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Schnell umgesetzt: In den Sporträumen des Regensburger Ruder-Klubs spielen jetzt ukrainische Kinder

Der Regensburger-Ruder-Klub und die Stadt Regensburg stemmen gemeinsam eine Eltern-Kind-Gruppe und eine Kinderbetreuung für ukrainische Flüchtlinge. Innerhalb weniger Wochen verwandelte sich der Konditionsraum für Ruderinnen und Ruderer in ein kleines Kinderspiel-Paradies.

Schnell umgesetzt – In den Sporträumen des Regensburger Ruder-Klubs spielen jetzt ukrainische Kinder

13. Mai 2022

Das Bootshaus des Regensburger Ruder-Klubs von 1890 an der Donau: Ganz klar, neben schnellen Booten auf dem Wasser, erwartet man hier einen gut ausgestatteten Konditionsraum, in dem sich Sportlerinnen und Sportler an Kraft- und Rudergeräten schinden. Die nicht zu vergessen, die ihr schweißtreibendes Training schon hinter sich haben, und sich an der Theke des Gesellschaftsraums bei einer Apfelschorle oder einem Bierchen bei einem gemütlichen Ratsch erholen.

Bootshaus des Regensburger Ruder-Klubs
Wo normalerweise Sportlerinnen und Sportler schwitzen können jetzt geflüchtete Kinder spielen. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Seit drei Wochen fallen Passanten auf dem Weg zum idyllisch an der Donau gelegenen Bootshaus jedoch neue Hinweisschilder zur „DonauOase“ auf, verfasst in deutscher und ukrainischer Sprache. Im Bootshaus trifft man seit 26. April 2022 nämlich nicht mehr nur auf Sportlerinnen und Sportler, von Montag bis Freitag wuseln jetzt auch kleine Kinder bis sechs Jahren ausgelassen hier herum. Der Verein hat kurzerhand seinen Gymnastikraum für Kriegsflüchtlinge umfunktioniert: Jetzt ist hier ein fester, täglicher Treffpunkt für eine ukrainische Eltern-Kind-Gruppe. Der Verein stellt die ehrenamtlichen Helfer, die sich um die Organisation und um die Betreuung der Eltern kümmern, die Stadt Regensburg stellt das pädagogische Personal für die Kinder und den Großteil der Ausstattung des Raumes. „Wir erleben hier eine wirklich sehr berührende Dankbarkeit von Seiten der ukrainischen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten“, berichtet die Leiterin des Regensburger Amtes für Tagesbetreuung von Kindern, Dr. Eleonore Hartl-Grötsch. Gerade für geflüchtete Kindergartenkinder gebe es in Deutschland noch keine festen Strukturen, die ihnen – und damit auch ihren Eltern – wieder eine Art „Alltag“ geben können. Reguläre Plätze in Kindergärten sind auf die Schnelle meist nicht zu bekommen. „Das Angebot des Ruder-Klubs ist daher eine ganz wunderbare Idee und ein tolles Engagement!“, freut sich Hartl-Grötsch.

Anpackende Ideengeberin vom Regensburger Ruder-Klub

Von Marion Hoffmann-Plank vom Regensburger Ruder-Klub stammt die Idee, Flüchtlingsfamilien zu helfen. Sie wollte nicht nur passiv die schrecklichen Nachrichten im Fernsehen anschauen, sondern aktiv etwas tun: „Der Verein war sofort dabei und wir beschlossen, etwas für Kinder zu tun.“ Der Kontakt zum städtischen Amt für Tagesbetreuung kam schnell zustande und so konnte die Eltern-Kind-Gruppe zügig realisiert werden. Unter der Federführung von Doris Hiltl (Leiterin des Kinderhauses Weinweg und Abteilungsleitungsleiterin Pädagogik in Vertretung) und einem Team städtischer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Marvin Materna, Stephanie Rappolder als Koordinatoren sowie weiterer Mitarbeiterinnen vom Amt für Tagesbetreuung von Kindern) entstand durch gemeinsames Engagement und viel pädagogischen Sachverstand in Regensburg der erste „Kindergarten“ für geflüchtete Kinder. Am 6. Mai wurde nun auch ein offizieller Vertrag zwischen Stadt und Verein unterzeichnet. Der Regensburger Ruder-Klub stellt seine Räume kostenlos für die Flüchtlingsbetreuung – befristet bis Mitte Oktober 2022 – zur Verfügung. „Wir Ruderer sind es gewohnt, etwas zu bewegen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen“, erklären Dr. Georg Graml und Helmuth Koller vom Regensburger Ruder-Klub.

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer begrüßt die ukrainischen Familien
Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer begrüßt die ukrainischen Familien, die die Donau-Oase besuchen. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Hohe Nachfrage nach Deutsch-Kurs

Neben dem Raum für die Kinder, gibt es auch Platz für die Eltern. Hier gibt es Kaffee und schwarzen Tee, Toast mit Käse und Schinken, Obst und auch etwas Kuchen. Ukrainische Mütter und auch ein paar Väter sitzen am Stammtisch und tauschen sich aus. Auch eine ukrainische sprechende Fachkraft ist in der Regel vor Ort. „Wir haben hier schon eine recht regelmäßige Zusammensetzung aus wenigen Männern und vielen jungen, dynamischen Frauen, die unbedingt unsere Sprache lernen möchten,“ weiß Hoffmann-Plank vom Ruder-Klub.
Aktuell ist die DonauOase Montag bis Freitag von 8 bis 11 Uhr geöffnet. 15 bis 20 Kinder im Vorschulalter sind Tag für Tag hier. Für bis zu 30 ist Platz. Eine Ausweitung der Öffnungszeiten ist auch schon geplant.

Nachmachen erwünscht!

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer freut sich sehr über das tolle Projekt und hofft, dass es bald Schule machen wird: „Wir möchten den Geflüchteten bei uns in Regensburg Schutz, Sicherheit und ein Stück Normalität geben. Dank der DonauOase ist das jetzt möglich!“

Text: Claudia Biermann und Marion Hoffmann-Plank/Dr. Georg Graml (Regensburger Ruder-Klub)