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Herr Sommer hat einen Traum

Seine Leidenschaft für den Lehrerberuf kann man deutlich spüren. Dabei hatte Rupert Sommer, Musiklehrer am städtischen Von-Müller-Gymnasium, zunächst andere Pläne.

Herr Sommer hat einen Traum - Probe

Er ist ein wacher Geist, dieser Rupert Sommer, Musiklehrer am städtischen Von-Müller-Gymnasium. Wenn er mit ausladenden Bewegungen durch die Gänge des modernen Schulgebäudes in Königswiesen geht, dann kann man seine Leidenschaft für den Lehrerberuf deutlich spüren. Dabei hatte Rupert Sommer es zunächst gar nicht geplant eine pädagogische Laufbahn einzuschlagen. „Ich wusste immer, dass ich einen eher sozialen Beruf ergreifen wollte, aber auf den Beruf als Musiklehrer bin ich eher durch Zufall gekommen!“, erzählt er schmunzelnd.

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Ehrgeizige Wette

Es war nämlich tatsächlich einer Wette geschuldet, dass aus dem gebürtigen Allgäuer ein passionierter Lehrer in der Oberpfalz wurde. Nach dem Zivildienst war er zunächst für Soziale Arbeit eingeschrieben, so recht überzeugt hatte ihn das Studienfach jedoch nicht. Beim Besuch eines Freundes in Weimar kam es schließlich zu einer Wette – Rupert Sommer wollte beweisen, dass er die Aufnahmeprüfung an die dortige Musikhochschule schaffen könnte. Ein ehrgeiziges Ziel. Vor allem wenn man weiß, dass der junge Student zwar ein begabter Musiker war und schon lange Jahre im Landesjugendorchester spielte, jedoch immer mit Streichinstrumenten. Die Aufnahmeprüfung in Weimar musste er jedoch auch mit dem Klavier absolvieren – und das konnte Rupert Sommer bis dato noch nicht spielen. „Ich habe wie besessen jeden Tag um die 14 Stunden geübt und die Aufnahmeprüfung dann schließlich geschafft!“, erzählt er mit einem triumphierenden Grinsen. Nur sein Klavierprofessor sei etwas erstaunt gewesen, dass der begabte Student nur die drei Vorspielstücke aus der Aufnahmeprüfung konnte.

Unkonventionell und passioniert – so wie der Aufnahmeprüfung scheint er sich jedem Schultag zu stellen. Musikunterricht alleine reicht ihm dabei jedoch nicht. Im Nebenfach lehrt Rupert Sommer Geschichte und leitet das Streichorchester. Ein lang gehegter Traum von ihm, der schließlich vor fünf Jahren in Erfüllung ging. „Schon als Jugendlicher empfand ich besonders das gemeinschaftliche Musizieren als ungemein erfüllend. Und auch hier an unserer Schule wollen wir keine Einzelkämpfer ausbilden, sondern Teamplayer“, erklärt er. Ein gutes Team ist ihm auch im kollegialen Miteinander wichtig. „Unsere Fachschaft Musik und unser ganzes Lehrerkollegium sind für mich im Laufe der Zeit zu einer richtig guten und angstfreien Arbeitsumgebung geworden. Daher ist es für mich auch eine sehr erfüllende Aufgabe, das soziale Gefüge der Kollegenschaft zu bewahren“, sagt Sommer, der auch der Personalratsvorsitzende des Müller-Gymnasiums ist und im Volleyballteam der Lehrer spielt.

Probentage in der Schlossakademie Alteglofsheim - Video

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Die jährlichen Ensemble Probentage in der Schlossakademie Alteglofsheim sind das Herzstück der Arbeit der Fachschaft Musik am VMG. Hier können die Schülerinnen und Schüler fernab vom schulischen Alltag ganz in die Musik eintauchen und nebenbei eine Menge Spaß und Gemeinschaft erleben.

Herr Sommer hat einen Traum - Konzert

Zur Sache

Leicht war es nicht, Rupert Sommer zu diesem Portrait über sich zu überreden, denn er steht – mal abgesehen von Auftritten mit seinem Orchester – nicht gern im Rampenlicht. „Aber wenn es der Sache dient, unsere Arbeit hier am VMG etwas publik zu machen, ist es schon ok.“ Privat werkelt er – versteckt im Oberpfälzer Wald – an einer alten Hofstelle, die er zusammen mit seiner Familie in Eigenregie renoviert. Teamarbeit auch zuhause.

In seinem Garten ist dem Pädagogen beim Schneiden der Obstbäume auch bewusst geworden, dass sich während der Schulzeit vieles um die Förderung der guten Triebe dreht – wie eben auch beim Apfelbaum. Für den Lehrer ist die Erntezeit seiner Arbeit jedoch nicht das Abitur. „Ich liebe es zu sehen, wie sich die Schülerinnen und Schüler auch nach der Schulzeit entwickeln!“

Die Ehemaligen lädt Rupert Sommer jährlich zum „Café Sommer“ auf den heimischen Balkon – so erfährt er auch, dass manche Teile des Lehrplans mehr fruchten als andere. „Ein Schüler fragte mich einmal, was es denn bringe, wenn er Sonaten spielen könne auf einer Party – viel wichtiger sei es doch, auch mal populäre Stücke begleiten zu können. Das ist mit ein Grund, warum wir dem sogenannten ‚Liedbegleitspiel‘ mehr und mehr eine größere Bedeutung einräumen.“ Zuhören kann der Musiklehrer eben am Allerbesten – er verbeißt sich dabei jedoch nicht in Fehler, sondern in Verbesserungspotenziale. „Die Schule ist ein Schutzraum – Bei mir im Unterricht gibt es klare Regeln, keine Handys aber auch viel Raum zur Entwicklung, sozial wie fachlich!“

Wenn Rupert Sommer einen Wunsch für die nächsten Jahre formulieren könnte, dann wäre das nicht viel. „Ich würde gerne Instrumentalunterricht für eher exotische Instrumente wie Oboe, Fagott und Horn anbieten können. Diese Instrumente fehlen uns nämlich noch in unserem Schulorchester. Dann könnten wir Schuberts Unvollendete spielen – das wäre mein Traum!“

Text: Eva Karl-Faltermeier
9. Juli 2019