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Städtische Auszeichnungen 2021 verliehen

Ende September hatte der Stadtrat über die diesjährige Vergabe der städtischen Auszeichnungen entschieden. Im Rahmen der Feier zum Stadtfreiheitstag am 6. November 2021 übergab Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer die Medaillen und Preise an die Geehrten.

29. November 2021

Die Matthäus-Runtinger-Medaille ging an Dr. Georg Haber, Norbert Düchtel erhielt die Albertus-Magnus-Medaille. Mit den Stadtschlüsseln wurden Reinhard Kellner, der Verein Rengschburger Herzen e. V. und die Initiative Gastfreundschaft in Regensburg ausgezeichnet. Die Städtepartnerschaftspreis bekam Dr. Sabine Schönwälder. Ebenfalls beim Stadtfreiheitstag verliehen wurde der diesjährige Hochschulpreis. Er ging an Eugen Tereschenko.

Stadtfreiheitstag 2021v. l. n. r.: Arno Birkenfelder, Eugen Tereschenko, Dr. Georg Haber, Norbert Düchtel, Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Dr. Sabine Schönwälder, Reinhard Kellner, Annette Ebmeier © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Dr. Georg Haber – Matthäus-Runtinger-Medaille

Der 1957 in Regensburg geborene Dr. Georg Haber vereint Kunst und Handwerk. Im elterlichen Betrieb lernte er den Beruf des Gürtlers und legte die Meisterprüfung im Silberschmiedehandwerk ab, danach qualifizierte er sich zum Restaurator im Handwerk. Neben der handwerklichen Ausbildung schloss er sein Studium der Wirtschaftswissenschaften, Kunst- und Kulturwissenschaften mit Diplom und Promotion ab. Als geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmens Haber & Brandner GmbH ist er seit 1987 tätig.

Bereits seit 2004 zählt Dr. Georg Haber zum Vorstand der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Zehn Jahre später wurde er zum neuen Präsidenten gewählt. Über die Region hinaus vertritt Dr. Haber seit 2014 die Interessen der Betriebe als Vizepräsident des Bayerischen Handwerkstags und im Europa-Ausschuss des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Für sein Engagement hat er das Handwerkszeichen in Gold, die höchste Auszeichnung des Deutschen Handwerks, erhalten. Beim eingetragenen Verein „Oberpfalz Marketing“ ist Dr. Haber seit zwei Jahren als zweiter Vorsitzender tätig. Daneben sind ihm die Regensburger Hochschulen ein Anliegen. Seit 2019 bekleidet er das Amt des Vorsitzenden des Hochschulrates der OTH Regensburg und ist Mitglied im Verwaltungsrat des Studentenwerks Niederbayern/Oberpfalz. Mit seinem Engagement für die Hochschulen trägt Dr. Haber dazu bei, die Verbindung mit dem Handwerk und der dualen Bildung zu festigen.

Trotz seiner umfassenden beruflichen Tätigkeit nimmt Dr. Haber sich die Zeit, sich auch im künstlerischen und kulturellen Bereich ehrenamtlich zu engagieren. Den Kunst- und Gewerbeverein Regensburg leitet er als Vorsitzender seit dem Jahr 2012 und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Kunst- und Kulturleben in der Region. Neben seinem Engagement im Kulturbeirat der Stadt Regensburg ist er ständiger Vertreter im Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz. Dem Landesdenkmalrat des Freistaates Bayern gehört er seit 2015 an. Im Kuratorium der Stiftung Kulturerbe engagierte er sich 2019 ebenfalls als Mitglied.

Norbert Düchtel – Albertus-Magnus-Medaille

Norbert Düchtel, geboren im Jahre 1949 in Würzburg, absolvierte 1970 die Staatliche Musikreifeprüfung im Fach „Katholische Kirchenmusik“ am Bayerischen Staatskonservatorium für Musik in Würzburg. Von 1975 bis 1978 studierte er an der Staatlichen Hochschule für Musik in München „Katholische Kirchenmusik“ und künstlerisches Hauptfach „Orgel“. 1977 legte er die künstlerische Staatsprüfung im Fach „Katholische Kirchenmusik“ und 1978 im Konzertfach „Virtuoses Orgelspiel“ ab. Er ergänzte seine Orgelstudien durch die aktive Teilnahme an zahlreichen „Internationalen Meisterkursen“.

Im Jahre 1979 wechselte Düchtel nach Regensburg und wurde Dozent für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation an der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik. Dieses Amt übte er mit großer Leidenschaft bis zum Jahre 2015 aus. Generationen von Kirchenmusikern wurden in dieser Zeit durch ihn geprägt. Weit über die Grenzen Regensburgs hinaus wird Norbert Düchtel als Organist und Orgelsachverständiger geschätzt. Von 1984 bis 2010 war er amtlicher Orgelsachverständiger der Diözese Regensburg. Daneben war er von 1985 bis 2008 Stiftsorganist an der päpstlichen Basilika „Unserer lieben Frau zur Alten Kapelle“.

Dass die drei Orgeln in der Minoritenkirche des Historischen Museums, die sich in einem sehr schlechten Zustand befunden hatten, mittlerweile nach fachgerechter Sanierung wieder in hervorragender Verfassung sind, gilt als großer Verdienst von Norbert Düchtel. Seit Jahren erfreuen sich die sonntäglichen Matineen in der Minoritenkirche großer Beliebtheit und sind im Veranstaltungskalender und im Kulturprogramm der Stadt eine lieb gewordene, nicht mehr wegzudenkende Tradition. Dank Düchtels Engagement konnte Jahr für Jahr eine Konzertreihe durchgeführt werden. Nachdem sich 2015 ein Kreis bisheriger Freunde und Förderer der Matineen dazu entschlossen hatte, einen Verein zur Unterstützung der sonntäglichen Konzerte zu gründen, übernahm Norbert Düchtel den Vorsitz und leitet diesen bis heute.

Reinhard Kellner – Stadtschlüssel

Der 1950 in Regensburg geborene Reinhard Kellner engagiert sich seit über vier Jahrzehnten für sozial schwache Mitglieder der Stadtgesellschaft. Stets geht es dem ehemaligen Stadtrat dabei um mehr soziale Gerechtigkeit in der Stadt. Zu den herausragenden Leistungen seines Engagements gehört zweifelsohne die Gründung der Sozialen Initiativen in Regensburg. Reinhard Kellner prägte die Entwicklung des Vereins seit seiner Gründung im Jahre 1974 maßgeblich. Von Beginn an war es seine Kreativität, mit der er zahlreiche Projekte initiierte und vollendete. Als hervorragende Beispiele sind die Straßenzeitung Donaustrudel und das Ostengassenfest zu nennen. Zudem erreichte er eine umfassende und nachhaltige Vernetzung der Regensburger Selbsthilfegruppen. Bemerkenswert ist auch die Einführung des Sozialsponsorings, bei dem der Regensburger Geschäftswelt die Möglichkeit eingeräumt wird, nach Zahlung eines jährlichen Betrages auf dem Geschäftspapier mit dem Logo der Sozialen Initiativen zu werben.

Auf Reinhard Kellners Initiative hin gelang Ende der 80er Jahre die Einrichtung der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) in Regensburg. Bis zum Jahre 1990 war er selbst hauptberuflich als Diplom-Pädagoge bei KISS tätig.

Rengschburger Herzen e. V. – Stadtschlüssel

Der 2019 gegründete Verein „Rengschburger Herzen e. V.“ unterstützt sozial Schwache, Obdachlose, Rentner, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, vernachlässigte ältere Menschen und Heimbewohner. Mit Spendenaufrufen sammelt der Verein nicht nur Gelder, sondern bittet auch um konkrete Sachspenden. Gespendete Lebensmittel werden kurzfristig auf dem Gelände der Kfz-Werkstatt des Vereinsvorsitzenden Arno Birkenfelder verteilt, sodass die Frische gewahrt bleibt. Dies verlangt von den ehrenamtlich Engagierten auch eine gewisse zeitliche Flexibilität. Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich der Verein erfinderisch. Während des Lockdowns in der Corona-Krise wurden Lebensmittel und Gutscheine für Bedürftige an einem sogenannten Gabenzaun in Tüten zur Selbstbedienung ausgehängt.

Birkenfelder und sein Team sind darum bemüht, immer wieder neue freiwillige Helfer zu gewinnen, die Zeit mit vernachlässigten Personen verbringen und einer Vereinsamung entgegenwirken. Dabei unterstützt der Verein nicht nur eine spezielle Altersgruppe, sondern erreicht einen breiten Kreis von Menschen in der Region, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Gezielt werden Spendenaufrufe je nach aktuellem Bedarf auf der Homepage und in den sozialen Medien veröffentlicht. Das Helferteam kümmert sich auch um ältere Personen, die in Pflegeheimen untergebracht sind und mit einem kleinen Taschengeld auskommen müssen. Viele von ihnen haben keine oder nur wenige ihnen nahestehende Personen und freuen sich über jeden Besuch oder Unterstützung. 2019 organisierten die Ehrenamtlichen eine vorweihnachtliche Benefizveranstaltung im Restaurant Leerer Beutel, bei der Bedürftige gemeinsam zwanglose und gesellige Stunden verbringen konnten. Es wurden auch kostenlos Christbäume für Bedürftige verteilt und Erlöse bei einem Christbaumverkauf in der Altstadt gesammelt.

Die „Rengschburger Herzen“ sind Vorbild für eine unbürokratische und kurzfristige Unterstützung von bedürftigen Menschen in der Region. Sie verstehen die Nöte und Sorgen sozial Benachteiligter und wirken Einsamkeit und Obdachlosigkeit entgegen.

Gastfreundschaft hilft Regensburg – Stadtschlüssel

Im Zuge der zunehmenden Verbreitung des Corona-Virus im Frühjahr 2020 mussten neben den Gastronomiebetrieben auch die Notstandsküche und der Strohhalm Regensburg schließen. Gemäß der Idee des Vereins „Brücke Regensburg – Ideen verbinden Menschen“ entschloss sich eine Gruppe von Regensburger Gastronomen, ein kostenloses warmes Mittagsgericht für Bedürftige und Obdachlose anzubieten.

Das Angebot startete am 2. April 2020 mit zahlreichen Helferinnen und Helfern, die strenge Hygieneauflagen einhielten und auf die Mindestabstände achteten. Außerdem gab es eine Spendenbox für Lebensmitteleinkäufe, Überschüsse wurden an die Tafel gespendet. Zu Beginn der Aktion wurden an drei Tagen in der Woche etwa hundert Essensportionen ausgegeben, Tag für Tag nahmen das Angebot mehr Menschen an. Aufgrund der großen Nachfrage verteilte das Bündnis Regensburger Gastronomen die Speisen schließlich an vier Tagen in der Woche, von Mittwoch bis Samstag. Die Ausgaben wurden mit Lebensmittel- und Geldspenden sowie über einen CD-Verkauf gedeckt. Nach der Wiederöffnung der Notstandsküchen wurde das Angebot noch eine Woche lang bis zum 9. Mai 2020 aufrechterhalten, um eine Übergangszeit zu gewährleisten.

Insgesamt gab die bunt gemischte Gruppe, bestehend aus Mitgliedern der Brücke Regensburg, Vertreterinnen und Vertretern der Gastronomie sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Tafel, in den sechs Wochen über 5.000 Essen und mehr als 2.000 Taschen mit Lebensmitteln an Bedürftige aus. Nach Beendigung der Aktion unterstützte das Team den Strohhalm bis Mitte Juli bei der Ausgabe von Essenspaketen.

Mit der Ausgabe von kostenlosen Gerichten an bedürftige Personen konnten die mitwirkenden Gastronomen in der Not nicht nur eine sinnvolle Verwendung ihrer Vorräte finden, die sonst möglicherweise im Müll geendet wären, sondern gleichzeitig für einen guten Zweck tätig werden. Aus dieser Notsituation heraus entstand der Wunsch, einen Verein zu gründen und weiterzumachen. Zwischenzeitlich wurden weitere Initiativen, wie der Soziale Adventskranz, die Aktion Straßenwunsch oder das Projekt „Teilen hilft“, ins Leben gerufen.

Dr. Sabine Schönwälder – Städtepartnerschaftspreis

Dr. Sabine Schönwälder ist Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie mit eigener Praxis in Regensburg. Vor knapp zehn Jahren reiste sie erstmals mit einer Gruppe der evangelischen Kirchengemeinde St. Johannes nach Odessa. Dieser Besuch beeindruckte sie nachhaltig und veranlasste sie dazu, sich für die Menschen in der ukrainischen Partnerstadt zu engagieren. Dr. Schönwälder initiierte daraufhin das Projekt „Traumatherapie für Odessa“, in dessen Rahmen sie, zusammen mit ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen, Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeiter in Odessa zu Psychotraumatherapeuten aus- und beständig weiterbildet.

Aufgrund der nach wie vor anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine und die dadurch bedingte große Zahl an Binnenflüchtlingen leben viele nachhaltig traumatisierte Menschen in Odessa. Die Arbeit von Dr. Schönwälder ist daher nach wie vor hochaktuell und von großer Bedeutung. Das erfolgreiche Projekt soll fortgeführt bzw. noch weiter ausgebaut werden. Die Stadt Regensburg hat bereits zugesichert, es für weitere fünf Jahre zu bezuschussen.

Ohne den unermüdlichen Einsatz von Dr. Sabine Schönwälder wäre die regelmäßige Durchführung der Fortbildungen nicht möglich. Sie übernimmt die organisatorische und häufig auch die fachliche Leitung, kümmert sich um die finanzielle Förderung des Projekts und akquiriert ehrenamtliche Kollegen, sich ebenfalls für das Projekt zu engagieren.

Eugen Tereschenko M.Sc. – Hochschulpreis 2021

Eugen Tereschenko hat im Rahmen seines Masterstudiums im Studiengang Mathematik und Bachelor Informatik hervorragende und weit überdurchschnittliche Leistungen erzielt. Seine Masterarbeit „Mathematische Routen- und Portfoliooptimierung von Tankerflotten zum Transport von Flüssigerdgas“ löst Problemstellungen mit völlig neuartiger Methodik. In seiner herausragenden Masterarbeit befasste sich Tereschenko mit Routen- und Portfoliooptimierung von Tankerflotten zum Transport von Flüssigerdgas. Zur Behandlung dieser Aufgaben formulierte er Lösungen für anspruchsvolle neuartige kombinatorische Optimierungsprobleme. Dabei kann er mit seinen Methoden praxisübliche Probleminstanzen auf handelsüblichen Rechnern optimal lösen.

Es sind aber auch das überdurchschnittliche Engagement, die Leidenschaft und Einsatzbereitschaft in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und sozialen Bereichen, die eine Würdigung verdienen. So war Eugen Tereschenko jahrelang Tutor für Medizinische Informatiker an der OTH Regensburg und engagierte sich in der Fachschaft Informatik und Mathematik sowie im studentischen Konvent. Ehrenamtlich unterstützte er einige Jahre das Social Startup „ProjektTogether“, bekannt durch Veranstaltungen des „Hackathon“. Zusammen mit seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern erhielt er bereits Auszeichnungen von Oxford und Google und unter anderem eine Finanzierung der BMW Foundation. Eines der Projekte ist „AIAS Deutschland e. V.“, das durch das Sammeln von Stammzellenspenderinnen und -spendern bereits über 300 Menschen mit Blutkrebs das Leben retten konnte.