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„Es ist für mich eine Herzenssache…“

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat einem 11-Jährigem aus Odessa ein Interview für eine Schülerzeitung gegeben.

2. Juni 2022

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer hat am 19. Mai 2022 einen ungewöhnlichen Interviewpartner getroffen. Der 11-Jährige Ivan aus der Ukraine bat sie für eine Schülerzeitung um Antworten auf seine Fragen. Ganz besonders interessierten ihn die Beziehungen zu der Partnerstadt Odessa, seiner Heimatstadt.

Der Schüler, der momentan am Online-Unterricht teilnimmt, aber bald in Regensburg die Schule besuchen wird, war sehr erstaunt, als ihm die Oberbürgermeisterin erzählte, dass seit Kriegsbeginn bereits mehr als 1.500 Menschen in der Stadt Zuflucht gefunden hätten.

Auch Ivan und seine Familie gehören dazu. Zusammen mit seiner Mama, Schwester und Tante, die seinen kleinen Cousin noch auf dem Arm tragen muss, lebt er jetzt in Regensburg. Insgesamt würden sie sich in der Domstadt sehr wohl fühlen, berichtete er, auch eine Wohnung hätten sie bereits gefunden.

„Wissen Sie, wie Regensburg Odessa helfen kann?“, wollte Ivan wissen. Gertrud Maltz-Schwarzfischer antwortete ihm, sie stehe in ständigem, engen Kontakt mit ihrem Amtskollegen, Oberbürgermeister Gennadyi Trukhanov, und der Stadtverwaltung. „Es ist für mich eine Herzenssache, Freunden in einer Notsituation zu helfen.“

Interview 11-Jähriger Odessa - D1 mit Schüler und Familie
Ivan und seine Familie haben bereits eine Wohnung in Regensburg gefunden und fühlen sich hier sehr wohl. © Stadt Regensburg, Anja Kink

Bereits vier 40-Tonner, beladen mit Kleidung, Essen, Medikamenten, Feuerschutzausrüstung und vielem mehr, habe die Stadt nach Odessa schicken können. Die Hilfsgüter seien dort von Hilfskräften sowie Einwohnerinnen und Einwohnern verteilt worden. Weitere Transporte würden bereits geplant. Des Weiteren arbeite Regensburg eng mit der Organisation Space-Eye zusammen, die neben der Versorgung von Odessa mit Hilfsgütern, auch bei der Ankunft von Flüchtlingen in Regensburg hilft. Space-Eye habe außerdem eine Busbrücke für die Evakuierung von besonders schutzbedürftigen Menschen aus Odessa errichtet, die nicht in der Lage seien, sich selbst zu retten.

Außerdem habe die Stadt Regensburg ein Spendenkonto eröffnet, um dringend benötigte Hilfsgüter, wie beispielsweise medizinische Produkte oder Nahrungsmittel, kaufen zu können. Benefizaktionen, an denen sich auch geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer beteiligen, trügen zur Spendenakquise bei. „Ein Beispiel: Im Mai hat die 15 Jahre junge und äußerst begabte Pianistin Sofia Mishkurova ein Konzert zusammen mit einem Choreographen und Tänzer aus Kiew im Alten Rathaus gegeben. Sie kommt wie du aus unserer ukrainischen Partnerstadt“, so die Oberbürgermeisterin.

Ivan wollte für den Bericht in seiner Schülerzeitung auch Persönliches wissen. So erfuhr er, dass Gertrud Maltz-Schwarzfischer ursprünglich Ärztin werden wollte. Aber sie liebe ihren Job als Oberbürgermeisterin heute sehr, da sie in ihrem Amt etwas bewegen könne. Auf die Frage, welches Buch sie einem 11-jährigen Jungen empfehlen würde, antwortete sie „Der Herr der Ringe“ von Tolkien. Schließlich legte sie Ivan noch ihre Lieblingsplätze in Regensburg ans Herz: Die Donau bei der Wurstkuchl, den Blick vom Turm der Dreieinigkeitskirche und den Herzogspark.

Die letzte Frage widmete der Junge dem Anker an der Donau, der als Symbol für seine Heimatstadt steht. „Ist es geplant, dass Odessa auch ein Symbol von Regensburg bekommt?“ fragte Ivan. Gertrud Maltz-Schwarzfischer berichtete ihm, dass es in Odessa einen Park geben solle, der nach Regensburg benannt wird – ein Kooperationsprojekt der Gartenämter beider Städte. Die Bank aus Regensburg, die als Symbol für die langjährige Freundschaft beider Städte steht und vor einigen Jahren ein Geschenk zum 25-jährigen Partnerschaftsjubiläum an die Stadt Odessa war, soll dann Platz in diesem Park finden und in hoffentlich bald wieder friedlichen Zeiten zum Ausruhen einladen.

Text: Emily Gingel