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Ein Stück Regensburg im Louvre

Zum ersten Mal schmückt ein Werk aus dem Besitz der Stadt Regensburg den Louvre in Paris. Ab 1. Oktober 2020 wird im meistbesuchten Museum der Welt ein Rechtsbuch aus dem 16. Jahrhundert ausgestellt, das den bekannten Regensburger Renaissancemaler Albrecht Altdorfer zeigt.

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Die Miniatur von Hans Mielich gilt als das einzige Porträt Altdorfers, das zu seinen Lebzeiten entstanden ist. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

23. September 2020

Die Zeichnung Albrecht Altdorfers, angefertigt von dessen Schüler Hans Mielich, gilt als das einzige Bildnis Altdorfers zu seinen Lebzeiten. Nun wird es an prominenter Stelle im Louvre positioniert: Als erstes Stück der Sonderausstellung „Albrecht Altdorfer. Meister der deutschen Renaissance“ soll es den Besuchern unmittelbar nach dem Eintritt in die Schau präsentiert werden. So etwas gab es noch nie! Dementsprechend groß ist natürlich die Freude bei der Stadt Regensburg. „Ein Stück aus der historischen Überlieferung der Stadt Regensburg im Louvre, das ist natürlich etwas ganz Besonderes, auf das wir enorm stolz sind!“, freut sich der Kulturreferent der Stadt, Wolfgang Dersch. Lorenz Baibl, der Leiter des Stadtarchivs, hörte zum ersten Mal 2018 vom Louvre. Damals nahmen die Kuratorinnen der geplanten Ausstellung Kontakt zu ihm und zu Dr. Doris Gerstl vom Historischen Museum auf. „Wir haben den drei Ausstellungsleiterinnen im Sommer 2018 unsere Bestände rund um Altdorfer präsentiert“, erinnert sich die Leiterin des Hauses. Dort befinden sich einige Bilder des Künstlers selbst, der gesichert von 1505 bis 1538 in Regensburg gelebt und hier auch als Ratsherr und Stadtbaumeister gewirkt hat.

Nach Paris geschafft hat es jedoch das Mielich-Werk aus dem Stadtarchiv. Altdorfers Amt als Ratsherr ist es zu verdanken, dass dieses Abbild überhaupt existiert: Sein Schüler Hans Mielich fertige im Jahr 1536 die Miniatur einer Ratssitzung, an der auch Altdorfer teilnahm. Enthalten ist diese auf Seite zwei des so genannten „Freiheitenbuchs“ der Stadt Regensburg. Dieses Unikat hatte es den Louvre-Damen angetan. „Unsere Miniatur von Mielich gilt bis dato als das einzige bekannte Porträt von Albrecht Altdorfer, das mit Sicherheit zu seinen Lebzeiten angefertigt wurde. Nach jüngster Forschungsmeinung kann man ihn als dritten Ratsherrn auf der, vom Betrachter aus gesehenen linken Bank identifizieren“, sagt Lorenz Baibl mit stolzem Blick auf das wertvolle Stück. Ursprünglich sollte die Ausstellung im Louvre bereits im April starten, die Corona-Pandemie brachte die Planungen jedoch durcheinander. Deshalb machte sich das Freiheitenbuch mit dem Altdorfer-Porträt jetzt erst im Herbst auf den Weg nach Paris. „Das macht eine auf Kunsttransporte spezialisierte Spedition, die für unser Unikat eine eigene Klimabox anfertigt, damit das Ausstellungsstück den Transport in den Louvre auch unbeschadet übersteht“, erzählt der Archivleiter. Lorenz Baibl freut sich auf die Sternstunde seines Freiheitenbuchs. Aber am allergrößten wird seine Freude im Januar 2021 sein, wenn die Ausstellung gut gelaufen ist und das Buch wieder sicher in seine Hände zurückgekehrt ist.    

Albrecht Altdorfer: Künstler und Politiker aus Regensburg

Der deutsche Maler, Kupferstecher und Baumeister Albrecht Altdorfer (um 1480-1538) gilt als Hauptmeister der sogenannten Donauschule, an der Schwelle von der Gotik zur Renaissance. Zusammen mit Albrecht Dürer zählt er zu den Begründern der Künstlergruppe der Nürnberger Kleinmeister. Altdorfer entwickelte sich außerdem zu einem der frühen deutschen Landschaftsmaler.

Biografische Daten über sein Leben existieren nur wenige: Belegt ist sein Erhalt des Bürgerrechts in Regensburg am 13. März 1505. Gemeinsam mit seiner Frau Anna erwarb er 1513 ein Wohnhaus in der Bachgasse und ein Gartenhaus am westlichen Stadtrand. Schnell errang er hohes Ansehen und Vermögen. Seinen Ruhm verdankte er unter anderen den vielen Aufträgen, die er von Kaiser Maximilian I. bekam. 1526 wurde er in den Inneren Rat der Stadt Regensburg sowie zum Stadtbaumeister gewählt. Für einen Künstler ohne juristische Ausbildung stellt dies einen Ausnahmefall in jener Zeit dar. In seiner Funktion als Stadtbaumeister baute er die Stadtbefestigung aus, errichtete mehrere Lagerhäuser und erweiterte das Rathaus. 1528 wurde Altdorfer sogar zum Kammerer, also zum Bürgermeister, gewählt. Er nahm er diese Wahl aber nicht an, da er zeitgleich für den bayerischen Herzog die „Alexanderschlacht“ malte. Als Ratsherr war Albrecht Altdorfer jedoch auch an einem folgenschweren Ereignis der Stadtgeschichte beteiligt: So stimmte er 1519 für die Ausweisung der Juden aus Regensburg und ließ später mehrere Grabsteine des zerstörten jüdischen Friedhofs als ‚Trophäen‘ in neu erbaute öffentliche Gebäude einsetzen.

Text: Claudia Biermann und Lorenz Baibl