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Mit dem Rollstuhl zum Bus

Medienvertreter wagten den Selbstversuch, den Weg von Gleis 1 in die Albertstraße einmal anders zu erleben.

Barrierefreies Bahnhofsumfeld - Frank Reinel mit Medienvertretern auf Infotour im Rollstuhl

16. November 2018

Selbstversuch für Medienvertreter

Ein blinder Student und eine Studentin im Rollstuhl kommen um die Mittagszeit mit dem Zug in Regensburg an und müssen zur Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) in Prüfening gelangen. Wie stellt sich für die beiden der Weg durchs Getümmel von Gleis 1 am Hauptbahnhof bis zur Linie 1, Richtung Prüfening, in der Albertstraße dar? Welche Barrieren müssen sie überwinden, die Reisende ohne Handicap gar nicht wahrnehmen? Anfang November konnten Medienvertreter das im Selbstversuch bei einem „Perspektivwechsel“ mit dem Inklusionsbeauftragten der Stadt, Frank Reinel, erleben.

Hintergrund der „Infotour zum Mitmachen“ waren die Planungen für ein barrierefreies Bahnhofsumfeld im Zuge der Neugestaltung des Bereichs. Neben Tanja Knappe, der stellvertretenden Bezirksgruppenleiterin des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB), nahmen deshalb auch Vertreterinnen und Vertreter des städtischen Projekts „Neugestaltung Bahnhofsumfeld“ teil. Die Tour startete, ausgerüstet mit Rollstühlen für die Gruppe der „Gehbehinderten“ sowie einer Seheinschränkungsbrille und Langstock für einen Medienvertreter, der die Tour blind bewältigten wollte, im Wartebereich des Bahnhofs. „Stellen Sie sich vor, dass Sie gerade mit dem Zug aus Richtung Regenstauf angekommen sind“, gab Reinel das Szenario vor. „Nun gilt es, schnellstmöglich zur Linie 1 in der Albertstraße zu gelangen, weil Sie die wichtige Klausur an der OTH in Prüfening nicht verpassen wollen.“

Eine erste große Hürde stellte der Weg über den Bahnhofsvorplatz zum Busbahnhof Albertstraße dar. Den Rollstuhlfahrern machte das Kopfsteinpflaster zu schaffen. „Außerdem ist für einen Rollstuhlfahrer, der fremd in der Stadt ist, auch nicht einsehbar, wo es zu den Bussen geht. Auf Sitzhöhe im Rollstuhl beschränken in Stoßzeiten die vielen Menschen das Sichtfeld“, erläuterte Reinel. Aber auch der blinde Teilnehmer hatte Schwierigkeiten, den Weg zu finden, da es außerhalb des Bahnhofsgebäudes keinen speziellen Leitstreifen zu den Bussen gibt.

Barrierefreies Bahnhofsumfeld - Rollstuhl am Bussteig
Die hohe Bordsteinkante stellt für Rollstuhlfahrer ein massives Hindernis dar. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Bussteig: Hohe Kante und ziemlich schmal

Am Busbahnhof angelangt, musste sich die Gruppe den Weg durch das Getümmel bahnen und die richtige Haltestelle finden. Das war wegen der hohen Bordsteinkante und dem schmalen Bussteig gar nicht so einfach: „Gerade, wenn viel los ist, wie jetzt um die Mittagszeit, ist das für Menschen mit Behinderung eine echte Herausforderung, weil es so eng ist“, erklärte Reinel.

Am Ende der Tour, bei der Haltestelle der Linie 1 angekommen, fasste Reinel die Erfahrungen zusammen: „Die Unübersichtlichkeit sowie die Wegebeziehung vom Bahnhof zu den Bussen stellen schon für Menschen ohne Behinderung eine Herausforderung dar, für Menschen mit Behinderung machen sie das Busfahren aber sogar unattraktiv.“ Außerdem sei der  Weg so unübersichtlich und es herrsche so viel Verkehr, dass er von Menschen mit Lernbeeinträchtigung oder geistiger Behinderung, die erstmals in der Stadt sind, ohne Hilfe kaum bewältigt werden kann.
Der neue moderne ZOB für Stadt- und Regionalbusse soll übersichtlich werden und kurze Umsteigewege bieten. Zudem soll es Platz für Einrichtungen wie Toiletten oder Fahrradabstellflächen geben sowie sämtliche Vorrichtungen, die eine umfassende Barrierefreiheit gewährleisten.

Text: Kathrin Schiller