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„Das hat sehr gut funktioniert“

Seit Anfang September 2020 betreibt die Stadt Regensburg auf einem Teil des Dultplatzes ein Corona-Testzentrum. Dort können sich Bürgerinnen und Bürger kostenlos testen lassen, das Ergebnis liegt in aller Regel schon am nächsten Tag vor. Ein Blick hinter die Kulissen.

Testzentrum Dultplatz - Schutzvisiere

26. November 2020

An diesem grauen Novembertag, es ist um die Mittagszeit, hält sich der Andrang in Grenzen. Etwa 20 Bürgerinnen und Bürger – Paare mit ihren Kindern, junge Leute und einige Ältere – lassen sich von ehrenamtlichen Helfern der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft und des Malteser Hilfsdienstes erklären, wie das Testen funktioniert: Am Smartphone die Lesefunktion für QR-Codes einschalten, auf einer großen Infotafel gleich am Eingang den Code scannen, dann auf einem zurückgeschickten elektronischen Formular die persönlichen Daten samt E-Mail-Adresse eingeben. Auf dem Handy-Bildschirm erscheint gleich eine Nachricht mit einem Strichcode, der ein paar Meter weiter von Beschäftigten der Stadtverwaltung in ein spezielles Computersystem eingelesen wird. Auch Bürgerinnen und Bürger ohne schlaues Telefon können sich testen lassen: Ihre persönlichen Daten werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt per Hand in den Computer eingegeben. Notwendig ist auch in diesem Fall eine persönliche E-Mail-Adresse.

Im vorletzten Schritt erhält man sein Teströhrchen, das mithilfe eines QR-Codes der zu testenden Person zugeordnet wird – und schon steht man in einer der vier voneinander abgetrennten Kabinen und lässt sich den Abstrich nehmen. Das erledigen Bundeswehr-Soldatinnen und Soldaten in Schutzkleidung. Alles zusammen dauert, zumindest an diesem Mittag, gerade mal ein paar Minuten – kein Vergleich zu dem großen Andrang und den langen Wartezeiten, die Bernhard Würsch am Testzentrum auch schon erlebt hat.

1.349 Abstriche an nur einem Tag

Am 2. November, dem Beginn dessen, was „Teil-Lockdown“ genannt wird, „haben wir hier 1.349 Abstriche genommen“, berichtet Würsch, der bei der Regensburger Berufsfeuerwehr die Abteilung für Zivil- und Katastrophenschutz und nun seit September auch das Testzentrum am Dultplatz leitet. Die langen Reihen der Wartenden reichten an jenem 2. Novembertag bis auf die Oberpfalzbrücke und in entgegengesetzter Richtung bis zur Polizei-Inspektion am Protzenweiher. An diesem Tag wurden die bislang meisten Abstriche genommen, viele Wochen zuvor waren es täglich stets einige hundert gewesen, mit allmählich steigender Tendenz. An einigen Tagen musste das Testzentrum vorzeitig schließen, weil die damalige Höchstzahl von 500 Abstrichen pro Tag erreicht war. Inzwischen kann das mit der Auswertung beauftragte Labor täglich deutlich mehr Tests bearbeiten – und das auch noch vergleichsweise schnell.

Der Freistaat Bayern, so erzählt Würsch, „hat mit dem Unternehmen, das dieses Labor im Landkreis München betreibt, einen Rahmenvertrag abgeschlossen. Die Kommunen haben sich daran beteiligen können, und das haben wir gemacht.“ Die im Testzentrum in Kühlschränken gelagerten Proben werden jeden Abend von einem Kurier ins Labor gefahren. Wer sich einen Abstrich hat nehmen lassen, wird in aller Regel am nächsten Tag per E-Mail über das Ergebnis verständigt, manchmal schon mitten in der Nacht, spätestens jedoch nach 48 Stunden. Die Nachricht kann nur mit einem Passwort geöffnet werden, das in einer weiteren Mail verschickt wird. „Im Fall eines positiven Testergebnisses“, so wird den Empfängern mitgeteilt, „wird sich zusätzlich ein zuständiges Gesundheitsamt bei Ihnen melden.“

Im Testzentrum auf dem Dultplatz sollen sich nur Einwohner der Stadt Regensburg einen Abstrich nehmen lassen, allerdings wird niemand nach seinem Wohnort gefragt. Die Stadt bittet alle Umlandbewohner, die Testmöglichkeiten in ihren Heimatlandkreisen zu nutzen, weil das Testzentrum der Stadt wegen des anhaltend großen Andrangs inzwischen auf personelle Engpässe stößt.

Testzentrum Dultplatz - Bernhard Würsch
Bernhard Würsch leitet das Testzentrum. © Rolf Thym

Geübt in der Bewältigung von Katastrophenfällen

Seit 42 Jahren ist Bernhard Würsch bei der Stadt Regensburg beschäftigt, 16 Jahre davon im Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Besondere Einsätze und Katastrophenfälle hat er schon einige erlebt: Hochwasser, Hilfseinsätze bei Schneekatastrophen in den bayerischen Bergregionen, den Einsatz beim Papstbesuch 2006 und die Unterstützung bei der provisorischen Unterbringung von Geflüchteten zwischen 2015 und 2016. Die Corona-Pandemie bildet allerdings den – ungebetenen – Höhepunkt in Bernhard Würschs beruflicher Karriere.

Als im Februar 2020 die ersten Meldungen von dem auch nach Europa gelangten neuen Virus namens Sars-Cov-2 in den Nachrichten auftauchten, ahnte Würsch: „Da könnte etwas Großes auf uns zukommen.“ Anfangs waren er und seine Kolleginnen und Kollegen damit beschäftigt, die mit einem Schlag rar gewordenen Desinfektionsmittel zu beschaffen: Die Regensburger Berufsfeuerwehr kaufte die nötigen Zutaten – Ethanol, Wasserstoffperoxid und Glycol –, dazu Flaschen von einem großen Hersteller von Getränkeabfüllanlagen und die dazu passenden Schraubverschlüsse von einem Getränkeproduzenten. Gemischt und abgefüllt wurde das Desinfektionsmittel von einer Firma in der Stadt und einer weiteren im Landkreis. Parallel dazu musste die Berufsfeuerwehr ebenfalls knapp gewordene Schutzausrüstung beschaffen, „was uns gut gelungen ist“, sagt Würsch.

Auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie hat – so berichtet Würsch – das eingespielte Katastrophenmanagement der Stadt „sehr gut funktioniert, auch dank der jetzt Beteiligten. Das ist keine One-Man-Show.“ Neben der Berufsfeuerwehr, die das Testzentrum am Dultplatz im Auftrag der Stadt betreibt, sind Soldatinnen und Soldaten eines Sanitäts-Lehrregiments der Bundeswehr sowie Ehrenamtliche des Malteser Hilfsdienstes und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft eingesetzt. Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerks haben für das Testzentrum, das insgesamt fast die Fläche eines Fußballplatzes umfasst, sechs Zelte aufgestellt. Die notwendigen Kosten für das Testzentrum, das vorerst bis Ende Dezember 2020 in Betrieb sein wird, trägt das Land Bayern.

Bis Mitte November wurden im Testzentrum der Stadt etwa 29.000 Abstriche genommen, wobei in einem kuriosen Fall ein Test verweigert wurde. Unerfüllt blieb der Wunsch einer Dame, die ihren Hund auf das Corona-Virus testen lassen wollte.

Text: Rolf Thym