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Der Integrationsbeirat – für ein gutes Miteinander in Regensburg

In Regensburg leben seit jeher Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammen. Heute trägt der Integrationsbeirat dazu bei, dass dieses Zusammenleben gut funktioniert.

Mitglieder des Integrationsbeirats
Mitglieder des Integrationsbeirats mit Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (vordere Reihe Mitte) © Bilddokumentation Stadt Regensburg

„Wer waren die ersten Italiener in Regensburg?“ – ganz klar: die Römer! Aber auch in späteren Jahrhunderten haben die Italiener in der Donaustadt bedeutende Spuren hinterlassen. Die Schülerinnen und Schüler des konsularischen Kurses in Regensburg sind ihnen nachgegangen und haben einen Film daraus gemacht. Er zeigt: Das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen ist in unserer Stadt ein uraltes Thema. Heute – genauer gesagt seit Februar 2015 – ist der Integrationsbeirat dafür zuständig, die Interessen der Regensburgerinnen und Regensburger mit Migrationshintergrund zu vertreten und den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft zu fördern.

Der Integrationsbeirat ist nicht die erste Einrichtung dieser Art: Bereits 1993 wurde erstmals ein Ausländerbeirat gewählt, zehn Jahre später der erste Aussiedlerbeirat eingesetzt. 2014 beschloss der Stadtrat, die beiden Beiräte im Integrationsbeirat zusammenzuführen, um die Kräfte zu bündeln und effektiver arbeiten zu können. „Die Zusammensetzung des Integrationsbeirats spiegelt die Vielfalt der Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt Regensburg wider“, erklärt seine Vorsitzende Eva Filipczak. Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft sind hier ebenso vertreten wie Aussiedler und Eingebürgerte. Dazu kommen Experten und Vertreter der Stadtratsfraktionen, letztere sind allerdings nicht stimmberechtigt. Die Beiräte arbeiten ehrenamtlich und werden für sechs Jahre gewählt. Ihre Arbeit hat drei Schwerpunkte: „Zum einen vertreten wir die Bevölkerung mit Migrationshintergrund gegenüber dem Stadtrat und der Verwaltung, zum anderen organisieren wir eigene Aktivitäten. Und zum dritten vernetzen wir uns mit Migrantenvereinen, lokalen Organisationen und Fachleuten“, erläutert Filipczak. Dabei werden die Aufgaben unter den Beiräten gerecht verteilt. „Als Einzelkämpfer könnten wir niemals so viel erreichen wie im Team.“

Gut vernetzt

Erreicht hat der Integrationsbeirat in den ersten drei Jahren seiner Amtszeit schon eine ganze Menge: Er ist in zahlreichen Gremien in Regensburg und darüber hinaus vertreten, so zum Beispiel in der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer-, Migranten und Integrationsbeiräte Bayern (AGABY), im Gesundheitsforum der Gesundheitsregion Plus für Stadt und Landkreis Regensburg und im Sicherheitsbeirat der Stadt. Die Integrationsbeiräte haben einen Runden Tisch der Regensburger Migrantenorganisationen ins Leben gerufen, der zweimal im Jahr zusammentritt. Sie haben im Stadtrat angeregt, die Stadtteilbücherei Ost auszubauen, was mittlerweile – soweit möglich – umgesetzt wurde. Und auch die Einrichtung einer Antidiskriminierungsstelle bei der Stadt Regensburg geht auf eine Eingabe des Integrationsbeirats zurück – um nur einige Beispiele der zahlreichen Aktivitäten zu nennen.

Integrationsbeirat
Der Integrationsbeirat bei seiner ersten Sitzung 2015 © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Aktiv gegen Rassismus und für gesellschaftliche Vielfalt

Ein deutliches Zeichen setzt der Integrationsbeirat jedes Jahr am internationalen Tag gegen Rassismus im März mit einer Kundgebung auf dem Neupfarrplatz. 2018 stand sie unter dem Motto „Gesicht zeigen gegen Rassismus“. Dabei wurde auf der Homepage des Beirats eine Seite eingerichtet, auf der die Regensburgerinnen und Regensburger dieses Motto ganz konkret in die Tat umsetzen können. Jeder, der möchte, hat die Möglichkeit, ein Foto von sich hochzuladen und in ein, zwei Sätzen zu beschreiben, warum er sich an der Aktion beteiligt.

Eine weitere regelmäßige Veranstaltung ist die Interkulturelle Woche, die heuer unter dem Motto: „Vielfalt verbindet“ vom 24. bis 29. September stattfindet. Die bundesweite Aktion startete 1975 auf Initiative der großen christlichen Kirchen – damals noch unter dem Titel „Tag des ausländischen Mitbürgers“. Heute gibt es in der Interkulturellen Woche mehr als 5 000 Veranstaltungen in über 550 deutschen Städten und Gemeinden. In Regensburg werden die verschiedenen Aktionen vom Integrationsbeirat gebündelt und zentral beworben.

Wertschätzung als Grundlage

Im Rahmen der Interkulturellen Woche ist am 29. September auch der Film „Ratisbona made in Italy“ zu sehen, den die Schülerinnen und Schüler des konsularischen Kurses produziert haben. Die rund 25 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren und ihre Lehrerin Silvia Bertino-Trapp haben fast zwei Jahre daran gearbeitet. Sie nehmen die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine Reise von der Antike über das Mittelalter bis in die heutige Zeit. „Über den historischen Aspekt hinaus wollten wir zeigen, dass es auch heute noch viele Menschen mit italienischen Wurzeln in Regensburg gibt, und dass diese Menschen ganz unterschiedlich sind“, so Silvia Bertino-Trapp. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Gruppe der Italiener, sondern auch ganz allgemein für die Menschen mit Migrationshintergrund in Regensburg. „Der Integrationsbeirat definiert sich deshalb ausdrücklich als Beirat der Wertschätzung“, betont Eva Filipczak. Ihr großer Wunsch für die Zukunft wäre ein „Haus der Begegnung“ oder „Haus der Kulturen“, in dem Menschen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund zusammenkommen und sich kennenlernen können. Momentan erarbeitet der Integrationsbeirat gemeinsam mit den Migrantenorganisationen dazu ein Konzept.

Text: Katrin Butz
23. Juli 2018