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Smart City: Mit Strategie zur Stadt der Zukunft

Regensburg ist „Smart City“-Modellstadt. Im Juli 2021 hat die Kommune den Zuschlag für das entsprechende Förderprogramm des Bundes erhalten und sich Fördermittel von bis zu elf Millionen Euro gesichert. Wofür diese eingesetzt werden sollen, was eine „smarte“ Stadt auszeichnet und welche Projekte als erste anstehen, erläutert Smart-City-Koordinatorin Franziska Meier im Interview.

Smart City - R_NEXT Grafik

28. Januar 2022

Frau Meier, warum ist das Regensburg der Zukunft eine Smart City?

Das Wachstum der Bevölkerung, der wirtschaftliche Strukturwandel und die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, stellen Regensburg vor große Herausforderungen, vor allem in den Bereichen Energie, Klima und Mobilität. Smarte Lösungen, die nicht immer digital sein müssen, unterstützen den Veränderungsprozess, der unweigerlich auf uns zukommt, und sorgen weiterhin für Lebensqualität. Regensburg möchte als bundesweite Smart-City-Modellstadt Impulsgeber sein und den Standort nachhaltig zukunftsfähig machen. Dazu gehört ein strategisch durchdachtes, smartes Ökosystem ebenso wie eine ganzheitliche Strategie.

Smart City - Porträt Franziska Meier
Franziska Meier © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Was bedeutet es konkret, in einer Smart City zu leben?

Es gilt, die Möglichkeiten der Digitalisierung und innovative Lösungen zielgerichtet einzusetzen in allen Bereichen, die das Leben in einer Stadt ausmachen. Ziel ist dabei immer, unsere Stadt lebenswerter, effizienter, ökologischer, nachhaltiger und sozial inklusiver zu gestalten und die unterschiedlichen Bereiche intelligent miteinander zu verknüpfen.

Smart City verstehen wir in der Stadtverwaltung deshalb als eine interdisziplinäre Querschnittsaufgabe. Im Sinne einer integrierten, nachhaltigen und partizipativen Stadtentwicklung soll sie zur Bewältigung der Herausforderungen in Regensburg einen wesentlichen Beitrag leisten. Ein strategisch durchdachtes digitales und smartes Ökosystem soll zusammen mit einer gesamtheitlichen Smart-City-Strategie die Basis für ein weiterhin attraktives und lebenswertes Regensburg schaffen – ganz im Sinne der Leitmotive der „Neuen Leipzig-Charta“: gerecht, produktiv und grün.

Dies erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise innerhalb der Stadtverwaltung in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit aller Bereiche sowie die breite, frühzeitige und durchgängige Beteiligung der Stadtgesellschaft. Ziel ist es, einen dynamischen, kreativen Raum für einen offenen Dialog auf Augenhöhe und den notwendigen Wissenstransfer zu schaffen, um die Strategie und smarte Lösungen kooperativ und gemeinsam erarbeiten zu können. Menschen dürfen dabei keinesfalls ausgeschlossen werden, deshalb gilt es den Prozess sozial zu managen, sprich alle Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen.

Im Mittelpunkt der Smart City Regensburg stehen somit alle Menschen, die gemeinsam die schlaue Stadt der Zukunft gestalten und definieren, wie sie zukünftig in Regensburg leben möchten.

Welche Rolle spielt das Förderprogramm?

Bereits heute beschäftigt sich die Verwaltung in allen Ämtern mit Zukunftsthemen, entwickelt Konzepte oder setzt in verschiedenen Bereichen innovative und smarte Lösungen um. Beispielsweise erarbeitet Regensburg als ausgewählte Kommune in einem Modellprojekt des Freistaats Bayern ein Integriertes Digitales Entwicklungskonzept für das Innovationsquartier Prinz-Leopold-Kaserne, das beispielgebend für die zukünftige Quartiersentwicklung in Regensburg und anderen Städten sein soll.

Der Stadtrat hat bereits im Vorfeld zum Förderprojekt erste wichtige Beschlüsse gefasst, wie die Entwicklung der Smart-City-Strategie, die Schaffung einer zentralen Koordinierungsstelle für Smart City oder auch die Bewerbung als Modellkommune. Auch der „Regensburg Plan 2040“ sieht in der Transformation zur Smart City einen wesentlichen Baustein, die Möglichkeiten der Digitalisierung und innovativer Lösungen zielgerichtet einzusetzen, um die Stadt weiterhin lebens- und liebenswert zu gestalten. Das Förderprogramm gibt uns nun die Möglichkeit, den Wandel in eine nachhaltige und smarte Zukunft, über alle Ebenen der Stadtentwicklung hinweg, gemeinsam mit der Stadtgesellschaft aktiv zu gestalten. Wir bündeln die vielen Einzelprojekte, die dazu gehören, treiben diese in der notwendigen Geschwindigkeit mit den zusätzlichen Ressourcen konsequent voran und setzen die Maßnahmen koordiniert um.

Wieviel Geld steht für diesen koordinierten Prozess zur Verfügung?

Das Projekt REGENSBURG_NEXT, mit dem wir uns für die Förderung beworben hatten, umfasst ein Volumen von bis zu 17 Millionen Euro für den Zeitraum 2021 bis 2026. 65 Prozent davon, also bis zu elf Millionen Euro, bekommen wir als Fördersumme vom Bund.

Welches sind die ersten Projekte?

REGENSBURG_NEXT sieht eine einjährige Phase A vor, in der die Smart-City-Strategie entwickelt und fünf erste Impulsprojekte gestartet werden. In diesen ersten fünf Projekten geht es um vielfältige Themen, zum Beispiel um die kreative Nutzung von Leerständen, den Ausbau der digitalen Stadtverwaltung und die Optimierung der Energieversorgung für einzelne Stadtquartiere. Konkret werden die Projekte „Co-Creative-Lab – Zukunftsräume entdecken“, „Smart Move“, „Virtuelles Welterbe – Barrierefreies Erleben“, „Neue Horizonte Altstadt“ und „Digitaler Energie-Zwilling eines Wohnquartiers“ in Federführung der jeweiligen Fachbereiche bearbeitet. In der darauffolgenden vierjährigen Phase B wird die Strategie sowie weitere Projekte, die es noch zu gestalten gilt, dann umgesetzt.

Sehr wichtig in dem gesamten Prozess ist die breite, frühzeitige und durchgängige Beteiligung der Stadtgesellschaft. Denn eine derart weitreichende Transformation kann nur erfolgreich sein, wenn sie nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg aufgesetzt, sondern gemeinsam erarbeitet und realisiert wird.

Wo steht das Projekt REGENSBURG_NEXT gerade und was sind die nächsten Schritte?

Momentan sind wir dabei, die nötigen Strukturen zu etablieren, um das Förderprojekt REGENSBURG_NEXT vertragskonform in der Kürze der Zeit verwirklichen zu können. Dafür wurde in der Verwaltung ein querschnittsorientiertes und interdisziplinäres Projektteam eingerichtet. Daneben wird insbesondere auch der umfassende Beteiligungsprozess vorbereitet. Ziel ist es, einen dynamischen, kreativen Raum für eine breite und durchgängige Beteiligung der Stadtgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zu schaffen, der einen offenen Dialog auf Augenhöhe ermöglicht.

In der Phase A werden wir uns intensiv mit der Entwicklung der Smart City Strategie beschäftigen, sprich gemeinsam mit der Stadtgesellschaft einen Kompass für Regensburg zur gerechten Gestaltung der Zukunft erarbeiten. Fokusthemen sind hier insbesondere Transparenz, Gerechtigkeit, Verantwortung, Vertrauen, Datenkultur, Sicherheit und auch Ethik. Eine gemeinsam getragene Roadmap ermöglicht die zielgerichtete Umsetzung der Maßnahmen mit gebündelten Kräften in Phase B. 

Grundlegend lässt sich für diese Förderkulisse folgendes sagen: Sie bietet nicht nur die Möglichkeit, innovative Ideen gemeinsam zu entwickeln und zu erproben, sondern fordert, Lösungen partizipativ, modellhaft, zukunftsfähig, skalierbar und übertragbar zu entwickeln. Dazu gehört natürlich auch der Mut, Dinge einfach einmal auszuprobieren.

Text und Interview: Katrin Butz