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Regensburger Modell Wohnungstausch: Pilotprojekt für altersgerechtes Wohnen

Am 29. Mai 2019 hat der Stadtrat einstimmig das Regensburger Modell Wohnungstausch (RMW) beschlossen. Bei diesem Pilotprojekt werden Seniorinnen und Senioren, die in einer zu großen, nicht altersgerechten Wohnung leben, beim Umzug in eine kleinere bedarfsgerechte Wohnung unterstützt.

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Seniorinnen und Senioren erhalten Hilfe bei der Organisation und Durchführung eines Wohnungswechsels in eine kleinere, altersgerechte Wohnung © Jozef Polc, 123RF

Im Laufe eines Lebens verändern sich die Lebens- und Familienverhältnisse und damit auch der tatsächliche Wohnbedarf. Die Kinder sind schon lange ausgezogen und die mittlerweile betagten Eltern wohnen weiterhin in einer Wohnung, die eigentlich viel zu groß für sie ist. Und gerade ältere Wohnungen entsprechen den heutigen Bedürfnissen älterer Menschen nicht mehr: Es gibt keinen Aufzug und/oder die Wohnung ist nicht barrierefrei. Auf der anderen Seite gibt es Familien, die zu dritt oder viert in einer Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnung leben.

Die Problematik

Franz und Rosmarie Singer (alle Namen von der Redaktion geändert) wohnen seit 40 Jahren in einer 90 Quadratmeter großen Vier-Zimmer-Wohnung in Kumpfmühl. Auch wenn die beiden Kinder schon lange nicht mehr bei ihnen wohnen und ein Raum so gut wie nicht mehr genutzt wird, hängen die Singers an ihrem Zuhause. Trotzdem würden sie gerne umziehen, denn Rosmarie Singer fällt es aufgrund ihrer Arthrose immer schwerer, die Treppen zu ihrer Wohnung in der 2. Etage zu steigen. Es geht zwar noch, aber auf Dauer muss eine andere Lösung gefunden werden: Eine Wohnung im Erdgeschoss oder eine mit Aufzug wären deutlich besser. Auf der anderen Seite ist Familie Gruber, die schon seit längerem nach einer größeren Wohnung sucht. Seit Lukas Gruber seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abgeschlossen hat, wohnt er mit seiner Frau in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Letzten Sommer kamen die Zwillinge Simon und Lena auf die Welt. Seitdem leben die Grubers in sehr beengten Verhältnissen.

Unterstützung durch die Stadtverwaltung: Das Regensburger Modell

Die Stadtverwaltung vermittelt keinen direkten Tausch von Wohnungen zwischen Mietern, aber sie kann mit dem Modellprojekt zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt beitragen: Wenn ältere Menschen Unterstützung dabei finden, ihre zu groß gewordene Wohnungen freizumachen, fällt ihnen dieser Schritt leichter. Größere Wohnungen gelangen dann wieder auf den freien Mietmarkt und machen es im Idealfall einfacher für Familien, etwas Passendes zu finden. Selbstverständlich wird das Regensburger Modell die Wohnungsknappheit nicht lösen können. Es stellt jedoch eine sinnvolle Ergänzung dar und ist ein kleines Mosaik zur Lösung der angespannten Wohnungssituation.

Was tut die Stadt konkret?

Seit Anfang Juni 2019 gibt es das Regensburger Modell Wohnungstausch (RMW). Es bietet Menschen ab 60 Jahren die Möglichkeit, von großen Wohnungen in kleinere, möglichst barrierefreie Wohnungen umzuziehen. Dabei werden sie sowohl finanziell als auch persönlich beim Umzug unterstützt. Franz und Rosmarie Singer aus dem genannten Beispiel könnten hierfür zunächst beim Amt für Stadtentwicklung prüfen lassen, ob sie die Voraussetzungen erfüllen für die Inanspruchnahme der Unterstützungsmöglichkeiten. Hier ein kurzer Überblick, was geprüft wird:

  • Fallen die Singers unter die Einkommensgrenze der Stufe II nach den Wohnraumförderungsbestimmungen des Freistaats Bayern? Das sind bei einem Ein-Personenhaushalt derzeit etwa 20 400 Euro und bei einem Zwei-Personenhaushalt circa 31 600 Euro Bruttorente im Jahr.
  • Leben sie seit mindestens zwei Jahren in der Wohnung?
  • Befindet sich die Wohnung im Regensburger Stadtgebiet?
  • Ist die Wohnung zur Versorgung eines Haushalts mit mindestens drei Personen geeignet, sprich, besitzt sie drei oder mehr Wohnräume mit einer Wohnfläche von mehr als 65 Quadratmetern?

Sollten die Singers alle Voraussetzungen für die Leistungen des RMW erfüllen, werden eine Umzugskostenpauschale von bis zu 3 000 Euro sowie ein Zuschuss zu den Renovierungskosten gewährt. Und damit gelangt wieder eine größere Wohnung mehr auf den Mietmarkt.

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Das Regensburger Modell Wohnungstausch unterstützt Menschen ab 60 sowohl persönlich als auch finanziell beim Umzug © luckybusiness, 123RF

Andere Modelle aus Deutschland

Um unterschiedlichen Wohnbedürfnissen in unterschiedlichen Lebensphasen gerecht zu werden, gibt es bereits seit Jahren verschiedene Projekte in Deutschland: von Wohnungstauschbörsen im Internet bis zu öffentlichen Einrichtungen. Bundesweit arbeiten 50 Genossenschaften in einem Verbund zusammen, der einen flexiblen Wohnungstausch ermöglicht. So können zum Beispiel in Berlin Mieter, die in einer Wohnung der sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften wohnen, ihre Wohnung mit der eines anderen Mieters tauschen. Die Nettokaltmieten beider Wohnungen bleiben dabei unverändert. Seit August 2018 gibt es hierfür ein eigenes Tauschportal im Internet (www.tauschwohnung.com). Darüber hinaus gibt es einzelne Wohnungsgesellschaften, die sich persönlich und finanziell an einem Umzug beteiligen, wenn Senioren von einer größeren in eine kleinere barrierefreie Wohnung umziehen.

Text: Stefan Thiel, Tatjana Setz
30. Juli 2019