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Fokus-Aktionsplan Inklusion: Mehr Lebenswert für Menschen mit Handicaps

31 Maßnahmen sind Inhalt des Fokus-Aktionsplans Inklusion. Durch diese soll die Stadt Regensburg inklusiver, barrierefreier und damit lebenswerter werden.

Fokus-Aktionsplan Inklusion - Flashmob Neupfarrplatz
Am 26. März fand anlässlich des zehnjährigen Bestehens der UN-Behindertenkonvention in Deutschland am Neupfarrplatz ein Flashmob statt, mit dabei: Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und der städtische Inklusionsbeauftragte Frank Reinel. © Bilddokumentation Stadt Regensburg

6. März 2019

Mit insgesamt 31 Maßnahmen soll die Stadt Regensburg einen weiteren großen Schritt dahin machen, inklusiver, barrierefreier, und damit lebenswerter für alle zu werden. Das ist Inhalt des Fokus-Aktionsplans Inklusion, den der Stadtrat im November 2018 beschlossen hatte. Der Definition nach ist ein Aktionsplan eigentlich nichts anderes, als eine Auflistung von einzelnen Maßnahmen, um ein zuvor gestecktes Ziel zu erreichen. Wenn es sich dabei allerdings um das Thema Inklusion und die Barrierefreiheit in einer historischen Stadt – ja sogar einem Weltkulturerbe handelt, dann ist das keine ganz einfache Aufgabe!

Laut neuester Statistik leben 23 900 Menschen mit einer Behinderung in Regensburg, jeder zehnte Regensburger ist sogar schwerbehindert, hat also einen Grad der Behinderung von mindestens 50. Für all diese Menschen gibt es unterschiedlichste Barrieren im täglichen Leben. Ziel des Fokus-Aktionsplans Inklusion der Stadt Regensburg ist es, eine Vielzahl dieser Hindernisse abzubauen und die Stadt für die Menschen mit Behinderung, die hier wohnen und leben, aber auch für die Vielzahl an Gästen mit den unterschiedlichsten Handicaps lebenswerter und barrierefreier zu gestalten.

Fokus-Aktionsplan Inklusion - Auftakt
Von links: Prof. Christine Dr. Süß-Gebhard, Prof. Dr. Wolfram Backert (beide OTH-Regensburg), Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer , Michael Eibl (KJF) und Frank Reinel (vorne, Inklusionsbeauftragter Stadt Regensburg) bei der Auftakt-Veranstaltung zum Fokus-Aktionsplan © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Hindernisse reduzieren oder ganz abbauen

Hintergrund der Entwicklung des Fokus-Aktionsplans Inklusion war das Projekt „Regensburg Inklusiv“, das in den Jahren 2012 bis 2016 mittels einer Kooperation der Katholischen Jugendfürsorge e. V., der Ostbayerischen Technischen Hochschule sowie der Stadt Regensburg durchgeführt wurde. Zu Beginn des Projekts stand eine Bestandserhebung, wo und in welchen Bereichen Regensburg bereits barrierefrei ist. Nach vier Jahren Arbeit und mehr als 37 Treffen von im Schnitt 100 Personen, die sich aus allen Bereichen der Gesellschaft, der Verwaltung und den Vereinen und Verbänden der Behindertenhilfe zusammensetzten, wurden bereits eine Vielzahl von Ideen und Projekten erarbeitet und umgesetzt, die Barrieren für Menschen mit Handicaps mindern oder gänzlich abschaffen. So gibt es seit dieser Zeit unter anderem eine barrierefreie Stadtführung im Programm der Regensburg Tourismus GmbH, die Regensburger Erklärung, ein lokales Bündnis für den inklusiven Arbeitsmarkt, die Gründung des Büros „Sag‘s einfach – Büro für leichte Sprache“, die Erarbeitung eines Konzepts zum inklusiven Unterricht als Fortbildung und Schulung für Lehrkräfte, an der insgesamt 147 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilnahmen, sowie die Durchführung des ersten Inklusion-Sporttages auf dem städtischen Sportgelände am Oberen Wöhrd.

Stadt soll barrierefreier, inklusiver und lebenswerter werden

Damit sollte aber noch lange nicht das Ende des Projekts und der Maßnahmen erreicht sein. Vielmehr war es Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Ende des Projektzeitraumes hin Maßnahmen und Ideen zu definieren und in einer Vorschlagsliste niederzulegen. Diese Vorschlagsliste wurde sodann als Hausaufgabenheft im Jahr 2016 an die Stadt Regensburg übergeben. Diese Maßnahmenliste wurde zum Anlass genommen, um gemeinsam mit den Menschen mit und ohne Behinderung in der Stadt Regensburg einen Fokus-Aktionsplan Inklusion zu erarbeiten, da gerade die Menschen mit Behinderung Experten in eigener Sache sind und am besten wissen, wie für sie die ideale Barrierefreiheit aussieht. In insgesamt drei Veranstaltungen wurden so 31 Maßnahmen definiert, die die Stadt Regensburg barrierefreier, inklusiver und damit noch lebenswerter machen sollen. Ziel dabei ist es, im Sinne von Artikel 1 der UN-Behinderten Konvention die gleichberechtigten Teilhabemöglichkeiten aller Menschen mit Behinderung in der Stadt Regensburg zu verbessern und das gesellschaftliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. Schwerpunkte der Maßnahmen liegen dabei in den vier Fokus-Bereichen Arbeit, Sozialraum, Bildung und Freizeit, Sport, Kunst, Kultur und Gesundheit.

Fokus-Aktionsplan Inklusion - Inklusives Tanzen
Auch beim Tanzen ist Inklusion möglich © Bilddokumentation Stadt Regensburg

Begegnungsmöglichkeiten auf Augenhöhe

Im Fokusbereich Arbeit ist es das Ziel, in der Stadt Regensburg einen inklusiven Arbeitsmarkt zu etablieren, da die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Behinderung noch um ein Vielfaches höher liegt als im Bereich der Menschen ohne Behinderung. Ansatzpunkt der Einzelmaßnahmen ist daher die Rahmenbedingungen zu verbessern, sodass auch Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt erfolgreich Fuß fassen können.

Im Fokusbereich Sozialraum sollen alle Menschen – egal ob mit oder ohne Behinderung – barrierefrei und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Es sollen Begegnungsmöglichkeiten auf Augenhöhe gestärkt und geschaffen werden, damit Vorurteile schon im Ansatz am Entstehen gehindert werden. Zudem sollen die Möglichkeiten der Digitalisierung genutzt werden, um Barrierefreiheit auch und gerade im historischen Kontext und unter Beachtung des Denkmalschutzes zu ermöglichen.

In der UN-Behindertenrechtskonvention ist unter Artikel 24 das Menschenrecht auf lebenslanges Lernen auch für Menschen mit Behinderung statuiert. Hierfür sollen mittels Einzelmaßnahmen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit neben dem Lernen in der Schule auch für alle Möglichkeiten geschaffen werden, alle Bildungsangebote der Stadt Regensburg barrierefrei zu nutzen.

Und auch der Bereich Freizeit, Kultur, Sport und Gesundheit bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich auf Augenhöhe zu begegnen und Vorurteile abzubauen. Gerade der gemeinsam ausgeübte Sport und das gemeinsame Streben nach sportlichem Erfolg bieten hierzu Möglichkeiten. Die barrierefreien Sportangebote sollen daher nach Möglichkeit ausgebaut werden und Räume für inklusive Projekte geschaffen werden.

Lebendiger Prozess wird die Stadt begleiten

Natürlich können alle diese Maßnahmen nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Vieles hat auch einen gewissen zeitlichen Vorlauf. Aber gerade bei kleineren Maßnahmen, die ohne großen Aufwand umsetzbar sind, sollte es gerade zehn Jahre nach Unterschrift der Bundesrepublik Deutschland unter die UN-Behindertenrechtskonvention das Bestreben der Stadt Regensburg sein, die Barrierefreiheit bestmöglich umzusetzen. Nicht ohne Grund ist es Ziel der Stadt Regensburg, einmal die barrierefreiste Stadt Deutschlands zu werden. Sich hier auf den Weg zu machen, ist auch ein deutliches Signal nach außen und wird regional und überregional bereits wahrgenommen.

Ein derartiger Fokus-Aktionsplan Inklusion ist aber kein statisches Objekt, das nach seiner Umsetzung die Gültigkeit verliert. Vielmehr werden sich im Lauf der Zeit neue Maßnahmen ergeben, die es umzusetzen und anzugehen gilt. Auch die Anforderungen an Barrierefreiheit werden sich im Laufe der Zeit wandeln, sodass einzelne Maßnahmen vielleicht wegfallen, abgeändert werden müssen oder neue hinzukommen. Der lebendige Prozess, eine Kommune barrierefrei zu gestalten, wird uns daher auch weiterhin begleiten.

Nur mit dem Mut, und dem Willen etwas zu verändern und die Lebensbedingungen für Menschen mit und ohne Handicap barrierefrei zu gestalten, können hier nachhaltige Veränderungen bewirkt werden. Auf diesem Weg hat die Stadt Regensburg mit dem Fokus-Aktionsplan Inklusion erste Schritte getan. Nun gilt es, hier Fahrt aufzunehmen und mit dem modernen Wandel der Zeit Schritt zu halten, sodass die Lebenswirklichkeit für Menschen mit Behinderung auch schon in naher Zukunft weitere Verbesserungen erfährt.

Text: Frank Reinel