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Zeremonienmeister mit Backleidenschaft

Michael Engl ist ein Sonnenschein: Immer gut gelaunt, immer freundlich, jeder mag ihn. Sein Naturell passt wunderbar zum Job: Das Eigengewächs der Stadt ist für feierliche Empfänge und Partnerstädte zuständig. Da muss man Small-Talk nicht nur können, sondern auch mögen – Menschen sowieso.

StadtMensch Michi Engl - Aufmacher

22. November 2022

Eine Woche lang Ende November müssen seine Kolleginnen im Alten Rathaus aber immer auf ihn verzichten: Dann steht Michael Engl in der Großküche des Familiengasthauses in Seedorf und backt, was der Profi-Ofen hergibt. Am Ende dieser Woche stehen dann 40 Sorten Plätzchen herrlich duftend zum Vernaschen bereit. Natürlich nicht für ihn allein, sondern für die ganze Verwandtschaft und viele Freunde.

„Backen ist einfach meine Leidenschaft“, erklärt der 32-Jährige. „Schon als kleiner Bub hab' ich mit der Oma und der Mama Kuchen und Torten für unser Gasthaus gebacken.“ Das hat ihn 2018 in die TV-Show Das große Backen gebracht und ihn ganz schön bekannt gemacht. „Eine wirklich tolle Erfahrung!“, schwärmt er heute noch. „Ich hab' da nochmal viel dazugelernt und supernette Leute getroffen.“ Jetzt, vor Weihnachten, gehören zu seinen Back-Favoriten natürlich Plätzchen. Wie fast alle seine Rezepte, sind auch seine Lieblinge, die Orangensterne, eher traditionell. Ein altes Buch seiner Oma aus den 1950er-Jahren ist sein größter Fundus.

 

Protokoll wahren

Wenn er nicht gerade backt, beweist er sein Organisationstalent in seinem Büro im städtischen Hauptamt. Gemeinsam mit Kolleginnen ist er dort verantwortlich für die Organisation und Durchführung von feierlichen Empfängen der Stadt, Auszeichnungen und die Zusammenarbeit und den Austausch mit Regensburgs Partnerstädten. „Spaßeshalber hat mich mal jemand den „Zeremonienmeister“ genannt“, berichtet er etwas verlegen. Aber es stimmt schon, schließlich kümmert er sich mit seinen Kolleginnen um den richtigen Ablauf, die unsichtbare Lösung auftretender Probleme und eine gute Atmosphäre. Dieses Protokoll bietet häufig den notwendigen Rahmen für Beziehungspflege und Politik.

StadtMensch Michi Engl - Amtskette
Darf bei Festlichkeiten nicht fehlen: Die historische Kette für die Oberbürgermeisterin als Zeichen ihres Ranges © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Wie bei allen protokollarischen Tätigkeiten ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wer wird wann und wie angesprochen? Welche kulturellen Besonderheiten gibt es bei den Gästen zu beachten? Welche musikalische Untermalung, welches Essen ist passend für die jeweilige Veranstaltung? Da gibt es große Unterschiede – ein Staatschef erfordert ein ganz anderes Programm als etwa die Auszeichnung einer Jugendband. Bei Treffen der Partnerstädte muss manchmal gleich ein Programm für mehrere Tage auf die Beine gestellt werden. Das liegt Michael Engl sehr: „Ich finde das total spannend, weil es so abwechslungsreich ist und man nie so ganz genau weiß, was passiert.“ 

Abwechslung genießen

Überhaupt mag er die Abwechslung. Mit 16 Jahren begann er seine Ausbildung bei der Stadt als einfacher Verwaltungsfachangestellter, hat sich seitdem sukzessive weitergebildet und ist innerhalb der Verwaltung aufgestiegen. 2017 schloss er im Rahmen der dritten Qualifikationsebene ein Studium in Hof ab und darf sich seitdem Diplom-Verwaltungswirt nennen. Bevor er im August 2021 seine jetzige Stelle als Beamter im Hauptamt antrat, haben ihn Zwischenstationen ins Standesamt, zur Abteilung für Inklusion und Bürgerschaftliches Engagement und zum Infektionsschutz geführt. 2020 hat er gemeinsam mit Kolleginnen aus der Pressestelle das Aufstellen eines Riesenrads auf dem Areal des städtebaulichen Großprojektes kepleR+ vor dem Hauptbahnhof gewuppt – auch so eine Once-in-a lifetime-Erfahrung. „Deshalb finde ich die Stadt als Arbeitgeberin so toll. Man kann eine riesengroße Bandbreite an Tätigkeiten ausüben, ohne den Arbeitgeber wechseln zu müssen.“ Was soll man da noch sagen? Außer: Offenbar der richtige Mann am richtigen Ort.

Text: Claudia Biermann