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Zehn Jahre ReNeNa: Ein Erfolgsmodell feiert Geburtstag

ReNeNa ist als Pilotprojet gestartet und heute ein Erfolgsmodell für die Stadt Regensburg. Seit zehn Jahren sorgen Stadtteilkümmerer und unterschiedliche Angebote dafür, dass ältere Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können.

Zehn Jahre ReNeNa - Besuchsdienst
Der ReNeNa-Besuchsdienst muntert auf und strukturiert den Alltag. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

11. November 2019

Kaum jemand, der älter wird, freut sich auf einen behaglichen Lebensabend im Pflegeheim. Selbstbestimmt und so unabhängig wie möglich in der gewohnten Umgebung zu leben, ist meist gleichzusetzen mit Lebensfreude im Alter. Das Projekt ReNeNa – Regensburgs Nette Nachbarn leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Es verknüpft Angebote, die älteren Menschen mit Unterstützungsbedarf das Leben in ihren eigenen vier Wänden ermöglichen und erleichtern sollen. 2019 kann das Netzwerk bereits auf zehn Jahre zurückblicken. Eine Erfolgsgeschichte! 

Zehn Jahre ReNeNa - Computer-Internet-Gruppe
In der Computer-Internet-Gruppe geben Ehrenamtliche ihr digitales Wissen an interessierte Senioren weiter. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Anstoß zur Gründung gab im Jahr 2009 die bundesweite Aktion „Freiwilligendienst aller Generationen“, die das Bundesministerium für Familie, Frauen, Jugend und Senioren ins Leben gerufen hatte. Auf der Basis bereits bestehender Angebote im Treffpunkt Seniorenbüro entwickelten der damalige Leiter des Seniorenamts, Herbert Lerch, und seine Mitstreiter ein Konzept, das beim Ministerium so gut ankam, dass es als eines von 42 Leuchtturmprojekten bundesweit vorgestellt wurde.

Als nach drei Jahren die staatliche Förderung auslief, war das Netzwerk bereits so gut etabliert, dass es aus der Stadtgesellschaft nicht mehr wegzudenken war. „ReNeNa ist inzwischen eine Marke in Regensburg. Von den ehemals 42 Städten, die damals die Projektmittel in Anspruch genommen hatten, sind hingegen heute nur noch ganz wenige bei der Sache“, erzählt Petra Frauenstein, die heutige Leiterin des Seniorenamts. Dass das Regensburger Projekt seinen Leuchtturmcharakter bis heute behalten hat, beweist auch die Tatsache, dass immer wieder Nachfragen von anderen Städten eingehen, die sich informieren möchten. So beispielsweise aus der schottischen Partnerstadt Aberdeen und sogar vom südkoreanischen Wohlfahrtsverband „DongbuCare“.

Stadtteilkümmerer

Auch heute wird ReNeNa vom ehrenamtlichen Engagement getragen. Und noch immer bilden die Stadtteilkümmerer die wichtigste Anlaufstelle. Zum Teil angedockt an eine Kirchengemeinde, sind sie in ihren jeweiligen Stadtteilen gut bekannt und vernetzt. So können sie selbst Freiwillige akquirieren und vermitteln. Gleichzeitig halten sie aber auch stetigen Kontakt zu allen beteiligten Organisationen, den Angeboten des Treffpunkt Seniorenbüro sowie den Fachstellen, wissen um die Bandbreite der Angebote und kümmern sich um die Anliegen älterer Menschen in ihrem „Quartier“. Und nicht zu vergessen: Sie sind niedrigschwellig und auf kurzem Weg erreichbar. Derzeit sind im Stadtgebiet zehn Stadtteilkümmerer aktiv. Noch Bedarf besteht in den Stadtteilen Burgweinting, Königswiesen, in der Konradsiedlung und am Hohen Kreuz. Benötigt werden hier „Menschen, die selbst dort wohnen. Sie sollten auch einen gewissen Bekanntheitsgrad haben“, betont Evelyne Wild, die als Abteilungsleiterin im Seniorenamt für ReNeNa zuständig ist. „In jedem Fall muss es aber jemand sein, der gerne auf Menschen zugeht und im Stadtteil gut vernetzt ist.“

Natürlich werden die Stadtteilkümmerer vom Seniorenamt unterstützt und eng begleitet. Fortbildungsveranstaltungen, ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch und direkte Ansprechpartner sind garantiert.

Kooperationspartner

Während die Anzahl der Stadtteilkümmerer sich über die Jahre hinweg nur unwesentlich verändert hat, haben die beteiligten Kooperationspartner mittlerweile deutlich zugenommen. 2009 gestartet mit nur vier Partnern, sind es heute schon 31, darunter Institutionen wie beispielsweise Kirchengemeinden und Pfarreien, die Tafel Regensburg, der Hospiz-Verein, KulTür, die Alzheimer Gesellschaft, der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund, der Regensburger Betreuungsverein sowie verschiedene Wohlfahrtsverbände.

Zehn Jahre ReNeNa - Stadtteilkümmerer Günter Edel
Stadtteilkümmerer Günter Edel und seine Kolleginnen und Kollegen kümmern sich um die Anliegen der älteren Menschen in den einzelnen Stadtbezirken. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Angebote des Treffpunkt Seniorenbüro

Sie alle dienen als Multiplikatoren im ReNeNa-Netzwerk genauso wie die unterschiedlichen Projekte des Treffpunkt Seniorenbüro, die von ehrenamtlich tätigen Seniorinnen und Senioren angeboten werden. Ältere und hilfsbedürftige Menschen, erhalten so in ihrem direkten Umfeld Rat und Hilfe. So kann beispielsweise Senioren@home dazu beitragen, dass der Kontakt zur Außenwelt via Internet aufrechterhalten werden kann. Das Angebot „Wohnen und Technik im Alter“ unterstützt und berät bei technischen Problemen, die Wohnungsanpassung hilft, wenn es darum geht, die eigenen vier Wände altersgerecht zu gestalten, der Kleinreparaturdienst kommt, wenn kleinere handwerkliche Hilfen benötigt werden, und „Papierkram na und?“ bahnt den Weg durch den bürokratischen Dschungel. Auch ein Besuchsdienst, Einkaufshilfen oder die Begleitung zu kulturellen Veranstaltungen sind im Angebot.

Weit über 350 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen in diesem Netzwerk dafür, dass ReNeNa beruhigt in sein zweites Jahrzehnt gehen kann, denn „Aufgaben gibt es für ‚Regensburgs Nette Nachbarn‘ genug“, sagt Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Ich freue mich sehr, dass das Konzept aufgegangen und zu solch einem Erfolgsmodell geworden ist. Ich gratuliere ReNeNa herzlich zum zehnten Geburtstag!“

Text: Dagmar Obermeier-Kundel