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1. Ausgangslage und allgemeine Rahmenbedingungen

1.1 Regensburg-Plan 1977

Mit dem “Regensburg-Plan 1977” wurden erstmals für alle Daseinsgrundfunktionen aufeinander abgestimmte Ziele und Maßnahmen mit einem Raum-, Zeit- und Finanzhorizont vorgelegt. Dieser umfassende Stadtentwicklungsplan hat bis heute seine Steuerungswirkung nicht verloren, denn nur wenige Ober- und Einzelziele sind überholt oder hinfällig. Viele Ziele gelten heute und auch in Zukunft noch, wie z.B.:

  • “Jeder Bürger soll eine Wohnung finden, die im Hinblick auf Lage, Ausstattung, Wohnform, Eigentumsform und Umfeld seinen Bedürfnissen nach Selbstentfaltung und Teilnahme am Gemeinschaftsleben sowie seinen finanziellen Verhältnissen entspricht.” (Kapitel II, Wohnen)

  • “Die gesamtheitliche Erhaltung der historischen Altstadt in ihrer groß- und kleinräumigen Gestaltung und die Erhaltung von wertvoller Substanz, auch außerhalb der Altstadt, ist oberstes Ziel.

  • Die Wirtschaftskraft der Altstadt ist zu erhalten und nach Möglichkeit zu stärken.” (Kapitel III, Stadtbildpflege, Stadtgestaltung und Altstadtsanierung)

  • “Die Wirtschaftskraft der Stadt einschließlich des Verdichtungsraumes Regensburg ist zum Wohle der Bevölkerung zu erhöhen, und zwar überdurchschnittlich in Bezug auf vergleichbare Städte und Räume.” (Kapitel IV, Arbeiten)

  • “Die Stadt ist in ihrer Gesamtheit als Freizeitraum zu betrachten und mit Freizeitinfrastruktur bestmöglich auszustatten. Dazu sind die unterschiedlichen Freizeiträume der Stadt adäquat zu nutzen. In den Wohngebieten sind Möglichkeiten zur Nutzung in der Freizeit anzubieten bzw. bei Bedarf zu vermehren.” (Kapitel VI, Freizeit, Kultur, Sport, Erholung)

Die Autobahnanbindung, Industrieansiedlungen, der Flächennutzungsplan sowie zahlreiche Bebauungspläne und städtebauliche Wettbewerbe bzw. Projekte, der Ausbau des innerstädtischen Verkehrsnetzes, die Schaffung neuer Wohn- und Gewerbegebiete, die Altstadtsanierung und die Erweiterung der sozialen Infrastruktur haben große Entwicklungsschübe gebracht, Bedarfe gedeckt, neue Chancen erschlossen, Arbeitsplätze und Wohnungen geschaffen. Regensburg hat auch ein anderes, positiveres und moderneres Image als vor 30 Jahren.

Zahlreiche Funktionen des Regensburg-Planes 1977 haben inzwischen andere Pläne und Planungsgrundlagen viel detaillierter und aktueller übernommen:

  • Flächennutzungsplan (1983)

  • Spielraumentwicklungsplan (1986)

  • Parkierungskonzept Altstadt (1988)

  • Radverkehrswegeplan (1988)

  • Umweltschutzberichte (1989/90)

  • Verkehrsberuhigungskonzept Altstadt (1982/91)

  • Fachprogramm Wohnen (1993)

  • Kindergartenplan (1993)

  • Sportentwicklungsplan (1994)

  • Kinderhortplan (1995)

  • Gesamtverkehrsplan (1996)

  • GVZ-Konzept (1992/96)

  • Jugendhilfeplan, Teilplan Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit (1997)

  • Rahmenkonzept für die Entwicklung des Einzelhandels (1997)

  • Konzept zur Entwicklung der Regensburger Innenstadt (1997)

  • Arten- und Biotopschutzprogramm (1999)

  • Altenhilfeplan (2002) 

1.2 Das magische Fünfeck der Kommunalentwicklung

Einwohnerstruktur, Wirtschaftsstruktur, kommunale Selbstverwaltung, Wohnen-Versorgung-Verkehr sowie soziale und kulturelle Infrastruktur bilden das „magische Fünfeck“ der Kommunalentwicklung. Die Magie besteht darin, dass dieses Zielsystem nicht einseitig optimiert werden kann. Die einzelnen Bereiche stehen gleichberechtigt nebeneinander und sind als System vernetzt. Die Felder sind voneinander abhängig und die einseitige Optimierung in einzelnen Bereichen ist kontraproduktiv für das gesamte System.

So leidet zum Beispiel unter einseitiger Optimierung im Bereich der Wirtschaftsförderung durch Steigerung des Verkehrsaufkommens, Zersiedelung und Zunahme ökologischer Probleme die soziale und städtebauliche Qualität. Eine einseitige Überbetonung des sozialen und kulturellen Feldes würde dagegen die Bemühungen um gesunde Grundlagen für den kommunalen Haushalt hintanstellen und ihn damit über Gebühr belasten.

Der Regensburg-Plan 2005 ist sich dieser Wechselwirkungen bewusst und versucht deshalb, die genannten Felder gleichberechtigt zu berücksichtigen. Für einen Planungszeitraum von 10 bis 15 Jahren werden auf der Grundlage der heutigen Situation sowie aktueller Planungen und Trends neue, angestrebte Entwicklungen für einzelne Planungsbereiche aufgezeigt, Probleme und Chancen analysiert und hieraus Leitziele formuliert.

Die aufgeführten Leitprojekte haben zum Teil einen Zeithorizont, der über den Planungszeitraum hinausreicht. Dies ist aber erforderlich, damit bereits heute auf die Realisierung der Leitprojekte hingearbeitet werden kann und sich das gesamte Verwaltungshandeln daran orientiert. Der genaue Zeitpunkt der Realisierung der einzelnen Leitprojekte wird im Rahmen der Investitionsplanung festgelegt, die maßgeblich durch die Haushaltslage bestimmt wird. 

1.3 Neue Anforderungen

Darüber hinaus versucht der Regensburg-Plan 2005 aber auch, grundlegende Änderungen wesentlicher Rahmenbedingungen für die kommunale Entwicklung zu berücksichtigen, die sich schon seit einigen Jahren abzeichnen, sowie Vorgaben für neue Qualitäten kommunalen Handelns zu formulieren, die mehr und mehr an Bedeutung gewinnen:

  • Wir stehen am Anfang einer demografischen Entwicklung, deren Ausprägungen schon relativ klar erkennbar sind, deren Auswirkungen und Konsequenzen jedoch noch weitgehend unscharf erscheinen. Die Überalterung und die stärkere multikulturelle Durchmischung der Bevölkerung erfordern Veränderungen und Anpassungen in nahezu allen Bereichen des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, sozialen und kulturellen Lebens.

  • Eine wesentliche Qualität kommunalen Handelns muss in Zukunft mit der „Nachhaltigkeit“ aller Planungen und Maßnahmen angestrebt werden. Nachhaltigkeit ist kein eindeutig definierter Begriff, der für jede Maßnahme in gleicher Weise im gleichen Umfang gelten kann. Der Begriff Nachhaltigkeit muss vielmehr für jede Maßnahme neu definiert werden. Es ist daher kaum möglich, ein allgemein geltendes Prüfverfahren zu installieren. Grundsätzlich ist anzustreben, dass alle wichtigen Planungen und Maßnahmen auf ihre langfristigen ökonomischen, ökologischen und sozialen Folgen hin bedacht und entsprechend verträglich gestaltet werden.

  • Die absehbare allgemeine wirtschaftliche Entwicklung engt sowohl die öffentlichen als auch die privaten Handlungsspielräume „spürbar“ ein. Sowohl der interkommunale Konkurrenzdruck als auch die Verfolgung von individuellen und von Gruppeninteressen innerhalb der Kommunen werden an Schärfe zunehmen. Es wird weniger darum gehen, Zuwächse zu verteilen, als vielmehr darum, Einschränkungen einigermaßen ausgewogen aufzuerlegen. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, müssen alte Tugenden von Bürgerund Politikkultur wieder belebt und neue Umgangsformen der handelnden Personen und Gruppen untereinander entwickelt werden. Repräsentativ getragene und basisbegründete Entscheidungen müssen gleichermaßen am Gesamtwohl orientiert und verantwortungsvoll aufeinander abgestimmt sein. Demokratie muss gerade auf der für die Menschen unmittelbar erleb- und gestaltbaren Ebene in den Kommunen handlungsfähig bleiben.

1.4 Demographische Entwicklung und ihre Folgen

Nach den Prognosen des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung wird die Bevölkerung in Regensburg im Gegensatz zu vielen anderen Städten bis zum Jahr 2020 noch leicht zunehmen (um knapp 8 % bzw. fast 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner in der mittleren Variante; vgl. Abb. 1):

Abb. 1: Altersaufbau der Regensburger Bevölkerung 2002 und 2020 nach GeschlechtAbb. 1: Altersaufbau der Regensburger Bevölkerung 2002 und 2020 nach Geschlecht © Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung

 
Ab dem Jahr 2015 wird jedoch eine rapide Überalterung einsetzen: die Altersgruppe der über 75-Jährigen wird 2020 bereits um 20 % stärker besetzt sein als heute, wohingegen die Zahl der Kleinkinder um etwa 10 % abnehmen wird (s. Abb. 2):

Abb. 2: Mögliche Bevölkerungsentwicklung Abb. 2: Mögliche Bevölkerungsentwicklung © Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung


Während die jüngeren Jahrgänge im erwerbsfähigen Alter (25 bis 40 Jahre) um deutlich mehr als 10 % schrumpfen werden, legen die älteren Erwerbstätigen (40 bis 60 Jahre) um etwa 20 % zu.

Da das Bevölkerungswachstum ausschließlich auf Wanderungsgewinnen beruht, die zu einem erheblichen Teil aus dem Ausland erfolgen, wird sich gleichzeitig der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Aussiedler/innen oder Ausländer/innen) spürbar erhöhen.

Unstrittig ist auch, dass die Anzahl der Haushalte noch weiter zunehmen wird, wobei dieses Wachstum fast ausschließlich durch die Ein- und Zweipersonen-Haushalte getragen wird, so dass von einem anhaltenden Flächenverbrauch und einem weiteren Anwachsen des Wohnflächenkonsums sowie des Wohnungsneubaus ausgegangen werden muss. Die Stadt-Umland-Wanderung wird tendenziell anhalten (Abb. 3):

WanderungsbilanzAbb. 3: Wanderungsbilanz © Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung

Zwischen Regensburg und seinem Umland wird sich der Wettbewerb um immer knapper werdende junge Personen verschärfen. Dabei werden zunehmend qualitative Anforderungen an die Wohnstandorte und die Standards für das Wohnen in den Vordergrund rücken, wobei verstärkt innerstädtische Brach- und Umstrukturierungsflächen ins Blickfeld geraten, um eine Konzentration der Siedlungsflächenentwicklung zu ermöglichen, die die längerfristig rückläufige Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt. Dabei kommen der Eigentumsbildung durch Immobilienerwerb und attraktiven Wohnumfeldbedingungen nach dem Jahr 2020 eine besondere Bedeutung zu.

Auf diese absehbaren Entwicklungen muss sich die Stadt Regensburg frühzeitig einstellen und Strategien entwickeln und anstoßen, die die Auswirkungen der zu erwartenden Umbrüche verträglich gestalten. So sind z.B. die nachlassenden Bindungskräfte der Familie durch neue Formen der Begegnung zwischen den Generationen zu ersetzen. Neben den Ansiedlungsbemühungen um junge Nachwuchskräfte wird es verstärkt Bemühungen geben müssen, die vorhandenen Potentiale in den Betrieben und in der eigenen Bevölkerung besser auszuschöpfen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

Die Integration der unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen erhält einen deutlich höheren Stellenwert nicht nur unter sozialen, sondern insbesondere unter bildungs- und arbeitsmarktpolitischen Aspekten. Außerdem wird die Zusammenarbeit mit dem Umland eine Selbstverständlichkeit werden müssen, um Synergieeffekte zu nutzen und neue Entwicklungsspielräume zu eröffnen.