gäste, 

Demokratie braucht Demokratinnen und Demokraten.

In einem System, in dem alle mitbestimmen, ist es wichtig, dass alle auch die grundsätzlichen Spielregeln akzeptieren, nämlich den Rahmen, den unsere Gesetze und unsere verfassungsmäßige Ordnung vorgeben.

Deshalb schmerzt es, wenn immer mehr Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz bei Kandidaten machen, die sich klar gegen diese Spielregeln stellen. 

Ich möchte hier nicht die Diskussion aufmachen, ob und an welchem Punkt eine wehrhafte Demokratie Parteiverbote aussprechen sollte und ob ein Verbot die richtige Antwort sein kann. 

Mein Ansatz ist an dieser Stelle ein anderer, nämlich wie es dazu kommt,  dass sich so viele Bürgerinnen und Bürger offenbar enttäuscht von der Demokratie abwenden. Und wie wir sie wieder für die Demokratie gewinnen können.

Ich bin überzeugt: der Kommunalpolitik kommt bei diesem Thema eine entscheidende Rolle zu. 

Es ist nämlich die Stadt, es ist der eigene Wohnort, wo die Menschen staatliches Handeln unmittelbar erleben. 

Was wir im Stadtrat beschließen, das können die Bürgerinnen und Bürger direkt sehen und beurteilen. 
Darüber hinaus werden viele Entscheidungen und Entwicklungen dem Stadtrat, der Stadtverwaltung oder ganz konkret mir als Oberbürgermeisterin zugeschrieben oder mit unserem Handeln in Verbindung gebracht, obwohl sie nicht in unserer Zuständigkeit liegen,  sondern auf Landes-, Bundes- oder europäischer Ebene entschieden wurden. 

Also: das unmittelbare Erleben von Staat und Demokratie findet in der Kommune statt. 
Als Archäologin, die das Leben gern durch die historische Brille betrachtet, habe ich bei diesem Satz sofort das Bild von einem Marktplatz in einer idealtypischen antiken Stadt vor Augen. In Athen, Heimat der ältesten Demokratie der Welt, wurde Politik bekanntlich auf dem öffentlichen Marktplatz, der Agora, gemacht.

Heutzutage sieht unser Marktplatz natürlich anders aus. Er ist vielfältiger geworden, setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen:

Zuerst einmal ist hier unsere Altstadt als zentraler Ort zu nennen. Sie ist Einkaufs-, Gastro- und Flaniermeile und Wohnort. In ihren historischen Gebäuden und Gassen spiegelt sich die Geschichte wider. Die Altstadt ist außerdem der Ort, an dem Feste und Märkte stattfinden, an dem wir uns mit Freunden verabreden oder auch zufällig Bekannten über den Weg laufen. 

Ein weiterer Teil unseres Marktplatzes sind Veranstaltungen. Unsere Bürgerversammlungen, die verschiedenen Beteiligungsformate, unsere Reihe „Stadt im Gespräch, im Dialog mit der Oberbürgermeisterin“, Diskussionsrunden im Degginger, Formate im M26, selbstverständlich auch unsere öffentlichen Stadtrats- und Ausschusssitzungen sowie unsere verschiedenen Beiräte für Kinder, Senioren, Jugendliche, Integration, Inklusion, Umwelt, Sport, Sicherheit und Smart City. Überall dort, wo der Dialog und das Verständnis zwischen Bürgern, Verwaltung und Politik gefördert werden – überall dort wird Demokratie erlebbar. 

Zu unserem Marktplatz gehören ebenfalls unsere Heimatzeitungen, die lokalen Medien, in denen die Menschen erfahren, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert und in denen sie sich auch mit ihren eigenen Aktivitäten wiederfinden können.

Unser Marktplatz umfasst Projekte, die den sozialen Zusammenhalt in den Stadtteilen fördern, wie die „Soziale Stadt“ im Inneren Südosten, aber auch unsere Jugendzentren und Stadtteilprojekte. Wo Menschen gehört werden, wo sie ihre Nachbarn kennenlernen und das Leben in ihrem Viertel unmittelbar mitgestalten können. 

Auf dem Marktplatz erleben die Menschen drei grundsätzliche Dinge:

Erstens: Es ist UNSERE Stadt. Sie „gehört“ nicht der Oberbürgermeisterin oder dem Stadtrat, sondern uns allen, in Gemeinschaft. 

Zweitens: Das Leben findet nicht in Blasen oder in den Sozialen Medien statt, sondern hier vor Ort, mit den Menschen, die hier wohnen und arbeiten. Ich muss nicht mit jedem dieser Menschen einer Meinung sein. Aber: Wir haben alle ein Recht auf diese Stadt, und wir behandeln uns gegenseitig mit Respekt. 

Und drittens: Ich habe die Möglichkeit, mitzugestalten. Meine Meinung wird gehört und ernstgenommen. Auch wenn nicht alles genauso umgesetzt wird, wie ich es mir wünsche, bekomme ich zumindest immer eine Rückmeldung und Erklärung, warum Entscheidungen so getroffen wurden, wie sie getroffen wurden.

Liebe Gäste,

ich habe von der idealtypischen Stadt gesprochen, und auch der Marktplatz, den ich gerade beschrieben habe, ist natürlich nur ein Bild. In der Realität gelingt es nicht immer, die Menschen so mitzunehmen, dass sich alle wirklich mitgenommen fühlen. Auf der anderen Seite ist auch die Kompromissbereitschaft nicht in jedem Fall so ausgeprägt, wie es ideal wäre.

Und auch die „begleitenden Umstände“ sind alles andere als optimal:

Krisen wie Corona, der russische Angriffskrieg in der Ukraine, die Verschiebung der weltpolitischen Ordnung, die Probleme von Deutschland als Wirtschaftsstandort und natürlich der Klimawandel mit seinen Folgen sorgen für Verunsicherung. Ebenso die neuen Technologien und die damit verbundenen offenen Fragen – allen voran die KI, die unser Leben in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern dürfte. 

In den Sozialen Medien verbreiten sich Fake News und Halbwahrheiten in Sekundenschnelle. Der Algorithmus fördert Blasen und Echokammern, in denen Menschen ihr eigenes Weltbild permanent bestätigt bekommen, anstatt sich – auf unserem bildlichen Marktplatz! – mit anderen auseinanderzusetzen. Wer anderer Meinung ist, wird im Internet oft harsch und persönlich weit unter der Gürtellinie angegangen. 

All das macht es Populisten und Anti-Demokraten leichter, Menschen für sich zu gewinnen. Und sie sind bereit, ihre Mittel gezielt einzusetzen, um die demokratischen Gesellschaften in Europa zu schwächen – das hat die jüngst veröffentlichte Sicherheitsstrategie der USA noch einmal erschreckend deutlich gemacht. 

Alle Demokratinnen und Demokraten sind jetzt gefordert, zusammenzustehen und – bei allen unterschiedlichen Auffassungen in der Sache – mehr denn je konstruktiv zusammenzuarbeiten. 
Das ist schwierig, und das klappt auch nicht immer. Ich darf das – völlig wertungsfrei – aus meiner Erfahrung der vergangenen Jahre bestätigen. 

Aber ich bin absolut davon überzeugt: Wir müssen es immer wieder versuchen. 

Bei den Sachthemen bleiben, respektvoll miteinander umgehen und uns nicht von der allgemeinen Lust, sich zu empören, mitreißen lassen. 

Schauen wir auf unsere Stadt:

In Regensburg geht es uns grundsätzlich gut. Unsere Stadt ist nach wie vor wirtschaftlich stark und kann vieles leisten, was in anderen Städten nicht so ohne weiteres möglich ist:

Wir haben gerade ein neues Schwimmbad und eine Leichtathletikhalle gebaut, unser Westbad mit neuen Rutschen ausgestattet und planen Sanierung und Umbau des Hallenbads. 

Unser Theater wird Staatstheater, wir planen die Sanierung und den Umbau des Velodroms, unterhalten Museen und documente, haben eine unfassbar aktive und vielfältige Kulturszene. 

Unsere grundlegende Infrastruktur funktioniert – Kinderbetreuung (schon zum zweiten Mal konnten wir jedem Kind einen Betreuungsplatz anbieten!), Schulen, Busse, Müllabfuhr, Straßen, Büchereien, Bürgerbüros. Das Hauptradroutennetz wächst. Wir können es uns leisten, unser Klärwerk auszubauen und sind in Sachen Wärmeplanung gut unterwegs.

Wir entwickeln ein neues Stadtquartier auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne, schaffen dort neuen Wohn- und Lebensraum. Den Spatenstich für neue bezahlbare Wohnungen haben wir schon gefeiert.

Wir haben unzählige Beratungs- und Gemeinschaftsangebote für Menschen aller Altersgruppen. Von Sport im Park über Wohnraumberatung für Senioren, über Erziehungsberatung und Familienangebote. 

Mit seinen zwei Welterbe-Titeln ist Regensburg nach wie vor ein beliebtes Reiseziel. 2024 haben wir mehr als 1,3 Millionen Übernachtungen gezählt – das ist ein neuer Höchststand.

Wir gehen voran in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Unser Zukunftsbarometer ist weit über Regensburg hinaus wegweisend. 
In Sachen Lade-Infrastruktur sind wir in der Spitzengruppe in Deutschland.

Unsere Wirtschaft ist breit aufgestellt und wir haben eine lebendige Gründerszene – gerade, was Zukunftstechnologien betrifft. In bundesweiten Vergleichsstudien erzielt Regensburg regelmäßig Top-Platzierungen – so wie ganz aktuell im Städteranking 2025 von IW-Consult,  das zeigt, welche Städte sich in den vergangenen 5 Jahren am besten entwickelt haben.

Wir haben tolle Feste und mit RE.LIGHT vor zwei Jahren ein neues Festival etabliert, auf das sich viele jetzt wieder freuen. 

Ich könnte die Liste noch lange fortsetzen, aber ich denke, das, worauf ich hinauswill, ist bereits klar geworden: 

Im Grundsatz geht es uns gut. Besser als vielen anderen Kommunen. Das sollten wir anerkennen und darüber dürfen wir uns zwischendrin durchaus einmal freuen und darauf auch stolz sein. 

Das alles in dieser Form aufrecht zu halten und weiterzuentwickeln, wird in den kommenden Jahren die Herausforderung. Auch in Regensburg rechnen wir mit vorübergehend sinkenden Steuereinnahmen, während wir als Kommune immer mehr Aufgaben übernehmen müssen. Wir setzen uns deshalb auf allen Ebenen für einen fairen finanziellen Ausgleich mit dem Bund und dem Freistaat ein. 
Wer Städten und Gemeinden zusätzliche Aufgaben zuweist, muss ihnen auch das nötige Geld dafür zur Verfügung stellen!

Demokratie wird in den Kommunen erlebt. Deshalb brauchen Kommunen die Möglichkeit, das Leben vor Ort zu gestalten – das gilt selbstverständlich auch für Regensburg. 

Bezahlbaren Wohnraum schaffen, unseren öffentlichen Nahverkehr und unsere Verkehrsinfrastruktur zukunftsfähig ausbauen, beste Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen schaffen, die Altstadt vom unnötigen Verkehr befreien und ohne Kaufhof weiterentwickeln. 
Das sind Beispiele für Themen, die vielen Regensburgerinnen und Regensburgern auf den Nägeln brennen und für die es leider keine schnellen und einfachen Lösungen gibt – auch wenn in der öffentlichen Diskussion mitunter etwas anderes behauptet wird. 

Gerade bei solchen Themen müssen wir dranbleiben und konstruktiv zusammenarbeiten. Ohne Polemik, im offenen, ehrlichen Austausch – im Stadtrat, mit der Verwaltung und mit den Bürgerinnen und Bürgern. Egal, wie die Mehrheitsverhältnisse sind, egal, wann die nächste Wahl ansteht.  

Wenn ich dem nächsten Stadtrat einen Wunsch ins Stammbuch schreiben dürfte, dann wäre es genau das. Es geht nicht um einzelne Personen oder Parteien. Es geht um die Zukunft unserer Stadt, und diese Zukunft lässt sich nur gemeinsam gestalten. 


Liebe Gäste,

meine Amtszeit läuft noch bis zum 30. April – und ich spüre eigentlich noch überhaupt keine Abschiedsstimmung. 
Trotzdem möchte ich das Ende meiner letzten Neujahrsansprache für ein paar persönliche Worte nutzen. 

Mein Start als Oberbürgermeisterin ist damals anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt oder gewünscht hätte. Das gilt sowohl für die vertretungsweise Übernahme der Amtsgeschäfte 2017 als auch für die Zeit nach der Wahl 2020, die stark durch Corona geprägt gewesen ist. 

Ein Einschnitt war der russische Überfall auf die Ukraine im Februar 2022. Auch unsere Partnerstadt Odessa stand von einem Tag auf den anderen plötzlich im Krieg. Wie die Menschen dort – aber auch die Ukrainerinnen und Ukrainer, die zu uns geflüchtet sind – damit umgehen, das beeindruckt mich zutiefst. Ebenso die Hilfsbereitschaft, die ich bei dieser und vielen anderen Gelegenheiten in Regensburg gesehen und erlebt habe.

Ich habe in meiner Zeit als Oberbürgermeisterin viele fantastische Menschen kennengelernt. Menschen, mit denen es das Schicksal weiß Gott nicht gut gemeint hat, und die trotzdem mutig und entschlossen ihr Leben angehen. Menschen, die anpacken und unsere Stadt mit vielen großartigen Ideen und Projekten bereichern. Menschen, die für ihre Überzeugung einstehen und sich für andere einsetzen.

Ich habe vorhin vieles aufgezählt, wofür wir in Regensburg dankbar sein dürfen. Aber unser größter Schatz, das sind die Menschen unserer Stadt und ihre positive Energie, die an so vielen Stellen spürbar ist. 

Ich bin dankbar, Regensburg als Oberbürgermeisterin mitgestalten zu dürfen, und ich wünsche dem nächsten Stadtrat und der nächsten Stadtspitze, dass sie diese positive Energie ebenso spüren, dass sie Freude haben an ihrem Amt und dass es ihnen gelingt, Regensburg zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern weiterhin gut für die Zukunft aufzustellen. 

In einem Jahr sehen wir uns wieder – an dieser Stelle, in anderer Konstellation. 
Ich bin gespannt, was uns die kommenden Monate bringen werden, und wünsche Ihnen, liebe Gäste, und allen Regensburgerinnen und Regensburgern ein gutes, ein glückliches, ein erfolgreiches und vor allem ein gesundes und friedliches Jahr 2026.