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„Wir müssen als Arbeitgeber konkurrenzfähig bleiben“

Seit dem Jahr 2019 zahlt die Stadt Regensburg ihren Beschäftigten in Bereichen, in denen Fachkräfte knapp sind, Arbeitsmarktzulagen. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer erläutert, warum man sich dazu entschlossen hat, und was die Maßnahme gebracht hat.

Arbeitsmarktzulage - Auszubildender

26. November 2019

Frau Maltz-Schwarzfischer, im Dezember 2018 hat der Stadtrat einstimmig die Einführung von Arbeitsmarktzulagen beschlossen. Warum?

Wir haben in bestimmten Bereichen einen Fachkräftemangel, den auch die Stadt Regensburg in den vergangenen Jahren bereits zu spüren bekommen hat.
Stellenausschreibungen in den Bereichen Ingenieurwesen, Architektur, IT, aber auch Elektrik und Abwassertechnik mussten wir teilweise mehrmals ausschreiben, bis wir sie besetzen konnten. Auch bei den Verwaltungsfachangestellten gibt es einen zunehmenden Mangel: 2018 haben wir neue Planstellen für die Abteilung Ausländerangelegenheiten beim Amt für Integration und Migration ausgeschrieben. Obwohl diese Anzeigen bundesweit in acht Zeitungen und zwei Staatsanzeigern sowie auf verschiedenen Online-Portalen veröffentlicht worden sind, konnten nicht alle vorgesehenen Stellen besetzt werden. Und im Bereich der Kinderbetreuung hatten wir in den letzten Jahren eine verstärkte Fluktuation, was dazu geführt hat, dass eine erhebliche Anzahl von Stellen ständig unbesetzt war. In den Kindertagesstätten ist das für uns auch deshalb problematisch, weil die Stadt rechtlich verpflichtet ist, die Versorgung mit Kita- und Krippenplätzen zu sichern. Wenn uns das nicht gelingt, könnten Eltern gegen uns klagen.

Dazu kommt, dass wir in den kommenden Jahren verstärkt neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen. In den nächsten zehn bis zwölf Jahren wird ein Viertel unserer Beschäftigten in den Ruhestand gehen – und unsere Aufgaben werden ja nicht weniger. Die berechtigten Ansprüche an eine moderne und bürgerfreundliche Verwaltung sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Um dem auch weiterhin gerecht zu werden, brauchen wir auch in Zukunft gut qualifiziertes Personal.

Die Arbeitsmarktzulage für bestimmte Berufe in bestimmten Bereichen ist allerdings nur einer von vielen Bausteinen, um qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig für die Stadt zu gewinnen.

Welche Bausteine zur Mitarbeitergewinnung gibt es noch bei der Stadt?

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Ein wichtiger Schritt war die Ausweitung unseres Ausbildungsangebots. In den Verwaltungsberufen bilden wir heute rund dreimal so viel junge Leute aus wie früher, und wir haben auch neue Berufe in unser Angebot aufgenommen, zum Beispiel den des Elektronikers. Für Erzieherinnen und Erzieher gibt es zudem das verkürzte Ausbildungsprogramm Opti-Prax.
In Mangelberufen im IT-Bereich oder in sozialen Berufen machen wir unseren Beschäftigten auch zusätzliche Angebote, zum Beispiel für die Übernahme ins Beamtenverhältnis, wo das möglich ist, oder gezielte Weiterbildungsförderung.
Und natürlich haben wir auch viele Maßnahmen, um die Arbeitsbedingungen generell zu verbessern, wie zum Beispiel eine weitgehende Gleitzeitregelung oder umfangreiche Programme zur Fort- und Weiterbildung sowie zur Gesundheitsförderung.
Generell versuchen wir, gezielt Quereinsteiger zu gewinnen, die in verwaltungsnahen Bereichen tätig sind, oder unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch stadtinterne Fortbildungen weiter zu qualifizieren und ihnen damit auch bessere Karrierechancen zu bieten.

Arbeitsmarktzulage - Abwassertechnik

Haben diese Maßnahmen allein nicht gereicht?

In den Berufen, in denen der Fachkräftemangel am größten ist, ist es uns mit all diesen Maßnahmen tatsächlich nicht gelungen, als Arbeitsgeber konkurrenzfähig zu sein. Dafür müssen wir einfach besser bezahlen. Als Arbeitgeber im öffentlichen Dienst sind wir dabei weniger flexibel als ein privates Unternehmen, weil die Vorgaben, an die wir uns halten müssen, ziemlich strikt sind. Laut Beamtenrecht gibt es etwa die Möglichkeit, Arbeitsmarktzulagen zu zahlen, nur im IT-Bereich, und dort auch nur für neu verbeamtete Kolleginnen und Kollegen. Wir sind über diese Beschränkung im IT-Bereich auf neu eingestellte Beamtinnen und Beamte nicht glücklich, weil sie zu einem Ungleichgewicht zwischen neuem und schon vorhandenem Personal führt. Wegen der schwierigen Situation bei der Stellenbesetzung im IT-Bereich, wenden wir diese Vorschrift trotzdem an. Bei unseren nicht-verbeamteten Angestellten sind wir etwas flexibler. Rechtsgrundlage für die Arbeitsmarktzulage ist ein Beschluss des Kommunalen Arbeitgeberverbandes aus dem Jahr 2014. Wir haben die Spielräume, die er bietet, so für Regensburg genutzt, dass es sowohl für uns als Arbeitgeber als auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter günstig ist.

Wer bekommt die Arbeitsmarktzulage?

Grundsätzlich gibt es die Arbeitsmarktzulage aufgrund der Rechtslage nur für nicht-verbeamtete Angestellte. Konkret erhalten sie Beschäftigte, die im technischen Bereich in Mangelberufen arbeiten, zum Beispiel als Architekten oder Ingenieure. Außerdem Beschäftigte im IT-Bereich, in Kindertagesstätten und Heimen sowie Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in der Abteilung für Ausländerangelegenheiten beim Amt für Integration und Migration.

Wie hoch ist die Arbeitsmarktzulage?

Die Höhe der Zulage richtet sich nach dem jeweiligen Arbeitsbereich und der Qualifikation der Beschäftigten. Für Vollzeitbeschäftigte beträgt sie zwischen 250 und 400 Euro brutto im Monat, auf die Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden müssen. Teilzeitkräfte erhalten die Zulage anteilig. Insgesamt gibt die Stadt für die Arbeitsmarktzulagen rund 2,8 Millionen Euro im Jahr aus.

Bringt die Arbeitsmarktzulage die gewünschten Effekte?

Wir merken auf jeden Fall, dass wir uns leichter tun, neues Personal zu bekommen und das vorhandene zu halten. In den Kindertagesstätten und im IT-Bereich ist die Fluktuation zurückgegangen, und im Baubereich und in der Abteilung Ausländerangelegenheiten bekommen wir mehr Bewerbungen als früher, wenn wir Stellen ausschreiben.
Was uns auch auffällt: Die Angestellten in unseren Kindertagesstätten stellen deutlich weniger Anträge auf Genehmigung einer Nebentätigkeit als früher. Das spricht dafür, dass wir ihnen mit der Zulage nun ein Gehalt bieten können, von dem sie in Regensburg ohne Nebenjob leben können.

Text: Katrin Butz