Jugendamt im Aufbau: 1960 - 1991
Einordnung
In seiner Grundsatzerklärung zur Jugendhilfe im Juni 1978 wies Oberbürgermeister Friedrich Viehbacher auf drei Arbeitsbereiche der Jugendhilfe hin, welche für die Arbeit des Jugendamtes zukünftig besonders wichtig sein sollten:
Die vorbeugenden familienergänzenden Hilfen, die Sorge für arbeitslose Jugendliche und die Hilfe für ausländische Jugendliche.
Das Thema der Jugendarbeitslosigkeit stellte in den 1970er und 1980er Jahren weiterhin einen großen Schwerpunkt in der Jugendhilfe dar. Sie betraf Jugendliche und junge Erwachsene die einen Ausbildungsplatz suchten, Jugendliche, die eine Beschäftigung ohne Ausbildung anstrebten oder junge Erwachsene, die nach der Lehre keine Weiterbeschäftigung fanden. Mädchen, ausländische Jugendliche und Jugendliche aus sozial belasteten Familien waren besonders betroffen. Im Zuge dessen wurde die Kontaktstelle für Jugend und Arbeit 1978 gegründet.
Zudem stand die Stärkung der Familie im Fokus der Jugendamtsarbeit. „Einem jungen Menschen kann erfahrungsgemäß nicht entscheidend geholfen werden, wenn es nicht gelingt, die Familie miteinzubeziehen.“
Ambulante Hilfen gewannen an Bedeutung, wurden weiterentwickelt und ausgebaut. „Ohne Zweifel hat sich der Schwerpunkt der Hilfen auf den ambulanten Bereich verlagert. Diese Entwicklung ist aus fachlichen und finanziellen Gründen zu befürworten und wird auch in den vor uns liegenden sechs Jahren weiter zu verfolgend sein.“
Quelle: StAR Ausschusssitzungsprotokolle Nr.3080, Stadtarchiv Regensburg, Amt 50 - Amt für Soziales, Sachakten, 246
Am 20. November 1989 wurde die UN-Kinderrechtskonvention von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Sie schützt weltweit die Rechte von Kindern (0 bis 18 Jahren) und legt Standards für eine kindgerechte Gesellschaft fest. Die Kinderrechtskonvention vertritt die folgenden vier grundlegenden Prinzipien: Überleben und Entwicklung, Nichtdiskriminierung, Wohl des Kindes und Beteiligung der Kinder. 1992 trat sie in Deutschland in Kraft.
Hinzugekommene Aufgabenbereiche des Jugendamtes in dieser Phase
Streetwork ab 1979: Zunächst entstand ein 2-jähriges Projekt in Zusammenarbeit mit der KJF und der Diakonie, das danach verlängert wurde. Das Streetwork Projekt war als Antwort auf die Gründung mehrerer Motorrad- und Straßengruppen in den 1970er Jahren zu sehen, die mit den herkömmlichen Angeboten der Jugendarbeit nicht erreicht werden konnten.
Personal des Jugendamtes
Albert Müßig
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Albert MüßigLeiter:
· bis 1972 Franz Wanderer
· 1972 bis 1991 Albert Müßig
Besondere Ereignisse
- 1966: Satzung zum Schutz öffentlicher Grünanlagen und Kinderspielanlagen in der Stadt Regensburg: Betreten der Grünflächen zum Spielen erlaubt!
- 1979: erstes Streetwork Projekt
- 1980: nahm die Stadt Regensburg beim Landeswettbewerb „die familienfreundliche Stadt“ teil und wurde mit dem 1. Preis und einem Preisgeld von 70.000 DM ausgezeichnet.
- 1986: Beschluss über die Einführung von sozialpädagogischer Familienhilfe als ambulante Erziehungshilfeform
- 1989: erstes Familienspielfest im Villapark, danach jährlich
- Schaffung der Jugendschutzstelle (Inobhutnahmen, Jugendschutzkontrollen in Bars/Kneipen)
- 1977: Hausaufgabenstuben in der Humboldtstraße, Notwohnanlage in Aussigerstraße und in der Kreuzgasse (damals unter Trägerschaft Regensburger Eltern, später von der Stadt übernommen und in Hort umgewandelt)
- 1978: Kontaktstelle für Jugend und Arbeit (Sozialpädagogische Betreuung und Beratung von arbeitslosen Jugendlichen)
- 1979: Umwandlung der Jugendschutzstelle in der Ostengasse in eine Jugendwohngruppe. Die Aufgaben des Jugendschutzes werden weiterhin wahrgenommen.
- 1979: Einweihung Spielbus
- neue Jugendzentren: 1977 Weingasse, 1983 Königswiesen, 1989 Jugendtreff Stadtnorden, 1990 Fantasy
Quelle: StAR Ausschusssitzungsprotokolle Nr. 3080, Stadtarchiv Regensburg, Amt 50 - Amt für Soziales, Sachakten, 246, Stadtarchiv Regensburg, Amt 50 - Amt für Soziales, Sachakten, 248
Standort des Jugendamtes
Jugendherberge und Jugendamt in der Wöhrdstraße
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Stadt Regensburg, Amt für Jugend und Familie- Weiterhin zunächst Greflinger Str. 4/0, Baracke 1
- dann untergebracht in der Wöhrdstraße im Gebäude, in dem sich heute die Jugendherberge befindet
- bis Endes der 70er Jahre in der Von-der-Tann-Str. 1 (heutiges Schulamt)
- ca. ab 1980 Umzug des Jugendamtes in das Gebäude Richard-Wagner-Straße 17
- Dieses um 1890 errichtete Gebäude im Stil der Gründerzeit war zu Beginn ein Mädcheninternat für „höhergestellte Töchter“, dann ein Verwaltungssitz der Nationalsozialisten bis zur Nutzung als kirchliches Seniorenheim der Schwestern vom Karmel.
- Ab ca. 1980 wurde es zum Jugendamt, welches sich immer noch dort befindet. Dabei ist am Gebäude teilweise noch die frühere Nutzung erkennbar. Das Büro der Amtsleitung war vorher die Hauskapelle der kirchlichen Einrichtung gewesen.










