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5. Wirtschaft und Arbeit

5.1 Entwicklungsstand, Probleme, Chancen

Die wirtschaftliche Struktur der Stadt und der Region Regensburg wird vor allem vom Dienstleistungssektor geprägt. In der Stadt arbeiten 70 % der Arbeitnehmer im Tertiären Bereich; in der Region sind es immerhin 62 %. Damit unterscheidet sich Regensburg allerdings nicht von den meisten anderen Großstädten nachindustrieller Prägung. Charakteristisch für Regensburg ist vielmehr:

  • der insgesamt hohe Arbeitsplatzbesatz (Arbeitsplätze bezogen auf 1000 Einwohner/ innen) wird von keiner anderen bayerischen Großstadt übertroffen,

  • die in den vergangenen 10 bis 15 Jahren insgesamt sehr positive Entwicklung des Produzierenden Sektors (entgegen dem allgemeinen Trend),

  • die bislang bemerkenswerte Stabilität des Produzierenden Bereichs in den rezessiven Jahren nach 1992 und

  • die hohe Einzelhandelszentralität.

Dagegen besteht im Bereich der hochwertigen unternehmensorientierten Dienstleistungen (z.B. Marketing, Unternehmensberatung, EDV) durchaus noch ein gewisser Nachholbedarf. In Regensburg kam es wegen infrastruktureller Mängel und einer relativen Randlage in Westeuropa erst spät zum Aufbau moderner Industriestrukturen. Dann aber bescherten in den 80er Jahren sehr bedeutende Betriebsansiedlungen der Stadt ein im bayerischen Großstädtevergleich beispielloses Arbeitsplatzwachstum.

Mittlerweile hat der wirtschaftliche Strukturwandel auch in Regensburg seine Spuren hinterlassen. Der für die Zukunft zu erwartende Arbeitsplätzeabbau im Produzierenden Sektor fiel zwar bisher weniger dramatisch aus als in anderen Städten. Dennoch gilt auch in Regensburg, dass der Verlust von Arbeitsplätzen in alten, nicht mehr wettbewerbsfähigen Industrien ersetzt werden muss durch Arbeitsplätze in Schlüsseltechnologien der Zukunft.

Als solche gelten beispielsweise die Mikroelektronik, die Informationstechnik, die Bio- und Medizintechnik sowie die Lichtund Lasertechnik. Aber auch hochwertigen unternehmensbezogenen Dienstleistungen werden große Zukunftschancen eingeräumt. Dem in Regensburg stark ausgeprägten Mittelstand kommt dabei als Säule der Wirtschaft eine bedeutende Rolle zu.

Eine wesentliche Aufgabe der städtischen Wirtschaftspolitik muss es demzufolge sein, Potentiale für solche Schlüsseltechnologien in Regensburg aufzuspüren, im Rahmen von konkreten Projekten zu fördern und zu begleiten und gleichzeitig dafür Sorge zu tragen, dass sich auch den Verliererinnen und Verlierern dieses Strukturwandels noch Perspektiven bieten.

Positive Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt werden u.a. von der Entwicklung in Osteuropa, durch die Akquisition von ausländischen Unternehmen durch die Regensburg-Business-Development GmbH, durch das Güterverkehrszentrum im Regensburger Osten und durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Forschung und Wirtschaft erwartet. Bei der Schaffung neuer krisensicherer Arbeitsplätze ist auch die besondere Lebenssituation von Frauen und Männern zu beachten, die Beruf und Familie zu vereinbaren haben. Teilzeitarbeitsplätze, flexible Arbeitszeitmodelle oder Heimarbeitsplätze stellen ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Ansiedlung neuer Firmen dar.

 

5.2 Ziele

Innovative Milieus schaffen

Immer kürzere Produktzyklen, ungünstige Kostenstrukturen und die wachsende internationale Konkurrenz haben maßgeblichen Anteil an der prekären Lage vieler traditioneller Industriebranchen. Standorte, die sich um den Erhalt von Arbeitsplätzen bemühen, müssen sich diesen Veränderungen stellen. Ziel ist deshalb die Schaffung eines technologiefreundlichen Klimas, in dem marktfähige Produktinnovationen gedeihen können.

Dazu gehören u. a. Institutionen des Technologietransfers (wie das Ostbayerische Technologietransferinstitut OTTI und FUTUR, die Forschungs- und Technologietransferstelle der Universität Regensburg), Beratungsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung für Existenzgründungen, Kontakte und Netzwerke von Wissenschaft, Unternehmen und Politik sowie eine moderne Kommunikationsinfrastruktur.

Investitionen in Zukunftstechnologien tätigen

Um auch in Zukunft über eine gesunde wirtschaftliche Struktur zu verfügen, muss es gelingen, rückläufige Wirtschaftsbereiche durch neue Wachstumsbranchen zu ersetzen. Die Förderung von Zukunftstechnologien sollte in Regensburg an den endogenen Potentialen ansetzen. Aussichtsreiche Clusteransätze ergeben sich in den Bereichen Biotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie in der Sensorik.

Hier gilt es sich im Wettbewerb der Städte zu positionieren und das an den Hochschulen vorhandene Grundlagenwissen in Produkten, Produktionsverfahren, Dienstleistungen und damit zukunftsorientierte Arbeitsplätze umzusetzen. In diesem Zusammenhang spielt die Förderung von Existenzgründern, die vielfach aus dem universitären Bereich kommen, eine besonders wichtige Rolle. Negativ macht sich das Fehlen außeruniversitärer Forschungseinrichtungen bemerkbar.

Derartige Einrichtungen zeichnen sich durch eine ausgewiesene Spezialisierung und einen hohen Anteil an Auftragsforschung für Unternehmen aus. Sie sind geeignet, die Standortpotentiale eines Wirtschaftsraums insbesondere für technologieintensive Unternehmen wirksam aufzuwerten.

Die Entwicklung des Technologiestandortes Regensburg ist notwendig, da die Zukunft in der Entwicklung hochwertiger Produkte liegt. Der geplante Technologiepark wird auch auf Querschnittstechnologien ausgerichtet sein und umweltrelevante Technologien umfassen. Die Wirtschaftsförderung konzentriert sich in besonderem Maße auf Unternehmen, die am Beginn der Wertschöpfungskette stehen, also Unternehmen, die forschen, entwickeln oder produzieren.

Die Universität und die Fachhochschule als Motor und Katalysator stärker einbinden

Die Ansiedlung und der Ausbau der beiden Hochschulen ist für das Image der Stadt Regensburg als “Know-How-Stadt” einer der entscheidensten Entwicklungsfaktoren gewesen. Die Hochschulen hatten und haben einen sehr prägenden Einfluss auf

  • die Profilierung Regensburgs nach innen und außen (Kongresse, Tagungen),

  • das Stadtbild und die Siedlungsstruktur,

  • das Verkehrsaufkommen und die Verkehrsprobleme,

  • die wirtschaftliche Entwicklung (Nachfrage nach Gütern, Dienstleistungen, Wohnungen),

  • das allgemeine geistige und kulturelle Klima der Stadt und

  • die erhebliche Erweiterung des Angebotes kultureller Veranstaltungen und Nachfrage nach speziellen Dienstleistungen (Audimax, Restaurants, Kinos etc.).

Angesichts des erreichten großen wissenschaftlichen Potentials in Regensburg und der sich verschärfenden weltwirtschaftlichen, nationalen und regionalen Standortkonkurrenzen müssen die Hochschulen als wichtiger Standortfaktor im Rahmen der Standortprofilierung noch besser herausgearbeitet werden. Auch die Region muss die Hochschulen nicht nur als Bildungs- und Forschungseinrichtungen begreifen, sondern als enormes “endogenes Entwicklungspotential” für die ganze Region.

Darauf müssen sich zunehmend auch erst die Hochschulen selbst einstellen. Daher können sich aus solchen Notwendigkeiten auch Rückwirkungen auf die Strukturplanungen der Hochschulen ergeben (z.B. Forderung nach stärkerem Ausbau technischer und anwendungsorientierter Fachbereiche). Die Ingenieurwissenschaften sind derzeit nur an der Fachhochschule vertreten. Ziel ist es, die Ingenieurwissenschaften noch stärker in der Regensburger Hochschullandschaft zu etablieren. Zusätzlich müssen intensivere und neue Kooperationsformen zwischen Forschung und Wirtschaft erprobt und installiert werden (z.B. Anwenderzentrum der Fachhochschule), aber auch Synergie-Effekte innerhalb der Hochschulen bedürfen einer lenkenden und helfenden Organisation, um die katalytische Wirkung der Hochschulen zu unterstützen. Kooperation ist das Gebot der nächsten Jahre.

Ausreichende Gewerbegrundstücke flächensparend bereitstellen

Im Rahmen ihrer Gewerbeflächenpolitik besitzt die Stadt große Einflussmöglichkeiten auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Für das Produzierende Gewerbe sollen neben der Nutzung vorhandener Flächen sowohl neue Gewerbegebiete entwickelt als auch derzeit nicht optimal genutzte Bereiche einer ökonomisch angemesseneren gewerblichen Nutzung zugeführt werden.

Dabei sollte die Stadt sämtliche ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten nutzen, um den Verbrauch neuer Gewerbeflächen einzuschränken und bestehende Gewerbegebiete baulich zu verdichten. Gerade im Bereich des Handwerks, Großhandels und Kleingewerbes sind mehrgeschossige Lösungen denkbar, z.B. in Gestalt von Gewerbehöfen oder Gewerbeparks.

Potentiale im Fremdenverkehr ausschöpfen

Der Fremdenverkehr in Regensburg erlebte zwischen 1985 und 1991 eine äußerst dynamische Phase mit einer Steigerung der Übernachtungszahlen von 270.530 auf 461.800.

Nach einigen Jahren der Stagnation - allerdings auf hohem Niveau - werden seit 2000 jährlich weit über 600.000 Übernachtungen erzielt. Dennoch sieht sich das Beherbergungsgewerbe in einer Phase deutlicher Wettbewerbsverschärfung, da in den vergangenen Jahren das Angebot an Gästebetten überproportional zugenommen hat mit der Folge, dass der durchschnittliche Auslastungsgrad spürbar gesunken ist.

Ziel des städtischen Touristikmanagements (dazu gehört auch die Strategie, den Tagungstourismus gegenüber dem Tagestourismus stärker zu fördern) muss es sein, mit kreativen Marketing- und “Eventkonzepten” im Sinne einer “Cityereignispolitik” und einer Verbesserung der touristischen Infrastruktur für eine weitere Belebung auf der Nachfrageseite zu sorgen. Allerdings soll das touristische Potential der Stadt, insbesondere der Altstadt, nicht durch eine „Festivalisierung“ der öffentlichen Räume entwertet werden.

Der Ausbau mehrtägiger Städtereisen und des sich positiv entwickelnden Schiffstourismus bieten Chancen, noch mehr Qualität in Regensburgs Tourismus und Gastronomie zu etablieren.

Einzelhandelsstandort stärken

Die Stadt Regensburg gehört zwar mit über 420.000 m² Verkaufsfläche zu den sehr gut ausgestatteten Oberzentren im Bundesgebiet, sie hat jedoch in der Vergangenheit Kaufkraft an konkurrierende Zentren verloren. Um einen ruinösen Wettbewerb zu vermeiden, ist insbesondere eine frühzeitige Abstimmung mit den Umlandgemeinden anzustreben, so dass eine längerfristig tragfähige Einzelhandelsstruktur erhalten werden kann. Die einzelnen Ziele und Maßnahmen sind im Einzelhandelsrahmenkonzept von 1997 definiert, das nach der Einigung mit dem Umland über ein regionales Einzelhandelskonzept aktualisiert und fortgeschrieben werden soll.

 

5.3 Leitprojekte

  • Bio-Regio Regensburg

  • Profilierung des IT-Standortes

  • Strategische Partnerschaft Sensorik

  • Technologiepark Regensburg

  • Ansiedlung eines außeruniversitären Forschungsinstituts

  • Regensburger Kultur- und Kongresszentrum

  • Güterverkehrszentrum/Hafen

  • Regionales Einzelhandelskonzept