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Betretungsverbot der Jahninsel und des Grieser Spitzes: „Wir haben uns schweren Herzens dazu entschlossen“

Umweltbürgermeister Ludwig Artinger erklärt, warum der Stadtrat ein befristetes Betretungsverbot der Jahninsel und des Grieser Spitzes von 23 bis 6 Uhr und ein Verbot von elektrisch verstärkter Musik beschlossen hat.

Bürgermeister Ludwig Artinger - Porträt quer
Bürgermeister Ludwig Artinger © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Geschlossene Clubs und Diskotheken, Reisewarnungen, Maskenpflicht – gerade junge Menschen haben es nicht leicht in einer Zeit, in der das Corona-Virus unser Leben bestimmt. Deshalb habe ich viel Verständnis für das Bedürfnis, wenigstens in heimischen Gefilden und im Freien gemeinsam mit Freunden das Leben zu genießen und zu feiern. Aber es gibt auch die andere Seite: Menschen, die nicht schlafen können, weil die Bässe, die aus den Boom-Boxen dröhnen, die Wände zum Erzittern bringen. Müll, der sich in Grünanlagen aufhäuft. Glasscherben und weggeworfene Spritzen, die kleine Kinder gefährden. Der Gestank von Urin, der auch am nächsten Tag noch den Aufenthalt in den städtischen Erholungsräumen vergällt. Und natürlich stets auch die Frage, ob bei all diesen Aktivitäten der Infektionsschutz überhaupt noch gewährleistet werden kann. All das muss die Stadt Regensburg gegeneinander abwägen. Und das haben wir getan!

Weil die bisher geltenden Regeln und die wiederholten Aktionen und Appelle im Rahmen von „Fair feiern“ an die jungen Menschen, die die Jahninsel und den Grieser Spitz vor allem an den Wochenenden für Partys nutzen, bislang keine Wirkung gezeitigt haben, haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen, die städtische Grünanlagensatzung zu ändern und zu verschärfen. Ein zunächst bis zum 31. Oktober 2021 befristetes Betretungsverbot der Jahninsel und des Grieser Spitzes von 23 bis 6 Uhr am darauffolgenden Tag, das von April bis Oktober gilt, sowie ein Verbot von elektrisch verstärkter Musik soll nicht nur die Anwohner schützen, sondern auch dazu beitragen, dass weniger Müll weggeworfen wird, der nur mit hohem Personalaufwand wieder entsorgt werden kann. Und ganz besonders wichtig ist uns der dadurch geleistete Beitrag zum Infektionsschutz, denn gerade in den Nachtstunden und unter Alkoholeinfluss werden Abstandsregelungen gerne und häufig missachtet.

Natürlich weiß ich, dass viele junge Menschen sich durch diese Regelungen in ihren Freiheiten beschnitten fühlen. Ich habe auch Verständnis dafür, dass sie dagegen aufbegehren. Viele werden sagen, aber wir haben doch nie gegen Auflagen verstoßen, wir haben unseren Müll mit nach Hause genommen, wir haben nicht laut herumgeschrien und keine laute Musik gemacht. Und wir haben auch nicht in Gärten gepinkelt oder Drogen konsumiert. Warum werden wir alle über einen Kamm geschoren und quasi in Sippenhaft genommen, nur weil wir jung sind?

Ich kann diesen Unmut gut verstehen. Solche Regelungen treffen mitunter die am härtesten, die sich stets um Ausgleich bemüht haben. Und auch wenn es schon etwas länger her ist: Ich war selbst einmal jung und habe mich gerne mit meinen Freunden getroffen. Und natürlich ist es dabei mitunter auch laut hergegangen. Aber ich muss auch um Verständnis dafür bitten, dass die Stadt nicht mehr länger zuschauen kann. Polizei und kommunaler Ordnungsservice können nur dann einschreiten, wenn sie einen entsprechenden offiziellen Handlungsrahmen haben, innerhalb dessen sie Verbote aussprechen können. Noch ist die Lage in Regensburg nicht eskaliert wie in vielen anderen Städten. Noch kam es nicht zu Gewaltexzessen und tätlichen Übergriffen. Aber so lange wollen und können wir nicht warten!

Ich richte meinen Appell an die jungen Menschen in Regensburg: Sie alle haben es jetzt in der Hand, zu verhindern, dass es weitere Verschärfungen geben wird. Bitte akzeptieren Sie die Auflagen. Zeigen Sie Vernunft und Verständnis und nehmen Sie Rücksicht auf Ihre Mitmenschen. Niemandem geht es darum, das soziale Leben der Jugend in unserer Stadt zu unterbinden. Aber man kann doch auch gemeinsam fröhlich sein und sich trotzdem an Regeln halten!

Ihr Ludwig Artinger

Im August 2020