Navigation und Service

7. Mobilität und Verkehr

7.1 Entwicklungsstand, Probleme, Chancen

Städte sind ohne ein leistungsfähiges Gesamtverkehrssystem nicht funktions- und lebensfähig. Die Verkehrsnachfrage in einem Siedlungsraum wird im Wesentlichen durch die räumliche Verteilung der unterschiedlichen Nutzungsarten hervorgerufen. Aufgabe des Verkehrs ist es, die Verbindungen zwischen den verschiedenartigen Funktionsbereichen herzustellen. Der Verkehr ist deshalb kein Selbstzweck, sondern er hat dazu beizutragen, dass ein Siedlungsraum sowohl lebensfähig bleibt als auch weiterentwickelt werden kann. Er dient somit einem Ziel, ist selbst aber keines. Zwischen Siedlungs- und Verkehrsstruktur besteht eine deutliche Wechselwirkung, sie bedingen und beeinflussen sich gegenseitig.

Während es in Regensburg bisher noch notwendig war, dem Straßenneubau einen hohen Stellenwert zuzuordnen (ohne Ostumgehung wären die Verkehrsprobleme nicht lösbar), müssen in Zukunft mehr und mehr der öffentliche Personennahverkehr und der nicht motorisierte Verkehr in den Vordergrund gestellt und konsequent gefördert werden.

Auch aus verkehrlichen Gründen ist der Ausbau des bestehenden Hauptverkehrsstraßennetzes nur mehr an einigen Brennpunkten sinnvoll und machbar, vor allem dann, wenn dadurch auch für den öffentlichen Personennahverkehr Vorteile erwachsen.

Lösungen zur Bewältigung der Verkehrsprobleme sollten in Zukunft nur zusammen mit der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs, des Rad- und des Fußgängerverkehrs angestrebt werden.

Im Vergleich zu anderen Städten ist in Regensburg der Anteil des motorisierten Individualverkehrs am gesamten Straßenverkehr noch überdurchschnittlich hoch. Dementsprechend niedrig ist der Anteil des öffentlichen Personennahverkehrs, allerdings seit Jahren steigend. Der Radverkehr hat dagegen in den letzten zwei Jahrzehnten eine durchaus bemerkenswerte Größe erreicht. In den nächsten Jahren wird durch die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete und auf Grund des ständig steigenden Motorisierungsgrades in der Stadt und im Umland noch mehr Verkehr entstehen (nach der Trend-Prognose + 20 % bis zum Jahr 2010).

Noch deutlich höhere Verkehrszunahmen sind beim Güternahverkehr (+ 24 %) und beim Güterfernverkehr (+ 55 %) zu erwarten. Im Bereich des Personenverkehrs gibt es für die Stadt in enger Zusammenarbeit mit dem Umland durchaus wirksame Handlungsmöglichkeiten, um die Zunahmen im motorisierten Individualverkehr in akzeptablen Grenzen zu halten. Im Bereich des Güterverkehrs sind allerdings den Kommunen enge Grenzen gesetzt.

Dennoch müssen durch den konsequenten Ausbau der Verkehrswege für die Schifffahrt und Güterzüge alle Möglichkeiten zur Reduzierung der Zunahmen ausgeschöpft werden. Um den Regensburger Bürgerinnen und Bürgern ihre Lebensqualität zu erhalten, heißt deshalb das übergeordnete Ziel für die Regensburger Verkehrsplanung, den Verkehr in der Stadt unter Beibehaltung seiner Funktions- und Leistungsfähigkeit so umwelt-, stadt- und sozialverträglich wie möglich zu gestalten.

 

7.2 Ziele

Veränderung des Modal-Split im Personenverkehr

Um die Qualität des Gesamtverkehrssystems in Regensburg zumindest zu erhalten, wenn möglich zu verbessern, ist es notwendig, den Modal Split zugunsten des öffentlichen Personenverkehrs und des nicht motorisierten Verkehrs (Umweltverbund) zu verändern sowie den Ausbau des Hauptverkehrsstraßennetzes auf ein unbedingt notwendiges Maß zu beschränken.

Erreicht werden kann dieses Ziel nur, wenn zum einen das Angebot beim öffentlichen Verkehr und beim nicht motorisierten Verkehr deutlich verbessert wird, um das "Umsteigen" im größeren Maße zu ermöglichen, und zum anderen über ein flächendeckendes Parkraummanagement, d.h. Parkraum ist nicht mehr kostenlos und die Parkdauer ist begrenzt, um so einen Verdrängungseffekt auszulösen.

Verbesserung des ÖV-Angebotes

Für das Stadtgebiet und die Stadtrandgemeinden mit insgesamt ca. 180.000 Einwohner/ innen ist die Entwicklung eines einheitlichen Bussystems notwendig. Wichtigstes Element ist der 10-Minuten-Takt als Regeltakt. Ein schienengebundenes ÖPNV-System im Stadtgebiet (Stadtbahn) ist im Auge zu behalten und bei den anstehenden Planungen als Option zu berücksichtigen. Für die Anbindung des weiter entfernten Umlandes an das Stadtgebiet muss vor allem der Verkehr auf den bestehenden Schienenstrecken nachhaltig verbessert werden (Regio-S-Bahn).

In die Umlandbereiche, in die keine Schienenstrecken führen, muss der Busverkehr entsprechend attraktiv gestaltet werden. Generell ist dabei ein 30-Minuten-Takt anzustreben. Zur Erschließung der Altstadt wurde nach der Verlagerung der Standardbusse an deren Rand die Altstadt-Buslinie eingeführt. Eine Erweiterung hat durch die Anbindung der Regensburg-Arcaden in der Friedenstraße stattgefunden.

Umstrukturierung des ruhenden Verkehrs

Parkdauerbeschränkungen und gestaffelte Parkgebühren sollen vor allem Dauerparker verdrängen (Berufs- und Ausbildungsverkehr). Die notwendige flächendeckende Parkraumbewirtschaftung muss sich letztlich auf die Gesamtstadt erstrecken. Das "Umsteigen" muss durch ein attraktives P+R-Konzept gefördert werden. P+R-Anlagen sind sowohl im Umland, insbesondere an den Schienenstrecken, als auch am Stadtrand einzurichten.

Die Anlagen im Umland sollten nach Möglichkeit mit zeitlichem Vorlauf vor denen im Stadtgebiet gebaut werden.

Förderung des nicht motorisierten Verkehrs

Das Rad- und Fußwegenetz ist zu verbessern und in wichtigen Teilbereichen zu ergänzen. Dabei ist besonderer Wert auf die Schaffung sicherer und attraktiver Verbindungsachsen zu legen. Die Gestaltung dieser Verbindungen ist möglichst so auszuführen, dass sie auch für moderne Mobilitätsformen wie Inlineskaten geeignet sind (z.B. kombinierte Geh- und Radwege in ausreichender Breite).

Der „Umwegeempfindlichkeit“ des nicht motorisierten Verkehrs soll durch möglichst direkte Verbindungen Rechnung getragen werden. Eine attraktive Infrastruktur für den nicht motorisierten Verkehr wird die notwendige Veränderung in der Verkehrsmittelwahl positiv beeinflussen.

Ergänzung des Hauptverkehrsstraßennetzes

Das Hauptverkehrsstraßennetz soll nur mehr dort erweitert werden, wo es aus ökologischen und ökonomischen Gründen sinnvoll und möglich ist. Straßennetzergänzungen sollen primär der Entlastung der Wohngebiete und der besseren Abwicklung des öffentlichen Personennahverkehrs sowie des nicht motorisierten Verkehrs dienen.

Reduzierung des Straßengüterverkehrs

  • Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf umweltverträglichere Verkehrsträger

Eine zukunftsträchtige und umweltschonende Entwicklung im Güterverkehr erfordert die Abwicklung eines möglichst großen Anteils des Straßengüterfernverkehrs über die umweltverträglicheren Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße.

Die Stadt Regensburg wird diese Entwicklung unterstützen und vorantreiben. Unkoordinierte Ansiedlungen von Industrie und Gewerbe, die eine Begünstigung des Straßengüterverkehrs zur Folge haben, will die Stadt Regensburg weitestgehend vermeiden. Die Möglichkeit von Gleisanschlüssen ist in jedem Einzelfall zu prüfen und als Option offen zu halten.

  • Förderung der Citylogistik

Rationelle Arbeitsteilung und Kooperation zwischen den verschiedenen Betrieben der Transportbranche ermöglichen Synergieeffekte, die neben einzelwirtschaftlichen Effekten auch einen Beitrag zur umweltfreundlicheren Abwicklung des Güterverkehrs liefern.

Mit der Bündelung des Transportguts wird eine gesteigerte Kapazitätsauslastung der einzelnen Fahrzeuge, die in die Innenstadt (und auch aus der Innenstadt) fahren, erreicht und damit die Anzahl der Fahrten reduziert. Als Ergänzung und Unterstützung wird die informationstechnische Vernetzung der Betriebe untereinander angestrebt.

  • Konzentrierung des Güterverkehrs auf geeignete Flächen: Güterverkehrszentrum (GVZ)

Künftig wird die Konzentration von Industrieund Transportgewerbe auf engem Raum angestrebt. Das Leitbild der Stadt der kurzen Wege erstreckt sich nicht nur auf berufs-, bildungs-, versorgungs- und freizeitorientierte Aktivitäten, sondern auch auf den Güterverkehr. Unabdingbarer Bestandteil dieser Strategie ist die optimale Anbindung dieser Flächen an das örtliche und überörtliche Straßennetz. Regionale und überregionale Gütertransporte sollen nach Möglichkeit das innerstädtische Straßenverkehrsnetz nicht zusätzlich belasten.

Güterverkehrszentren (GVZ) sind Schnittstellen zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern und zwischen dem Nah- und Fernverkehr sowie logistische Knotenpunkte. Die Stadt Regensburg hat sich zum Ziel gesetzt, ein funktionsfähiges GVZ im Osten bzw. Südosten der Stadt unter Einbindung des Hafens zu errichten. Das GVZ Regensburg mit seiner hervorragenden Lagegunst dient der Umsetzung der Ziele der Stadt Regensburg im Bereich Güterverkehr in nahezu idealer Weise.

Deshalb wird die Stadt die Entwicklung des Projektes GVZ Regensburg im Osten bzw. Südosten der Stadt weiter vorantreiben und für neue Ansiedlungsinteressenten neue Flächen erschließen. Der Ausbau des GVZ erhält zusammen mit dem des Hafens, der Teil des GVZ ist, den Rang eines Leitprojekts.

 

7.3 Leitprojekte

  • Kompetenzzentrum Mobilität

Weitere Leitprojekte für den Verkehr sind in Abb. 17 dargestellt.

Abb. 17: Leitgebiete für die Gesamtstadt: Teil "Verkehr"Abb. 17: Leitgebiete für die Gesamtstadt: Teil "Verkehr" © Stadt Regensburg