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„Oft ist es die Bedeutungsschwere der Zwischentöne, die uns aufhorchen lässt“

Nach „Nahsicht“ im vergangenen Jahr lautet das kulturelle Jahresthema 2022 „Zwischentöne“. Kulturreferent Wolfgang Dersch erläutert, was es damit auf sich hat.

Porträt - Wolfgang Dersch
Kulturreferent Wolfgang Dersch © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Auch wenn es gerade noch etwas ruhig ist, laufen die Vorbereitungen für unser kulturelles Jahresthema 2022 „Zwischentöne“ bereits auf Hochtouren. Wir befinden uns sozusagen in der Mitte unserer Jahresthemen-Trilogie, die wir als Paket für unsere zahlreichen Kooperationspartner geschnürt haben. Nachdem wir uns letztes Jahr mit dem Thema „Nahsicht“ in seinen unterschiedlichsten Facetten beschäftigt haben, steht das kommende Jahr unter dem Motto „Zwischentöne“, um die Trilogie 2023 mit einem „Höhenflug“ abzuschließen. Die Themen sind bewusst abstrakt gewählt, um eine möglichst kreative und inspirierende Auseinandersetzung zu ermöglichen. Die Erfahrungen mit „Nahsicht“ zeigen, dass wir mit unserer Themenwahl ins Schwarze getroffen haben – viele neue Formate und ungewöhnliche Ideen sind letztes Jahr entstanden und wir haben zahlreiche begeisterte Rückmeldungen zu unserem Jahresthema bekommen.

Im Jahr 2022 geht es um die „Zwischentöne“. Diese begegnen uns in vielen Bereichen, bewusst oder unbewusst. Viele denken bei dem Begriff spontan an die akustische Welt der Klänge, dabei kennt die Musik in ihrem theoretischen Tongebilde dieses Konstrukt nicht. Wir bewegen uns mit Zwischentönen im bunten Kosmos der Farbenlehre: Zwischentöne sind Tertiärfarben, unspektakulär und manchmal langweilig. Aber gerade die Nuancen zwischen den kräftigen Farben bereichern unsere farbige Umwelt. Diese Abstufungen und Schattierungen stellen stets einen Zwischenzustand dar. Diese Transformation ist auch ein Begriff unserer Gegenwart, die sich in vielen Zwischentönen abzeichnet. Im übertragenen Sinn meinen wir mit Zwischentönen eine Botschaft, die nicht direkt ausgesprochen oder übermittelt wird, sondern mehr oder weniger zwischen den Zeilen steht. Also leise und zart anklingt und deshalb leicht zu überhören ist. Und doch ist es oft die Bedeutungsschwere der Zwischentöne, die uns aufhorchen lässt. Gerade aktuell durch die Dynamik der Corona-Pandemie merken wir, wie schmerzlich uns der unmittelbare Austausch fehlt, weil der digitale Raum die Zwischentöne verschluckt.

Das sind nur einige wenige Beispiele und Denkansätze, wie das neue Jahresthema interpretiert werden kann und welche möglichen Fragestellungen künstlerisch aufgegriffen werden können. Unserem Aufruf für die Einreichung von Projektideen sind im Herbst wieder zahlreiche Kulturschaffende, Institutionen und Vereine gefolgt und haben viele tolle Vorschläge eingereicht. Wir dürfen uns deshalb auch in diesem Jahr auf Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge und Führungen sowie interaktive Projekte und einige außergewöhnliche und branchenübergreifende Formate freuen. Die inzwischen fest etablierten Wettbewerbe in den Bereichen Fotografie und Komposition gehen in die nächste Runde und werden um einen Schreibwettbewerb für junge Autorinnen und Autoren ergänzt. Die über Regensburg hinaus bekannten Festivals, wie die Internationale Kurzfilmwoche, cinEScultura oder das Transit Filmfest, beteiligen sich mit eigens für das Jahresthema konzipierten Beiträgen. Auch der musikalische Bereich ist diesmal stark vertreten: Vom Kammermusikfestival Regensburg über das Festival zeitgenössischer Musik vom Unternehmen Gegenwart bis zu den Zwischentönen in der Musik der Renaissance ist für jede Musikliebhaberin und jeden Musikliebhaber sicherlich etwas dabei. Aber auch Projekte aus den Bereichen Zero Waste, Improtheater, Friedhofskultur oder Kunst und Autismus gehören zum Programm und zeigen die ganze Bandbreite auf. Seien Sie gespannt!

Ich lade Sie herzlich ein, mit uns auf eine Entdeckungsreise zu gehen und dabei den Zwischentönen aufmerksam zu lauschen.

Ihr Wolfgang Dersch

Im Januar 2022