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Es wird immer heißer: Kommunales Hitzemanagement soll Erleichterung schaffen

Aufgrund des Klimawandels steigen die Temperaturen. In Innenstädten wird die Hitze auch aufgrund von hoher Versiegelung und Bebauungsdichte zunehmend zum Problem. Die Stadt Regensburg hat im Rahmen eines Hitzemanagementprozesses zehn Schlüsselmaßnahmen erarbeitet.

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Wasser und somit auch die Brunnen haben eine kühlende Wirkung in der Innenstadt. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

28. Juli 2022

Stolze 36 Grad zeigt das Thermometer an. Für alle, die den Tag an einem schattigen Plätzchen beim Baden an der Donau verbringen können ist das das reinste Vergnügen. Doch was ist mit den Menschen, die arbeiten müssen, die in Dachgeschosswohnungen leben oder die Besorgungen in der Innenstadt erledigen müssen? Was ist mit älteren Menschen, denen die Hitze immer mehr zusetzt? Dass durch den Klimawandel die Hitze zunehmend zum Problem wird, weiß auch Katharina Schätz, Klimaresilienzmanagerin bei der Stadt Regensburg: „Der Klimawandel hat auch hier bei uns in Regensburg spürbare Auswirkungen in Form von steigenden Temperaturen. Vor allem in der Regensburger Innenstadt ist die sommerliche Hitze aufgrund der städtischen Strukturen besonders stark zu spüren.“

Dass sich die Innenstadt stärker aufheizt als das Umland liegt vor allem an der hohen Versiegelung und der Bebauungsdichte. Problematisch sind jedoch nicht nur die heißen Tage, sondern auch die tropischen Nächte. „Hitzewellen kommen immer häufiger vor und dauern immer länger an. Das belastet zunehmend die Lebensqualität und die Aufenthaltsqualität in der Stadt“, berichtet Katharina Schätz. Weil die extreme Hitze nicht nur eine Unannehmlichkeit ist, sondern erhebliche gesundheitliche Risiken für manche Bürgerinnen und Bürger sowie wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme mit sich bringt, muss dringend etwas getan werden.

Kommunales Hitzemanagement

Die zunehmenden Hitzerisiken veranlassen immer mehr Kommunen in Deutschland, Klimafolgenanpassungskonzepte und Maßnahmen zum Schutz gegen die Hitze zu entwickeln. So hat 2019 auch die Stadt Regensburg beschlossen, intensiv am kommunalen Hitzemanagement zu arbeiten. Dazu erfolgte ein politischer Beschluss zur Durchführung eines sogenannten Hitzemanagementprozesses. Daraufhin startete im Frühjahr 2021, mit Unterstützung des Beratungsbüros EPC gGmbH aus Berlin, ein partizipativer Hitzemanagementprozess mit dem Ziel, zehn Schlüsselmaßnahmen für Regensburg zu entwickeln und diese auf Grundlage eines dann folgenden politischen Beschlusses in die Umsetzung zu führen. Sowohl die Stadtverwaltung als auch Regensburger Vereine, Verbände und Initiativen wirken am Beteiligungsprozess mit. Um auch die Meinung der Bürgerinnen und Bürger mit einzubeziehen, wurde im Mai 2021 außerdem eine Online-Umfrage durchgeführt, an der rund 1.600 Personen teilnahmen.

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Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Umfrage wünschen sich unter anderem mehr Trinkbrunnen in der Stadt. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Ergebnisse der Online-Umfrage

Im Rahmen der Online-Umfrage wurden die Teilnehmenden unter anderem zur Aufenthalts- und Lebensqualität in Regensburg unter dem Aspekt des Klimawandels befragt. Dabei kam heraus, dass über 80 Prozent der Befragten im Sommer eine körperliche Belastung durch die Hitze in der Stadt spüren und, dass 57 Prozent der Befragten die Aufenthaltsqualität auf öffentlichen Plätzen bei sommerlicher Hitze als eher belastend wahrnehmen. 63 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger meiden, wenn möglich, die Innenstadt bei hohen Temperaturen.

Die Teilnehmenden wurden außerdem gefragt, was zu einer wesentlichen Verbesserung beitragen würde. Dabei wurde deutlich, dass sich die Bürgerinnen und Bürger mehr Bäume, Grünbereiche, Sitzmöglichkeiten, Schattenbereiche, Bademöglichkeiten, Wasserflächen und Trinkbrunnen wünschen. Konkrete Vorschläge dabei waren insbesondere im Bereich der Stadtgestaltung beispielsweise mehr Dach- und Fassadenbegrünungen sowie mehr Verschattungselemente an Gebäuden. Auch die Entsiegelung von Parkplätzen und deren Ausstattung mit schattenspendenden Bäumen wurde genannt. Des Weiteren wird deutlich, dass die Bürgerinnen und Bürger Regensburgs bei Hitze am liebsten Orte am Wasser oder in Parks aufsuchen. Insbesondere der Stadtpark, der Dörnbergpark, der Herzogpark sowie der Villapark sind besonders beliebte Parks. Wird ein Aufenthaltsort am Wasser gewählt, sind beliebte Plätze häufig das Donauufer, der Grieser Spitz, die Jahninsel, sowie das Ufer am Regen oder die Wöhrd.

Doch die Bürgerinnen und Bürger möchten nicht nur Hitzeanpassungen im Bereich der Stadtgestaltung, sondern auch bei der individuellen Mobilität. Vielfach wird eine Verkehrsberuhigung im Stadtgebiet und der Ausbau des Radwegenetzes gewünscht. „Die Befragung der Bürgerinnen und Bürger war sehr aufschlussreich und hilfreich bei der Entwicklung der Schlüsselmaßnahmen. Ein paar Bäume zu pflanzen wird alleine aber nicht den gewünschten Effekt bringen. Wir müssen weiterdenken und insgesamt zukunftsorientiert handeln“, erklärt Katharina Schätz.

Schlüsselmaßnahmen – langfristig und zukunftsorientiert

Unter anderem auf der Basis der Online-Bürgerumfrage, von Fachgesprächen, Workshops, Politikfachaustausch und den Inhalten aus verfügbaren Studien gingen aus dem Beteiligungsprozess zehn Schlüsselmaßnahmen hervor. Eine dieser Maßnahmen ist zum Beispiel die Erstellung eines Hitzeaktionsplans für die Stadt und den Landkreis Regensburg. Dabei stellt das Klimaresilienzmanagement der Stadt Regensburg in enger Abstimmung mit dem Landkreis Regensburg (Gesundheitsamt), der Feuerwehr und den Rettungsdiensten einen Hitzeaktionsplan auf. Dieser Plan soll aus einem umfassendes Informationsangebot und einem Hitze-Warnsystem für Akutsituationen bestehen. Er soll das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für den Risikofaktor Hitze schärfen. Das Hitze-Warnsystem für Akutsituationen soll, gestaffelt nach Warnstufen, konkrete Verhaltensweisen für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Prozessabläufe für die Verwaltung und das Rettungswesen beinhalten. In der Online-Karte können zum Beispiel auch Orte mit kostenfreiem Trinkwasser oder nachhaltig klimatisierte Gebäude sowie beschattete Fahrrad- oder Gehwege dargestellt werden.

Eine weitere Maßnahme stellt die Errichtung von Trinkbrunnen und Wasserspendern im öffentlichen Raum dar. Zur Versorgung der Regensburger Bevölkerung und Touristen mit Trinkwasser sollen Trinkbrunnen und Wasserspender an besonders gut besuchten Orten errichtet werden. Aktuell betreibt die Stadt Regensburg zwei Trinkbrunnen – einen am St.-Kassians-Platz und einen in Kumpfmühl. Zwei weitere Brunnen sind am Schwanen- und Bismarckplatz geplant. Die Einrichtung öffentlicher Trinkwasserstellen sollte dabei langfristig in der Stadtplanung berücksichtigt werden. Bei Planung und Bau neuer Wohngebiete sowie im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen sollte die Errichtung von Trinkwasserspendern künftig mitgedacht werden. Des Weiteren soll auch die Etablierung von Trinkwasserpatenschaften mit der lokalen Gastronomie angestoßen werden. Hierzu sollen Kontakte mit Gastronominnen und Gastronomen aufgenommen und so die Möglichkeit geschaffen werden, Trinkwasser kostenfrei an Gäste abzugeben. Sowohl die Standorte der Trinkwasserspender als auch die Verortung von Gaststätten mit kostenlosem Trinkwasserangebot sollen in einer Online-Karte verzeichnet und in den Hitzeaktionsplan mit einbezogen werden.

Als weitere Schlüsselmaßnahme soll ein Leitfaden zum Hitzeschutz für vulnerable Einrichtungen und ihre Bewohnerinnen und Bewohner erarbeitet werden. Die Gebäude sozialer Einrichtungen sind zentrale Elemente für den Schutz dieser vulnerablen Gruppen vor extremer Hitze. Daher sind Anpassungen in und am Gebäude besonders wichtig – einerseits für den gesundheitlichen Schutz und andererseits für die Erhöhung der Lebensqualität. Hierzu zählen beispielsweise Verschattungselemente, bauliche Maßnahmen wie Fassaden- und Dachbegrünungen, die Wahl von Oberflächenfarben und -materialien, aber auch Grünelemente um das Gebäude herum sowie Kühlsysteme für den Innenraum.

Zu Beginn sollte eine Übersicht mit allen potenziellen Möglichkeiten im baulichen und prozessualen Bereich, die in den Leitfaden integriert werden könnten, erstellt werden. Nachfolgend sollte der Leitfaden in ein ansprechendes und gut strukturiertes Format überführt und den entsprechenden Akteurinnen und Akteuren zur Verfügung gestellt werden. Sozialen Einrichtungen wird mit dem Leitfaden die Möglichkeit zu einer stärkeren Berücksichtigung der Klimafolgenanpassung in ihrem Alltag sowie ihren Investitionen geben. Durch die Umsetzung der Maßnahmen können die Einrichtungen die vulnerablen Gruppen besser schützen.

Um die Akzeptanz und die Umsetzungsbereitschaft für klimarelevante Maßnahmen rund um Gebäude wie zum Beispiel Dach- und Fassadenbegrünungen zu erhöhen, soll als weitere Schlüsselmaßnahme eine Informations- und Beratungskampagne durchgeführt werden. Die Kampagne soll sich dabei vor allem an lokale Unternehmen, Privateigentümerinnen und -eigentümer oder Wohnungsbaugesellschaften richten. In der Beratung sollten Maßnahmen wie Baumaterialien, Oberflächenfarben, Verschattungselemente oder baulicher Überflutungsschutz thematisiert werden. Schwerpunktthemen sollen dabei aber Dach- und Fassadenbegrünungen sein, um so einen höheren Anteil klimaentlastender Begrünungen an Gebäuden und auf versiegelten Flächen in Regensburg erreichen zu können. Verwaltungsintern sollten darüber hinaus bei städtischen Bauvorhaben oder Sanierungsmaßnahmen klimaanpassungsrelevante Begrünungen im Sinne einer Vorbildfunktion geplant und umgesetzt werden.

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Bei hohen Temperaturen sollte man sich so oft wie möglich im Schatten aufhalten. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Verhaltenstipps bei Hitze

Die Ergebnisse des Hitzemanagementprozesses inklusive der zehn Schlüsselmaßnahmen wurden am 21. Juli 2022 in der Sitzung des Ausschusses für Umweltfragen, Natur- und Klimaschutz vorgestellt. Die Umsetzung der Schlüsselmaßnahmen wurde beschlossen. „Die aus dem Beteiligungsprozess entstandenen Maßnahmen sind wichtige Bausteine, um die Stadt Regensburg im Bereich des Hitzeschutzes in die Klimaresilienz zu führen“, ist sich Katharina Schätz sicher.

Unabhängig davon, kann aber auch jeder einzelne etwas tun, um die Hitzebelastung für den eigenen Körper zu verringern. Katharina Schätz weiß, was man bei Hitze tun sollte: „Bei hohen Temperaturen ist es wichtig, viel zu trinken. Man sollte sich so oft wie möglich im Schatten aufhalten oder kühle Orte aufsuchen. Sporteinheiten und Besorgungen sollte man eher auf die kühlen Abendstunden verschieben.“ Außerdem empfiehlt Katharina Schätz, auf weite, leichte und helle Kleidung zurückzugreifen und sich mit einer Kopfbedeckung zu schützen. Auch richtiges Lüften kann für Entlastung sorgen. Am besten lüftet man früh morgens. Damit es bei steigenden Temperaturen in der Wohnung angenehm kühl bleibt, sollte man die Fenster nach dem Lüften schließen und abdunkeln.

Text: Verena Bengler