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Der Herzogspark: Dreiklang aus Stadtgeschichte, Baudenkmälern und Vegetation

Wegen der geschützten Lage im ehemaligen Stadtgraben aus dem 13. Jahrhundert trifft man hier schon früh im Jahr die ersten Frühblüher an: Krokusse und Schneerosen recken ihre Köpfchen dem Licht entgegen und auf mancher Parkbank kann man schon im Februar die ersten warmen Sonnenstrahlen tanken.

Herzogspark - Beete

7. März 2022

„Dieser Park ist ein wahres Kleinod“, schwärmt Gartenamtsleiter Dietrich Krätschell. Gerade wegen seiner ruhigen kontemplativen Atmosphäre erfreue sich der Herzogspark größter Beliebtheit bei Menschen, die sich entspannen möchten. Nicht zuletzt deshalb, aber auch wegen der vielen seltenen und schützenswerten Pflanzen, auf die eine detaillierte Beschilderung hinweist, dürfen Hunde den Park nicht betreten und auch das Ballspielen ist in den Anlagen untersagt.

Herzogspark - Dietrich Krätschell
Gartenamtsleiter Dietrich Krätschell weist auf die Löcher hin, die der Specht bei seiner Nahrungssuche hinterlassen hat. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Mediterraneum und Alpinum

Wer aber ungestört ein paar Mußestunden verbringen möchte, der ist im Herzogspark an der richtigen Adresse. Er kann sich hier nicht nur erholen, sondern auch viele botanische Raritäten entdecken, vor allem im Frühling dem Vogelkonzert lauschen oder vom Söller an der Herzogmauer beim Rosengarten den fantastischen Blick über die Donau zur Altstadt genießen.

Gleich beim Eingang an der Prebrunnstraße empfängt den Besucher zur rechten Hand das Mediterraneum, ein südländischer Gartenstreifen, der die Vegetation des Mittelmeerraumes abbildet. Ob spanische Tanne, Schopflavendel, florentinische Iris, Palmlilie oder Steineiche – hier wachsen und gedeihen Pflanzen, die bei uns eigentlich wegen des rauen Klimas nicht beheimatet sind. Besonders frostempfindliche Pflanzen wie Zitrusbäumchen oder Nachtschattengewächse werden im Gartenamt überwintert und erst nach den Eisheiligen Mitte Mai in die Rabatte eingefügt.

Ein paar Schritte weiter stößt man auf das Alpinum, einen naturnahen Alpengarten, in dem sich beispielsweise Strauß-Glockenblumen, Silber-Storchschnabel, Felsennelke, Schwalbenwurz-Enzian oder Alpenheckenrose heimisch fühlen.

Naturdenkmal mit ökologischer und historischer Bedeutung

„Dieser Park wird so intensiv wie kaum eine andere Gartenanlage gepflegt“, erklärt Krätschell. Hier können die städtischen Gärtner die ganze Palette ihres Könnens präsentieren – eine Vielfalt, die sich vor allem im Detail zeigt und vor dem Ambiente des Parks, einem Dreiklang aus Stadtgeschichte, Baudenkmälern und Vegetation besonders gut zur Geltung kommt. Wegen seiner Bedeutung für das Ortsbild, den Naturhaushalt und aufgrund seiner ökologischen sowie geschichtlichen Bedeutung ist der Herzogspark auch bereits seit 1958 als Naturdenkmal unter Schutz gestellt.

Auf der Westseite des Parks, im Schatten unterhalb der Stadtmauer gelegen, gedeihen im Moorbeet unzählige Variationen von Hortensien und Rhododendren, die die Besucher während der Blütezeit in einen wahren Farbenrausch versetzen. Dazwischen bilden die hellgrünen Blütentrauben der Scheinhasel und im Herbst die dunkelblauen Schoten des Blauschotenstrauchs attraktive Kontraste.

Wer sich die Zeit nimmt, der kann gerade in den Morgenstunden einem vielstimmigen Vogelkonzert lauschen. Amseln, Finken, Schwanz-, Blau- und Kohlmeisen, aber auch Rotkehlchen und Drosseln bevölkern den Herzogspark. Flink huscht ein Kleiber am Stamm einer Platane bis zur Baumkrone hoch und in den Stamm des Götterbaums unten an der Stadtmauer hat der Buntspecht auf der Suche nach Nahrung einige tiefe Löcher geklopft.

Herzogspark - Bronzefigur Julchen
Diese Bronzeskulptur zeigt Julchen, die im Alter von 18 Jahren verstorbene Tochter des Inhabers der Bleistiftfabrik Rehbach und Stender. Sie hatte sich zu Lebzeiten gerne in der Gartenanlage des Württembergischen Palais aufgehalten. Als 1979 das Grabmal aufgelassen wurde, wurde die Skulptur vom Evangelischen Zentralfriedhof in den Herzogspark transferiert. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Rosen- und Renaissancegarten

Der Weg führt an der Bronzeskulptur von Julchen Stender vorbei zu einer amerikanischen Papierbirke, einer weiteren botanischen Rarität, die wegen ihrer weit auskragenden Äste entfernt an ein Mammut erinnert und deren Borke wie Papier wirkt. Von dort sind es nur ein paar Stufen zum Rosengarten. Dort blühen von Mai bis November unzählige Edelrosen, die nicht nur mit ihrem Duft, sondern auch mit ihren pompösen Namen wie „Aachener Dom“, „Duftrausch“, „Kupferkönigin“, „Love Symphonie“ oder „Golden Medaillon“ den Betrachter faszinieren.

Der sogenannte Renaissancegarten schließt sich direkt an die Nordwest-Seite des Naturkundemuseums an. Sein Name geht auf den Fund des achteckigen Brunnens aus einem Sandstein-Monolithen im Jahr 1982 zurück. Er stammt aus dem Jahr 1599 und trägt Motive aus der Botanik, der Astronomie und der Heraldik. Um ihn herum war eine buchsbaumgesäumte Pflanzung nach Art toskanischer Villengärten angelegt worden. Er wird im Osten von zwei knorrigen Säuleneichen gesäumt, einer weiteren dendrologischen Besonderheit des Parks, an die sich der Quellgarten mit Quellsteinen und Vogeltränken sowie der sogenannte Paradiesgarten mit einem Feigenbaum und verschiedenen mediterranen Kübelpflanzen anschließt.

Steinkundlicher Lehrpfad

Ein Lehrpfad mit steinkundlichen Exponaten des Naturkundemuseums führt hinauf zum Turm, dem sogenannten Prebrunntor aus dem Jahr 1293, durch das einst Ritter, Rösser und Wagen von Regensburg über den Brunnweg (heute: Clermont-Ferrand-Allee) zur Donau zogen, dort mit der Prüfeninger Fähre übersetzten und sich schließlich auf den Weg in Richtung Nürnberg machten. Der sanierte Turm ist heute bis zur halben Höhe in die Basteianlage integriert, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde und heute zu einem nicht unerheblichen Teil als romantische Kulisse des Parks fungiert.

Der in den 1950er-Jahren angelegte und 2010 erneuerte Teich überrascht beim ersten Besuch aufgrund seiner Lage am höchsten Punkt im Park. Doch wer eine kurze Weile innehält, der wird feststellen, dass eine besondere Stimmung von der Wasserfläche ausgeht, in der sich der Himmel und die umliegenden Bäume spiegeln.

Württembergisches Palais und Herzogspark

Den Grundstock zum heutigen Herzogspark legte im Jahr 1804 der Fürstlich Thurn und Taxissche Geheime Rat Friedrich Ritter von Müller, der drei Anwesen zwischen der Prebrunnstraße und der Hundsumkehr mit dem Gelände der ehemaligen Stadtbefestigung vereinte und dort nach Plänen des fürstprimatischen Hofarchitekten Emanuel d’Herigoyen ein Palais im klassizistischen Stil errichten und das umliegende Gelände zu einer Gartenanlage umgestalten ließ. Nach seinem Tod residierte dort Prinzessin Marie Sophie, die Schwester des Fürsten Karl Alexander, die Herzog Paul von Württemberg geheiratet hatte. Seitdem ist die Bezeichnung „Württembergisches Palais“ für das Gebäude gebräuchlich, in dem heute das Naturkundemuseum untergebracht ist.

1935 erwarb die Stadt Regensburg die Parkanlage, die in etwa 1,5 Hektar umfasst.  Der wesentliche Ausbau erfolgte in den Jahren 1950 bis 1952 durch den damaligen Stadtgartendirektor Rudolf Hehr.

Text: Dagmar Obermeier-Kundel