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Brandschutz ist kinderleicht!

„Was Hänschen nicht lernt…“ – Jeder kennt diese Redensart. Sie gilt für alle Lebensbereiche, ganz besonders aber für den Umgang mit Feuer und Rauch. Bereits die Jüngsten dafür zu sensibilisieren, ist die Aufgabe von Markus Weinbeck, der im Amt für Brand- und Katastrophenschutz zuständig ist für die Brandschutzerziehung in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen.

Brandschutzerziehung - Markus Weinbeck im Kindergarten
Markus Weinbeck bei der Brandschutzerziehung im Kindergarten © Bilddokumentation Stadt Regensburg

20. Juli 2022

Jede Woche absolviert der 48-Jährige mehrere Termine in Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen. Was er dabei den Kindern nahebringt, hängt ab vom Alter. Die Allerkleinsten dürfen stolz im Feuerwehrauto herumklettern, die Ausrüstung befingern und Weinbeck in voller Montur bewundern. Auch Fotos in Feuerwehrausrüstung werden geschossen und kommen in einen eigenen Ordner. Wichtig ist das, um die Scheu zu nehmen. „Die Kinder müssen im wahrsten Sinn des Wortes begreifen, dass sie sich nicht fürchten müssen, wenn die Feuerwehr anrückt“, sagt er und weist darauf hin, dass sich Kinder aus Angst vor den Gestalten in bedrohlich wirkender Schutzbekleidung verstecken und im Notfall nicht gefunden und gerettet werden können.

Brandschutzerziehung - Krabbeln am Boden
Luft zum Atmen findet man im Brandfall am ehesten noch in Bodennähe. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Erst Notruf absetzen, dann warten

Den etwas Älteren – die Brandschutzerziehung steht im Lehrplan der dritten Klassen –  vermittelt Weinbeck dann auch, wie man einen Notruf bei der Integrierten Leitstelle absetzt. Dabei spielen die fünf magischen „W“ eine große Rolle. Wer ruft an? – Was ist passiert? – Wo ist es geschehen? – Wie viele Personen sind betroffen? All diese Fragen sollten beantwortet werden. Noch viel wichtiger aber sei das fünfte W, das für Warten nach dem Notruf steht, um Rückfragen zu ermöglichen. Weinbeck erklärt den Kindern dann, dass die Integrierte Leitstelle, die sie mit der Notrufnummer 112 erreichen, für Stadt und Landkreis Regensburg sowie die Landkreise Cham und Neumarkt zuständig ist. Wer dann nur durchgibt, dass es beispielsweise in der Schlossstraße oder im Hochweg brennt, der erschwert eine zügige Hilfe enorm. Denn Schlossstraßen oder Hochwege kann es in verschiedenen Orten geben, und abhängig davon, um welche Gebäude es sich handelt oder wie viele Personen möglicherweise in Gefahr sind, müssen unterschiedlich starke Einheiten der Feuerwehr ausrücken oder auch zusätzlich Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr alarmiert werden. „Das fünfte W sollte übrigens nicht nur Kindern in Fleisch und Blut übergehen, sondern auch den Erwachsenen“, unterstreicht Weinbeck: „Nach dem Notruf auf keinen Fall auflegen, dann kann der Kollege oder die Kollegin in der Leitstelle noch Informationen abfragen, die über Leben oder Tod entscheiden können.“

Wichtig ist auch das Verhalten im Brandfall. Rauch ist gefährlicher als Feuer, Luft zum Atmen findet man, wenn es brennt, eher in Bodennähe, auch Metall kann brennen – solche Erkenntnisse, möglicherweise auch durch Beispiele unterstrichen, prägen sich ins Gedächtnis ein und bleiben ein Leben lang in Erinnerung.

Experimente helfen, Gefahren richtig einzuschätzen

So gibt es in den Schulen immer auch Experimentalunterricht, in dem Weinbeck eine Deodose zu einem Flammenwerfer werden lässt oder beweist, dass fünf gebündelte Wunderkerzen, die sogenannten Sterndlwerfer, auch noch unter Wasser brennen und bei Zugabe von etwas Spülmittel sogar die Schaumblasen entzünden. Er zeigt auch, wie schnell Haare Feuer fangen oder wie Kunstfasern unter Hitzeeinwirkung schmelzen können. „Auf diese Weise weckt man die Neugier der Kinder“, erklärt er. Und nein, mit seinen Experimenten habe er noch kein Kind zum Brandstifter erzogen. Das Gegenteil sei der Fall. Nur wer wisse, womit er es zu tun habe, könne Gefahren realistisch einschätzen.

Auch wenn der Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf der Brandschutzerziehung von Kindern und Jugendlichen liegt, hat Weinbeck noch ein anderes Wirkungsfeld erschlossen. Er sensibilisiert auch Seniorinnen und Senioren sowie deren Angehörige beispielsweise für Brandgefahr durch aneinandergekoppelte Steckdosenleisten oder durch mit Tüchern abgedunkelte Nachttischlampen und weist auf thermische Alternativen für Brandmelder hin.

Text: Dagmar Obermeier-Kundel