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Vorworte

Vorwort des Oberbürgermeisters

1977 wurde der erste Stadtentwicklungsplan für Regensburg vom Stadtrat einstimmig verabschiedet. Er war eine sehr umfassende, aber ausgewogene Mischung aus Bestandsaufnahme, Bewertung der Situation, Vorgabe von Ober- und Einzelzielen und Maßnahmen. Er dient seit mehr als zwei Jahrzehnten als Grundlage für die Investitionsplanung und seine Ziele flossen ein in viele nachfolgende Planwerke und Einzelplanungen.

Inzwischen sind fast 30 Jahre vergangen. Viele Randbedingungen haben sich geändert. Wir haben eine neue Ausgangslage, die ein erneutes “Innehalten” und neues Nachdenken erfordert. Der “Regensburg-Plan 1977” bezog sich nur auf das Stadtgebiet vor den Eingemeindungen 1977/78. Durch die Gebietsreform hat sich Regensburg aber um 48 % vergrößert - und zwar mit sehr bedeutenden Flächen, die inzwischen schon zu einem Schwerpunkt der Stadtentwicklung geworden sind (z.B. Harting, Burgweinting).

Außerdem haben die Bürgerinnen und Bürger, Politik, Medien und Verwaltung ihre Wertvorstellungen verändert; manches wird heute anders beurteilt als damals. Zusätzlich haben sich die Methodik und der Stellenwert der Stadtentwicklungsplanung bundesweit gewandelt: Die Planungseuphorie der 70er Jahre und der wissenschaftliche Gesamtplanungsanspruch haben an Bedeutung verloren. Die Projekt- und Einzelplanorientierung und das Streben nach Umsetzung von Maßnahmen haben dagegen ebenso an Bedeutung gewonnen wie der Anspruch der Öffentlichkeit, immer früher und öfter an Planungen aller Art beteiligt zu werden.

So wurde zu diesem Plan der erste Entwurf der Verwaltung im Rahmen von 9 „Planungszellen“ intensiv mit repräsentativ ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern erörtert und weiterentwickelt. Regensburg hat in vielen Bereichen ganz wesentliche Fortschritte erzielt, die großteils auch auf “Initialzündungen” des Regensburg- Planes von 1977 zurückgehen. Daher müssen die damaligen Ziele überprüft, aktualisiert und in einen neuen Orientierungsrahmen, ein neues Leitbild zur weiteren Entwicklung Regensburgs eingebettet werden.

Weder Leitbilder, die auf bildlichen Ordnungsvorstellungen aus der Naturwissenschaft basieren ("Die Stadt als Mikrokosmos"), noch Leitbilder aus Werbeslogans des Stadtmarketings ("Regensburg - Spitze an der Donau") allein können die Richtung der Stadtentwicklungsplanung hinreichend beschreiben. Und dennoch muss ein neues Leitbild der Stadtentwicklung auch Elemente dieser “anderen” Leitbildarten enthalten: Sie müssen den Regensburger Bürgerinnen und Bürgern alle wesentlichen Entwicklungslinien, Probleme und Chancen des “Mikrokosmos Regensburg” bewusst machen und “marketingbezogen mehrheitsfähig” sein. Und zwar in dem Sinn, dass alle an der Stadtentwicklung beteiligten Akteure sich den planerischen Leitbildern und den daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen (Maßnahmen und Leitprojekten) anschließen können.

Nur wenn es gelingt, dass neue Leitbilder nach intensiver Diskussion auch verinnerlicht werden, können die “neuen Bilder” wirklich “leiten”. Denn wer keine “Bilder” von der Zukunft vor Augen hat, kann auch keine Ziele erreichen - schreitet ziellos in die Zukunft. Das sollte sich eigentlich weder jeder Einzelne persönlich - noch kann es sich eine Stadt insgesamt leisten.

Deshalb ist es eine wesentliche Aufgabe der kommunalen Politik und Verwaltung, hier mit Vorschlägen an die Stadtgesellschaft heranzutreten, ihre Wünsche aufzunehmen (z.B. durch die Bürgerbefragungen 1996 und 2001), realisierbare Ziele und Maßnahmen zu definieren, Chancen aufzuzeigen, sie zur Diskussion zu stellen und Entscheidungen herbeizuführen. Genau dieser Verantwortung entspricht der vorliegende “Regensburg-Plan 2005”.

Ich möchte mich ausdrücklich bei allen bedanken, die an der Erarbeitung dieses Planes mitgewirkt haben. Mein besonderer Dank gilt dabei den über 200 Regensburger Bürgerinnen und Bürgern, die sich jeweils vier Tage lang intensiv mit der weiteren Entwicklung ihrer Stadt auseinandergesetzt und wertvolle Anregungen beigesteuert haben.

Hans Schaidinger
Oberbürgermeister der Stadt Regensburg

 

Vorwort des Planungs- und Baureferenten

So wie jede Stadt entwickelt sich auch Regensburg in gewissem Umfang durch die Aktivitäten aller Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen, Institutionen, Vereine usw. "von selbst" - auch ohne städtische Planung. Ob dabei dann auch bestimmte "Zielrichtungen" erkennbar sind und die erzielten Zwischenergebnisse auf den Konsens der Bürgerschaft stoßen, ihren Bedürfnissen entsprechen, die Folgen sozial, politisch, ökologisch oder wirtschaftlich erträglich sind, ist ohne systematisches Vorgehen und Planung längerfristig eher unwahrscheinlich.

Stadtentwicklungsplanung ist ein ständiger Prozess des gleichzeitigen (!) Planens, Umsetzens, Folgen-Erkennens, Schlussfolgerung-Ziehens. Sie hat keinen klar definierbaren Anfang und kein Ende, sondern findet “immer” statt. Die stabile und zugleich empfindliche Struktur und Erscheinung unserer Altstadt z.B. verdeutlicht: Stadtentwicklung hat auch eine starke zeitliche Komponente, die bei der Betrachtung des Vergangenen und dem Suchen nach neuen Leitbildern zu beachten ist.

Das klingt einfach, ist aber folgenreich: Denn so wie für jeden Plan, so gilt auch für einen Stadtentwicklungsplan, für Leitbilder und Leitziele: Sie sind zum Teil vergänglich, veränderlich und bedürfen immer wieder der Aktualisierung.

Hierfür ist eine Art Zwischenbilanz erforderlich, die den gegenwärtigen Entwicklungsstand, die Probleme und die Chancen für die einzelnen Planungsbereiche skizziert. Die neu gefundenen Leitziele bilden zusammen das neue Leitbild.

Leitbilder der Stadtentwicklung dokumentieren - gleich einer "Sozialfotographie" - den bei seiner Beratung und Beschlussfassung herrschenden Konsens einer Stadtgesellschaft, bestimmte Ziele gemeinsam verfolgen zu wollen. Daher ist - scheinbar paradoxerweise - nicht nur der "Plan" das eigentlich Wichtige, sondern vor allem auch der Prozess seines Entstehens, der ständige Interessenausgleich vorher und die Überzeugung danach, an diesen Zielen für längere Zeit festzuhalten, sie umzusetzen und auch zu verteidigen.

Auch dies ist Ausdruck der starken Handlungsorientierung des neuen Stadtentwicklungsplanes. “Leitprojekte” sind dabei die “sichtbaren Zeichen” von Strategien; sie vermitteln den spürbaren Eindruck, “dass sich etwas Wichtiges tut”.

Leitprojekte sind Einzelvorhaben, die als Steuerungsinstrument dienen. Leitprojekte müssen daher eine gewisse Initialzündung oder Anschubwirkung haben, d. h. etwas in Gang bringen. Mit ihrer Hilfe soll die Stadtentwicklung zielorientiert gesteuert werden.

Im Spannungsfeld zwischen den Zielen und den “Leitprojekten” hat der neue Stadtentwicklungsplan folgende Aufgaben:

  • Kritische Bewertung des Erreichten;
  • Identifikation neuer Entwicklungspotentiale;
  • Bevorzugung derjenigen Entwicklungsvarianten, die verschiedenen Entwicklungsleitbildern dienen können;
  • Orientierung an lokalen, regionalen und globalen Erfordernissen einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung;
  • Beachtung des Faktors “Zeit” als strategisches Element.

Stadtentwicklungsplanung soll keinen “endgültigen Zustand von Regensburg” beschreiben, sondern Orientierungen für ca. ein bis zwei Jahrzehnte geben - nicht mehr, aber auch nicht weniger!

Rudolf Saule

Leiter Planungs- und Baureferat 2005