Navigation und Service

9. Kultur und Bildung

9.1 Entwicklungsstand, Probleme, Chancen

Stadt und Kultur sind untrennbar miteinander verbunden; erst durch die Wechselwirkung zwischen Kultur und Stadt entsteht Urbanität. Kultur stellt sich mehr und mehr als wesentliche Mitgestalterin des geistigen Klimas in der Stadt dar. Diesem Klima kommt bei der Attraktivität und der Imagebildung eines Standortes eine wichtige Rolle zu. Da sich im Vergleich von Großstädten die “konventionelle Infrastruktur” auf nahezu gleichem Niveau bewegt, räumen sowohl die Wirtschaft als auch die Bürgerinnen und Bürger bei der Bewertung und Wahl eines Standortes dem kulturellen Leben einer Stadt einen zunehmend höheren Stellenwert ein.

Die kulturellen Angebote können außerdem ein größeres Umland als die meisten übrigen zentralen Funktionen an Regensburg binden. Kulturarbeit ist immer auch ein Teil des Marketings für die Stadt. Deshalb müssen Initiativen und Aktivitäten im Kulturleben der Stadt einerseits transparent und übersichtlich zusammengefasst werden, andererseits sich als Teil des Stadtmarketings begreifen und in dieses integriert und damit abgestimmt sein. Kultur bedeutet insbesondere auch die Summe aller künstlerischen und geistigen Lebensformen, die als Auswirkung und Initiatorin des Lebenswertes der Stadt in großer Abhängigkeit zur wirtschaftlichen Prosperität stehen.

Aufgrund des großen Nachholbedarfes aus den 60er Jahren hat sich die Kulturarbeit der Stadt Regensburg in den 70er und 80er Jahren darauf konzentriert, diesen Nachholbedarf abzubauen. Zu den bedeutendsten Investitionen und kommunalen kulturellen Erfolgen zählen Sanierungen von zentralen städtischen Einrichtungen in der Innenstadt und die Erweiterung des kommunalen Angebotes.

In Regensburg wurde der gesellschaftliche und kulturelle Wandel nicht nur von allgemeinen Änderungen und Tendenzen bestimmt, sondern in beachtlichem Maße von der Entwicklung der Stadt zur Universitätsstadt. Diese bedeutende Einrichtung machte in Regensburg zum einen das Vorhandensein eines gewissen geistigen Klimas erforderlich und trug zum anderen auch zur Ausbildung desselben in erheblichem Maße bei. Viele neu gegründete Gruppen und Initiativen ließen ein eigenes “soziokulturelles Umfeld” in Regensburg erwachsen.

Regensburg konnte seine Bewerbung um die Ernennung zur Kulturhauptstadt Europas 2010 immerhin bis in die Gruppe der zehn Bewerberstädte aus allen deutschen Bundesländern erreichen. Diese Bewerbung hat der lebendigen und innovativen Kunst- und Kulturszene Impulse verliehen, die - ausgerichtet auf das Jahr 2010 - als Katalysator einer langfristig konzipierten Kulturarbeit fungieren. Regensburg präsentierte sich in seiner Bewerbungsschrift mit sechs Schwerpunkten: Stadt, Dialog, Geist, Heimat, Brücke, Jugend.

Der Grundtenor ist gleichermaßen geschichtsbewusst und zukunftsorientiert sowie offen für den europäischen Dialog. Die Stadt will ein Modell sein für die europäische Stadt der Zukunft, jedoch nicht in postmoderner Beliebigkeit, sondern anknüpfend an die Wurzeln in der Geschichte wie auch in der Tradition der Stadt. Die in der Bewerbungsschrift als Visionen aufgezeigten Projekte spiegeln diesen Anspruch auf Nachhaltigkeit in vielfältigen Facetten wider. Viele der vorgeschlagenen Projekte setzen auf Kontinuität; einige werden bereits umgesetzt.

Das kulturelle Leben der Stadt wird auch unabhängig von der Bewerbung für 2010 in jedem Falle reichhaltiger werden. Das wird die Lebensqualität spürbar erhöhen, ist doch Kultur herausragender Standortfaktor. Die Kultur und die Stadt insgesamt werden in jedem Falle von diesen spannenden Prozessen profitieren. In ähnlicher Weise, wenn auch mit speziellerer Wirkung, entfaltet die derzeit laufende Bewerbung Regensburgs um das Weltkulturerbe der UNESCO eine gesteigerte Aufmerksamkeit für die Altstadt in allen historischen und kulturellen Bezügen. Vor diesem Hintergrund wird die Bewerbung zum Weltkulturerbe der UNESCO als Leitprojekt in den Stadtentwicklungsplan aufgenommen.

Bildung, Ausbildung und Qualifizierung werden zu einer immer wichtigeren Ressource im internationalen Wettbewerb. Der „Rohstoff Geist“ ist deshalb auch ein bedeutender Standortfaktor für die Wirtschaftsregion Regensburg. Die schulische Bildung ist in den Gesamtzusammenhang unserer Gesellschaft eingebettet, große wirtschafts-, gesellschafts-, familien- und sozialpolitische Veränderungen können daher nicht an den Schulen vorübergehen, sondern müssen von diesen berücksichtigt und aufgegriffen werden. Auch kommunale Faktoren, wie die Wanderungsbewegungen innerhalb der Stadtgrenzen, Neubaugebiete und die sich zum Teil rasch ändernde Bevölkerungsstruktur in einzelnen Stadtteilen verlangen nach einer fortlaufenden und bedarfsgerechten Anpassung der Schullandschaft.

Grundsätzlich ist die Versorgung der Regensburger Bevölkerung mit allgemeinund berufsbildenden Schulen derzeit als gut zu bezeichnen. Den gestiegenen Anforderungen an die Schulen und in den Schulen muss jedoch auch durch bauliche Maßnahmen entsprochen werden. Einige Schulgebäude bedürfen bereits jetzt einer dringenden Sanierung. Andererseits machen weiter steigende Schüler/innenzahlen oder schulisch bzw. schulsystembedingte Faktoren wie z. B. Ganztagsschulen in bestimmten Bereichen auch Neubauten oder Gebäudeerweiterungen erforderlich.

Grund- und Hauptschulen

Die sich wandelnden Familienstrukturen haben in den letzten Jahren zu einem zusätzlichen Betreuungsbedarf für Kinder geführt, dem in Bayern durch die Einführung der „kind- und familiengerechten Halbtagsgrundschule“ Rechnung getragen wird und der auch nicht ohne Auswirkungen auf den Raumbedarf bzw. auf Art und Zuschnitt der Räume an den meisten Schulen bleibt. In Regensburg ist zu diesem Zweck bereits an nahezu allen Grundschulen die sog. Mittagsbetreuung eingerichtet. Ebenso werden andere schulpolitische Vorstellungen, z.B. eine mögliche Herabsetzung der Klassenhöchststärken oder die „integrative Beschulung“ nicht behinderter mit behinderten Kindern, die Nachfrage nach schulischen Kapazitäten deutlich erhöhen.

Gleiches gilt für die steigende Zahl an M-Klassen (Mittlere-Reife-Klassen), die P-Klasse (Praxis-Klasse) oder die Ganztagsbetreuung an den Hauptschulen. Da die Zahl schwieriger Schülerinnen und Schüler - gerade an den Hauptschulen - ansteigt, muss auch die zum Teil bereits vorhandene Schulsozialarbeit weiter ausgebaut und auf den damit verbundenen Betreuungsund Raumbedarf an den Schulen angemessen reagiert werden. Eine mittelfristige Nachfrage nach solchen Angeboten ist auch von anderen Schularten zu erwarten.

Realschulen und Gymnasien

Ein hoher Anteil an Gastschülerinnen und Gastschülern kennzeichnet die Situation an den Realschulen und Gymnasien. Die beiden öffentlichen Realschulen in Regensburg sind an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Wie sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler durch die flächendeckende Einführung der sechsstufigen Realschule langfristig entwickeln werden, lässt sich noch nicht vorhersagen. Eine verstärkte Wahl der sechsstufigen Realschule, der zunehmende Ausbau der MKlassen an den Hauptschulen und eine gestraffte gymnasiale Ausbildung könnten aber tendenziell zu einer Entspannung der Raumprobleme an einigen Regensburger Gymnasien führen.

Für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 5 bis 10 aller Schularten wird „Nachmittagsbetreuung“ angeboten, an der sich die Stadt für ortsansässige Kinder und Jugendliche angemessen beteiligt. Das städtische Von-Müller-Gymnasium wird ebenso wie die Albert-Schweitzer-Realschule in Ganztagsform geführt.

Berufliche Schulen

Die ständige Notwendigkeit, sich den Bedürfnissen der Nachfrageseite (Wirtschaft, Industrie und Handwerk) angleichen zu müssen, hat zu einer Fülle neuer Berufe, zahlreichen Änderungen bestehender Lehrpläne, weit reichenden Auswirkungen auf Didaktik und Methodik und zu kaum mehr überschaubaren Beschulungsvarianten geführt. Da sich der Bedarf an Schulräumen aber nicht allein an den zu erwartenden Schüler/innenzahlen orientieren kann, die wiederum grundsätzlich vom Angebot an Ausbildungsstellen abhängen, sondern vor allem von den Bedürfnissen der einzelnen Berufe und den Vorgaben durch die Lehrpläne bestimmt wird, sind in diesem Bereich flexible, auch kurzfristig umzusetzende Maßnahmen notwendig.

Dies gilt besonders im Hinblick auf die vom bayerischen Landtag geforderte Organisationsreform an den Berufsschulen, die darauf abzielt, berufliche Schularten zu beruflichen Kompetenzzentren für Aus- und Weiterbildung zusammenzufassen und nach fachlichen Schwerpunkten zu strukturieren. Die steigende Zahl Jugendlicher mit mittlerem Schulabschluss wird zudem mittelfristig einen noch höheren Zulauf an die weiterführenden beruflichen Schulen (Fachoberschule, Berufsoberschulen, Fachakademien) zur Folge haben, den die Stadt im Vorfeld aufgreifen muss, um die Chance wahrzunehmen, ihre Funktion als Bildungszentrum für Ostbayern zu stärken und weiter auszubauen.

Dabei ist es allerdings unerlässlich, dass auch die umliegenden Gemeinden und Landkreise ihrer bildungspolitischen Verantwortung gerecht werden und einen angemessenen Beitrag zu eventuell notwendigen Baumaßnahmen im Bereich der Realschulen, Gymnasien und der weiterführenden beruflichen Schulen leisten.

Volkshochschule

Große Bedeutung kommt auch einer voll ausgebauten Volkshochschule mit ihrem zentralen und dezentralen Angebot für die Gesamtstadt zu. Derzeit führt die VHS der Stadt Regensburg jährlich ca. 2.400 Veranstaltungen mit rund 35.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch.

Zur Integration ausländischer Mitbürgerinnen und Mitbürger bietet die VHS der Stadt Regensburg zahlreiche Maßnahmen an, darunter jährlich ca. 300 Sprachkurse Deutsch als Fremdsprache. Sie bereitet gezielt auf die Prüfung zum Nachweis der deutschen Sprachkenntnisse vor, deren Bestehen eine Voraussetzung für die Einbürgerung ist. Die städtischen Büchereien stellen hierzu differenzierte fremdsprachige Medienangebote zur Verfügung:

      • für Migrantinnen und Migranten, die Deutsch lernen

      • für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Texte in ihrer Heimatsprache lesen und hören möchten

      • zur Vermittlung von Fremdsprachenkenntnissen für Menschen mit deutscher Muttersprache

 

9.2 Ziele

Kulturelle Vielfalt gewährleisten und fördern

Kultur soll die Stadt als Standort eines erstrebenswerten und vielfältigen gesellschaftlichen Lebens erhalten. Die Kulturförderung in Regensburg folgt dem Grundsatz der kulturellen Vielfalt. Ein gutes und vielfältiges Kulturangebot kann nicht nur von städtischen Institutionen und Einrichtungen abgedeckt werden. Erst das Zusammenwirken von “traditionellen” Kultureinrichtungen und den sog. freien Initiativen und Gruppen kann die kulturelle Vielfalt der Stadt gewährleisten. Die Stadt konzentriert sich eher auf die traditionellen kulturellen Aufgabenbereiche im Sinne einer “kulturellen Grundversorgung” (z.B. städtische Museen, Theater Regensburg, Stadtbücherei, Volkshochschule, Sing- und Musikschule), die andere Einrichtungen und Gruppen nicht leisten können (Subsidiarität).

Die Arbeit der freien Kulturträger und das Angebot der Stadt Regensburg ergänzen sich gegenseitig. Neben der Forderung, ein breites Publikum anzusprechen, soll Kultur auch Räume eröffnen für das weniger Gefällige, für das Unbequeme, Provozierende und für Kritik. Ohne diese Impulse der freien Kulturarbeit liefe die Stadtkultur Gefahr zu erstarren. Kultur als Anzeiger von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen muss beweglich sein und Reaktionen zulassen.

Freie Kulturschaffende können diesem Anspruch eher gerecht werden als städtische Institutionen. Deshalb will die Stadt Regensburg Einrichtungen und Veranstaltungen “freier Kulturschaffender” im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördern. Darüber hinaus ist die Erhaltung und Erweiterung eines vielfältigen Kulturangebotes ganz entscheidend auch auf private Initiativen und Vereine angewiesen.

Die Bildende Kunst wird durch enge Abstimmung mit deren Vertretern (BBK und Kunstund Gewerbeverein) in einem gegenseitigen Prozess begleitet und gefördert. Sowohl die musische Erziehung (Sing- und Musikschule) als auch die musische Bildung, Förderung und Vermittlung, insbesondere in den einzelnen Sparten der Musik, ist auszubauen.

Museumsdidaktik und Museumspädagogik werden als wichtige Bausteine gefördert. Die Museumskonzepte und die städtische Museumslandschaft sollen zeitgerecht aufeinander abgestimmt sowie nutzerorientiert weiterentwickelt werden.

Um die vielfältige Kulturarbeit und die Aktivitäten innerhalb der Stadt nach außen wirkungsvoller zu bündeln, sollen in Jahresthemen unter Berücksichtigung einer bestimmten Epoche, einer bestimmten Sparte oder sonstiger spezifischer Themen die Initiativen in der Stadt gebündelt und wirkungsvoller nach außen getragen werden, um damit das Bewusstsein der Kultur in und über die Stadt weiter zu profilieren. Dem Ziel der kulturellen Vielfalt dient auch die Pflege der Städtepartnerschaften.

Demokratisierung und Dezentralisierung des Kulturangebotes

Ziel der Regensburger Kulturpolitik soll sein, allen Bevölkerungsgruppen den Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen bzw. zu erleichtern. Randgruppen und Bevölkerungskreisen, die bisher nicht oder nur wenig am kulturellen Leben teilgenommen haben, soll die Kultur näher gebracht werden. Auch hier kommt dem “alternativen” Kulturangebot eine wichtige Rolle zu, da der Einstieg in die kulturelle Aktivität oft über “alternative” Kulturangebote erfolgt. Bereits bei Kindern in Kindergärten oder Grundschulen gilt es, das Interesse und die Aufgeschlossenheit im musisch- kulturellen Bereich zu wecken und Zugangsschwellen herabzusetzen.

Um eine möglichst große Breitenwirkung auf kulturellem Gebiet zu erreichen, sollten bestimmte kulturelle Einrichtungen (z.B. Bibliotheken) auch in der unmittelbaren Wohnumgebung der Bürgerinnen und Bürger erhalten bzw. neu eingerichtet werden. Auch weniger mobile Bevölkerungskreise wie Kinder, ältere Menschen und Behinderte sollen ungehindert am kulturellen Leben teilhaben können. Die sog. Stadtteilkultur muss geeignet sein, die Begegnung der Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft leben, zu fördern.

Es gilt, in allen Wohnquartieren attraktive Orte und Räume zu schaffen bzw. zu erhalten, die zur Kommunikation und spontaner gemeinsamer Aktivität einladen. Sie bieten in erster Linie für Laien Raum, sich kulturell zu engagieren. Ebenso wie die Tätigkeit von Vereinen soll die Organisation von Festen und Veranstaltungen in den Stadtteilen, die das Miteinander der Bürger/innen fördern, von der Stadt unterstützt werden.

Ausbau des kulturellen Zentrums Altstadt

In einer gewachsenen Stadt wie Regensburg mit ihrem historischen Stadtbild fühlen sich die Bürger/innen “heimisch” und in gemeinsamen Aktivitäten miteinander verbunden. Besondere Bedeutung kommt neben den Treffpunkten in den Stadtteilen den Plätzen und dem öffentlichen Straßenraum in der Altstadt zu. Durch deren attraktive Gestaltung und Wiederbelebung mit verschiedensten kulturellen Aktivitäten laden sie ein zum Flanieren, Verweilen und Kommunizieren und werden zum Treffpunkt für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt und des Umlandes.

Die Altstadt bildet nach wie vor den Kernpunkt kultureller Aktivitäten und Angebote und ist in dieser Funktion unbedingt erhaltenswert. Ein strategisches Konzept für die „Kultur- und Museumslandschaft” ist noch ausbaufähig, vor allem durch eine Erweiterung des Angebotes und eine bessere Verknüpfung der Standorte untereinander. Sinnvoll und wünschenswert ist es, durch die Realisierung einer „Kulturmeile Donau“ vom Brücktor über die Königliche Villa bis zum Hafengelände synergetische Effekte und Verknüpfungen zu erreichen. Die Altstadt bietet auch einen idealen Rahmen, um Regensburg überregional als kulturellen “Ereignisort” von institutionalisierten Veranstaltungen noch bekannter zu machen.

Kultur als “Produktivfaktor” und “Standortfaktor” nutzen

Der nach wie vor sehr große Anteil an arbeitsfreier Zeit, also Freizeit, wird immer mehr auch zur sinnvollen Gestaltung des Lebens verwendet. Künstlerische und kulturelle Aktivitäten zur Selbstverwirklichung finden großen Zuspruch. Kunst und Kultur können auch Arbeitslosen helfen, die häufig durch die Arbeitslosigkeit ausgelöste Sinnkrise zu bewältigen.

Die innovative Kraft wiederum, die aus der Betätigung auf künstlerischem und kulturellem Gebiet geschöpft werden kann, erhält zunehmend Bedeutung für viele Lebensbereiche und besonders für den Beruf. Sie stellt Energiepotential und Qualifikation für die wachsenden Anforderungen im Leben dar. Zur sinnvollen Gestaltung der Freizeit finden Institutionen der Erwachsenenbildung immer größeren Zuspruch.

Das Angebot der städtischen, gemeinnützigen und privaten Einrichtungen soll sich ergänzen und ein möglichst breites Spektrum aufweisen. Neben einem umfangreichen Kulturangebot stellen Kurse und Veranstaltungen im Bereich Bildung und Fortbildung die Weichen für ein lebenslanges Lernen. Erwerbstätige müssen sich weiterbilden, um den ständig steigenden beruflichen Anforderungen gewachsen zu sein. Für Arbeitslose und Nicht-Erwerbstätige bieten zusätzliche Qualifikationen Chancen für eine schnellere Wiedereingliederung in das Arbeitsleben.

Angestrebt wird ein flächendeckendes Bildungsangebot für Erwachsene auf der Grundlage der bayerischen Verfassung und des Bayerischen Erwachsenenbildungsgesetzes in den Bereichen Gesellschaft, Beruf und Karriere, Sprachen, Gesundheit, Kultur und Spezial (Zielgruppenprogramme aller Art, Landes-, Bundes- und EU-Projekte, vornehmlich in den Bereichen berufliche Bildung, Schlüsselqualifikationen, Integrationsmaßnahmen für Ausländer und Ausländerinnen, Nachholung von Schulabschlüssen, Förderung bildungsbenachteiligter Bürgerinnen und Bürger).

Anpassung der Schullandschaft an veränderte Rahmenbedingungen

Grundsätzliches Ziel der Stadt Regensburg ist es, im Schulbereich ein vollständiges und unter zumutbaren Bedingungen erreichbares Bildungsangebot zu sichern und zu gewährleisten, das sich an den demographischen Entwicklungen, aber auch an gesellschaftlichen und technischen Erfordernissen ausrichtet. Da in den kommenden Jahren für das Stadtgebiet ein weiterer Anstieg der Schülerinnen- und Schülerzahlen an den Grundschulen, der sich allerdings längerfristig nicht fortsetzen wird, prognostiziert wird, sind die bereits vorhandenen Ressourcen besonders unter dem Aspekt ihrer Tauglichkeit für die Zukunft zu untersuchen und gegebenenfalls den veränderten Bedingungen zeitnah anzupassen, wobei eine möglichst wohnortnahe Beschulung im Bereich der Grund- und Hauptschulen sowie eine noch bessere Förderung und Betreuung der Schülerinnen und Schüler im Vordergrund stehen. Bereits im vorschulischen Raum muss bei nicht deutschsprachigen Kindern durch gezielte Maßnahmen auf den Erwerb einer Grundkompetenz in der deutschen Sprache stärkeres Gewicht gelegt werden, um ihnen möglichst gleiche Bildungschancen zu eröffnen.

Durch die steigende Nachfrage nach Schulsozialarbeit und Mittlere-Reife-Klassen an den Hauptschulen ist auch an dieser Schulart den erhöhten Anforderungen durch die Bereitstellung der erforderlichen Räume und einer bedarfsorientierten Ausstattung zu entsprechen. Auch an anderen Pflichtschularten ist ein mittelfristiger Bedarf für „Sozialarbeit vor Ort“ erkennbar, dem nach den jeweiligen Gegebenheiten im Sinne Einzelfall bezogener Prävention, aber auch einer Verbesserung des Schulklimas entsprochen werden sollte.

Die Einführung der sechsstufigen Form an allen Realschulen in Regensburg hat zwangsläufig zur Erhöhung des Raumbedarfs geführt, dem durch Erweiterungsmaßnahmen an den beiden öffentlichen Realschulen bereits Rechnung getragen wurde. Bei einem weiteren Anwachsen der Zahl der Schülerinnen und Schüler ist nicht auszuschließen, dass zunächst auf eine Reduzierung des Anteils an Gastschüler/innen hingewirkt werden muss. Eventuell erforderliche Neubauten oder die Erweiterung bestehender Gebäude für weiterführende Schulen wären deshalb unter angemessener finanzieller Beteiligung der für die Gastschüler/innen zuständigen Gemeinden bzw. Landkreise vorzusehen.

Bei allen öffentlichen Schulen sollen Betreuungsangebote nach dem Unterricht und Ansätze zur Kooperation mit freien Trägern, Vereinen, der Wirtschaft usw. gefördert werden. Eine Einführung der „integrativen Beschulung an allgemeinen Schulen“, wie sie die bayerische Staatsregierung vorschlägt, wird zu einer tiefgreifenden Änderung des gesamten allgemein bildenden Schulsystems führen.

Ein besonderes Augenmerk ist auch künftig auf die Ausstattung der Schulen mit modernen Medien zu richten, wobei allen Schülerinnen und Schülern eine informationstechnische Grundbildung ermöglicht und den Lehrkräften entsprechende Unterstützung und Fortbildung gewährt werden muss.

Ziel ist es dabei, von der „Bedienungskompetenz“ zu einer „Nutzungskompetenz“ zu gelangen, da die sich abzeichnende Informationsgesellschaft die Gefahr in sich birgt, den Einzelnen durch die Fülle und Widersprüchlichkeit der Nachrichten zu überfordern. Der sinnvolle und selbstbewusste Umgang mit den neuzeitlichen Medien wird denselben Stellenwert wie Rechnen, Lesen und Schreiben erhalten, deshalb muss er als Kulturtechnik integriert und gezielt gefördert werden.

Neben der Vorbereitung auf ein lebenslanges Lernen müssen auch die Schulen den Prozess der europäischen Einigung unterstützen. Dies kann durch Intensivierung der Fremdsprachenkompetenz an den Schulen (Beispiel: „Internationale Kollegstufe“), außerschulische Zusatzangebote, aber auch eine stärkere Beteiligung der Stadt an Austauschmaßnahmen begünstigt werden.

Dabei wird die Begegnung mit Jugendlichen aus den östlichen Nachbarstaaten künftig steigende Bedeutung erhalten. Weil sich besonders die Berufsschulen permanent dem Standard der Berufswelt anzupassen haben, sind effiziente Rahmenbedingungen hier besonders erforderlich, zumal die Qualität der dualen Ausbildung eine wichtige Schlüsselfunktion für die künftigen Chancen der Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt besitzt. Vorrangig wird eine Orientierung an den neuen Berufen in den Zukunftsbranchen angestrebt, wobei die Stadt als Trägerin der städtischen beruflichen Schulen die dafür notwendigen Prozesse anstoßen, unterstützen und fördern will.

Für die Fort- und Weiterbildung gibt es in Regensburg bereits zahlreiche Möglichkeiten: z.B. die Volkshochschule der Stadt, die Bildungseinrichtungen der Kirchen und der Wirtschaftskammern; auch zahlreiche Angebote der Hochschulen sind für jede/n zugänglich. Systematische Zusammenfassungen dieser Angebote, insbesondere mit der Möglichkeit einer gezielten Auswahl, z. B. für die speziellen Erwartungen von Senioren (“Seniorinnen- und Seniorenakademie”), bestehen allerdings noch nicht.

Deshalb soll eine qualifizierte Zusammenfassung in Form eines Leitprojektes erstmals erarbeitet und ständig auf aktuellem Stand gehalten werden. Mit einem derartigen Leitprojekt “Kompetenzzentrum Weiterbildung/Senior/innenuniversität” könnte sich Regensburg zusätzlich zu den bestehenden Angeboten als Bildungsstandort besonders positionieren.

Pädagogische Zielsetzungen der Stadt für alle Schulen sind darüber hinaus:

      • Schule vom Lern- zum Lebensort werden lassen

      • Chancengleichheit für Mädchen und Jungen, Behinderte und Nichtbehinderte, deutsch- und nicht deutschsprachige Kinder gewährleisten bzw. fördern

      • Integration ausländischer Kinder und Jugendlicher steigern

      • Sozialkompetenz erwerben bzw. stärken helfen

      • Maßnahmen zur Konflikt- und Suchtprävention initiieren und unterstützen

      • Dauerhaftes Mitgestalten der Schule durch Schülerinnen und Schüler ermöglichen

      • Eigenverantwortlichkeit der öffentlichen Schulen anregen und fördern

 

9.3 Leitprojekte

    • Bewerbung um das Weltkulturerbe der UNESCO

    • Bau eines beruflichen Kompetenzzentrums

    • Qualitätsmanagement an den Berufsschulen (in Anlehnung an die Industrie)

    • Kultur- und Kongresszentrum

    • Internationale Schule bzw. Internationalisierung bestehender Schulen

    • Europäisches Gymnasium (als zusätzlicher Zweig an mindestens einem Gymnasium)

    • Ausbau der Stadtbildstelle zu einem Medienpädagogischen Zentrum

    • Kompetenzzentrum Weiterbildung/ Senior/ innenuniversität entwickeln und einrichten

    • Kulturmeile an der Donau