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Häufiger Starkregen als Folge des Klimawandels: Überflutungen sind eine Gefahr für Gebäude und Menschen

Starkregen kommt zunehmend auch in Regensburg vor. Klimaresilienzmanagerin Katharina Schätz klärt über die wichtigsten Fakten zum Thema Starkregen auf und verrät, wie man sich am besten vor den Folgen und Gefahren schützen kann.

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Katharina Schätz von der Stabstelle Klimaresilienzmanagement weiß, wie man sich am besten vor Starkregen schützen kann. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

25. November 2021

Klimawandel und damit einhergehende extreme Wetterereignisse wie zum Beispiel Starkregen sind weltweit ein Problem – so auch in Regensburg. Weil auch in der Domstadt Starkregenereignisse immer häufiger vorkommen, hat die Stadt Regensburg den Leitfaden „Wassersensibel planen und bauen in Regensburg“ für Hauseigentümer, Bauwillige und Architekten herausgebracht. Katharina Schätz von der Stabstelle Klimaresilienzmanagement war maßgeblich an diesem Leitfaden beteiligt. Im Interview klärt sie über die wichtigsten Fakten zum Thema Starkregen auf und verrät, wie man sich am besten vor den Folgen und Gefahren schützen kann.

Was ist der Unterschied zwischen Regen und Starkregen?

Es gibt verschiedene Definitionen, zum Beispiel ab welcher Wassermenge Regen als Starkregen zu bezeichnen ist. Das Problem dabei ist aber, dass nur sehr selten zufällig Messstationen vor Ort sind, wenn ein solches Wetterereignis auftritt. Da Starkregenereignisse sehr spontan auftreten und oft nur wenige Minuten dauern, ist das Messen fast unmöglich. Wichtig ist, dass man von Starkregen spricht, wenn in kurzer Zeit außergewöhnlich große Niederschlagsmengen auftreten. Bei Starkregen kann es passieren, dass innerhalb weniger Minuten oder Stunden die durchschnittliche Niederschlagsmenge eines ganzen Monats vom Himmel kommt. So ein Phänomen kann ganz plötzlich und nur punktuell auftreten. Wo genau, ist nicht vorhersagbar. In einem Stadtteil kann es also komplett trocken bleiben und nur einen Kilometer weiter können bereits Straßen unter Wasser stehen.

Sind Starkregenereignisse eine Auswirkung des Klimawandels?

Starkregen gibt es eigentlich schon immer. Durch den globalen Klimawandel beziehungsweise durch höhere Temperaturen und Hitze im Sommer kommt es aber immer häufiger zu Starkregen. Vereinfacht kann man sagen: Je heißer es ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Starkregenereignisse vorkommen. Mit steigenden Temperaturen, gerade an heißen Sommertagen, kann mehr Wasserdampf in der Atmosphäre aufgenommen und gehalten werden. Dieser kondensiert in einer Gewitterwolke manchmal schlagartig und tritt dann als heftiger Regenguss über Gebieten auf. Wir müssen also leider davon ausgehen, dass es in Zukunft auch in Regensburg immer häufiger zu außergewöhnlich starken Wolkenbrüchen kommen wird. Wenn Starkregenereignisse zunehmen, bedeutet das aber nicht, dass es, bezogen auf die Wassermenge pro Jahr, mehr regnet. Durch Starkregen kann man die gleiche Wassermenge Regen pro Jahr haben – nur leider anders verteilt. Dadurch werden die Sommer insgesamt trockener, wodurch aber einzelne Starkregen lokal deutlich ergiebiger ausfallen und häufiger zu Überflutungen führen können als früher – mit entsprechenden Gefahren für Personen und Gebäude. Es ist also ein bekanntes Thema, das aber immer mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt und auch rücken muss.

Sie haben gerade die Gefahren angesprochen, die mit Starkregen einhergehen. Welche Gefahren können das sein?

Es hängt natürlich immer von der Intensität und der Dauer ab, aber Starkregen kann zu Überflutungen führen – und zwar nicht nur in Flussnähe, sondern überall im Stadtgebiet wie zum Beispiel auf Straßen, Plätzen oder Grundstücksflächen. Die unterirdische Ableitung des Niederschlagswassers über die Abwasserkanäle ist meist nur bei häufigen, normalen Regenereignissen möglich und sinnvoll. Bei den Starkregenereignissen ist die Leistungsfähigkeit des Kanalsystems erreicht, der Abfluss findet dann entsprechend an der Oberfläche statt. Das kann dazu führen, dass die Wassermengen über tieferliegende Gebäudeöffnungen wie zum Beispiel Lichtschächte, in Gebäude eintreten. Solche Gebäudeöffnungen sollten entsprechend gegen Wassereintritt gesichert werden. Außerdem können starke Regenfälle in ungesicherten Kellern zu Überschwemmungen durch Rückstau aus der Kanalisation führen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die privaten Abwasserleitungen auf dem Grundstück eine Rückstausicherung haben. Nicht zuletzt kann es nach Starkregen durch angestautes Wasser im Boden auch zu Vernässungen der Gebäudehülle kommen. Anhand dieser Beispiele kann man deutlich sehen, dass Starkregen also nicht nur eine Gefahr für Häuser, sondern durchaus auch für Menschen darstellen kann.

Gibt es Orte oder Bereiche, die von Starkregen stärker betroffen und gefährdet sind als andere?

Die mögliche Betroffenheit oder Gefährdung hängt von vielen Randbedingungen ab, jedoch spielt die Lage der Gebäude und das umgebende Gelände eine große Rolle. Das Wasser fließt oberflächlich immer zum tiefsten Punkt und es fließt auf steilen und engen Strecken schneller als bei flachem, weitem Gelände. Deshalb sollte man sich genau anschauen, wo an der Oberfläche Wasser zufließen kann, und wo es sich gegebenenfalls an tiefer liegenden Stellen sammeln kann. Diese Bereiche sind dann besonders gefährdet. 

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Die Klimaresilienzmanagerin war maßgeblich am Leitfaden „Wassersensibel planen und bauen in Regensburg“ beteiligt. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Was tut die Stadtverwaltung, um Gebäude, aber auch die Regensburgerinnen und Regensburger vor Starkregen beziehungsweise Überflutungen zu schützen?

Die Stadt Regensburg beschäftigt sich bereits seit 2019 mit Starkregenmanagement. Seit einigen Jahren ergreift die Stadt präventive Maßnahmen, die verhindern sollen, dass Überflutungen überhaupt erst entstehen können. Solche präventiven Maßnahmen können zum Beispiel die Begrünung von Gebäuden, die Entsiegelung befestigter Flächen und das Anlegen von Zisternen sowie dezentralen Versickerungsflächen sein. Wenn es dann doch zur Überflutung kommt, kann im Akutfall nur noch der Katastrophenschutz helfen. Darüber hinaus tut die Stadt einiges, um die Bürgerinnen und Bürger mit Informationen zum Thema zu versorgen. Erst vor wenigen Monaten wurde die Broschüre „Wassersensibel planen und bauen in Regensburg“ veröffentlicht. Die Broschüre ist ein Leitfaden zur Starkregenvorsorge für Hauseigentümer, Bauwillige und Architekten. Sie beinhaltet Tipps, um sein Haus wirkungsvoll vor Starkregen und Überflutung zu schützen. Besonders hilfreich könnte auch die enthaltene Checkliste sein. Durch die Checkliste kann man schnell herausfinden, in welchen Bereichen man besser nachrüsten sollte. Außerdem bereitet die Stadtverwaltung die Erstellung einer „Starkregengefahrenkarte“ vor. Dort sollen alle gefährdeten Bereiche gezeigt werden. In diesen Bereichen könnte die Stadt dann vermehrt aktiv werden und auch die Bürgerinnen und Bürger entsprechend informieren und vorbereiten. So könnte man zum Beispiel auch bei Neubauten in diesen Bereichen von Vornherein ganz anders planen.

Was können die Bürgerinnen und Bürger selbst tun, um sich und ihre Häuser zu schützen?

Sie können zum Beispiel auf eine möglichst geringe Versiegelung achten, so dass möglichst viel Wasser auf dem Grundstück versickern kann. Auch Dachbegrünungen als sogenannte „blaue Dächer“ halten Regenwasser zurück. Durch Zisternen kann Regenwasser gesammelt werden und steht dann zur Bewässerung im Garten zur Verfügung. Sämtliche Gebäudeöffnungen sollten so geschützt sein, dass Starkregen nicht in das Gebäude eindringen kann. Auch sollten Ihre Maßnahmen keine Nachbargrundstücke beeinträchtigen. Ich kann den Bürgerinnen und Bürgern wirklich unseren Leitfaden „Wassersensibel planen und bauen in Regensburg“ ans Herz legen. Mit dieser Orientierungshilfe können sie nötige präventive Maßnahmen umsetzen. Besonders zu empfehlen sind die Checklisten im Anhang, mit welchen Sie den Schutz Ihres Grundstückes und Gebäudes einschätzen und verbessern können. Auch möchte ich auf die Notruf- und Servicenummern sowie die Verhaltenshinweise im Starkregenfall hinweisen. Präventive Maßnahmen sind besonders wichtig, denn wenn der Starkregen plötzlich kommt, helfen leider nur noch Sandsäcke.

Text und Interview: Verena Bengler