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Der Ziegetsdorfer Park: Lärmpuffer und Bewegungsparcours

Er schirmt das Wohngebiet KönigswiesenSüd vom Autobahnlärm ab und bietet den Menschen im Stadtsüden ein reichhaltiges Angebot an Sport- und Bewegungsmöglichkeiten – der Ziegetsdorfer Park.

Ziegetsdorfer Park - Aufmacher

25. Juli 2022

Auch wenn der Verkehrslärm der Westumgehung immer präsent bleibt, so mildert doch das üppige Grün mit seinem vielstimmigen Vogelkonzert die direkte Lage an einer der wichtigsten städtischen Verkehrsadern etwas ab. Die Grünspechtfamilie jedenfalls, die am Heckenrand eifrig nach Ameisenmaden sucht, lässt sich nicht davon beeindrucken, dass gleich nebenan Zwölftonner in Richtung Norden donnern. Und auch die vielen Hobbysportler, die schon morgens in den Park kommen, hier ihre Joggingrunden drehen oder den Fitnessparcours absolvieren, blenden den Krach einfach aus. Denn der Park hat so einiges zu bieten.

Auf einer Fläche von 4,77 Hektar erstreckt sich der im Jahr 1983 auf einem Steinbruch und Flächen des ehemaligen Guts Königswiesen angelegte Park auf unterschiedlichen Ebenen. Neben dem Parkeingang von der Ziegetsdorfer Straße aus liegt der Fußballplatz der Spielvereinigung Ziegetsdorf. Entlang der Bebauung des Wohngebietes Königswiesen Süd schwingt sich der Weg am sogenannten generationsübergreifenden Bewegungsparcours entlang, einer Art Fitnessstudio im Freien, das allen Benutzern zum Nulltarif und rund um die Uhr zur Verfügung steht. Seit 2012 kann man dort an unterschiedlichen Geräten nicht nur die Ausdauer trainieren, sondern ganz gezielt auch die Beweglichkeit der einzelnen Körperteile fördern und mit Power Push, Situps und Parallel Rails die Muskulatur stärken.

Ziegetsdorfer Park - Rutsche
Eine lange Rutsche windet sich den Hügel hinunter. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Sportmöglichkeiten für Alt und Jung

Jüngere Parkbesucherinnen und -besucher wählen den Weg, der oben am ehemaligen Steinbruch in Richtung Westen führt und gelangen so zu einer steilen gewundenen Edelstahlrutsche, auf der sie in atemberaubender Geschwindigkeit zu Tal gleiten können. Dort stoßen sie auf den Trimm-dich-Pfad und die Sommerstockbahn, die schon seit der Anfangszeit dem Park die sportliche Note verleihen und stets gut angenommen wurden.
Am Fuß des ehemaligen Steinbruchs lädt eine fast kreisrunde und gut gepflegte Rasenfläche zum Picknicken, Ballspielen oder zur Gymnastik ein. Diese Rasenfläche ist eine der Plattformen für die Aktion „Sport im Park“, die von der Stadt Regensburg in den Sommermonaten kostenlos für alle älteren Bürgerinnen und Bürger in unterschiedlichen Parks angeboten wird.

Hundefreilaufzone

Eine weitere Besonderheit im Park ist die Freilaufzone für Hunde, die 2015 probeweise eingeführt wurde. Sie hat sich bewährt und gehört deshalb seither dauerhaft zur Parkeinrichtung. Gartenamtsleiter Dietrich Kräschell und seine Mitarbeiter appellieren an die Hundehalterinnen und -halter, ihre Vierbeiner nur innerhalb dieser Zone von der Leine zu lassen und deren Hinterlassenschaften selbst zu entsorgen.

Mit seinem üppigen Grün und der Vielzahl an Bäumen und Hecken übernimmt der Ziegetsdorfer Park eine wichtige Abschirmfunktion zur Autobahn hin, die allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtviertels zugutekommt. Aber die wilden Kirsch- und Birnbäume, die unterschiedlichen Ahornarten, die Eschen, Hundsrosen, Alpenjohannisbeeren, der europäische Pfeifenstrauch, der häufig fälschlicherweise als Jasmin bezeichnet wird, Kornelkirschen und Haselsträucher sind auch ein Paradies für Vögel und alle Kleinlebewesen, die dort Schutz und einen reich gedeckten Tisch finden. Deshalb begleitet den Besucher das Gurren der Ringeltauben, das Hämmern des Spechts und der Gesang der Rotkehlchen bei seinem Rundgang.

Am nordöstlichen Ende passiert man ein kleines Biotop. Hangwasser, das sich in der Senke sammelt, hat hier einen schmalen Teich gebildet, an dessen Rand Blutweiderich, Schwertlilien, Schilfröhricht, Seggen und Mädesüß wachsen. Gleich danach kann man die Klenzestraße passieren und seinen Weg im Hegenauer Park fortsetzen.

Ziegetsdorfer Park - Christusdorn
Martialisch muten die Dornen des Christusdorns am Biotop an der Ziegetsdorfer Straße an. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Die Biotope an der Ziegetsdorfer Straße und am Königswiesener Weiher

Wer den Ziegetsdorfer Park in westlicher Richtung verlässt, der gelangt am Ende der Autobahnunterführung zu einem nach links abbiegenden Fußweg. Er führt zum Biotop an der Ziegetsdorfer Straße, einem kleinen Wäldchen, das sich seine Ursprünglichkeit bewahrt hat. Es grenzt an die Baumschule des Gartenamtes an und begrüßt den Besucher an einem heißen Sommertag mit schattiger Kühle, die die hohen und über 100 Jahre alten Eichen und Eschen spenden. Eine Besonderheit ist die etwa 20 Meter hohe Gleditschie mit ihren gefiederten Blättern. Ihre 15 bis 20 Zentimeter langen, martialisch aussehenden Dornen haben dem Baum auch den Namen Christusdorn eingebracht. Lederhülsenbaum, ein weiterer gebräuchlicher Name, wird er wegen der Form seiner Früchte genannt.

Der Weg, der sich durch das Dickicht windet, ist von weißen Gierschdolden und Holunder gesäumt. Totholz, das nicht entfernt wird, dient allerlei Nützlingen als Lebensraum und verstärkt den Urwaldcharakter des offiziell als „Geschützter Landschaftsbestandteil“ bezeichneten Biotops.

Diese Bezeichnung trägt auch das Wäldchen, das den Königswiesener Weiher umgibt. Ein Fußweg führt am Kinderhaus Dr.-Gessler-Straße vorbei. Zunächst passiert man zwei mächtige Stieleichen, deren Stammumfang vier bis fünf Meter beträgt, dann taucht man ein in die märchenhafte Atmosphäre des Biotops, in dessen Mitte der kleine Waldweiher wie ein dunkles mystisches Auge leuchtet. Der süße Duft des falschen Jasmins vermischt sich mit dem modrigen Geruch der mächtigen Baumstämme, der Straßenlärm wird immer mehr vom Summen der Insekten und dem Zwitschern der Vögel verdrängt.

Nichts zeugt heute mehr von dem tragischen Ereignis, das im Jahr 1984 den Königswiesener Weiher in die Schlagzeilen brachte. Damals hatte ein psychisch gestörter 15-Jähriger einen siebenjährigen Jungen zunächst bedrängt, dann bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und später in diesem Teich ertränkt.

Text: Dagmar Obermeier-Kundel