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4. Natur und Umwelt

4.1 Entwicklungsstand, Probleme, Chancen

Die in anderen Großstädten meist feststellbaren Industrialisierungswellen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gingen an Regensburg relativ spurlos vorüber (Ausnahmen bilden der Westhafenbereich und das Gewerbegebiet am Auweg). Das hemmte zwar die Entwicklung der Stadt, hat ihr aber in gewissem Umfang auch die typischen damit verbundenen Struktur- und städtebaulichen Probleme “erspart”.

Trotzdem gibt es einige Faktoren, die die langfristigen Entwicklungschancen Regensburgs beeinträchtigen könnten:

Im Rahmen einer Altlastenerkundung wurden 1987 für das Stadtgebiet 293 Altlastenverdachtsflächen festgestellt. Bei den ermittelten altlastenverdächtigen Gewerbestandorten handelt es sich um Gewerbebetriebe, die mit wassergefährdenden Stoffen in größerem Stil umgegangen sind. Bei den altlastenverdächtigen Ablagerungen handelt es sich um Deponien und wilde Verfüllungen.

Durch die topographische Lage Regensburgs, die mit häufigen Inversionswetterlagen verbunden ist, werden Luftschadstoffe nicht weiträumig verteilt, sondern reichern sich oft in Bodennähe an. Die Folgen sind insbesondere auch an Kulturdenkmälern sichtbar.

Die Siedlungsentwicklung der Stadt findet seit den 80er Jahren vornehmlich im Süden und Südosten statt und führte zu einer erheblichen Umnutzung vormals landwirtschaftlich genutzter Flächen. Für eine langfristige Entwicklung Regensburgs ist es daher unabdingbar, dass die natürlichen Lebensgrundlagen Wasser, Boden, Luft, Natur und Landschaft in ihrer Funktionsfähigkeit nachhaltig und dauerhaft gesichert werden.

Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro wurde unter anderem das Aktionsprogramm "Agenda 21" als Leitbild für die weltweite Entwicklung verabschiedet. Im Kapitel 28 dieser Agenda 21 werden die kommunalen Gebietskörperschaften aufgefordert, ihren Beitrag zur Unterstützung und Umsetzung dieses Aktionsprogramms zu leisten, nämlich eine lokale Agenda zu installieren. Sie soll die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung in der jeweiligen Kommune festschreiben. Dabei bedeutet „Nachhaltigkeit“ eine Entwicklung, die die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Grundbedürfnisse aller Bewohner/innen einer Gemeinde befriedigt, ohne dabei die natürlichen und sozialen Systeme zu gefährden, auf denen die Grunddaseinsvorsorge beruht, und ohne die Chancen für eine zukunftsbeständige Entwicklung in den übrigen Gemeinden der Welt zu beeinträchtigen.

Ein besonderes Kennzeichen der Agenda 21 ist also der ganzheitliche Ansatz: ökonomische, ökologische und soziale Belange miteinander in Einklang zu bringen. Der Prozess der Regensburger Agenda 21 wurde 1996 in Gang gesetzt.

Die Regensburger Bürgerinnen und Bürger hatten die Möglichkeit, in den drei Fachforen „Wohnen und Mobilität“, „Arbeit und Wirtschaft“ sowie „Gesundheit und Lebensstil“ mitzuarbeiten. Die in den Fachforen erarbeiteten Projekte befassen sich schwerpunktmäßig mit den Bereichen Energie, Beschäftigung und soziale Strukturen.

Die Agenda 21 und der Regensburg-Plan 2005 verfolgen beide das Ziel einer umfassenden, integrierten Stadtentwicklung mit mittel- und langfristigen Perspektiven. Unter der Berücksichtigung des Nachhaltigkeits-Kriteriums und einer entsprechenden Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger werden beide Handlungskonzepte deckungsgleich.

 

4.2 Ziele

Den Energieverbrauch und Ausstoß von Luftschadstoffen deutlich reduzieren

Der Energieverbrauch ist infolge der Verbrennung von fossilen Brennstoffen die Hauptursache für eine drohende Klimakatastrophe. Klima- und Immissionsschutz sowie die Erhaltung der natürlichen Ressourcen erfordern wirksame Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Reduktion von Luftschadstoffen. Die Stadt Regensburg ist 1992 dem "Klima-Bündnis europäischer Städte" beigetreten mit dem Ziel, bis zum Jahr 2010 die CO2-Emissionen um 50 % zu reduzieren.

Neben bereits eingeleiteten Maßnahmen (Förderung des ÖPNV, Verkehrsberuhigung, Förderung von Heizungsumstellungen, Windkraftanlage am Mühlberg, Blockheizkraftwerke in Neubaugebieten) sind weitere Schritte erforderlich, um insbesondere die Feinstaubbelastung noch mehr zu verringern.

Grün- und Freiflächen im Stadtgebiet systematisch erhalten und ausbauen

Grün- und Freiflächen sind von großer Wichtigkeit für die Bewohnbarkeit einer Stadt, sie dienen als Erholungsflächen, Frischluftentstehungsgebiete und -bahnen, Schutz vor Immissionen und Lebensraum für Flora und Fauna (s. auch Kapitel 3.2).

Wesentliche Anregungen zur Entwicklung von Freiflächen gibt das 1999 fertig gestellte Arten- und Biotopschutzprogramm. Hier werden Grundlagen zur Freiraumplanung und Wege zur Umsetzung sowie zur Verbesserung des Freiraumpotentials aufgezeigt. Auf der Grundlage des Arten- und Biotopschutzprogramms ist ein Freiflächenkonzept zu erarbeiten, das eine detaillierte Grundlage für die Entwicklung der Freiflächen der Stadt darstellt.

Durch ein Ökokonto kann der notwendige Flächenbedarf durch Optimierung von Maßnahmen und durch rechtzeitige Durchführung von Verbesserungsmaßnahmen im Naturhaushalt reduziert werden. Wichtiger Grundsatz ist dabei, die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Flächen vor dem Hintergrund konkurrierender Flächenansprüche optimal zu nutzen und das System der Freiräume miteinander zu vernetzen.

Die Europäische Gemeinschaft ist bestrebt, ein zusammenhängendes Netz europäischökologischer Schutzgebiete zu schaffen, die als „Natura 2000“ zusammengeschlossen werden sollen. Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) und die Vogelschutzrichtlinie sollen dem Schutz von Lebensraum, Pflanzen, Tieren und wildlebenden Vogelarten dienen. In der Vogelschutzrichtlinie ist das Donautal zwischen Regensburg und der Staustufe Geisling enthalten.

Nach der FFH-Richtlinie sind folgende Trockenhänge in Regensburg genannt worden: Naturschutzgebiet Brandlberg, Naturschutzgebiet Spitalholz, Naturschutzgebiet Keilsteiner Hang und das Naturschutzgebiet Max-Schultze-Steig. Für diese Flächen gilt ein Verschlechterungsverbot.

Nach einer endgültigen Aufnahme in das Netz Natura 2000 sind für die genannten Gebiete innerhalb von 6 Jahren geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um die notwendigen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen zu tätigen und ihren ökologischen Wert dauerhaft zu sichern.

Kleingartenanlagen bieten die Möglichkeit zu wohnungsnaher Erholung, Entspannung und Naturverbundenheit. Neben der Erholungsund Freizeitfunktion sind Kleingartenanlagen hervorragend geeignet, ökologische und gliedernde Funktionen zu übernehmen. Sie leisten einen erheblichen Beitrag zur Klimaverbesserung und sorgen für überzeugende Übergänge zwischen Wohngebieten und freier Landschaft sowie zu Industrie- und Gewerbegebieten. Kleingartenanlagen sind daher in ihrem Bestand zu sichern und weiter zu entwickeln.

Die Funktionsfähigkeit des Bodens auf Dauer erhalten

Die Beeinträchtigungen des Bodens erfolgen sowohl durch "Flächenverbrauch" als auch durch den Eintrag von Schadstoffen. Die weitere Versiegelung des Bodens ist auf ein ökologisch verträgliches Maß zu beschränken, die dabei erforderlichen Eingriffe in Natur und Landschaft sind auszugleichen bzw. durch eine Eingriffsreduzierung (Dach- und Fassadenbegrünung, Regenwasserversickerung) zu mindern. Gefährdungen des Bodens durch Eintrag von Stoffen sollen nach Möglichkeit vermieden oder zumindest verringert werden.

Nachteilige Eingriffe in den Wasserhaushalt vermeiden bzw. bereits erfolgte Beeinträchtigungen rückgängig machen oder wenigstens vermindern

Alles Leben auf unserer Erde ist untrennbar mit Wasser verbunden. Sowohl beim Gebrauch als auch durch den Eintrag von Schadstoffen wird Wasser verschmutzt, durch Flächenversiegelung wird die Grundwasserneubildung reduziert. Die im Umweltschutzbericht von 1989 angeführten Ziele und Maßnahmen sind nach wie vor aktuell. Vor diesem Hintergrund wurde z.B. die Sanierung der Deponie Haslbach zur Sicherung der Trinkwasserversorgung durchgeführt.

Ufernahe Stadtteile vor Hochwasser schützen

Fließgewässer, vor allem große Ströme wie die Donau, benötigen eigentlich einen breiten Auen- bzw. Retentionsbereich. Die künstliche Kanalisierung von Fließgewässern bannt die Hochwassergefahr nicht, sondern verschärft sie vielmehr. Deshalb gibt es überall Bestrebungen, den Flüssen ihren natürlichen Ausdehnungsbereich im Hochwasserfall, den Retentionsraum, soweit als möglich wieder zurückzugeben.

In Regensburg wie in den meisten anderen Städten ist schon seit langem der Siedlungsbereich nah an die Wasserlinie herangerückt. Und dieser Prozess geht weiter: Bereits absehbare Siedlungsprojekte im ehemaligen Auenbereich von Donau und Regen (z.B. an der Holzgartenstraße, in Weichs-Ost, auf dem Unteren Wöhrd und die Erweiterungsabsichten des Staatshafens Regensburg entlang der Äußeren Wiener Straße) schränken den Hochwasserabfluss weiter ein, verschärfen die Hochwasserproblematik weiter und sind selbst der Hochwassergefahr ausgesetzt.

Seit Mai 2000 wird gemeinsam mit dem Freistaat Bayern die „Offene Planung HWS“ zur Erstellung und Umsetzung eines Gesamtkonzeptes durchgeführt, die im Jahr 2003 in die Auslobung eines Wettbewerbes mündete. Die Ergebnisse dieses Wettbewerbs liegen seit Mai 2004 vor und müssen nun konkretisiert und stufenweise umgesetzt werden. Dabei ist eine sorgfältige Abwägung der Belange des Hochwasserschutzes und der Siedlungsentwicklung notwendig.

Neben einem technischen Hochwasserschutz muss sich die Stadt Regensburg langfristig auch mit einem ökologischen Hochwasserschutz durch Schaffung von Retentionsräumen oberstromig auseinandersetzen.

Das Verständnis für ökologische Zusammenhänge und die Bereitschaft zu umweltgerechtem Verhalten sind nachdrücklich zu erweitern

Ohne die Unterstützung durch die Bevölkerung und die Verwaltung ist eine zukunftsbeständige Stadtentwicklung nicht erreichbar. Ausgehend von einem schrittweisen Aufbau eines städtischen Umweltinformationssystems im Rahmen eines Geographischen Informationssystems (GIS), der konsequenten Beschaffung umweltfreundlicher Produkte durch die Verwaltung und die Einführung einer kommunalen Umweltverträglichkeitsprüfung sind die Umwelterziehung sowie eine intensive Bürgerbeteiligung bei planerischen Vorhaben Ansatzpunkte zur Förderung des Umweltbewusstseins und ein daran ausgerichtetes Handeln.

 4.3 Leitprojekte

  • Freiflächenkonzept

  • Freizeit- und Erholungsachse Donau-Regen

  • Aubach-Renaturierung

  • Landschaftsschutzgebiet Donau-Auen

  • Ausbau des Nordparkes

  • Errichtung des Römerparkes

  • Pflegemanagement für Winzerer Höhen und Brandlberg

  • Windpark Mühlberg

  • Fortschreibung des Luftreinhalteplans

  • Biomasseverwertung in der Zuckerfabrik

  • Hochwasserschutz-Konzept