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8. Soziales & Sport

8.1 Entwicklungsstand, Probleme, Chancen

Das soziale Klima und die soziale Realität sind nicht nur in Regensburg rauer geworden. In unserer bisher relativ homogenen Gesellschaft zeigen sich vermehrt Risse. Der Bedeutungsverlust traditioneller Familienstrukturen beispielsweise hat zu einem kontinuierlichen Anstieg Alleinerziehender geführt, die mit dem Versuch, Arbeit und Kindererziehung zu vereinbaren, nicht selten an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stoßen. Zugewanderte aus Osteuropa, Asylbewerber/ innen und Kriegsflüchtlinge erfordern Toleranz von der ansässigen Bevölkerung und bedürfen wirksamer Maßnahmen für eine rasche Integration.

Nicht alle Erwerbspersonen können die wachsenden Anforderungen der heutigen Arbeitswelt erfüllen und geraten zunehmend in Gefahr, den Anschluss zu verlieren. Massenarbeitslosigkeit, offene und verdeckte Armut und “Zweidrittel-Gesellschaft” sind seit längerer Zeit bekannte Phänomene, die nicht mehr wegzudiskutieren sind. Die Zunahme der sozialen Lasten innerhalb der städtischen Haushalte spricht hier eine klare Sprache.

Schließlich wird auch die zunehmende Alterung der Bevölkerung für die Stadt neue vielfältige Daueraufgaben mit sich bringen. Aber nicht nur diese Veränderungen fordern eine andere soziale Infrastruktur im städtischen Planungsprozess. Selbstbewusstere, aktivere Bürgerinnen und Bürger sind heute die Partner/innen im städtischen Geschehen. Diskriminierte oder ignorierte Gruppen, die früher ihre Bedürfnisse nicht in die Öffentlichkeit bringen konnten, finden eine Lobby und entwickeln selbst Vorstellungen einer sozialen Stadt.

Behinderte Menschen wollen nicht als Randgruppe in Heime abgeschoben, in abgegrenzten Einrichtungen isoliert werden, sondern leben mitten unter uns und benötigen dafür die passenden Angebote. Selbstbestimmtes Leben setzt für sie eine übergreifende Planung voraus, die vom Angebot des passenden Wohnraumes über Hilfen im Alltag bis hin zu barrierefreien Freizeitangeboten reicht.

Frauen lassen sich nicht länger auf Familie oder Beruf festlegen und fordern Strukturen ein, die ihnen die Entscheidung für eines von beiden oder eine Verknüpfung frei ermöglichen. Frauen, die sich für eine Tätigkeit im Haushalt entschieden haben, wollen nicht isoliert in ihren Familien agieren, sondern benötigen Vernetzungsstrukturen, damit der Anschluss an die „Öffentlichkeit“ nicht verloren geht. Frauen, die Beruf und Familie verbinden wollen, sind auf Angebote im Kinderbetreuungsbereich und entsprechende Arbeitszeitmodelle angewiesen.

Alle Frauen, auch die kinderlosen, benötigen als gemeinsame Basis die Anerkennung ihrer Lebensform ohne diskriminierende Wertung in der städtischen Gesellschaft. Sie gestalten ihre Stadt mit und bringen die Aspekte der weiblichen Lebenswirklichkeit in die Planung ein. Ausländische Mitbürger/innen leben in unserer Mitte und wollen doch ihre Eigenständigkeit bewahren. Der Drahtseilakt zwischen Integration in das Gastland und Bewahrung der kulturellen Eigenheiten ist durch ein tolerantes Miteinander zu schaffen, das die Menschenrechte des Individuums achtet. Sprachkurse, auch für ältere Ausländer/innen, die in Deutschland bleiben wollen, stellen eine wesentliche Integrationshilfe dar.

Angebote für jüngere ausländische Menschen, die zwischen den Anforderungen der Eltern und des deutschen Umfeldes zerrieben werden, sind notwendig, um Integration zu gewährleisten. Regensburg als soziale Stadt bietet ihren Bürgerinnen und Bürgern eine soziale Infrastruktur, in der auch Menschen mit wenig Geld ihre Freizeit sinnvoll gestalten können. Ehrenamtliches Engagement wird genauso gefördert wie professionell geplante Aktivitäten.

Der Sicherheit in der Stadt wird in vielen Bereichen durch verschiedenste Maßnahmen, wie z.B. Integration von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, Ausweisung von Frauenparkplätzen, Beleuchtung von Straßen und Plätzen, Streetwork oder der gezielten Überwachung von Angsträumen laufend Rechnung getragen. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung in Regensburg ist im Vergleich zu anderen Städten ausgesprochen gut.

Mit dem Universitätsklinikum verfügt Regensburg bereits über ein Krankenhaus der Versorgungsstufe 3 und somit über eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau, das unter anderem auch durch bereits bestehende enge Kooperationen der Krankenhäuser erreicht wird. Mit den laufenden Forschungs- und Entwicklungsprojekten in diesem Bereich, z.B. in der Krebstherapie, wird dieser Standard laufend verbessert. Sport fördert neben der gesundheitlichen Vor- und Nachsorge auch das soziale Engagement sowie die Verständigung zwischen den Generationen und Menschen verschiedener Herkunft.

Für die körperliche Bewegung verfügt die Stadt über ein breitgefächertes Sportangebot. Von den insgesamt 64 Hauptsportarten, die der Deutsche Sportbund vertritt, werden in den 114 Regensburger Sportvereinen 61 angeboten (es fehlen: Bahnengolf, Bob und Rugby). Von den ca. 45.000 Mitgliedern sind etwa 20 % Kinder und Jugendliche. Die Zahl der Sportvereine, speziell die Zahl der kleinen Vereine erscheint jedoch zu hoch. Nach wie vor werden alle Vereine ausschließlich ehrenamtlich geführt. Fast jeder Regensburger Sportverein hat zwischenzeitlich Probleme, für die wachsenden Aufgaben verantwortliche Vorstandsmitglieder, Übungsleiter/ innen oder Betreuer/innen zu finden.

Die Konzentration des Potentials muss verbessert werden (z.B. durch Fusionen oder verstärkte vereinsübergreifende Zusammenarbeit). Im Bereich des organisierten Breitensports ist die Situation in Regensburg zufrieden stellend. Die vorhandenen Sportanlagen, Turnhallen und Freisportflächen müssen aber der städtebaulichen Entwicklung und veränderten qualitativen Anforderungen angepasst werden. Einige Sportanlagen erfüllen die Voraussetzungen für internationale und nationale Wettkämpfe, so z.B. das Landesleistungszentrum Westbad, das Bundesleistungszentrum Baseball, die Donau-Arena für Eishockey, Eisstock und Short-Track, das Jahn-Stadion für Fußball und die Leichtathletik-Stadien am Weinweg und an der Universität.

Die Stadt bietet darüber hinaus eine anerkannt gute Strecke für den Marathonlauf und eignet sich mit ihrer abwechslungsreichen Umgebung auch hervorragend für Triathlonveranstaltungen und Radrennen. Die Präsenz Regensburger Mannschaften sowie Einzelsportlerinnen und Einzelsportler in der Leistungsspitze erscheint aufgrund der breiten Basis im organisierten Breitensport und der vorhandenen Sportanlagen noch ausbaufähig.

 

8.2 Ziele

Ehrenamt und Selbsthilfe

Der gesellschaftliche Wandel wird in Zukunft noch stärker Eigeninitiative und bürgerschaftliches Engagement erfordern. Dieses geschieht in Regensburg in einer Vielzahl von Selbsthilfegruppen, Initiativen, Nachbarschaftshilfen, Vereinen und Pfarreien. Ziel der Stadtentwicklung muss es sein, hierfür günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Neben der Förderung von Einzelinitiativen durch die Stadt - im Rahmen der freiwilligen Leistungen - gilt es auch, das bestehende Angebot der Verbände der freien Wohlfahrtspflege und der sozialen Initiativen zu koordinieren im Sinne einer flächendeckenden Versorgung. Durch Vergünstigungen (Freiwilligenkarte) und Herausstellung sozialen Engagements (Ehrenblatt der Stadt Regensburg, Verdienstnadel) sind Anreize für die Übernahme von Ehrenämtern zu schaffen.

Begegnungsstätten und Bürgerhäuser

Unter der Bezeichnung Bürgerbüro, Bürgertreff usw. gibt es in Regensburg Einrichtungen in vielfältiger Form, meistens als spezifische Angebote, z.B. dezentralisierte Verwaltungsdienstleistungen in den Bürgerbüros der Stadt, Stadtteil- und Quartiersprojekte, Familientreffs und Familienzentren in kommunaler, freier oder kirchlicher Trägerschaft. Alle diese Einrichtungen bedürfen sorgfältiger Planung und benötigen eine angemessene Sachausstattung. Sie können nur mit ausreichender qualitativer und quantitativer personeller Ausstattung betrieben werden und benötigen deshalb eine hohe Finanzausstattung. Aufgrund der äußerst schwierigen Finanzsituation der Stadt wird deshalb künftig die Hilfe zur Selbsthilfe verstärkt im Vordergrund stehen: z.B. dezentrale Familienzentren, oder Modellprojekte initiieren, fördern und begleiten, um ggf. Erfahrungen auf andere Stadtteile zu übertragen.

Klima der Toleranz schaffen und gesellschaftliche Integration fördern

Oberstes Ziel der städtischen Bemühungen sollte es sein, allen Bevölkerungsgruppen in Regensburg eine akzeptable Lebensperspektive zu bieten, die wenigstens ein Mindestmaß an persönlicher Selbstverwirklichung zulässt. Das Zusammenleben von zum Teil sehr unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in der Stadt erfordert ein hohes Maß an Toleranz und einen breiten Grundkonsens darüber, Minderheiten und Randgruppen nicht auszugrenzen, sondern am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen.

Einer dauerhaften gesellschaftlichen Ausgrenzung von größeren Teilen der städtischen Bevölkerung muss entschieden entgegengewirkt werden. Geringe berufliche Qualifikation, Arbeitslosigkeit, Wohnungsprobleme und sozialer Abstieg, häufig verbunden mit Perspektivlosigkeit, Gewalt und Kriminalität, stehen in engem Zusammenhang. Große Aufmerksamkeit muss in diesem Zusammenhang der Integration von Zuwander/innen aus dem Ausland gewidmet werden, die in der Regel besondere Probleme haben, sich in ihrer neuen Umgebung zurecht zu finden.

Wichtiges Ziel der kommunalen Sozialpolitik muss es daher sein, im Rahmen ihrer Möglichkeiten Vorsorge zu treffen, dass v.a. junge Menschen auf Dauer ihren Platz in der Gesellschaft finden und ein eigenständiges Leben führen können. Sozialpädagogische Hilfen und Angebote der Schulsozialarbeit werden im erforderlichen Umfang angeboten, um ihre schulische und berufliche Ausbildung, die Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration zu fördern. Andernfalls droht eine lebenslängliche Abhängigkeit von staatlichen Wohlfahrtsleistungen, die u.U. wesentlich umfangreichere Kosten verursachen können als eine gezielte Vorsorgepolitik.

Kinder- und familienfreundliche Strukturen ausbauen

  • Jugendhilfe

Die Jugendhilfelandschaft in Regensburg ist gekennzeichnet durch die Pluralität von Trägern unterschiedlicher Wertorientierungen und die Vielfalt von Inhalten, Methoden und Arbeitsformen auf anerkannt hohem fachlichem Niveau. Dieser Standard muss gehalten und, wo erforderlich, ausgebaut werden, damit die Jugendhilfe auch zukünftig den an sie gestellten Anforderungen gerecht werden kann. Dazu ist eine kontinuierliche fachliche und methodische Qualifikation und Weiterentwicklung in allen Bereichen der Jugendhilfe von der Jugendarbeit, Jungendverbandsarbeit und Jugendsozialarbeit über die Tagesbetreuung von Kindern und die Tagespflege, die Förderung der Erziehung in der Familie, die Beratung in Fragen von Partnerschaft, Trennung und Scheidung, bis zu den verschiedenen Formen der Hilfen zur Erziehung erforderlich.

Es kann dabei davon ausgegangen werden, dass die Anforderungen an die Jugendhilfe auch weiterhin steigen werden. Belege hierfür sind der wachsende Integrationsbedarf für junge Menschen mit Migrationshintergrund (neben Ausländer/innen vor allem auch Aussiedler/ innen), die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit auch im Jugendbereich und der schon an anderer Stelle angesprochene Bedeutungsverlust traditioneller Familienstrukturen. Partizipation von Familien, Kindern und Jugendlichen, Nutzung und Stärkung der familiären Ressourcen, sozialraumbezogene Dezentralisierung und Orientierung der Jugendhilfe an der Lebenswelt und am Lebensalltag kennzeichnen den Wandel der Jugendhilfe von herkömmlicher Sozialpolitik zu einer zukunftsorientierten kommunalen Entwicklungspolitik.

Eine ressourcenorientierte Stadtentwicklung muss dabei darauf bedacht sein, Erneuerungspotentiale, die Kinder und Jugendliche in die Kommune hineintragen, wahrzunehmen und nicht durch Vorgedachtes, Vorgeplantes und im Voraus Geregeltes zu behindern.

Jugendhilfe trägt dazu bei, den Kindern und Jugendlichen Freiräume im wörtlichen und im übertragenen Sinn zu bieten. Diese Freiräume ermöglichen den Kindern selbstbestimmte und kreative Erfahrungen, die ihre Fähigkeiten verbessern und Kenntnisse erweitern.

  • Spielraum - Spielplätze

Stadtplanung und Stadtentwicklung müssen Sorge dafür tragen, dass tatsächlich im räumlichen Sinne Freiräume erhalten oder zurück gewonnen werden können. Diese Flächen stehen den Kindern und Jugendlichen als Streifräume, als Areale zur Erkundung und Aneignung und zum Rückzug aus der gestalteten und überplanten (Erwachsenen-)Welt zur Verfügung. Die vielfältigen und für verschiedene Altersgruppen mit hohem Aufforderungscharakter und hohem Spielwert gestalteten öffentlichen Spielplätze in Regensburg können diesen Bedarf an Rückzug und die eigene Qualität der Freiräume für das Aufwachsen in einer Stadt nicht ersetzen.

Öffentliche Spielplätze werden auch zukünftig bedarfsgerecht saniert und erneuert und insbesondere in Neubaugebieten als Teil der sozialen Infrastruktur neu geschaffen. Bei der Versorgung mit Kinderspielplätzen gilt es, das in Regenburg erreichte sehr hohe Niveau zu halten und durch Neubauten in neuen Siedlungsgebieten eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten.

  • Kinderkrippen, -gärten und -horte, Jugendtreffs

Die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre haben zu einem tiefgreifenden Wandel der sozialen Lebensverhältnisse von Familien geführt. Dazu zählt auch die Tatsache, dass eine zunehmende Zahl an Frauen direkt nach der Geburt ihrer Kinder wieder arbeiten will oder muss. Die Verwaltung wurde deshalb im November 2004 vom Stadtrat beauftragt ein Krippenplan zu erstellen, um so den Platzbedarf für die Betreuung der Kinder unter 3 Jahren zu ermitteln. Ziel ist es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern.

Aufgrund der Diskussion der Ergebnisse der Pisa-Studie wird in der Öffentlichkeit neben der Betreuung und dem sozialen Lernen auch der Bildungsauftrag der Kindergärten wieder stärker wahrgenommen. Über kontinuierliche Fort- und Weiterbildungsangebote stellen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher, dass dieser Bildungsauftrag fachlich und methodisch optimal realisiert werden kann.

Bei der Hortbetreuung muss ein quantitativ nach wie vor wachsender Bedarf gedeckt werden. Um eine möglichst gute und reibungsfreie Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern, werden zur Betreuung von Kindern zusätzliche Hortplätze benötigt. Hier ergibt sich der zusätzliche Bedarf also nicht nur aus der Siedlungstätigkeit, sondern auch aus veränderten Anforderungen des Erwerbslebens und den damit verbundenen Forderungen nach zeitlicher Flexibilität. Auch die inzwischen vorhandene Vielfalt an Lebens- und Familienformen wie Ein-Eltern-Familie, Stieffamilie, Berufstätigkeit beider Eltern bedingt erhöhten Betreuungsbedarf über die durch die Schule abgedeckte Zeit hinaus.

In einer zukunftsorientierten Kommune werden Kinder, Jugendliche und Familien nicht mehr als „Problemgruppen“ wahrgenommen. Die erforderlichen Transferleistungen wie Kindergeld, Steuererleichterungen für Familien oder auch Sozialhilfe für Familien sind nur ansatzweise ein Ausgleich für die Leistungen der Zukunftssicherung, die Familien für die gesamte Gesellschaft erbringen.

Sozialraumbezogene Dezentralisierung der Angebote und Maßnahmen der Jugendhilfe ermöglicht den Kindern und Jugendlichen die Teilhabe im unmittelbaren Wohnumfeld, vermeidet lange Wege und schafft Identifikation und Beheimatung. Im Rahmen der Umstrukturierung und Erneuerung von Stadtvierteln muss daher die Jugendhilfe auch für die Kinder und Jugendlichen Räume und Angebote zur Verfügung stellen. Dezentrale Jugendtreffs und Jugendräume ermöglichen Angebote der Jugendarbeit und der Jugendverbandsarbeit direkt vor Ort, wo die Kinder und Jugendlichen leben.

Bei der Neubeplanung des „Hohen Kreuzes“ zum Beispiel müssen auch für die Kinder- und Jugendarbeit geeignete räumliche Möglichkeiten in Form eines Jugendtreffs geschaffen werden, die das jetzige Provisorium ablösen und die Voraussetzung für die kontinuierliche Weiterführung der Jugendarbeit dort sind.

  • Partizipation von Kindern und Jugendlichen

Partizipation, also die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, ist im Jugendhilferecht für alle die Kinder und Jugendlichen betreffenden Entscheidungen der Jugendhilfe vorgeschrieben. Partizipation ermöglicht darüber hinaus, Kinder und Jugendliche als Expertinnen und Experten in eigener Sache in Entscheidungsprozesse einzubinden, ihre Ansichten und Erfahrungen bei Planungen zu berücksichtigen.

Das ist in verschiedener Hinsicht von Vorteil: Zum einen gibt es Erfahrungen, dass die Einbindung und Berücksichtigung der Ideen und Vorstellungen von Kindern und Jugendlichen zu einer höheren Akzeptanz führen und damit helfen, Vandalismus und Beschädigungen zu vermeiden. Zum anderen werden durch Partizipation Planungsfehler reduziert und so Kosten von späterem Rück- oder Umbau durch rechtzeitige Berücksichtigung der Kompetenzen, Wünsche und Erfahrungen der zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer eingespart.

Und: Demokratie wird eingeübt, Kinder und Jugendliche argumentieren, diskutieren, lernen demokratischen Umgang mit unterschiedlichen Standpunkten und Meinungen.

Die Umsetzung des gesetzlichen Auftrages der Jugendhilfe, dazu beizutragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen, verlangt die kontinuierliche Beteiligung der Jugendhilfe an der Stadtentwicklungsplanung und hilft mit, eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft zu entwickeln und zu gestalten.

  • Selbstbestimmtes Leben für ältere Menschen ermöglichen

Kommunale Altenarbeit und Altenhilfe müssen ihre Maßnahmen so ausrichten, dass die Kompetenzen älterer Menschen erhalten, entwickelt, gefördert und genutzt werden. Die Handlungsansätze differenzieren sich nach Teilzielgruppen und nach Lebenslagen. Die Neuausrichtung kommunaler Altenarbeit und Altenhilfe muss deshalb im Sinne einer deutlichen Teilung alltags- und lebensweltorientiert positioniert und ausgerichtet werden, nämlich durch

  • die (Weiter-) Entwicklung „Sozialer Arbeit“, die sich vorrangig mit dem beginnenden nachberuflichen Leben, insbesondere mit der Förderung und Begleitung des bürgerschaftlichen Engagements beschäftigt,

  • und durch eine Altenarbeit und Altenhilfe, die sich spezifisch mit den individuellen und sozialen Folgen nachlassender Ressourcen und wachsender (vor allem gesundheitsbedingter) Abhängigkeiten im fortschreitenden „vierten Lebensalter“ mit Pflegebedürftigkeit und Angehörigenarbeit auseinandersetzt.

Die weit überwiegende Mehrheit der älteren Menschen strebt bewusst eine möglichst selbstständige Lebensführung im Alter an. Es ist allgemein eine hohe Wohnungszufriedenheit und Verbundenheit zum Wohnquartier zu beobachten. In der Vergangenheit hat sich die Altenhilfe im Bereich Wohnen um die Bereitstellung besonderer Wohnangebote wie Alten- und Pflegeheime für ältere Menschen bemüht. Hier muss ein Perspektivenwechsel vollzogen werden, der das „normale“ Wohnen älterer Menschen in der angestammten Wohnung bzw. im bisherigen Wohnquartier als eine Hauptaufgabe zukunftsorientierter Altenpolitik betrachtet.

Bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit liegt das Hauptaugenmerk auf einem betreuten Wohnen in der eigenen Wohnung. Zur Verwirklichung einer zukunftsorientierten Altenarbeit und Altenhilfe wird die Stadt nachfolgende Maßnahmen anstreben bzw. unterstützen:

  • Berücksichtigung der Grundsätze für barrierefreies Planen und Wohnen bei Neubau und Modernisierung.

  • Alten- und bedürfnisgerechte Anpassung bestehender Wohnungen, insbesondere die Intensivierung der Wohnberatung.

  • Soziale Betreuung in der Lebenswelt, die sich am soziokulturellen Existenzminimum ausrichtet. Damit ist gemeint, dass der Staat den Bürgerinnen und Bürgern, die sich in einer Notlage befindet, die Führung eines Lebens zusichert, das der Würde des Menschen entspricht.

  • Stärkung der häuslichen Pflege durch Familienangehörige und nahestehende Personen (z.B. durch eine Beratungsstelle für pflegende Angehörige).

  • Generationsübergreifende Förderung des bürgerschaftlichen Engagements in den verschiedensten Handlungsfeldern.

  • Optimierung der Angebots- und Versorgungsstruktur durch Kooperation und Vernetzung der bedarfsgerechten ambulanten Dienste, teilstationären Einrichtungen sowie der Einrichtungen der Kurzzeitpflege.

  • Erweiterung bedarfsgerechter vollstationärer Einrichtungen der Altenpflege.

  • Förderung von Alternativ- bzw. Sonderwohnformen, wie z.B. Wohngemeinschaften, Service-Wohnen, generationsübergreifendes Wohnen.

  • Kompetenzen im Gesundheitsbereich bündeln

Regensburg verfügt zusammen mit Bad Abbach, Hemau und Regenstauf über hoch entwickelte Kompetenzen im medizinischen Bereich, über ein breites Spektrum an Dienstleistern aus der Gesundheitswirtschaft und über Know-how im Medizin- und Biotechnikbereich, das weltweit konkurrenzfähig ist. Ergänzt wird dieses infrastrukturelle Angebot durch eine attraktive Erholungslandschaft, so dass es Ziel sein sollte, den Bereich Gesundheit durch die Vernetzung der regionalen Angebote zu schärfen und als regionales Alleinstellungsmerkmal auszubauen.

Anteil der sportlich aktiven Menschen erhöhen und Bewegungsbewusstsein schaffen

Es ist unstrittig, dass Bewegung für die Gesundheit und dauerhafte Leistungsfähigkeit des menschlichen Körpers unabdingbar ist. Die Errungenschaften der Zivilisation unterdrücken Bewegung zur Befriedigung der Grundbedürfnisse immer stärker. Aus diesem Grund ist es notwendig, ein Bewegungsbewusstsein - möglichst bereits im Kindesalter - zu schaffen.

Durch die Sicherstellung ausreichender Förderung sollen die örtlichen Vereine Sport zu einem sozialen Preis für Menschen jeden Alters und aus jeder sozialen Struktur anbieten können. Darüber hinaus sollen für die sportbegeisterten Bürgerinnen und Bürger spontan nutzbare Spiel- und Sportgelegenheiten bereitstehen.

Der Unterstützung der Sportvereine kommt daher eine zentrale Bedeutung zu. Gleiches gilt für die Schaffung von Sportmöglichkeiten für jedermann - möglichst im Wohnumfeld -, beides auch vor dem Hintergrund sich wandelnder Zeitstrukturen (z.B. Flexibilisierung der Arbeits- und Ladenschlusszeiten). Dabei ist es nicht notwendig, dass diese Sportgelegenheiten normgerechte Spielfelder aufweisen. Gefragt sind vielmehr Anlagen oder Flächen, die nicht auf eine rein sportspezifische Nutzung ausgerichtet sind, aber eine Nutzung für sportliche Zwecke zulassen.

Die Unterstützung des Breitensports hat Vorrang vor der Förderung des Spitzensports. Vor allem leistungsfähige Sportvereine mit intensiver Breiten- und Jugendarbeit sollen finanziell gefördert werden.

Attraktiven Spitzensport unterstützen

Vereine aus der Stadt Regensburg sollen insbesondere durch Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen dabei unterstützt werden, mehr Präsenz in höheren Spielklassen, speziell in den populären Sportarten, zu erreichen.

Stärker berücksichtigt werden sollte künftig auch, dass mehr attraktive Sportveranstaltungen in Regensburg stattfinden. Die jeweiligen Sportstätten müssen dafür über ein ansprechendes Ambiente verfügen (z.B. bequeme Sitzgelegenheiten, ansprechende Farbgestaltung, Ruhezonen).

 

8.3 Leitprojekte

  • Installierung einer Kinder- und Familienfreundlichkeitsprüfung für alle Vorhaben der Stadt Regensburg

  • Ausbau dezentraler Familienzentren

  • Durchführung von Beteiligungsprojekten, z.B. in Neubaugebieten oder zur Wohnumfeldverbesserung

  • Neues Fußballstadion

  • Kompetenznetzwerk Gesundheit und Erholung